Eoä Hal setzt die Oberhand, sie dreht den Ring nach Innen und ballt die Faust. „Nichts mehr, laß mich!"
Peter überlegt ein wenig, ab es nicht am sichersten wäre, der roten Masche ein Bein zu stellen, aber da ruft die Mutter, und er geht fort. Peter hat übrigens noch einen Messingknopf mit einem Adler darauf, vielleicht ist dieser Knopf nicht viel schlechter als ein Ring mit einem Steinl
In der folgenden Zeit unterzieht Peter die kleine Eva einer sehr genauen Prüfung. Er fuhrt sie über die Halde hinunter bis zum Wald. Dort ist eine Lücke im Zaun, aber hinter dem Zaun laufen zwei Wassergräben zusammen und bilden ständig eine tiefe, bläuliche Lache. Peter springt hinüber, er macht eigentlich nur einen großen Schritt. „Komm weiter!" sagt er freundlich. Eva schürzt ein wenig ihr weißes Kleid und macht auch einen großen Schritt. Im nächsten Augenblick ist nicht mehr viel von ihr zu sehen — die rote Masche und ein entsetztes Gesicht.
Später sitzen die beiden auf der sonnigen Halde — wenn Eva nicht so viel weinte, wäre sie längst trocken.
Allmählich kommt Peter zu der Ueberzeugung, daß Eva außergewöhnlich dumm ist.
„Steige einmal da auf den Rechen", sagt er und ist selbst erstaunt, daß sie nun wirklich auf den Rechen tritt — der Stiel schnellt natürlich in die Höhe und schlägt ihr eine Beule an die Stirn. Nichts kennt sie, keinen Augenblick überlegt sie, ehe sie etwas tut, und auch dann denkt sie niemals nach, sondern setzt sich nur hin und heult.
Ein Mädchen, das ist ein Mensch, der nur so aussieht wie ein richtiger Mensch.
„Franz", sagt da Eva plötzlich, „der hat ein Pferd aus Holz, auf dem man sitzen kann!"
„Franz? Wer ist Franz?"
Nein, das sagt Eva nicht, das ist ihr Geheimnis. Aber so zum Spaß trüge sie wohl nicht diesen Ring an ihrer Hand ...
Peter sagt nichts mehr. Zorn erfüllt ihn, eine seltsame Traurigkeit, bittere Unruhe.
Am folgenden Tage geht Peter in den Wald zu seinen Ameisen. Er hat ihnen eine gute Brücke gebaut und eine große tote Blindschleiche geschenkt. Ameisen sind nicht undankbar. Sie haben die ganze Blindschleiche ausgezehrt, aber die weißen Knöchelchen haben sie nicht gefressen, sie liegen noch alle da, eine lange Reihe schöner, zackiger Perlen und er reiht sie auf seinen Faden, zuerst die kleinsten, dann größere und am Ende wieder kleine. Es wird eine prächtige, schneeweiße Kette.
Oh, Eva gerät außer sich vor Freude, sie wird rot und blaß und kann es lange mcht glauben. Seht euch nur um, wer in aller Welt hat eine Kette aus echtem Schlangenbein? „Ja", sagt Peter, „sie ist nicht ganz schlecht. Du hast zwar den Ring ..."
Ach, den Ring trägt Eva gar nicht mehr, er ist vielleicht nur aus Glas und Messing, nichts Echtes. Und selbst, wenn er aus purem Golde wäre, eine tote Schlange findet sich nicht immer auf der Halde. Und tausend Ameisen müssen taufend Stunden lang, Tag und Nacht daran nagen, es sind viele Perlen, viermal zehn und noch einige. Was aber das Pferd betrifft, so ist es eben von Holz. Peter jedoch reitet auf der Stute von der Mühle bis zum Haus.
Ja, Peter ist ein großer Mann, reich, Herr über alle Tiere und Pflanzen auf der ganzen Halde. Und auch er hat ein Herz, und Eva weiß recht gut, wohin sie zielen muß.
Der Herbst kommt schnell, und nun muß Eva abreisen. Peter hat ihr nicht viel zu sagen, aber am Tage vorher trägt er zwei Schafe über den Vach und treibt sie weit in den Wald hinein. Ja, und diese beiden Schafe fehlen also am anderen Morgen. Peter muß sogleich gehen und nach ihnen suchen, da hilft nun nichts.
Er bleibt lange aus, und dann hat er zwar die beiden Tiere gefunden, aber der Dater ist inzwischen weggefahren mit Eva und deren Mutter. Schade, ja, allein Peter hat eben nicht früher kommen können.
Später geht er auf die Tenne und schaut in seine Truhe. Nichts, nein. Berlassen, allein!
