nernen Banke des 5)o\ts und ote ötufen der ’iKurmonreppe jreuuijenv. Mein Blick fiel airf den Sachfen, der dem Primas das Kreuz vorge- tragen hatte. Er war in der Mitte des Haufens stehengeblieben und hielt das ihm anvertraute Zeichen noch immer hach. Ein roter Bart deckte zum großen Teil das lehmfarbene Gesicht; dennoch schien mir, ich sollte diese groben Züge kennen. Wahrhaftig, es war Trustan Grimm, der Verlobte meiner Hilde, der Tochter des Bogners in London. Ich freute mich, ihn als Mönch zu finden, und mutmaßte, daß ihn Hilde trotz ihrer Erniedrigung und dem Willen ihres Baters verschmäht habe, wie es sich auch verhielt, ich aber erst in späteren Tagen mit Gewißheit erfuhr.
acgen den neuen Primas, feinen Kanzler, der sich weigere, ipnen ihre entlaufenen fächfifchen Knechte zurückzugeben, welche — so klagten die Herren — jetzt haufenweise den Klostern zueilen, um sich das Haupt scheren zu lassen; wozu Herr Heinrich mißmutig das seinige schüttelte.
Am Morgen nach seiner Ankunft in Windsor versammelte sich in der großen Halle des Schlosses aller Adel, um die heimgekehrte Majestät zu begrüßen. Sie schlummerte noch. Ich aber bewachte die Tur, durch welche mein König in die Halle zu treten pflegte, und von wo sich die glänzende Versammlung leicht, überschauen ließ.
Unter all den Herren war von nichts anderem die Rede als von der unerklärlich plötzlichen Verwandlung des Herrn Thomas. Sie waren gespannt auf feine Erscheinung; denn sie wußten, daß er kommen wurde, die Majestät zu begrüßen, und unterhielten sich lebhaft mit gedampften Stimmen, wie es sich in königlichen Gemächern geziemt. Rur Herr Rollo, der Greis, der sie alle um Haupteslänge Überragte, tat sich keine Gewalt an, und feine Rede grollte wie ein dumpf rollender Donner.
Er stand auf der rechten Seit« des Saales in einem Kreise bejahrter Herren, die hagerste, trockenste Gestalt unter ihnen, und lästerte nach seiner Art gegen die Gesamtheit der Geschorenen und den neuen Primas insbesondere. . m „ ... .. ,
.Nie traute ich ihm Mannestreue zu', schalt der Waffenmeister, .dieser blassen Memme! Der falsche und feige Sklave duckt feinen dünnen Leib in die Kutte, weil er ihn dort mehr in Sicherheit glaubt als unter dem Schilde feines Königs. Hält' ich mit dem Heuchler angebunden, solange er ein Schwert trug! Ihr werdet erleben, der Ränkeschmied stiftet uns schweres Unheil an!'
Und die Herren stimmten ihm bei.
Auf der anderen Seite höhnten und kicherten die »ungern, denen Herr Wilhelm Tracy fein Mokierbüchlein wies.
Dieser Herr war ein fertiger Zeichner, müht Ihr wissen, der mit dem Stifte zu spotten verstand wie kein anderer. Mit einer kleinen Verzerrung verwandelte er ein Menschenantlitz in das eines Tieres oder in das Abbild eines toten Dinges, dem Gelachter aller Welt es preisgebend. Auch mich faßte einmal fein Griffel und schuf mich zu einem krummbeinigen Jagdhund, der dem König in feiner großen Schnauze eine Schnepfe zutrug. Obichon mir damals der Spatz nicht gefiel, war ich der erst«, ihn zu belachen, denn es war das klügste. Andere, von reizbarem Blute und besserem Adel als ich, erzürnten sich wohl, wenn sie Herrn Wilhelm in solcher Verwandlung auf die Täfelchen seines Buches kritzle, das er jederzeit an den Gurt gekettet trug. Gut, daß feine Klinge ebenso spitz war als fein Griffel, sonst hätte ihn dessen Scharfe das Leben gekostet. ' ,, , .
