Jahrgang <939

Zreitag, den 2r. Oktober

Nummer 83

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Herz, wo liegst du im Quartier?

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Gilbert erfüllt den Wunsch des Mitreisenden und entleert Ballastsäcke, mcht um ihm nachzugeben, sondern weil der Ballon sinkt.

Zwar hat die Sonne ihre Strahlen nicht weggenommen, aber das Wige Gefährt segelt im Bereich einer maßlosen Kühle.

Warum sinken mir?" fragt Prince.

Gilbert vermag sich rechtzeitig einer Erklärung Godards zu erinnern, er will um keinen Preis unwissend erscheinen, Empfindung, daß er des Respektes seines Mitreisenden

MetzenerZamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Gilbert ist kein Gedankenleser. Und Herr Prince verbirat ia Verlangen geschickt. Ja, vielleicht bekämpft er es sogar 1 *

Engländer hat niemals allzu große Wiedersehensfeste mit den Gestalten und Ereignissen seiner jungen Vergangenheit gefeiert

Was in grüner Äugend gewesen ist, muß im ersten goldenen Mannes- üben flid?r?rieber t?eri>en' Eilbert hat nie daran gemacht, die Godard- nOd) e'nmal aufzunehmen. Die Erinnerung ist nicht nur ein Buch, m dem man blättert, sie ist auch ein Grab au? dessen ^n ein Denkmal mit der Aufsch'rift:'Damals" als ich "°Netz? »t»Js»*.?? W,°L u,«~wb ...umarmt das Abenteuer die Stunde, es freut sich auf den Auaen- blick, in den, sich die gleichmütige Reife in Gefahr verwandelt. $ ofrs, $eint aber; als wolle der Himmel den Ballon fallen lassen Gott * unzuverlässig wie sein Name. Je tiefer der Ballon sinkt desto stiller wird die Luft. Gilbert sieht es beinahe er weist es- kein Blau PW" unt"N. to« SÄmch,» raS

Ä4S SS; ÄTÄÄ® i vermag nicht zu treiben, wenn der Wind ruht. '

hält der ausgeworfene Ballast das Auf und Ab in der Waaae n?°xr m-n?< der Ballon wieder mit bösartigem Beharren der

Abkühlung des Gases allein daran schuld, am Ende ist die Hülle undicht? Gilbert grübelt '

Hüll^des Ballons." und untersucht, so gut es geht, die

< _^r prince widmet solcher Arbeit einen ängstlichen Blick. Wenn ?e5 Mitfahrer durch einen unglücklichen Zufall abstürzt?^Dann ist er hilf­los zwischen Himmel und Erde, er allein, und davor hat er Angst ° ra ungewöhnliche Stunde brennt nicht etwa Schlacken aus dem

I -Prince. Nein, das Feuer des Abenteuers hat ihn nicht

Frhn>ytert'f Eharakter ist in dem Alter, dem Prince zuneigt, meist schon verkrustet und nut der Patina desSo bin ich nun mal" überzogen

I daß es vergeblich wäre, etwas anderes von ihm zu erwarten als Eaois' mus^ Gold ist Gold. Und Kiesel ist Kiesel. Herr Prince ist Kiesel.

Gilbert sieht im Tauwerk den Käfig mit den Brieftauben hängen mi» &iMä)en re0en J?1.1, kH^ffen Flügeln auf dem Boden des Bauers wi«? Klumpen. Es geht ihnen nicht gut. Vielleicht streift sie ausströmendes

Da entdeckt Gilbert, daß sich am Ventil zwischen Rand und Klavve entweicht 0e6ltt>et ^at- °us der mit kaum hörbarem Zischen Füllung v, 9Hi,n9to,,n e,rinrt. sichdaßGodard in einer bestimmten Ecke der Gon- del stets allerlei Materialien für besondere Fälle gestapelt hat.

Lag?n verklebtflnM bato t,en Sitt- mit er die Lücke in dicken

Unterdes ruht Prince wie eine fleischgewordene Träne auf seinen Depeschensacken. Er ist scheinbar entschlossen, in dem Ballon nur ein Ve- n05mltte' unZ) 3war ein höchst unzulängliches, zu sehen

Wenn wir steigen wollen, müssen wir Ballast opfern", sagt Gilbert. Prmce fühlt dumpf, daß die Fahrt ein« Kühnheit ist: ein alter Ballon «m man vermessen den NamenDas Glück" gegeben hat, soll sich die Freiheit erobern. Ach, die Freiheit ist der Wind, aber der Wind schweigt . »Wir haben aber keinen Ballast mehr!" sagt Gilbert.Wir müssen einer Ihrer Depeschensacke opfernI

Prince breitet die Hände aus, als müsse er die Fracht vor so kühnem Verlangen schützen. 1

Stie, mein Herr!" sagte er mit einer seltsamen Entschlossenheit.

