Ausgabe 
27.10.1939
 
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^'"Vom^^Walde zum Dorf führt eine unwahrscheinlich schnurgerade Straße. Aber es ist nicht dieser Weg, der die Blicke des Herrn Prince | fcffeit

Es sind Reiter, die aus dem Dorf kommen.Deutsche!" lispelt Herr

"Deutsche!" gibt Gilbert als Echo zurück und schreit:Hatten Sie Ihre Depeschen geopfert!" , -. _...

Der Beamte der Postinspektion greift nach einem der schweren Sacke, krallt sich daran fest und schickt sich an, ihn über Bord zu werfen. Es ist ein lächerliches Mühen.

Lassen Sie das!" schreit ihn Gilbert an.

Ballast! Ballast abwerfen!" keucht Prince.

Es ist zu spät. Sie Narr! Verhalten Sie sich ruhig!

Herr Prince sieht es ein. Die Erde kommt auf ihn zu. Ach, ganz anders, als er erwartet hat. Wie ein Verhängnis, wie eine schwarze Woge rollt sie heran. _.

Die Reiter sind auf ein Kommando von den Pferden gesprungen. Sie machen Jagd auf die Fangleinen. Eine schnelle stumme Jagd, unheimlich und von einer fast maschinenartigen Sicherheit, als seien die Reiter mit solchem Tun lange vertraut.

Da schneidet Gilbert die Schnüre, die das Ankertau halten, durch. Der Anker fällt, reißt Erde auf, schleift und haftet dann am Rande eines Wassergrabens. ..

JUington packt das Seil des Ventils. Das Ventil, schon lange die Ursache des Niedergangs, klafft, endlich völlig aufgerisfen, wie ein böses Maul und stößt Gas aus. '

Es gibt eine gute glatte Landung. Sie zerstört die Plane der Luft­reisenden. Herr Prince wird vorerst nicht nach Tours kommen, und was mit Gilbert geschieht, wissen die Götter.

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Zch bin Engländer, mein Herr!" sagt Gilbert zu dem Retteroffizier.

Der Führer der Abteilung, ein sonnenverbrannter Leutnant, dem em dunkles Schnurrbärtchen keck im Gesicht steht, schickt seine flinken Augen rundum ^Äuch die Brieftauben dort", befiehlt er. Er fleht alles, nur die beiden Luftfahrer scheint er nicht zu sehen.

Es lind bäurische Chevauxlegers, die nun die langsam zusammen» sinkende Hülle umstehen und die Depeschensäcke und Instrumente bergen.

Daß deutsche Reiter bei der Landung helfen wurden, kann weder Godard geahnt haben, noch hat Gilbert es erwartet. f>enr Pf'"" versinkt in dem Meer der Enttäuschung, m das er durch ferne eigene Schuld gesallen ist. Ihm ist wie einem Ertrinkenden zumute, der sich nicht mehr retten kann und der die Arme des Schwimmens müde sinken läßt. Aber so nahe ist selbst für Herrn Pnnce der Untergang nicht.

Die Reiter lassen eine Wache zurück und nehmen Gilbert und Pnnce in die Mitte. Dann wenden sie sich dem nahen Dorfe zu. Nun weiß Gilbert, weshalb dem Ballon bei der Landung kerne Bauern zu Hilfe gekommen sind. Sie haben die Deutschen, welche tue schwebende Kugel schon seit langer Zeit verfolgten, nach dem Ballon jagen sehen.

Gilbert verwünscht Sir Anthony Moreland, Ann Moreland, Tante Divian, seinen Traum, Godard und Herrn Prince.

Ach nein, Ann ist allein an allem schuld. Könnte Gilbert nicht noch iefct an der Themse sitzen und träumen? .

Es ist mitunter süßer, an eine Frau zu denken, als ihr nachzujagen. Aber bei solcher Jagd gejagt zu werden, da hört die Liebe auf zu lächeln und wird zum Höllengelächter.

Wie gut, daß Gilbert Jllingion nicht viel Phantasie hat. Der Mnsel solcher Phantasie würde die Zukunft schwarz malen wie die Nacht. Aber Gilbert ärgert sich zunächst nur, daß man ihn, einen Engländer, nicht beo^tet. ßorj) @i[bert Mngton! Hier ist mein Paß!" schreit Gilbert. Er direit herrisch und taut, denn er will nicht überhört werden.

