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Oer siegel.
Von Josef Weinheber.
Warum sind nicht die Tore offen bei Tag und Nacht?
Wer hat mit Schloß und Schlüssel dich Büttel hergebracht?
Auf daß wir ruhig schliefen, wir, stets von Furcht verzehrt, bewachst du uns und Unsres und neben uns das Schwert.
Ist nicht, wer Böses fürchtet, schon selber bös genug?
Wir fliehn vor unsresgleichen, seit Kain Abel schlug.
Freiwillig schließt sich jeder in sein Gefängnis ein.
Darfst du, Gerät der Härte, uns denn so vieles sein?
An Zaun und Küch und Keller, an Dose, Tisch und Spind ein Mal, bezeugend, daß wir zusamt unsicher sind.
Du Zeichen unsrer Schwäche, bei Gott, du wärest nicht, sähn wir an Gauch und Bettler das eigne Angesicht.
Wie magst du dich bewähren, da du uns so bewehrst?
Wenn wir doch besser liebten: D u fielest uns zuerst.
Noch hilfst du unfern Aengsten. Hilf manchmal auch dem Glück! Geh, Mädchen, schieb den Riege — der Traute kommt — zurück!
Das stach ihm denn auch gleich in die Augen, zumal da es aus eirt® |i Dorfe war, wo sie keine altmodischen Gesichter mehr hatten. Mein Fr«! pirschte sich an das Mädchen heran, tanzte tüchtig mit ihm, drückte iiW | fröftig die Hand, drückte es auch ein bißchen mehr und kriegte es rittii) I auf seine Seite. Junge, sagte jemand, der die Leineleute kannte, da W man feste, da kriegste aber ordentlich was ins Haus.
Hatte Wilhelm nun noch nötig, mit Rochlißen ins Obergericht zu geh««'»
Der Weizen wurde reif, die Bohnen wurden geftukt, und da hat Wf Wilhelm eine Frau gekriegt, wie er sie wahrhaftig nirgendwo» i ß der Welt hatte besser finden können. Akkurat und fleißig war sie wie eml im Dorfe, und wenn sie molk, gaben die Kühe nochmal soviel, und brauayl
Ctec tagen sozusagen alle Nester voll, und die Schweine gediehen, ö«!l es ctn Staat war. Geld hatte sie ja übrigens auch einen gehörigen mitgeknegt, denn da unter an der Leine haben sie Geld wie anberiwl Steine.
So kamen sie voran, konnten sich immer mehr Land kaufen und (onn itil bauen und bessern, bis sie so weit waren, wie ich nun sah.
Mein Freund machte eine Pause, führte sich einen tüchtigen Happ-'z Mettwurst zu Gemüt, sah etwas nachdenklich vor sich hin und tat, »itl wische er etwas weg.
Es war, als wäre sie, seine emsige, prächtige Frau mit dem braumi Haar, ihm vom Herrgott nur gerade dazu bestimmt gewesen, den Hof rilll 'hm so weit zu bringen, daß er mit in allererster Reihe des Dorfes ftar»l denn als sie soweit waren, da legte sie sich hin und starb und ließ iü«| allem. Und doch nicht allein, denn seine Tochter, die nun an ihrer SHtl regiert, ist ganz von ihrer Art, und da sie auch einen ganz „fermoflt-«' 1 Mann bekommen hat, fehlt eigentlich nichts zum irdischen Gluck. BlÄt wie gesagt, daß Wilhelm, der doch noch ein Mann von Saft und Kn-st ist, nun keine Frau mehr hat ...
Er machte wieder eine Pause, schalt, daß ich die Butter so dünn auf11 stnch, nötigte nach unserer heimatlichen Art, tüchtig zuzulangen, lachö« und knarrte in seinem Krafttone: „Nun weißte doch Junge, wie 9üjll es war, daß Rochlißen mein Kittel nicht gepaßt hat. Wenn ich's so H denke, Junge, möchte ich beinahe annehmen, ein Schneider im Hin««> hatte ihn gemacht, meinen Kittel mit den zu kurzen Aermeln. ®#| y u 111 y i
Dann ging Wilhelm mit dröhnendem Schritt hinaus und kam tn.il einer dicken Mettwurst wieder herein, hielt sie mir hin und s°M „Heinrich, Minsche, das hat mich aber riesig gefreut, daß du mich oirl mal besucht hast, und wenn bu’s nicht Übelnehmen willst, so will ich d« diese kleine Wurst zum Geschenk machen. Denn in der großen Stw Berlin ... no, man weiß ja wohl ..."
Natürlich habe ich dem wackeren, alte Schulkameraden die MU' wurst — ein wahres Prachtstück ihrer Art — nicht übelgenommen.
Die Rochlitzsche 'ließ aber nicht locker, sondern schilderte ihm die bt» treffenden Verhältnisse so eindringlich, daß er schließlich doch Lust bf'am, die Reisestiefel anzuziehen und sich das Mädchen aus der Nähe airi sehen. Der Rochlttzschen ihr Mann, so wurde vereinbart, solle mit ihm xch, und den Freiwerber spielen.
Gut denn. Wilhelm ließ seinen Gehstock lackieren und richtete sich |i »>n, daß sie am nächstfolgenden Sonntag losgehen konnten. Rochlitz kch sich zu diesem Zwecke einen neuen Kittel bestellt, denn er war nicht gut im Zeuge: als aber der Sonntag kam, war der Kittel natürlich nicht fertig.
Was nun? Allein wollte Wilhelm noch nicht gehen, und in feuern schlechten Kittel wollte Rochlitz nicht mit, was ja auch nicht recht gilt Wozu denn Rochlitz auch bereit war.
