ihn,
das
rief Ein ent-
erschreckt zurück und der Hase, der am Rande des Bretter lug, fiel mkt einem dumpfen Laut hinunter ins Stroh.
Die Beiden an dem Scheunentor fuhren auseinander, Helmi schrie auf Das Tor wurde aufgerissen, und jemand lief hinaus.
So renn doch nicht fort!" rief der Bursche. Seine Stimme zitterte. Toivo lag reglos da. Er hörte den Burschen im Finstern umhertappen, dann flammte ein Streichholz auf. Der Bursche leuchtete das Stroh ab. Plötzlich sah er den Hasen. Er hob ihn erstaun auf, betrachtete und lief mit ihm zum Tor. Das Streichholz verlosch. Toivo horte Scheunentor zufallen. u
2)onii hörte er den Schnee vor der Scheune knirschen. „Helmi! der Bursche, „Helmi! Renn doch nicht so! Es war nur ein Hase! toter Hase! Den hat wohl hier jemand ... Helmi! Die Schritte
fernten sich. c
Toivo lag unbeweglich, den Kopf auf den Armen. Ihm war alles gleichgültig; Helmi, der Hase, das ganze Leben. Ihr war elend zumut, Es ist das Ende von etwas, dachte Toivo, es ist das Ende von etwas sehr Schönem. Nein, er wollte nicht daran denken, er wollte nie mehr an Helmi denken. Und er sah wieder ihr lachendes Gesicht vor sich, mit den beiden Grübchen und den weit ausemanderliegenden hellgrauen Augen unter den dunklen breiten Brauen. Helmi! dachte Toivo ...
Er erwachte, zitternd vor Kälte. Um ihn war es dunkel und still. Toivo ließ die Leiter hinab und kletterte hinunter.
Draußen war es finster. Es war sehr kalt geworden. Toivo schlug den schmalen Pfad übers Feld ein, er wollte nicht an Helmis Haus vorübergehen. Er schritt langsam durch die stille Nacht, die Hände in den Taschen des kurzen Schafpelzes. Der Schnee knirschte unter seinen Schritten. Es war gut, allein zu sein, es war gut, durch die klare kalte Nacht zu gehen.
Weit hinter den schlafenden Feldern zuckte ein fahles, grünliches Licht auf; es ließ seine zitternden, bleichen Strahlen über den sternenlosen Himmel spielen. Ein.matter Widerschein fiel auf die weiten Feldex.
Toivo hob den Kopf. Er ging dem Nordlicht entgegen, das geheimnisvoll und fern, verblassend und wieder aufleuchtend, wie ein fremder Stern mit feinem bewegten Strahlenkranz von einem kalten, leuchtenden Grün ihm den Weg wies.
öie heiße Siadt am 2Rofcn Meer.
Besuch in Dschibuti.
Von Friedrich Schnack.
Dschibuti, am Roten Meer gelegen, Hafenstadt des französischen Somalilandes und Kopfstation der nach Addis Abeba in Abessinien führenden, schmalspurigen Eisenbahn, ist einer der heißesten Orte der Erde. Aden, am Ausgang des Roten Meeres an der Felfenküste von Hadramaud, ist des „Teufels Kochtopf", wie die englischen Offiziere sagen, die hier stationiert sind. Die französischen Kolonialbeamten könnten mit ebensoviel Recht sagen, daß Dschibuti des Teufels Kochherd fei. Die höllische Glut der Somalisonne röstet selbst die Steine, den Sand und das zu weißen Haufen am Küstenrand aufgeschichtete Meerfalz.
In Dschibuti halten die Indienfahrer an, und die Schiffe der französischen Linie nehmen Kohlen, wenn sie nicht mit Oel geheizt werden. Del quillt aus den großen Shellbassins in Aden in die Schiffsrümpfe. Unser Schiff wirft in der fanftgeschwungenen Bucht Anker. Es hat Fahrt nach Daressalam, im früheren Deutsch-Ost. Wir brauchen Kohle. Bis zur Mole kann der Dampfer nicht fahren, der Hafen ist versandet. Die Flüsse Abessiniens spülen zur Regenzeit ihren Schlamm von den Bergen herab durch die sandige Somali-Ebene in die Bucht, und die Wellen des Ozeans, im Monsun monatelang westwärts fliehend, wirbeln den Sand in den Hafen. Die ganze Anlage ist veraltet. Jede Drehung der Schiffsschrauben wühlt gelbe Schwaden vom Grund in das beryllgrüne Wasser empor. Hinter der langen Mole und der flimmernden Uferlinie blinkt die weißwürfelige Stadt, die in der Höllenglut schmachtet. Wie eine grelle Wllftenvision mit arabischen Häusern und Palmen erscheint sie dem beunruhigten Auge. Jetzt ist afrikanischer Frühling und gute Zeit, im Sommer ist alles verdorrt und vom Glutwind gefressen.