Keiner der Reiter aber wendet sich nach ihm um. Dem Führer ist, scheint's, ein Wort seines Gefangenen nicht mehr als das Gezirp irgend­einer Grille am Wegrand. Das Schweigen ist drohender als ,ede Ber»

" wird ©UberTauf einmal klar, daß seine Füße nicht mehr dorthin gehen, wohin er will. Die Depeschensäcke ruhen bildlich gesprochen, auch au Gilberts Schultern. Gemeinsam mit Herrn Prince, mit dem er nichts gemein hat, trägt er sie: in den Augen der Deutschen ein Vergehen, auf das Untersuchung und Gefangenschaft stehen.

Sie werden zum Divstionsstab gebracht! Es ist das erste Wort des Offiziers. ,

StA bin Enal...", will Gilbert von neuem aufbegehren

Aber der Leutnant unterbricht:Der Ballon kommt aus Paris. Die Depeschen beweisen es. Die Tauben gurren es uns vor! Sie sind meine Gefangenen! Sie und Ihr Begleiter! Was Sie", fugt er weiter hinzu, gewiß ohne allzu große Mühe bereits bemerkt haben."

Ann Moreland bewahrte Haltung. Sie bestieg den Leiterwagen wie eine Königin die Staatskarosse. Ann trug zwar den Kopf oben, aber ihr war zumute wie jemandem, der ihn verloren hat.

Kelling vermied, sie anzusehen. Eigentlich versuchte er es nur aber es gelang ihm nicht ganz. Auch Ann bemühte sich, seine Anwesenheit zu vergessen. Sie war gar nicht imstande, über ihre Cmpiindungen nQteienJuWe weder, ob sie Kelling liebte, noch ob sie ihn haßte er war einsach da wie die anderen Reiter, wie die Häuser des Dorfes, wie

' die Bäume an der Landstraße, und es war ihr völlig einerlei, was

1 nun mit ihr geschehen würde. .. v. , . . .. ..

Ja, der einzige Gedanke, den sie in diesem Auf und Ab, in dieser

! heulenden Berg- und Talfahrt ihrer Gefühle in sich trug, war ber

Wunsch, in andere Hände zu kommen, vernommen zu werden, sprechen

Herr Prince antwortet nicht. Seine Augen sind starr. Er ist kreide­bleich. Seine Lippen bewegen sich, aber er sagt kein Wort! Gilbert folgt

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ter Sportflug von einst Der Ballon und sein Führer schweben In einet | Crngn Jllingtons Herzen meldet sich Widerstand. Er hat sich alles so klar I i vorgestellt. Schneller Flug, glatte Landung, Reise an einen M)"6" Ort, am besten gleich nach England, von dort Nachforschungen mit der Hüse unb mit dem Gewicht diplomatischer Verbindungen!

Das Schicksal will es anders. ,La Fortune" heißt der Ballon. Ach,

Immerhin ^ach^Gilbert ein gutes Gerechtigkeitsgefühl, daß der Be­amte der Postinfpektion sich mit Recht in eine Strenge steigert, bie feinen Mut herbeiruft und aus dem Pflichtgefühl gespeist wird.

Ueberbies", grollt Herr Prince,können wir ruhig landen. Ich sehe, der "Wald ist zu Ende." . .

Es blitzen Wiesenstreifen, fern leuchten die Turme einer Stabt.

Ober glauben Sie etwa, die Deutschen sind auch hier. , I

Es ist ein schwingender Hohn in der Stimme des Herrn Prince: die 1 Sehnsucht verwirrt die Vernunft. Der Wunsch, nun nicht mehr in einer toroantenben an bie Luft verlorenen Kugel unbekanntenGefahren aus­gesetzt zu fein, ist so mächtig, daß er die Ueberlegung jururfbrangt. Herr I Prince sehnt sich nach ber Erbe, er will Grund unter die Fuße.

Rein" sagt Gilbert,nein, ich hatte eine Landung für sejälj Bedenken Sie die Windstille. Wir sind kaum sehr weit von Paris! Wir müssen wieder höher! Die Depeschen! Opfern Sie wenigstens einen der Säcke!" Gilbert ist kein jähzorniger Mann. Gilbert ist ein wohlerzogener Engländer. Doch hätte er, im Faustkampf von Jugend ®uf"5^7 feinen Gegner in diesem Augenblick gern zu Boden .gestreckt und darnach seinen Willen durchgesetzt. Aber die Gondel ist kern Ring für Faust-

So packt Gilbert Herrn Prince in einer jähen Aufwallung an den Aufschlägen seines Mantels, um ihn herzhaft emporzuziehen und die Depeschensäcke von ihrem Beschützer zu befreien.

fierr! Um dieser Depeschen willen sind wir aus Pans geflogen! schreit Prince.Und Sie wollen doch nicht sagen, wir seien ,n Lebens- 8t,a®ilberts Hände entkrampfen sich und werden schlaff. Bei Gott! Sein Gewissen ist nicht untadelig. Hat ihn Godard nicht aus Gefallen und alter Anhänglichkeit inDas Glück" gefetzt? Ist Gilbert nicht ein Mann, der diese LÜftreise aus klaren eigensüchtigen Gründen macht?

