Ausgabe 
22.9.1939
 
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Dichter und Diplomat.

Ium 60. Geburtstag von Ernst Schmitt.

Von Paul W i t t k o.

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....... vorigen Jahrzehnt eine große Besinnung durch die besten liile des deutschen Volkes zu gehen begann und diese zu den wertvollsten Ätinobien der deutschen Seele sich zurücktasteten, da verhalfen ihnen kju mit «in paar Bücher eines deutschen Diplomaten, des Hessen Ernst 61) mitt. Dieser Deutsche von altem Schrot und Korn, der Abkörnm- Hua oberhessischer Bauern und Sohn eines späteren Geh. Finanzrates im M|- Finanzministerium, der in Lauterbach am Vogelsberge zur

Kür meine Söhne.

Von Theodor Storm.

Hehle nimmer mit der Wahrheitl Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue. Doch, weil die Wahrheit eine Perle, Wirf sie auch nicht vor die Säue. Blüte edelsten Gemütes Ist sie Rücksicht; doch zu Zeiten Sind erfrischend wie Gewitter Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Wackrer heimatlicher Grobheit Sehe deine Stirn entgegen; Artigen Leutseligkeiten Gehe schweigend aus den Wegen. Wo zum Weib du nicht die Tochter Wagen würdest zu begehren, Halte dich zu wert, um gastlich In dem Hause zu verkehren. Was du immer kannst, zu werden, Arbeit scheue nicht und Wachen; Aber hüt« deine Seele Bor dem Karriere-Machen. Wenn der Pöbel oller Sorte Tanzet um die goldnen Kälber, Halte fest: du hast vom Leben Doch am Ende nur dich selber.

Rlt gekommen ist, in Gießen und Berlin Rcchtswissenjchast studiert liä dann die diplomatische Laufbahn eingeschlagen hat, trat sehr bald ich dem verlorenen Weltkriege in den Kampf ein gegen die völlig ver- lolrcnen Zustünde in der Welt und besonders im deutschen Vaterland«, (Jen die verhängnisschweren Feindschaften der Völker und innerhalb der Her, gegen Eigensucht und Bosheit, gegen Irrlehren, Verdrehungen m Verfälschungen, gegen Unverstand, Enggcistigkeit und wirre Schwarm- [lifterci von einem eingebildeten Traumlande, gegen Schndhastes, Faules, "rsallenes. Mit heiligem Ernst legte er zuerst 1920 in einer politischen kluist unter dem TitelDie Wiederausrichtung Europas" nieder, was »zur politischen und seelischen Erneuerung zu sagen wußte, und ries in ki MonatsschriftDie T a t" zu neuem deutschem Glauben auf.

In den nächsten Jahren erschienen bann seine RomaneHochzei t", iS i e Heimkehrer" undLeberecht Kit t", die alle drei den Mchen Zweck verfolgten. Sie entstanden aus tiefstem seelischen Erleben 1 hnus als Notwendigkeiten des eigenen Ich. Der erste von ihnen ist der stakste und reichste. In seinem Mittelpunkte steht ein ganzer deutscher p«nn mit den edelsten Eigenschaften unseres Volkstums, der srifchäugig W srischherzig tatfroh zugreift und im Jahre 1866 die deutschen H«ne hochzeitlich miteinander verbindet im großdeutschen Gedanken, aller Mtschen Kleinstaaterei zum Trotz.

!D i e Heimkehrer" aus dem Weltkriege, die nacki dem heimischen fmelsberge zurückkommcn, scharen sich um eine ragende Führcrgestalt, pe sie vor dem Bersall in die Ideen des Anarchismus bewahrt und sie nützlichen und wackeren Siedlern zu erziehen im Begriff steht, doch

k das Opfer Unverständiger fällt. Man denkt bei diesem Roman an I Heimann Burtes kühnen KünderromanWillsebcr" und an Johanna P'lffsHans Peter der Lebendige", in denen der gleiche mächtige Urn- 'W Ausbauwille sich offenbart. AuchL e b e r e ch t Kitt", der seine knot von Bonapartes Bedrückerhorden 1806 befreien will, findet den

Wrtyrertod. '