- ®rler baß der Abwurf der Depeschensäcke an einer unzu­

gänglichen Stelle im Falle der Not erlaubt, ja geboten ist.

Herr Prince weiß es, aber er läßt es trotzdem nicht zu. Er ist hart­näckig, stur und stumpf. v

Er hält seinen Eigensinn für Tugend, die er belohnt sehen möchte .

Duldet er schon Gefahr, hat er tapfer sein müssen, will er auch den Lohn kassieren. Es soll nicht heißen: Prince har Depeschen geopfert

Er sieht auch nicht ein, weshalb dies jetzt geschehen soll.

Gilbert erklärt es ihm: man sei ohne Frage noch im Bereich der Deutschen. Eine vorzeitige Landung gefährde alles: die Depeschen, die Brieftauben und die persönliche Freiheit! Gerade diese möchte aber E-lbert am wenigsten drangeben, denn schließlich hat er eine bestimmte Absicht mit der Fahrt gehabt.

Absicht? Welche?" fährt der Beamte hoch.Sie haben den Ballon zu fuhren! Das ist Ihr Auftrag!"

Gilbert erkennt die andere Seite seines Wagnisses. Hier ist nicht mehr

>!r er sogleich anwendet, -nn er hat die Empfind edarf.

lieber Wäldern und Seen ist es eben kühl", sagt er.

Cs ist so still hier oben, daß die Reisenden die Laute des Waldes ren den Schrei eines Raben, den scheppernden Ruf einer ängstlichen sek und das Gebell eines Hundes.

2>e Stille redet chre stumme Sprache. Ein Hymnus, nicht aus Wor- ,. vvb Tönen, sondern aus klarstem Licht könnt« die Dahinschwebenden tzucken und befreien, denn die Erde ist von der Einsamkeit der Luft Freiheit herrscht unter dem Schirm des Aethers.

Aber das Herz des Herrn Prince ist nicht bereit, Schönheit zu Mpfangen.

Wir sind aber nicht über Wäldern und Seen, sondern in der Luft!" tmertt er wie ein Mann, der sich nichts einreden läßt.

.."2a, aber über einem riesigen Wald! Der WiM sck^nkt nicht nur der wbe Kühlung, sondern er sendet sie auch in die Mst empor! Und große urre Heidestrecken erhitzen zum Beispiel die Luft! Es ist alles natürlich!" ^Won spricht wie ein Schulmeister und fühlt sich nicht avohl dabei.

behauptet das?" fragt Prince, dem diese Erklärung zu einfach ist.

Gilbert hat den lebhaften Wunsch, das hartnäckige Wortspiel fallen zu --Die Erfahrung lehrt es", meint er im Tone der Ueberlegenheit.

Aber die Gefahr wird geringer, wenn wir höher gehen?" fragt piJice.

»®je mißbrauchen das Wort Gefahr", erwidert Gilbert.

"Ah, und die Schüsse?"

r c. £aie Prince hat recht, man müßte höher gehen. Vielleicht um j^.^bhaftere Luftströmung zu gezvinnen und damit aus dem Besatzungs.

Zu kommen, das sich noch wer weiß wie weit um Paris und ins hinein zu entfächern scheint.

t.,( in Wahrheit redet Herr Prince nur so, eigentlich steht in seinem ist der Wunsch, bald die Luft mit der Erde zu vertauschen. Aber 1

Eln hellerer Roman von Kurt Heynkcke

Copyright 6p Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart '

18. Fortsetzung.

Die Deutschen noch!" sagt Prince erschrocken zu Gilbert.

»3a , erwidert Gilbert,sie schießen!"

. PsE seufzt erschrocken und schickt sich an, den alten Platz auf einem ^Postsacke einzunehmen, als ob dort ein Bereich unzerstörbarer Ruhe a\ P/ince sorglos zu scheinen,mögen sie schießen! Ich richte mich ein, so gut ich kann, hier oben an unserer Kugel hcinoend! Es beunruhigt mich nur, daß der Wind uns nicht rasch genug'voranbläst!" UrinCe £uf dem Depeschensack.Wersen Sie Ballast, stsien Sie den Ballon hoher steigen! Vielleicht trifft er auf geschwindere Strömungen", rat der Beamte lebhaft.

Sie irren, es geht voran", belehrt der junge Engländer.

Diese Luftreise ist, das spürt seine erregte Seele nun doch, etwas ganz anderes als die Fahrten mit Godard.

Ausgewogen war damals die Last der Führung, Eugen Godard trug ite allein und gab davon noch Belehrung nach Gutdünken an den »schuler ab.

llrtb friedlich und befriedet war das Land. Cs war der Mutterschoß, n den die flüggen Mutwilligen zurückkshren. Der Boden, auf dem der n langsam nach geöffnetem Ventil zusammensank, war volle gute itzt aber wird die Erde zum Gegner, denn der Krieg beherrscht sie.

tem Gluck^isser nod) die Fahrt ist die Landung heute ein Spiel mit

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