Traurig ist das Leben ...
Erst ein paar Tage später kommt er zufällig in den Wald, und da findet er doch etwas auf seinem Ameisenbau, es liegt ganz oben und glänzt: Ein Ring mit einem blutroten Stein.
Das Rätsel der Wettraumstrahlung.
Von Bruno H. B ä r g e l.
Der Mensch lebt inmitten eines wahren Ozeans von Strahlen aller Art, er ist einem ständigen Bombardement von Kräften ausgesetzt, die aus dem Himmelsraum und aus dem Erdinnern zu ihm bringen, teils 'hn durchschlagen wie Geschosse, teils nur in die Haut gelangen und da abgebremst werden, teils von dieser Haut zurückgeworfen werden wie Lichtstrahlen von einem Spiegel. Eine ganze Skala von Strahlen wirft die Sonne auf uns, wir gingen zugrunde, wenn wir sie nicht bekämen, und wir sind ordentlich stolz darauf, wenn sie uns nach einer Reise an bte See, ins Hochgebirge, nach Wochen im Paddelboot braun gebrannt haben. Immer mehr erkennen wir, daß auch das Wetter und andere Erscheinungen auf unserer Erde beeinflußt werden durch Strahlen und sehr winzige Teilchen, die die Sonne aussendet und die bis zu uns qe- langen Mancherlei auf diesem Gebiet ist noch unerforscht, aber auf alle Falle ist die Sonne der größte Energiestrahler in der Nachbarschaft der Erde; sie arbeitet mit 265 Billionen Pferdekräften, man müßte jährlich «ne Steinkohlenmenge vom sechzigfachen Gewicht des Erdenkörpers in otefen Glutball hineinschütten, wollte man die von ihm verausgabte Energie ersetzen. a
Eine der rätselhaftesten und interessantesten Erscheinungen aber haben wir m der Höhenstrahlung vor uns, um deren Erforschung sich
Verantwortlich: Dr. Fr. W. Lange. — Druck und Verla
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eben setzt die Physiker In allen Landern besonders bemühen. Die kostspieligen Straiosphären-Aufstiege mächtiger Freiballons dienen ja vor allem diesem Zweck, dem man in Deutschland mit anderen, einfacheren Mitteln nahezukommen sucht, indem man z. B. kleine unbemannte Piloi- ballons, die nur Instrumente mit sich führen, in große Höhen empor« schickt. Wegener in Stuttgart gelang es auf diese Weise schon im Jahre 1932, Registrierungen aus 25 Kilometer Höhe zu erhalten, einer Erdferne, die bemannte Ballons wahrscheinlich nie erreichen werden, und in der bei ewiger Klarheit (Wolken kommen in diesen Höhen nicft mehr vor!) 50 Grad Kälte herrscht. Man ist dabei, Pilotballons au« bestem Gummi zu konstruieren, Instrumente aus leichtestem Material zu bauen, um bis in Höhen von über 30 Kilometer gelangen zu können. Naturgemäß machen Freiballonfahrten, wie sie Piccard und feine Nachfolger ausführten, in unserer Zeit der Sportbegeisterung mehr Aufsehen als solche stillen wissenschaftlichen Arbeiten, aber daraus fommt es selbstverständlich nicht an.
Es liegt noch immer ein großes Geheimnis um diese Höhenstrahlung. Kohlhörster in Potsdam, Stege n«r und andere deutsche Forscher
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.Ohne Zweifel sehen wir bisher nur das grob Aeußerliche der Sache.
Mit Recht haben Biologen die Frage aufgeworfen, ob diese mächtige In-f, durchdringende Strahlung nicht auch irgendwie auf das Leben ein- Site,, wirke. Wir wissen noch gar nicht, ob Menschen, die sich in der Strato- ktnni sphäre längere Zeit diesem Geschoßhagel aussetzen, das ungestraft tun >i| ,uf] können. Eben fängt man an, Experimente mit Insekten zu machen, auj die man Höhenstrahlen einwirken läßt. Professor C o s y n s soll bei
Das erinnert an einen interessanten Gelehrtenstreit, der vor einigen Jahrzehnten die Gemüter bewegte. Es wurde damals die Frag« auf» geworfen, ob nicht Lebenskeime von der Erde fort in den Weltenraun» gelangen könnten und auch (andere bewohnbare Himmelskörper int Universum vorausgesetzt) von andern Sternen zu uns bringen. Die Borstellung erscheint zunächst phantastisch, dennoch haben sie sehr ernst zu. nehmende Leute erwogen; ich erinnere nur an so bekannte Namen wir Sir William Thomson, Spante Arrhenius, die den zuerst von dem deutschen Arzt H. E. Richter geäußerten Gedanken aufgriffen. Durch den „Strahlungsdruck", den das Sonnenlicht erzeugt, können Bakterien sehr wohl in den Weltenraum hinausgetrieben werden. Die außerordentliche Lebenskraft solcher Keime würde sie befähigen, die Reise bis zu anderen Sternen zu überdauern. Arrhenius berechnet, daß, auf diese Weise Keime in etwa 20 Tagen vom Mars bis zu uns oder von uns bis zu diesem Nachbarplaneten gelangen könnten. Damals wußte man noch nichts von der Weltraumstrahlung, jenem Geschoßhagel, der vielleicht alles Leben, das ihm längere Zeit ausgesetzt ist, vernichtet. Jenseits der dichten Luftschichten unserer Erde ist jene Strahlung bereits löOmal kräftiger als hier unten bei uns.