L Einem Säemann gleich, der in die Herzen des Volkes den deutschen «eneinschastsgedanken sät, erfühlt und ersaßt Schmitt in diesen Romanen ine deutsche Wesen in seinen Wurzeln. Und er zeigt sich nicht nur als wirser Beobachter der heimischen hessischen Landschaft; wir lernen ihn Men wegen feines tief innigen Raturempsindens, seiner blühenden k natliebe. Am eindringlichsten gab er dieser Liebe Ausdruck in den rpifl, sprachlich meisterlich geformten Sonetten, die erEin f") r" benannte. Wenigstens eines von diesen sei hier wiedergegeben, p5 dem Vogelsberg gewidmete:

Basalten liegt mein breites Heimatland hoch hingebuckelt in die hellen Gauen, von einem Gipfel klar zu überschauen, gegliedert, stark, mit Recht ein Berg genannt. Die dunklen Wolken Wies' und Wald umbrauen, nur selten sieht der Blick ins tiefe Land, doch scheint die Sonne, hebt sich gottgesandt ein Jauchzen aus wie ein Gebet zum Blauen. Mein Land, du bist der deutschen Seele Bild, in Ruhe Dampf, ein dunkelstählern Schild, fchaut Gott darauf, in tausend Lichtern flimmernd. Ich gleiche dir! Auch mir ward herrlich schimmernd basaltnem Sinn und wolkcnsinsterm Wahn der Glaube beigesellt, ein klar Bejahn.

Schmitt wirkte während des Weklkrieges afo Legatlonsrat des öcö deutschen Gesandtschaft kn Bern. In den Ostertagen 1918 war er dazu ausersehen, mit einem sranzösischen Diplomaten, der im Auftrage (einer Regierung einen Fühler ausstrecken sollte, unter welchen Bedingungen Deutschland zum Frieden geneigt sei, zu konserieren. Er Iras sich mit i>cnx Franzosen in der Bibliothek der Stistskirche zu St. Gallen. Eine Einte gung blieb aus und das Schicksal ging seinen Weg... Schmitt hat diese Begegnung in der SchristIm Anfang war die K r a f t" in mitreißender Beredsamkeit dargestellt, als ein rassiger deutscher Künstler« mensch von heiligster, innerster vaterländischer Beseelung. Schmitt hat dann narb dem Kriege mit Loucheur in Versailles die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen als Führer einer deutschen Delegation ein­geleitet, ist später Generalkonsul in Mailand gewesen und 1934 als deutscher Gesandter nach Lima, der Hauptstadt von Peru, gegangen. Da er künstlerisch so Starkes zu schassen vermocht hat, über alle Hindernisse hinweg, die ihm fein verantwortungsvoller Berus auserlegt und zwischen« schiebt, dars man die Hossnung hegen, daß das bisher von ihm dichterisch Geleistete durch Kommendes noch überboten werden wird.

Gerichtstag.

Von P a u l G. A. K l e i n. .

Das weiß niemand, wenn er sich am Abend zum Schlaf niederlegt, was ihm der nächste Morgen zuträgt an Gutem und Bösem. Auch de« alte Schoss wußte das nicht, als er sich aus seinem Strohsack ausstreckle« Aber als er am nächsten Morgen vor seiner kleinen Hütte steht und itt den blanken Morgen blinzelt, da geschieht ihm das Wunder: Der Land« bote kommt mit einem Bries.

Es gibt Menschen, denen dies nichts Ungewöhnliche» ist; sie erlebet! es mit dem Gleichmut der Gewohnheit jeden Tag. Aber für den aller* Schoss ist es etwas Unerhörtes, das er noch nicht erlebt hat in der* füllen Jahren feines Alters. Wer soll ihm auch schreiben? Er hat draußen in der Welt keine Freunde, keine Verwandtschaft, von da ihm ein ülnruf kommen könnte.

Er soll bescheinigen, daß er den Brief bekommen hat, den großer* gelben Brief. Da muß er lachen. Sieht beim der Briefträger nicht, datz er den Bries bekommen hat? Run, bas genügt dockst Und schreiben meint ihr? Er lacht über den Narren, der glaubt, der alle Schoss könne schreiben-

Er kann mit zitternder Hand ein Kreuz aus das Papier malen, wenn ihr das wollt. Mbcr [einen Namen schreiben, das kann er nicht.

