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27.10.1939
 
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Verantwortlich: vr. Fr. W. Lang e.

Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, Gießeo.

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3nt Reich -er alten Libyer.

Bon vr. Leonore Kühn.

Das Atiasgebirge Nordafrikas ruft schon mit seinem Namen di« Er. innerung an uralte Mythen wach an den Riesen Atlas, der den Himmel mit seinen Schultern stützt und, nach der griechischen Saqe, ein- E von H-rkules abgelolt wurde als er die Aepfel derHesperiden", das hecht derWestlichen", derAtlastöchter", ihm beschaffen mußte welche ewige Jugend verleihen, wie die Aepfel der Jdun in der Nord- rnytye.

Hf. 9*' ^as ganze Gebiet dieser Gebirgszüge erfüllt von

^testen Traditionen, die noch zum Teil erstaunlich lebendig weiterleben, sogenannte Teilatlas (Hügelatlas) und der Hohe Atlas die afrikanischen Gebiete nach dem Atlantischen Ozean zu und in Ma- rok ° durchziehen, ist der Sahara-Atlas mit seinem Hauptteil in Süd- ,8,e,r. gelegen, es ist das Gebirge, das die gleichnamige Wüste von dem Kustenieil des Landes abriegelt; nur einzelne Ausläufer gehen noch bis Tunis. Der höchste und schonst« Teil des Sahara-Atlas das Auresgebirge mit stattlichen Bergen von etwa 2300 Meier Höhe zum Xetl waldreich, zum Teil mit schon wüstenhaft-nackten Felsrücken hat besonders viel uraltes Blut und Kulturgut festgehalten. Denn der Aures her «pbrherbev^afbl)h? 'm Rmdalgiercin sogenanntesRückzugsgebiet" mnr^r?errr^(; " Nachkommen der alten Libyer betrachtet werden. Einstmals stießen diese Stamme sogar bis weit nach Osten vor, bis nach Aegypten dessen frühe Herrscher auch libysches Blut haben. Auch jener ßonlg Sesenk oder Schischonk der 21. Dynastie, dessen Grab kürAich bei Tanis in Aegypten aufgedeckt wurde, war ein Tahennu, ein Tuimah oder t dws° libyschen Eindringlinge von den Aegyptern genannt wurden. Tamahu ober auch Tahennu diese Namen, die man ihnen hk BarVnm^h überlieferten Beschreibungen bei antiken Autoren und hnrnnf M vlten Libyer auf ägyptischen Wandmalereien weisen r^tin ?n' baß sie zedensalls große Leute mit rötlichem Haar und relativ Heller Hautfarbe waren. Sie kamen von Westen (Kanaren) oder Nordwesten, spatere Elemente wohl auch noch von Norden wenn sie rai^e aemilck,? Ä be( »'erlicheren schwarzhaarigen Mittelmeer, raffe gemischt haben müssen und auch mit anderendunklen" Elementen Die Libyer waren also schon eine Mischrasse. n

Heute trifft man im Auresgebirge zwar noch viele blonde Berber" oder ledenwlls Menschen, die schon äußerlich weder einen mittel«

rneerischen noch einen negerischen oder irgendwie orientalischen Cindnnl machen, im Gegensatz zu den dortigen Arabern. Aber die Wellen non«.l discher Araberstämme find schon seit dem 7. Jahrhundert n. Ehr |a häufig und so nachdrücklich über das ganze Verbergebiet gegangen M man schon achtgeben muß, um unter der arabischen Hülle auch i £ der Sprache noch jenealten Libyer" zu erkennen, die einst unter den verschiedensten Namen das ganze Land bewohnten und beherrschte, wie auch dielydischen Amazonen" der Antike. Es sind jene Völker de, nordafrikanischen Raumes, von denen die Schriftsteller der Griechen und Römer und die Geschichte Aegyptens uns immer wieder berichten ob sie nun Maxyes oder Mazyes, Mashuash, Mazilken oder Jther-Melen (Adyrmachigen) jeweils benannt wurden oder sich auch selber so nannt-ir Die heutigen Berber, sofern sie noch stammesbewußt sind, nennen sich <n Nordafrika noch selberAmazigh" (nach Fr. Stuhlmanns Jestsi-bi lung) und ebenso ihren eigentümlichen Berberdialekt Tamazighi ein Sprache, die im Auresgebirge besonders lebendig ist. Das gemahnt alles noch an die altagyptischen Tamahu und die späteren Maziken oder Mazyer. Das Berberische ist, nach Sprache, Nam' und Art dem Libm schon verwandt. *

gangenheit mit der fernsten Zukunft zu verbinden trachtet, und zwischen den Wünschen und Entwürfen eines Kriegsführers, dem nur die Gegen­wart gehört und der sich in derselben geltend machen will und muß, ein natürlicher Widerstreit besteht". Auf Ranke fußend, faßte Heinrich von S r b i k in neuerer Zeit seine Anschauung in dem Satz zusammen: Wallenstein war letzten Endes der Kaiser-Idee erlegen". Weil er, nur General und nicht Kriegsherr, sich gegen die Erb-Monarchie und gegen die herrschende Tendenz feines Zeitalters, den konfessionellen Gedanken, erhoben habe, sei er gefallen.