Bon der Mole, die man mit dem Fernstecher abtastet, lösen sich mit «inemmal zahlreiche dunkle Punkte los, wie schwarze, auf der Flut tanzende Früchte, man könnte an verkohlte Kokosnüsse denken. Das Schiff hat inzwischen festgemacht. Der Schwarm schwimmt rasch näher. Nun sieht man deutlich: es sind die Köpfe schwarzer Buben, die zum Schiff herauswollen. Die Münzentaucher. Aber sie kommen vorerst nicht weit, ein Polizeiboot holt sie ein und treibt sie zurück. Später indes, als die Kohlenschlepper mit ihren schwarzen, zerlumpten Trimmern herankriechen, schwindeln sie sich vor der Nase der Hafenpolizei wieder heraus und erreichen das Schiff. Die Reifenden ergötzen sich an ihren Tauchkünsten. Sobald eine Münze ins Waffer zischt, stürzt ihr das ganze schwimmende Rudel nach, Leiber und Köpfe versinken im Nu. Man sieht noch die schnellenden Beine, die ausgehellten Sohlen der schwarzen Füße, einen Wasserstrudel — schon tauchen sie alle wieder auf und einer von ihnen schiebt grinsend die aufgefischte Münze in seine Backentasche. Das Wasser trieft von den schwarzen Wollköpfen. Verwunderlich, daß keine Haie da sind, das Rote Meer wimmelt von ihnen. Aber wahrscheinlich ist es zu seicht. Die Somalibuben treiben es unermüdlich.
Bestimmt ist der Hafen von Dschibuti einer der geräuschvollsten auf der Welt. Was Stimme hat, läßt sich vernehmen. Alles brüllt, schreit, pfeift, knattert, tobt, heult, lacht, schimpft. Man ist in einen wilden Tumult geraten. Welche Aufregung! Beim Barte des Propheten: jeder Somali und Araber will einen Bakschisch ergattern, eine Münze, etwas Geld. Bootsleute kommen mit Kähnen, schnatternde
Motorboote werfen sich durchs Wasser, Segelboote treiben heran. Eine Meute von Somaliburfchen hat bereits das Schiff erobert. Wohin man den Fuß fetzt, tritt man auf einen der flinken Buben. Sie vertreten dir den Weg, blecken die weißen Zähne, rufen und fdjreten, bieten kleine Waren an: Bastfächer, Früchte, Dolche, Muscheln, Korallen ... Die größeren Händler, Araber, bestürmen das Schiff auf ihren Segelbooten Halbrechts vom Ankerplatz liegt im Flachwaffer der verrostete Rumpf eines französischen Passagierdampfers. Der Schornstein berührt den Wasserspiegel. Es ist der Dampfer „Fontainebleau' aus Le Havre, der hier in Flammen aufging.
Ich gehe von Bord. Aber die Absicht ist mit Schwierigkeiten ver- bimden: vor der pendelnden Schiffstreppe stauen sich die Boote, und eder Bootsführer will mein Fährmann fein. Ich verständige mich mit einem durch Zeichen über den Fahrpreis und springe ins erste Boot, von ihm ins zweite, ins dritte, jeder versucht mich festzuhalten endlich habe ich das gecharterte Boot erreicht, und nun geht es zur Mole. Hier lagern Berge von Kisten und Gütern. Dschibuti liegt ungefähr einen Kilometer entfernt. In dem heillosen Durcheinander falle ich in ein Auto, das geradewegs von einem Autofriedhof zu kommen scheint; agenhafte Einspänner mit vier ungleichen Rädern und halbverhungerten Mähren und neue Citroentypen warten aus Fahrgäste. Ich werde nach Dschibuti hinemgerüttelt. Afrika schickt feinen Staub, seine Hitze und Gerüche, schickt fein Völkerbabel: Neger aus dem Sudan, Leute aus Harrar, hochbeinige Somali, braune, verschlagene Araber, Abessinier, Malaien, weißbärtige Inder — kaum ein Weißer darunter.