Halt", lagt er zu dem Boten, der sich schon zu gehen anschickt, aks| ob die Zeit nicht den Atem anhalte, weil hier ein Ereignis eingetreten ist, wichtiger als Mondwechsel und Sonnenwende, Hagelschlag und Spätsrostl Halt , sagt er,warte einmal. Vorlesen mußt du mir den Bries, dein* du hast eine Brille, wie ich sehe."

Eigentlich geht den Briefträger nur die Aufschrift auf dem Umschlags etwas an; der Inhalt liegt nicht im Bereich seiner Zuständigkeit und seiner Pslicht. Aber er tut dem Alten den Gefallen und er tut ihn auch seiner Neugier und reißt den Umschlag auf und entfaltet den gelblichen Bogen.Ihr müßt vors Gericht, Schäft", fagt er.Bors Gericht müßt Ihr, als Zeuge. Am nächsten Mittwoch, um zehn Uhr. In Sacher* Baizuweit. Ja, da steht es."

Der Alte sieht iyn an, als ob kein Sinn in seine Rede zu bringen sei.

Soso", jagt er. Dann blickt er aus das Papier, das ihm in die Hand

gegeben wurde.Soso. Zeuge, sagst du. 'Bors Gericht als Zeuge. Mann, sagst du?" Er weiß nicht, wie es auf einem Gericht zugeht. Er ist nie

aus einem Gericht gewesen. Das Gericht ist in der Stadt, und die Stadt

ist weit. Immer noch seltsamer, je länger man es sich überlegt: Männer, die ihn nie gesehen haben, sie schreiben dem alten Schoss einen Brief, den er nicht lesen kann; und dann muß er aufs Gericht kommen. Seltsam ist das. Aber es ist die Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, und sie ruft ihn.

Vor diesem Ereignis verblaßt alles, was sonst seinen lag ausmacht- Auch die Erinnerung hat kein eigenes Licht mehr vor diesem. Weit weg liegt das alles, die Last des Tages, die tägliche Arbeit und die Erinne­rung an Vergangenes. Das Unbekannte erdrückt das Vertraute, die grell« Gegenwart blendet die Augen für das Vergangene. Ist nicht der Am« brofius, fein Aeltester, vom Kornwagen gefallen und nicht mehr auf- gestanden? Und ist nicht der Zweite in die Welt gegangen, und dann kam eines Tages die Nachricht, daß er sich erhängt habe? Starb nicht di« Frau, starb sie nicht fünf Jahre lang? Zündete nicht der Blitz sein Haus« das armselige, an? Wohl wahr, aber was bedeutet das alles noch, jetzt, wo das Gericht ihm vor Augen steht mit seinen Ansprüchen un« bekannter Art?

Oh, die Tage des alten Mannes sind erfüllt von Furcht vor dem Un­betonten und von Stolz auf die Erhöhung, die er jetzt in seinem Alter noch erfuhr! Oder düngt cs euch ein Ganges, daß ihm das Gericht schrieb? Daß ihn das Gericht nötig hat, durch fein Zeugnis darzutun, was recht und was unrecht sei?Balthasar Schoss", wird der Richter zu ihm sprechen und seine Stimme wird dröhnen wie Gottes Stimme im Jüngsten Gericht,Balthasar Schoss, es wird Zeugnis von dir ver­langt, daß diese Berte Baizuweit von ihrem Mann geguält und ge­schlagen worden ist. Ist es wohl recht, daß die Ehe deswegen getrennt werde?" Und dann wird er antworten, frei und ohne Zögern:Ja, es ist recht." Am Mittwoch also...

Als Schaff ein paar Tage später von fern her einen dünnen zittern­den Glockenton hört, da weiß er: es ist Sonntag; und er steckt ein Holz­scheit in die Erde vor seiner Hütte, daß er den Tag nicht verfehl«. Als die Sonne am nächsten Tag ausgeht, pflanzt er ein zweites Scheit daz«. Und als der Abend mit ferner Dämmerung auf das dritte Scheit fällt, holt Schaff aus feiner Kiste den feierlichen Anzug, den schon sein Vater getragen hat, in dem er getraut wurde und in dem man ihn auch bei graben wird.

Zum Gericht in di« Stadt ist ein weiter Weg. Früher ging man ihn In fünf Stunden. Früher ... zehn wird man jetzt brauchen, da die alten Füße nur unwillig ihren Dienst tun.