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SiehenerZamilienvMer
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Zchrgang <959 Zreitag, den 24. Zebruar Nummer (6
Ortungen ^Birrungen
Roman öon Theoöor Montane
Erstes Kapitel.
An -em Schnittpunkt von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, ch»g gegenüber dem „Zoologischen", befand sich in der Mitte der siebziger j-oiirc noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei, deren lenes, dreifenstriges, in einem Borgärtchen um etiva hundert Schritte uuckgelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und Zurückgezogenheit, lOt der vorübergehenden Straße her sehr wohl erkannt werden konnte. Bi? aber sonst noch zu dem Gesamtgewese der Gärtnerei gehörte, ja lienecht eigentliche Hauptsache derselben aüsmachte, war durch eben dies feite Wohnhaus wie durch eine Kulisse versteckt, und nur ein rot- unb grün- lefrichenes Holztürmchen mit einem halb weggebrochenen Zifferblatt nti:t der Turmspitze (von Uhr selbst keine Rede) ließ vermuten, daß hinter >iei*r Kulisse noch etwas anderes-verborgen sein müsse, welche Vermutung auch in einer von Zeit zu Zeit anfsteigenden, das Türmchen um» cht ärmenden Taubenjchar und mehr noch in einem gelegentlichen Hunde- lebuff ihre Bestätigung sand. Wo dieser Hund eigentlich steckte, das entzog 1 ich freilich der Wahrnehmung, trotzdem die hart an der linken Ecke gelegene, uni früh bis spät ausstehende Haustür einen Blick auf ein Stückchen Hofraum lefuttete. Ueberhaupt schien sich nichts mit Absicht verbergen zu wollen, mi doch Mußte jeder, der zu Beginn unserer Erzählung des Weges kam, Jchan dem Anblick des dreifenstrigen Häuschens und einiger im Borgarten telpiiben Obstbäume genügen lassen.
Es war die Woche nach Pfingsten, die Zeit der langen Tage, deren techendes Licht mitunter kein Ende nehmen wollte. Heut aber stand die Sn ne schon hinter dem Wilmersdorfer Kirchturm, und statt der Strahlen, i? te den ganzen Tag über herabgeschickt hatte, lagen bereits abendliche Sfatten in dem Vorgarten, dessen halbmärchenhafte Stille nur noch von m Stille des von der alten Frau Nimptsch und ihrer Pflegetochter Lene nie weise bewohnten Häuschens übertroffen wurde. Frau Nimptsch selbst itei saß wie gewöhnlich an dem großen, kaum fußhohen Herd ihres die ganze siissront einnehmenden Vorderzimmers und sah, hockend und vorgebeugt, ms einen rußigen alten Teekessel, dessen Deckel, trotzdem der Wrasen . lud vorn aus der Tülle quoll, beständig hin unb her klapperte. Dabei hielt :>ieM(te beide Händ^ gegen die Glut und war so versunken in ihre Betrach- 11 ;ett und Träumereien, daß sie nicht hörte, wie die nach dem Flur hinaus- (i ende Tür aufging und eine robuste Frauensperson ziemlich geräusch- ' 0 eintrat. Erst als diese letztere sich geräuspert und ihre Freundin und ' te)6arin, eben unsere Frau Nimptsch, mit einer gewissen Herzlichkeit i:eiNamen genannt hatte, wandte sich diese nach rückwärts und sagte nun fiip ihrerseits freundlich und mit einem Anfluge von Schelmerei: „Na, >0# is recht, liebe Frau Dörr, daß Sie mal wieder rüberkommen. Und , tert dazu vons ,Schloß,. Denn ein Schloß is es und bleibt es. Hat ja ten Turm. Un nu setzen Sie sich... Ihren lieben Mann hab ich eben weg- jefc n sehen. Und muß auch. Is ja heute sein Kegelabend."
|ji '£ iso freundlich als Frau Dörr Begrüßte war nicht bloß eine robuste, ! OH.ern vor allem auch eine sehr stattlich aussehende Frau, die, neben dem 1 km» ruck des Gütigen und Zuverlässigen, zugleich den einer besonderen ' kk.ihrünktheit machte. Die Nimptsch indessen nahm sichtlich keinen Anstoß i)«un und wiederholte nur: '„Ja, sein Kegelabend. Aber, was ich sagen 1 Wille, liebe Fran Dörr, mit Dörren seinen Hut, das geht nicht mehr, ’&t is ja schon fuchsblank und eigentlich schimpsierlich. Sie müssen ihn ihm timxrehmen und einen andern hinstellen. Vielleicht merkt er es nich...