Aber auch in unseren Tagen ist das Problem Wallenstein noch nicht zur Ruhe gekommen, und es scheint, daß unter der umbrechenden Ge- wält der Volksdeutschen Geschichtsauffassung endlich die letzten Schleier fallen. Gerade im Falle Wallenstein dürste es für uns Heutige nicht nur fruchtbar, sondern geradezu geboten sein, hier mehr von den Ideen und Absichten als von den vielen zufälligen Tatsachen und Begebenheiten zugehen. Philipp Hiltebrandt ist nun in seinem 1937 erschien

Noch eine andere afrikanische Eigentümlichkeit hat sich in der Dm. weise der heutigen Berverdörfer erhalten, die sich an den Steilabhänem ver schönen Beratäler des Aures als braune Terrassendörfer hinziehen. Diese Berberhäuser stecken nämlich oft noch halb in der Erde, d.h i, sind in den Abhang hineingebaut oder doch so, daß das flache erdbede»« Dach des tieferliegenden Hauses die Plattform für das höhergeleqm bildet. Nun erzählen aber die antiken Schriftsteller von den Bewohnerin Nardafrikas als van Trvglodyten, d. h. Höhlenbewohner. Bewohai, Hohlen gibt es aber in einzelnen Teilen des Aures noch heute, die in I der Felsenschlucht des Maafatals so gut wie im Abdital ober hoch oben i an Öen Hängen des Dschebel Sabet el Kebir als dunkle Löcher Berat, bucken. Und diese Höblen werden im Aures Afri genannt, was naM einigen Forschern der Ursprung des Namens Afrika ist.

... Die Römer deren Spuren Überall im Aures noch sichtbar M tonnten fefjrtDobl diesLand der Afri" als Terra africa benannt haben. Die Mehrzahl vonafri" heißt nunifri" eine feit ältester ZE nachweisbare Eigentümlichkeit des Vokalwechsels in der Verben.

,byersprache;Ifrikia" ist uns aber als Bezeichnung der ganzen norfo i afrikanischen Gegend nach der Kleinen Syrte zu ausdrücklich begeurt Und eigentlich sind auch die Berberhäuser nur ebengebaute" und finn-l reich ausgebaute Höhlen, deren Rauchfang oft plötzlich aus der Eck! rn^i und wo her Binnenhof eines Gehöftes als ein großes viereckiges

^ver Terrasse sich auftut, so daß man von oben herein schau: I Zierliche Fenster von hochaltertümlicher Dreiecksform und allerhan) dekorativer Schmuck aus Stein- oder Lehmziegelplatten haben sich all- wahlich an diesem ganz schlichten Haustyp aus Bruchstein, Lehm uif) Holz (im Innern) ausgebildet.

Wunderschöner Baumwuchs, Zedern, die malerischen Aleppokiefer» Steineichen und Eschen, aber auch viel struppiger Wacholder und wilde Zypressenarten betteiben die Berge in der nördlicheren Hälfte des Stures

J"? Süden, schon mitten im Gebirge, an rötlichen Felsen hohi schlanke Palmen, Oleander, Opuntien und andere Gewächse südlicher An auftauchen. Am, Talboden längs der Flußläufe ziehen sich, stundenlang herrliche Obstgarten mit Aprikosen, Quitten, Kirschen, Aepfeln unä i flaumen hin, dazu Felder und saftig grüne Wiesen, während oben im der Sonnenglut der nackte Fels brennt.

r. Die arabifierten Berber ober die berberifierten Araber seßhafter sind fleißige Bauern und Gartenbauer. Die Wasserwirtschaft der Slrabec in den Oasengegenden ist als sorgfältig und kunstreich berühmt. Ist doch, ohne dieses Lebenselement dort nichts auszurichten. Auch Hirten sind di« Bewohner des Aures wonach sich die Berber selber dort alsSchauija' (Hirten) bezeichnen. Auf den einsamen großen Hochflächen des Aures begegnet man oft diesen Rinder- und Schafherden, in 1000 bis 1400' JJieter Hohe. Sorgfältig werden sie auf die jeweils beste Weide, oft recht weit vom Heimatdorf, geführt; sogar Sommerquartiere in Zelten und Hutten werden dort errichtet.