Ja, wie sich die Schicksalsfäden manchmal so fügen! Als Rochlitz m Kittel anzog, paßte er ihm nicht, denn die Aermel waren viel zu fad und da wollte er nun doch nicht mit. No, sagte Wilhelm, denn eben itira denn hat es wohl nicht sein sollen, und steckte seinen lackierten Geh»k wieder in die Ecke.
Wenn Rochlitzen der Kittel gepaßt hätte...
Eine Geschichte von Heinrich Sohnrey.
Heinrich S o h n r e y, der am 19. Juni 80 Jahre alt wurde, hat als Dichter, volkskundlicher Forscher und Sozialpolitiker vorbildliche Arbeit geleistet. Als Probe aus seinem Schaffen als Heimatdichter bringen wir mit Erlaubnis der Deutschen Landbuchhandlung eine heitere Geschichte aus seinem Buch „Das lachende Dorf".
Im zweiten Revolutionssommer war ich wieder einmal in meinem fudhannoveranischen Heimatdorfe zu Gaste und gelangte auf der Reihe Frühstücks- und Besperbesuche auch zu meinem Schulkameraden „aßartjmefters Wilhelm", dessen Hof am äußersten Ende des Dorfes liegt. „Wachmefter" wird er genannt, weil fein Vater in der hannoveranischen Armee Wachtmeister war und fein standesamtlicher Name auch zu häufig im Orte vorkommt.
Als Wilhelm nach dem Tode seines Vaters den Ackerhof übernahm, gehörten nur ungefähr 40 Morgen dazu, wie auch Scheune und Stallung damals noch klein und unansehnlich waren. Jetzt zählte sein Ackerbesitz nicht weniger als 120 Morgen, und der Hof nahm sich als einer der ftatt” haften im Dorfe aus. Mit berechtigtem Stolze und mannhaftem Selbstgefühl führte Wilhelm mich durch Haus und Hof und über feine nahe am Hofe liegende, von Planken umhegte Viehweide, auf der Kühe und Pferde gingen, blank und rund. Hühner, Enten und Gänse in großer Zahl beoulfcrten den Hos, und wenn die Aufkäufer aus Münden oder Göttingen oder Gott weiß woher sonst kamen, konnte immer reichlich geliefert und eingenommen werden. Alle Schweinekoben waren voll besetzt man merkte nichts von der Not der Zeit.
Der Wohlstand des Hauses kam mir so recht zum Bewußtsein, als wir an dem krachend vollen Vespertische saßen. Nichts fehlte da aus der „guten alten Zeit mit ihren Mettwürsten, Schinkenftücken und Eiern, der Gold- butter und dem eingemachten Käse. Eins aber fehlte, was sonst nie fehlen Durfte: der Buddel mit dem gebrannten Wasser, wie es die Gutsbrennerei meines Heimatdorfes ehemals so reichlich erzeugte. Ja, der „Jühnsche Sluk" fehlte; dafür aber konnte ich Milch mit dickem Flott trinken, soviel ich mochte. Bewunderungsooll fragte ich den alten Kameraden, wie es denn daß er in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines bis- ?.?*l9en Lebens den Hof hatte so gewaltig vergrößem und ausbauen tonnen, ohne habet tn schwere Schulden zu geraten?
9r,blitzte es in seinen klugen, von rötlichen Aederchen durchzogenen Augen auf, ein verschmitztes Lächeln huschte über fein kräftiges, rot«
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Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei N. Lange, Gießen.'
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braunes Gesicht, und er sagte In seinem kraftvoll knarrenden Tone; „$e Rochlitzen mein Kittel gepaßt hätte, würde ich mit meinem Hofe nicht so weit gekommen fein." (Natürlich sprach er das alles und n noch folgt in unserem derben, unbehauenen Platt.) Er klopfte nj auf die Schulter und sagte mit einem knarrenden Lachen: „Junge, schreibst doch so allerhand drollige Dorfgeschichten, da kannste auch niei Geschichte mal aufschreiben: beim ich glaube, so eine haste doch noch „ geschrieben."
Und Wachmesters Wilhelm erzählte: Als er ben Hof übernahm, ja er noch keine Frau. Riekes-Betens Rosine, bie er eigentlich haben u» war ihm burch bie Latten gegangen, unb so mußte er sich wohl ober ii anberroeitig umsöhen. Da sagte denn nun bie alte Rochlitzen, bie inim bei ihnen wusch: Sie wüßte ihm eine, bie auch Gelb hätte. Im Obergeich wäre bas, ba hinter Münben. Das Dorf nannte sie ihm natürlich «u* — aber ben Namen wollen wir man lieber verschweigen, bamit bie gut« W Leute nicht am Enbe noch ganz fünsch werben. Wachmesters Wilhelm ch nämlich zu ber Rochlitzschen: Da hätter er kein rechtes Vertrauen zu, rot) in ber Gegenb bie Leute noch „altmodische Gesichter" hätten.
An hübschen Mädchen mangelte es übrigens deshalb noch lange miifi denn wie zum Mai die Blumen, so kommen zur Kirmes die jumyr Mädchen von nah und fern, und fo war denn da auch eines aus M Leinetale gekommen, das zur Verwandtschaft von Klosterilfens gcfjorti. Gin ganz „fermostes" Mädchen, versicherte Wilhelm, mit braunen 2lu;n unb braunem Haar, ein richtiges „schwarzbraunes" Mäbchen, wie mir»,' als wir noch jünger waren, in den unvergeßlichen alten Spinnlickm befangen. j;
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Unb es hat richtig nicht fein sollen, benn als Rochlitzen fein fctti enblich fertig war, hätte man ja nun immer noch reifen tonnen; aibii L1|Ut da kam schon bie Kirmes bazwischen. Die mußte nun eben ohne Iw fui Mäbchen aus bem Obergericht gefeiert werden.


