Ausgabe 
27.11.1939
 
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SiehenerZamilieMätter

Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger

Jahrgang |939

Montag, den 27. November

Nummer 92

Mein Fräulein, darf ich Ihnen n Hanse zubegleiten? Ich sehe ihn

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Feiglinge. Ich gehe

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iatron.' Sie ist dann nie wieder ausgegangen. Und jetzt auf einmal in w verliebt sie sich wie toll in einen armseligen Doktor Kott weiß, ob er >e'w überhaupt einer ist, sie hat alle Liebkosungen und Küsse nur für ihn

stiegen mit heiteren Liedern is Herzenslust in einer Hecke,

zum Himmel auf.

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Es war ein schöner, warmer, sonnenerfüllter Mai, der beide schmei­chelnd durchdrang. Die Blumen lachten sie an und schienen ihnen leuch­tender als je; ihre eigenen Stimmen erklangen ihnen wie Engelsgesang. Margarete fand Paul stark und schön, aber sie verriet es ihm nicht;

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und läßt ihre alte Mutter ganz allein in ihrem Loche wie einen räu­digen Hund."

Die Hochzeitsreise

Roman von Charles de Coster Deutsche Übertragung von Arthur Seiffhart 5. Fortsetzung.

3a, damit er mich beerbt", erwiderte Roosje.Du liebst mich auch nicht, sonst würdest du ihn nicht verteidigen."

Baesin", sagte Siska verärgert,dann müssen Sie sich ein anderes Rädchen suchen; und ich habe doch immer alles für Sie getan, was ich konnte, dabei habe ich hier Arbeit für sechs."

Da schwieg Roosje. Siska war ein billiges Mädchen: zehn Franken im Monat; und sie war keine starke Esserin und sehr treu.

2.

Karn Margarete zu Paul, so geschah es nicht schleppend und ge­zwungen, wie kalte Frauen es tun. Sie glitt nicht matt und ruhig an seine Seite wie ein kühler Schatten, wie eine Frau aus Holz, die mehr mit ihrer Kleidung beschäftigt ist als mit dem Glücke, das sie ihrem Freunde barbieten kann. Die Worte tarnen ihr nicht klar, langsam, korrekt und ruhig wie bei jemandem, der Seelenruhe und kaltblütige Haltung der Ueberlegenheit besitzt. Ihre Liebkosungen waren weder be­rechnet, noch die Zahl ihrer Küsse abgemessen. Nein, sie war lebhaft, unbesonnen, ftöhlich »der traurig, gut oder böse, launisch oder ergeben,

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grünen, grauglänzenden Blättern; Sonne, Nacht und Sterne alle schienen sie zu lieben; wie sie sich selbst liebten; sie fühlten sich wie von einem warmen, zarten Schleier umgeben.

Sie waren glücklich! Das Uebermaß ihres Glückes ließ sie nichts von den Außendingen dieser Welt verlangen, über die sich für sie jener leuchtende Nebel breitete, in den unsere Augen alle Gegenstände hüllen, wenn die Liebe das Blut in den Adern sieden läßt, den Blick verwirrt und alles in der Natur seltsam verändert.

3.

Sie gingen in der Nähe von Ruysbrock über die Felder und blieben stehen.

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unbesonnen, ftöhlich ober traurig, gut oder böse, launisch oder ergeben, ganz nach dem stärkeren oder matteren Schlagen ihres Herzens, ob sie ich mehr oder minder glücklich fühlte, oder ob sie gerührt ober unendlich traurig war, weil ein leichter Hauch die heitere Oberfläche ihres Glückes getrübt hatte.

Paul liebte sie innig, aber fein Herz war in Trauer. Perlte nicht eine flüchtige Träne an den Wimpern dieses Mannes, der nur ein

Der Himmel zeigte am Horizont ein warmes Blaßblau wie an den Tagen großer Hitze. Weiße Wolken schwebten wie himmlische Spazier- ganger leicht darüber hin, zogen manchmal zwischen Himmel und Erde vorbei und warfen flüchtige Schatten auf den Erdboden.

Die Landschaft bot einen heiteren Anblick. Zwischen Weg und Wiese floß em nicht sehr tiefer Bach mit klarem Wasser, das einer guten Quelle zu entspringen schien, munter plätschernd dahin. Dahinter sah man einen mit alten Buchen bestandenen Abhang; weiter im Hinter­grund das Grün von Ulmen, die viele durch Hecken, Gräben und Bäche umgrenzte Wiesen umrahmten.

Am Horizont dichte Baumbestände, eine lange Kette bewaldeter Hügel und em hübsches gotisches Schloß mit feingegliedertem Türmchen, bas alle Fenster dem Lichte öffnete. Spatzen zwitscherten fröhlich in den Baumen; die Lerchen fliegen mit heiteren Liedern zum Himmel auf, eine Grasmücke fang aus Herzenslust in einer Hecke, und selbst das ge­heimnisvolle Volk der Infekten schien in diesem Liebesmonat ein be­wegtes Leben zu führen. Schmetterlinge verfolgten sich und taumelten in launischen Kreisen durch die Luft; der Ruf des Kuckucks schien weniger traurig als sonst zu klingen. Aus der fetten Wiese grasten mit Wohl­behagen, glücklich und still, Ochsen und Kühe. Weit hinten auf einem Acker leuchteten wie große Mohnblumen die roten Blusen arbeitender Bauern; die Sonnenstrahlen brachen sich in tausend flimmernden Fun­ken in den klaren Wellen des Baches. Kleine graue Fische durcheilten Zuckend das Wasser, und wie Stahlperlen flitzten kleine Fliegen hinter­einander her und zeichneten Halbkreise auf die Wasserfläche. Muntere Libellen jagten ihre Beute, emsige Bienen sammelten Honig von den Blumen am Bachrande. Und alle, Menschen, Ochsen und Kühe, Insekten und Fische, Vögel und Blumen, Bäume und Wiesen, Himmel und Sonne, waren in ihrer Ruhe und sorglosen Art bewundernswert. Das Leben, aus Licht, Wärme, Liebe und Freude geschaffen, zeigte sich in diesen Wesen und Dingen so herrlich stark und eindrucksvoll, daß Grietje stehenblieb und mit fast feierlicher Stimme rief:Mein Gott! Wie schön ist das alles!"