In «u rücken Sie ran hier, liebe Frau Dörr, oder lieber da drüben auf die >tche... Lene, na Sie wissen ja, is ausgeflogen un hat mich mal wieder NLtich gelassen."
j, Er war woll hier?"
, Freilich war er. Und beide sind nu ein bißchen aus Wilmersdorf zu; »«»Fußweg lang, da kommt keiner. Aber jeden Augenblick können sie wieder fir lein."
Na, da will ich doch lieber gehn."
O nich doch, Hebe Frau Dörr. Er bleibt ja nich. Und wenn er auch lew. Sie wissen ja, der is nich so."
..Weiß, weiß. Und wie steht es denn?"
Ja, wie soll es stehn? Ich glaube, sie denkt so was, wenn sie's auch W) wahr haben will, und bildet sich was ein."
I „ O du meine Güte", sagte Frau Dörr, während sie, statt der ihr an- |ebi tenen Fußbank, einen etwas höheren Schemel heranschob. „O du meine Mt?, denn is es schlimm. Immer wenn das Einbilden anfängt, fängt auch öai Schlimme an. Das is wie Amen in der Kirche. Sehen Sie, liebe Frau
Nimptsch, mit mir war es ja eigentlich ebenso; man bloß nichts von Einbildung. Und bloß darum war es auch wieder ganz anders."
Frau Nimptsch verstand augenscheinlich nicht recht, was die Dörr meinte, weshalb diese fortfuhr: „Und weil ich mir nie was in'n Kopp setzte, darum ging es immer ganz glatt und gut, und ich habe nu Dörren. Na, viel is es nich, aber es is doch was Anständiges, und man kann sich Überall sehen lassen. Und drum bin ich auch in die Kirche mit ihm gefahren und nicht bloß Standesamt. Bei Standesamt reden sie immer noch." Die Nimptsch nickte.
Fran Dörr aber wiederholte: „Ja, in die Kirche, in die Matthäikirche uri bei Büchseln. Aber, was ich eigentlich sagen wollte, sehen Sie, liebe Frau Nimptsch, ich war ja woll eigentlich größer und anziehlicher als die Lene, und wenn ich auch nich hübscher war (beim so was kann man nie recht wissen, un die Geschmäcker sind so verschieden), so war ich doch so mehr im Vollen, un das mögen manche. Ja, soviel is richtig. Aber wenn ich auch sozusagen fester war un mehr im Gewicht fiel un so was hatte, nu ja, ich hatte so was, so war ich doch immer man ganz einfach un beinah simpel; un was nu er war, mein Graf mit seine suffzig aufm Puckel, na, der war auch man ganz simpel und bloß immer kreuzfidel un unanständig. Und da reichen ja keine hundert Mal, daß ich ihm gesagt habe: „Ne ne, Graf, das geht nicht, so was öerbitt ich mit..." Und immer die Alten sind so. Und ich sage bloß, Hebe Frau Nimptsch, Sie können sich so was gar nich denken. Gräßlich war es. Und wenn ich mir nu der Lene ihren Baron ansehe, denn schämt es mir immer noch, wenn ich denke, wie meiner war. Und nu gar erst die Lene selber. Jott, ein Engel is sie woll grade auch nich, aber propper unb fleißig un kann alles unb is für Ordnung unb fürs Reelle. Unb sehen Sie, liebe Frau Nimptsch, bas is grabe das Traurige. Was bä so rnmfliegt, heute hier un morgen ba, na, das kommt nicht um, das fällt wie die Katz immer wieder auf die vier Beine; aber so'n gutes Kind, das alles ernsthast nimmt und alles ans Liebe tut, ja, das ist schlimm... Oder vielleicht is es auch nich so schlimm; Sie haben sie ja bloß angenommen unb is nich Ihr eigen Fleisch inb Blut, un vielleicht is es eine Prinzessin ober so was."