Man hat die Frage aufgeworfen, ob die Weltraumstrahlung, oder „Ultrastrahlung", wie sie die deutschen Forscher in letzter Zeit nennen, nicht von fernen Fixstern-Sonnen besonderer Art ausgeht, von „jugendlichen" Sonnen, die besonders starke Strahler sind, während unsere eigene Sonne in der Entwicklungsreihe der Welten bereits eine höhere Altersstufe darstellt. Es gibt Physiker von Rus, die der Meinung sind, daß wir in diesen Strahlung?Vorgängen letzte und tiefste Zusammenhänge im Weltgeschehen erblicken müssen. Die astronomischen Forschungen, und die der Physiker berühren sich da. Es scheint, als ob in den Sternen, in den Milliarden riesigen Strahlern, die das Weltall erfüllen, der Stoff, die Materie vernichtet wird! sie verwandelt sich dort in „Strahlung". Muß sich nicht irgendwo und irgendwie die Strahlung im freien „leeren" Weltenraum wieder in Materie, in Atome zurückverwandeln, um den Bestand der Welt zu garantieren? Es könnte sein, daß wir in der Ultrastrahlung solche Prozesse oder ihre Folgen vor uns haben.
: Brühlsche Universitätsbruckerei, R. Lange, Gießen.
bemühen sich seit vielen Jahren, die Probleme zu klären. Sicher ist es, daß die Strahlen aus dem Weltenraum zu uns bringen und daß es sich um ganz enorme Energien handelt, aber alles andere ist noch im Dunkel. Nach Siegener sind es Energien von 2Vs Billionen Pferde- kräften, die die Oberfläche unseres Planeten erreichen. Diese Geschofft aus der Unendlichkeit des Sternenraumes durchdringen noch Stahl- maffen von 120 Meter Dicke, durchschlagen einen Kilometer Wasser. Unsere Lufthülle schützt uns vor der Strahlung, wie ein Mantel gegen Hagel schützt, aber je höher man emporsteigt (deshalb eben die Ballon- aufftiege), je stärker, je zahlreicher werben diese merkwürdigen Geschosse.
Daß eine solche unsichtbare Winzigkeit riesige Stahl- und Bleimassen, durchschlagen kann, die kein Artilleriegeschoß mehr zerstören könnte, will dem Nichtfachmann nicht recht in den Sinn, und doch ist kein Zweifel an dieser Tatsache erlaubt. Russische Forscher haben einmal gegen 30 000 Kilogramm Blei zufammengebracht und daraus einen mächtigen „Schirm" fabriziert, der die Instrumente umgab, die zum Nachweis der Weltraumstrahlung dienen sollten. Dennoch genügte er nicht! Die Strahlung durchschlug ihn. Auch dieses Experiment ist in Deutschland, vor allem von Professor Regener, in einfacherer und billigerer Weise wiederholt wovden. Er benutzte Wasser als Mantel, und zwar den Bodensee, der an manchen Stellen 250 Meter tief ist. Kohlhörster dagegen operierte in tiefen Bergwerken unter bei Erde und im mächtigen Eis des Jungfrau-Gletschers.. Es gilt bei all solchen Versuchen auch noch sich von andern Strahlen, die aus dem Erdinnern kommen und die Instrumente beeinflussen, frei zu machen; viel Geist und Erfindungsgabe muß aufgeroenM werden, um alle Erscheinungen zu erfassen, dennoch handelt es sich itn Grunde um eine noch rätselhafte Angelegenheit. Sicher ist nur eines: Die Strahlung kommt aus den fernsten Tiefen des Weltenraumes, auch unsere eigene Sonne kann dabei nur eine geringe Rolle spielen. Fernere , Gestirne sind die Sendequellen. •