Schwebt über ihm etwa ein großer Gedanke? Hat er das Recht, feine Ausfällung von Pflicht über die Anschauung des Herrn Pnnce zu setzen? ] Ja, hat er überhaupt eine Pflicht zu vertreten?

Und nun ist es auch zu spät, um den Ballast zu kämpfen.

Jetzt,Öa Fortune", war dir auch der Himmel nicht gnädig, mach wenigstens deinem Namen Ehre, wenn du den Boden berührst!

Herr Prince ist aufgeftanden und hält sich am Rande der Gondel fest.

Ach, es ist ihm recht, daß er landet. Der Himmel ist nicht sein Arbeits­gebiet Vier-Wände, ein Tisch, ein Stuhl, Akten und Listen: dahin SCt,Unben>enn diese Dinge ihn im Augenblick nicht umgeben, so ist doch fester Grund, guter Boden hier, ja, hier ist keine belagerte Festung, hier ist freies Frankreich, Stille, Ruhe und Friede.

Der Wald liegt einige hundert Meter hinter ihnen. Von den Türmen der Stadt ist aus der geringen Höhe nichts mehr zu sehen, aber drüben zwischen Busch und Baum, inmitten abgeernteter Felder und blaßgruner Herbstwiesen stecken rote Dächer ihre Giebel auf.

Die Fangseile sind länger als das Ankertau, schon schleifen sie über bie Erde. Sie sind leicht zu fassen. -

Gilbert sucht mit dem Glas die Weidestriche ab, er hofft, daß Bauern, Feldhüter, Hirten herbeieilen: denn er fürchtet eine harte Landung, und ein paar kräftige Männer, welche sich an die Fangseile hangen, sind m solcher Minute willkommene Helfer. m

Aber seltsam, die Gegend ist menschenleer. Gilbert wundert sich. Man muß doch den Ballon gesehen haben.Keine Seele", sagt er,verstehen

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$ Die Gefangenen hockten auf dem Wagenboden. Die Fahrt war hart weil die Sttahe schlecht war. Wenn die Räder über ein Loch sprangen ober über eine steinige Strecke stolperten, wurden die Insassen bis ui bie Eingeweide durchschüttett. .

Sie sprachen kein Wort miteinander. Sie waren ja nicht jufaUiR zusammengeweht. Sie hatten sich nichts Neues zu lagen, und alles andere wußten sie. .,, _ ... .

Aber der Erstelle gefiel das Schweigen nicht. Darum verspottete 1» Theophil, der sich ruhig von dem Schwall überschütten ließ. Es war eine ziellose lärmende Geschwätzigkeit, di« Germaine erlöste, weil = nun nicht mehr auf die Angst achtete, die sie im Herzen trug. Ho«- das begleitende Fußvolk sie schon über ihre Zukunft beunruhigt, vor den Ulanen fürchtete sie sich. Der Wechsel in der Begleitung fteigerte in ihren Augen den Emst der Lage.

Germaine verschonte jetzt den Mair«, sie verteilte ihre Aufmerksam teil gerecht zwischen Poiporence, Saba tut und Ann Moreland.

Ann verwirrt und verstört, beachtete die Genossen der Fahrt kaum Es geschah aus Stumpfheit und nicht aus bösem Willen

Was dachte Germaine, sie spricht nicht mit mir? Ist sie nicht meine Kumpanin, meine Genossin in dem Spiel:Mitgesangen, mitgehangen

Ueberhaupi war auf dem Leiterwagen eine Stimmung, als I jeder jedes Feind! Während man doch eigentlich zusammengehotte!

Germaine schlug Ann Moreland auf die Schulter:Siehst du, me>

I Püppchen, nun haben Sie dich auch erwischt! Hast du ein« Ahnung I was mit uns geschieht?"

Die derbe Anrede erschreckte Ann. Sie sah, obwohl sie nicht wen« wie durch einen Schleier. Sie sah auf ßabatut, dessen traurige W wie eine Anklage waren. Er hatte für sie gebürgt, er war ein ®enu man. Aber sie war gegen ihn nicht fair gewesen. Dafür hatte der Himw auch die Flucht mißlingen lasten.

rFortfetzung folgt.)

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