Auf Abgängen und Bergplateaus aber ragen, als Zeugen einstiger beroerlscher Kultur, noch die Trümmer großer Megalithbauten auf Stelnkreise, Dolmengraber, tempelartige Anlagen oder vielmehr sie liegen leider jetzt wirr verstreut und zerstört am Boden als Opfer der menschlichen Achtlosigkeit wie auch des menschlichen Fleißes, dem die riesigen Steine bet her Feldarbeit im Wege sind. Bisweilen nur findet man noch auf diesen Steinblöcken die geheimnisvollen Zeichen einer uralten Sprache der Tifinagh-Sprache Zeichen, die zum Teil an di« Nüven des Nordens erinnern und heute in Afrika fast nur noch well luöltmer schon mitten in der Wüste verstanden werden, bei dem Stamm , .kx05, uvh Zwar alsFrauensprache" offenbar ein Rest der lybifch-amazonifchen Kultur, die noch Herodot erlebte und die noch im Tlures weiterlebt, wenn auch inzeitgemäßem Gewände". Tieffinnige Baturmythen, von Märchen und Sage uns übermittelt (besonders bei hen nördlichen Kabylen) und auf den riefigen Felsbildern des Atlas- gebirges festgehalten, sind im Berbervolk erhalten geblieben, wie der Er« forscher altromischer Geschichte, Mommsen, über Nordafrika gesagt hat: Die zivilisierten Fremdherrschaften wechselten, die Berber blieben, wie öie SSalme in der Oase und der Sand in der Wüste." Die alte Welt der Blonden Libyer", derGroßen", derRoten", mehr als einmal der Schrecken des Ostens, schimmert noch heute durch diese großartige Ge­birgslandschaft desschwarzen Erdteils" Afrika. Wichtige Kulturströme haben sich in grauer Vorzeit nach Europa und ebenso nach Nordafrika vom Nordweften her ergossen; unzählige Einströmungen in historischer Zeit kamen vom Osten dorthin, vor allem mit den Arabern, die seit über taufend Jahren das äußere Gesicht Nordafrikas veränderten. Aber noch immer, nach Art, Kultur und Sprache, läßt das Berbervolk die uralte Verwandtschaft zum Norden aufklingen, die sie deutlich von der Geiftes- welt des Orients und des fanatischen Islams scheidet.

Augehen. Philipp Hiltebrandt ist nun in seinem 1937 erschienenen WerteIdeen und Mächte" in diese innerste Zone des Gefchichtlichen vorgestoßen. Er hat uns damit ein sozusagen modernes Bild des großen Mannes geschaffen und durch Frische der Anschauung, glückliche Stoff« konzentration und Klarheit der Form neue Horizonte vermittelt. Aus seiner zusammenfassenden Würdigung sei abschließend eine besonders markante Stelle herausgehoben.Nach vielen anderen .... war auch Wallenstein einem Fanatiker der katholischen Gegenreformation zum Opfer gefallen. Etwa zwei Jahrhunderte später hat Fürst Schwarzenberg das bekannte Wort gesprochen, haft die Welt noch über den Undank des Hauses Habsburg staunen wurde. Was er in die Zukunft verlegte, war schon in der Vergangenheit Tatsache geworden. Denn man kann heute mit Bestimmtheit sagen: nicht Wallenstein hat den Kaiser, sondern der Kaiser hat Wallenstein verraten. Das beweist die Vernichtung des Originals des Göllersdorfer Vertrages, das Wallenstein zu Verhandlungen mit allen Machten berechtigte, und dies zeigt auch der Verleumdungsfeldzug den man gegen den Ermordeten ins Werk fetzte, um ihn als Verräter zu branomarken. Er hatte den Kaiser zweimal gerettet und die kaiserliche Macht tm Reiche während seines ersten Generalats auf eine Höhe qe-

»K sie kaum Karl V nach der Schlacht bei Mühlberg erreicht batte. Mit der Aufstellung der Armee und dem Eintreten für die Toleranz Zeigte er dem Kaisertum, wie es seit langem hätte handeln müssen um ben zentralisierten Machtstaat zu schaffen. Sein Unglück war, daß der entartete Trager der Kaiserkrone sich versagte und di« Kaiseridee sich schließlich in seinem eigenen Heere als stärker erwies als fein Führertum. Der Sturz Wallensteins macht« dem gefährlichsten Gegner des habs­burgischen Systems, dem Kardinal Richelieu, die Bahn frei. Er konnte öen religiösen Zwiespalt im Reiche ausnutzen, den Wallenstein durch die Toleranz beheben wollte, und sich mit dem Partikularismus verbünden, den Wallenstein unter die Autorität des Kaisers beugen zu können ge« g aubt hatte .... das Kaisertum übernahm die Wallensteinsche Armee, die dann, von den Italienern Montecucculi und dem Prinzen Eugen weiter entwickelt, Ungarn eroberte und die eigentliche Grundlage des österreichischen Staates wurde."

Wenn He gel einmal in seiner Philosophie der Geschichte das Be- kenntNis tat:Weltgeschichtliche Persönlichkeiten sind diejenigen, die ein Richtiges und Notwendiges gewollt und vollbracht haben" so dürfen wir mit vollem Recht in Wallenstein eine solche weltgeschichtliche Gestalt