Warum faltest du die Hände?" fragte Paul.

Weil ich Lust habe, zu beten. Wir sind nicht allein, in der Luft ist jemand, den ich nicht sehe; aber ich weiß, er ist gut und vermag alles. Der liebe Gott!" Sie wurde blaß, als ob sie Furcht anwandelte. Aber er würde recht böse werden, wenn du mich nicht immer liebtest."

Am andern Morgen ordnete sie vor dem Spiegel ihr Haar. Sie fand sich schön und sagte: ,Zch sollte eigentlich ein Bild von mir machen

Da im Spiegel ist es ja schon", meinte Paul und betrachtete sie verliebt.Hast du denn gut geschlafen, großer Faulpelz?"

Nein!"

Und mit einem liebevollen, streichelnden und dankbaren Lächeln, das die Frauen für den Mann haben, der sie glücklich macht, sprang sie mit einem Satz vom Spiegel zu ihm hin und küßte chn. Dann ging sie kokett, beinahe geziert, wieder zum Spiegel und beendete chre Tätigkeit.

Und ihr verwirrtes Haar glänzte wieder und lockte sich unter dem Kamm von selbst.

Roos,e fuhr fort: ,Ia, was ist denn passiert, mein Lämmchen', fragte ich. .Ach, da waren drei Kerle auf der Straße, drei Wirtshauskavaliere, keine richtigen Herren Stromer, wie sie in der Stadt sagen, und einer, mit krummen Beinen wie eine Zange, kommt auf mich zu und sagt: meinen Arm anbieten, um Sie nach . . _ _ ,-i an und antworte nicht, worauf er

etwas zurückwich, weil er wohl sah, wie wütend ich war. Wie ich mitten durch die drei hindurchgehen will, versperren sie mir den Weg. Da nehme ich meinen Schlüssel aus der Tasche, sehe sie scharf an und halte ihnen den Schlüssel unter die Nase: Dem Ersten, der sich rührt, schlage ich die Zähne «in!" Ich glaube, ich war furchtbar wütend, als ich diese m Dichter sah, diese Kerls, die mich mit Schmutz bewerfen ließen mich weitergehen und lachten dabei wie richtige gehe abends nicht inehr aus, Mama, ich bin ganz krank

u13 Jt; ihre eigenen Stimmen erklangen ihnen wie Engelsgesang, -.argarete fand Paul stark und schön, aber sie verriet es ihm nicht; Paul ging manchmal hinter ihr her, um sie still zu bewundern: ihre »alle Gestalt, das braune, im Licht rötlich schimmernde Haar, die sonnen- Qrbräunte Haut, den runden, festen Nacken, die etwas breiten Schul­en und die kleinen HänHe und Füße. Und liebestrunken sagte er ihr 'äse süße Worte. ,

Sie liebten sich; erste Empfindungen der Lust, keiner anderen gleich; Je gelöschter Durst, Kräfte, die unaufhörlich, immerfort lieben wollen; Sehnsucht, Zukunftspläne, reizende Nichtiakeiten, die ins Oehr geflüstert »erden wie wichtige Dinge; geheimnisvolle Verschwörungen nut dem 8'el, eine Liebkosung mehr zu empfangen oder zu geben; ein Leben w närrischer Trunkenheit. .. , ...

. Die Kastanien blühten; der Jasmin, den sie um große Strauße plun- °«ten, das zarte Grün der Ulmen, die Weißbuchen mtt ihren seiürg-

Nun war an Siska die Reihe zu reden:Baesin", sagte sie,machen wir es nicht alle so? Als ich meinem Schatze begegnete der arme Mann, Gott sei seiner Seele gnädig und sah, daß er mir gefiel, glauben öie vielleicht, daß ich ihn deshalb zweimal anschauen mußte? Einen Monat später hat er mich geheiratet. Und ich war so stolz und glücklich, daß ich an nichts anderes mehr dachte, ausgenommen meine Arbeit. Und wenn ich mit den andern Mädchen nach Hause ging, fang ich unser Freiheitslied und rief allen Leuten zu: .Morgen bin ich grau'! Die Leute lachten über mich, aber ich lachte bei dem Gedanken, morgen Frau zu fein, noch mehr als sie. Das war eine schöne Hochzeit: es wurden Lieder gesungen, und ich bekam schönes Porzellangeschirr, Töpfe, >n Teller, beinahe eine ganze Wirtschaft; aber die Bettücher und Hand- " stich er hatte ich gekauft. Und mein Mann war so stolz, und wenn mir jemand gesagt hätte, ich solle an meine Mutter und meine kleine Schwe­ster denken, da hätte ich erklärt: .Das kann ich nicht!' Die beiden sind noch nicht einmal sechs Wochen zusammen, lassen Sie sie doch noch ein wenig allein zu zweien. Er ist gut, das kann ich sicher sagen, weil ich Zeugin war, wie er sie gerettet und Ihre zehntausend Franken zu- rückgewiesen hat."

Die ersten Maientage schmückten die Wiesen mit Blumen. Pauls hei >md Margaretes Hochzeitsreise ging nicht nach London, Paris oder jjjtr Bien. Sie verbargen sich in einem reizenden Nest auf dem Lande bei Vccle.