Am Wege, eingebettet in Üppiges Grün, umgeben von schneeweißen Korallenkalkmauern, liegt der Palast des Gouverneurs, der durch feine weiße Farbe und die spitzen Zinnen an ein maurisches Märchenschloß erinnert. Zu diesem Pomp steht das Postgebäude in merkwürdigem Gegensatz: es ist ein besserer Schuppen. Aber davor blühen wunderbare Bäume, goldene Mimosen und violette Blütenzweige. Mit französischem Geld kann man keine Briefmarken kaufen: Dschibuti hat Noten der französischen indochinesischen Bank. Die Hitze brütet. Hochragende Dattelbäume scheinen in dem Glosen zu ertrinken. Ich schlendere durch die Araberstadt. Alle Augenblicke bietet sich mir ein neuer Fremdenführer an. Ein Würfelhaus wie das andere, eines an das andere ge- kleb'., eine Straße wie die andere, alle rechtwinkelig und gleich breit. Im Schatten der Mauern und Winkel liegen schlafende, in Lumpen gewickelte Leute, meistens Araber oder Somalis. Plötzlich befinde ich mich in der Frauenftraße und sehe mich, zu meiner Verblüffung, von einem Haufen kreischender und sich wie irrsinnig gebärdender Weiber umringt. Eine zerrt links, eine andere rechts, andere öffnen einladend ihre Haustüren. Eine, die es besonders auf mich abgesehen, hat sich das Gesicht mit Kuhmist verschönt. Gräßlicher Geruch! Es ist schwierig, diesen Wilden zu entrinnen. Ich reiße mich los — endlich stehe ich aufatmend auf dem Markt. Aber hier herrscht keine bessere Luft. Sie hat eine beizende Schärfe und summt von Fliegenschwärmen, die sich über einer zusammen getriebenen Herde von Schafen erhebt und nieder- fenkt, auf und ab, summend, surrend. Dazwischen lagern sich Ziegen und junge Kamele, lieber einer Mauer und einem kleinen Tor darin erhebt sich der runde Turm der Moschee mit zwei hölzernen Kanzeln. Verstaubte Palmwedel neigen sich über die Mauer, und vor einem Haus blüht blutrot ein hoher Oleanderbusch, lieber den nackten Boden scheint Salz gestreut. Die Hitze hat es aus dem Sand herauskristallisiert. Die Erde ist von Salz gesättigt, einstmals rauschte hier die Dünung des Meeres. Buntgekleidete Somaliweiber von hoher Gestalt, mit schönen, wildfremden, runden Gesichtern, die nackten Arme mit Kupferreifen geschmückt, besorgen ihre Ginkäufe.
Vorgestern hat es stark geregnet, der Markt ist trocken, aber im Eingeborenenviertel stehen tiefe und breite Wasserlachen zwischen den elenden, aus Stöcken, Lappen und Blechen zusammengeflickten Neger- Hütten, die wie ein Zerrbild von Afrika anmuten. Hier Haufen Somali« und Sudanneger und wer weiß, was alles noch aus diesem Völkermischmasch. Ein Auto kommt mir gerade zurecht. Ich lasse mich aus der h-'ßen, übelriechenden Niederlassung hinaus zur Oase Arnbuli fahren. Der Wagen fegt und poltert durch die Sandwüste, von der die Stadt umbranbet ist. Ein paar magere Büsche fristen ihr Dasein da und dort, Salzpflanzen. Andere können auf diesem alten Meeresboden nicht gedeihen. Die Oase Ambuli aber ist von einem Fluß abgesetztes Schwemmland. Der grüne Fleck ist ein Palmenbusch, in den sich mancherlei andere Bäume und Sträucher hineindrängen. Man hat Gärten daraus gemacht. Ich betrete einen Garten, in dessen Mitte sich ein Ziehbrunnen befindet. Sogleich kommen die arabischen Gärtner auf mich zu, eine ärmliche Frau bringt mir ihr schmutziges Kind, Vakschich heischend. Ich werde ein paar Münzen los. Aber es ist nicht viel zu sehen. Ein paar Schmetterlinge streichen durch die Büsche, die Gärtnerei steht noch nicht im Flor. Hinter den Gärten liegt das Geröllbett des Flusses. Wo ist das Wasser? frage ich die Gärtner. Gestern war es noch da! ist ihre Antwort. Der Fluß ist versiegt, in Abessinien ist die Regenzeit zu Ende. Nun ist der Boden feucht gesättigt, der Salat kann sprießen. Woher kommt das Gras und das Heu für die Ziegen auf dem Markt? frage ich uoch. Lächelnd beuten sie auf die fernen Berge, die wie eine Schleppe des abessinischen Gebirgslandes dem Meere zuwallen. Sie find bläulich und kahl Viel ist dort nicht zu holen. Auch das Brennholz scheint-von weit her zu kommen.
Im Untrem der Oase ist die Lust frisch und erquickend, sie riecht nach Erde und Blättern. Unter den Bäumen atmet Duft. Ich blicke auf die Stabt: bie Würfel verlieren sich kalkweiß und frembartig im Dunst der Ferne. Zur Linken schimmert bas Meer, das Wasser des Indischen Ozeans. Dann trete ich zu einem überkuppelten, gekalkten Würfel, über den sich der Wipfel einer Kokospalme wie ein metallisch grüner Stern senkt. Es ist das Grab eines mohammedanischen Priesters.
Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Bruhlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.