Frau Nimptsch schüttelte bei bieser Vermutung ben Kops unb schien antworten zu wollen. Aber bie Dörr war schon aufgeftanben und sagte, währenb sie ben Gartensteig hinuntersah: „Gott, ba kommen sie. Unb bloß in Zivil un Rock un Hose gant egal. Aber man sieht es dochlTlnd nu sagt er ihr was ins Ohr, und sie lacht vor sich hin. Aber ganz rot is sie geworden... Und nu geht er. Und nu ... wahrhaftig, ich glaube, er dreht noch mal um. Nei, nei, er grüßt bloß noch mal, und sie wirft ihm Kußfinger zu . . . Ja, das glaub ich; so was laß ich mir gefallen . . . Nei, so war meiner nich." ■ Frau Dörr sprach noch weiter, bis Lene kam und die beiden Frauen begrüßte.
Zweites Kapitel.
Andern Vormittags schien die schon ziemlich hochstehende Sonne auf den Hof bet Dörrschen Gärtnerei unb beleuchtete hier eine Welt von Baulichkeiten, unter beneu auch bas „Schloß" war, von bem Fran Nimptsch am Abend vorher mit einem Anfluge von Spott unb Schelmerei gesprochen hatte. Ja, bies „Schloß"! In ber Dämmerung hätte es bei seinen großen Umrissen wirklich für etwas Derartiges gelten können, heut aber, in unerbittlich heller Beleuchtung baliegenb, sah man nur zu deutlich, daß der ganze bis hoch hinauf mit gotischen Fenstern bemalte Bau nichts als ei» jämmerlicher Holzkasten war, in dessen beide Giebelwände man ein Stück Fachwerk mit Stroh- und Lehmfüllung eingesetzt hatte, welchem vergleichsweise soliden Einsätze zwei Giebelstuben entsprachen. Alles andere war bloße Steindiele, von der aus ein Gewirr von Leitern zunächst auf einen Boden und von diesem höher hinauf in das als Taubenhaus dienende Türmchen führte. Früher, in vordörrscher Zeit, hatte der ganze riesige Holzkasten als bloße Remise zur Aufbewahrung von Bohnenstangen und Gießkannen, vielleicht auch als Kartoffelkeller, gedient; seit aber, vor soundso viel Jahren, die Gärtnerei von ihrem gegenwärtigen Besitzer gekauft worden war, war das eigenlliche Wohnhaus an Frau Nimptfch vermietet und der gotifch bemalte Kasten, unter Einfügung der schon erwähnten zwei Giebelstuben, zum Aufenthalt für den damals verwitweten Dörr hergerichtet worden, eine höchst primitive Herrichtung, an der seine bald danach erfolgende Wiederverheiratung nichts geändert hatte. Sommers war diese beinahe fensterlose Remise mit ihren Steinsliesen unb ihrer Kühle fein übler Aufenthalt, um bie Winterszeit aber hätte Dörr und Frau samt einem ans erster Ehe stammenden zwanzigjährigen, etwas geistesschwachen Sohn einfach erfrieren müssen, wenn nicht die beiden großen, an der anderen Seite des Hofes gelegenen Treibhäuser gewesen wären. In diesen verbrachten alle drei Dörrs die Zeit von November bis März ausschließlich, aber auch in der besseren und sogar in der heißen Jahreszeit spielte sich das .Leben der Familie, wenn man nicht gerade vor der Sonne Zuflucht suchte, zu großem Teile vor und in diesen Treibhäusern ab, weil hier alles am bequemsten lag: hier standen die Treppchen und Estraden, auf denen die jeden Morgen aus ben Treibhäusern hervorgeholten Blumen ihre frische Luft schöpfen bürsten; hier war der Stall mit Kuh unb Ziege; hier