Der Spötter wies jetzt der jungen Ritterschaft ein neues Blatt feiner Schlldereien. Neugierig näherte ich mich Herrn Rinald dem Schönen, wie sie ihn nannten, der das Spottbüchlein eben in der Hand hielt. Er wand sich vor Lachen und ließ dabei das Büchlein auf den Boden fallen. Ich hob es ihm auf und erblickte darin eine seltsame Pflanze. Aus einem mageren Halm, dessen herabhängende Blätter die Aerrnel einer Kutte bildeten, wuchs am schwanken Stielchen eines dünnen Halses als Aehre ein mir wohlbekanntes Marterangesicht. Es war die Heuchelgestalt eines Eremiten und der Pirmas, wie er leibte und lebte.
So schnell wird am Hofe ein Gefürchteter zu einem Berlacyren.
Das Büchlein machte noch die Runde, da vernahm man aus der Ferne einen wunderlichen Klang. Es war eine fromme, einfältige Litanei, die sich dem Burghöfe langsam näherte, von tausend und aber tausend inbrünstigen Stimmen halb kriegerisch, halb klag!am gesungen.
.Der Primas und seine Bettler!' ertönte es im Saal, und die Herren eilten an die Fenster. Auch ich fand meine Spalte und sah, wie Herr Rollo von der zunächst ragenden Zinne die gepanzerte Rechte gebieterisch ausstreckte. , ....
.Die Zugbrücke auf! Zu die Torflügel! schrie er in den Burghof hinunter, wo normännische Waffenknechte das Tor hüteten. Wer der friedliche Heerhaufe: Mönche, Bettler, Kinder, jegliches Volk geringer Art, drückte und drang wie eine Herde unaufhaltsam herein. Die Kriegsknechte konnten Herrn Rollo nicht mehr gehorchen, sie waren unwillkürlich zurückgewichen, denn Herr Thomas hatte sie mit ausgebreiteten Armen gesegnet. Er schritt hinter einem hochgetragenen Kreuze an der Spitze seines armen Zuges. Er, den ich nie anders hatte zu Hofe kommen sehen als im kostbarsten Aufzuge und mit dem edelsten Geleite, trug ein grobes, härenes Gewand, und die Zehen feines nackten, auf Sandalen wandelnden Fußes glänzten unter der dunkeln Wolle hervor wie ein Stück Elfenbein. .....
Ehrerbietig und scheu empfing ihn die königliche Dienerschaft, um ihn in di« Burg zu geleiten. Noch einmal wandte er sich auf der Schwelle gegen die ©einigen und gebot ihnen, geduldig feiner Rückkehr
zu harren.
Sie gehorchten und lagerten sich demütig auf den Boden, die stei- ---nen Bänke des Hofes und die Stufen der Marmortreppe freilasiend.
Inzwischen hatte Herr Thomas die inneren Treppen erstiegen und gerade, da ich mich wieder zum Fenster zuruckwandte, trat er in die Halle. Das Ziel aller Blicke, schritt er leise bis in die Mitte des Gemaches. Hier erhob er langsam den Blick auf die Versammlung und mit einer väterlichen Gebärde die segnende Rechte. Ein umutiges Gemurmel lief durch die Reihen, aus dem das Scheltwort des Waffenmeisters her-
Do stieg aus der Tiefe des Hofes ein lautes Getön« auf, gemischt aus Geschrei des Weinens und der Freude, so datz man den Jubel vom Jammer nicht unterfcheiden und trennen konnte; denn es roar, feit ine X, . r , <_ MAylnrA« P.nHon {ott niin.nprt rlnhron
nüchterner Tag! Schütte dein Hc
Sachsen ihre heimischen Könige verloren hatten, seit hundert Jahres das erstemal, daß aus einem königlichen Fenster Gruß und Segen auf
breitete, von den Normannen verschmäht, ferne barmherzige Rechte über das Volk der Sachsen aus. . _ ...
Geheimnisvoller!'
.Deine Rede, mein Herr und König, trifft mich unerwartet, am» wartete der Kanzler. Lch bin kein anderer, als ich schein« und mich trage! dein Diener, den du kennst.'
,So bin denn ich behext?' rief Herr Heinrich. Lst dies meine Hamm — Bin ich der König? — Bist du mein Kanzler? — Haben wir la® um Tag zusammengefesfen und dieses Land regiert? ... — Nein, treiben1 wir keinen unzeitigen Scherz! Es ist nicht Faschingsnacht, sondern helles nüchterner Tag! Welch ein unheimlicher Geist ist in dich gefahren- Schütte dein Herz vor mir aus ... Du weiht, das meinige steht dm
immer offen!' . w
Zch danke dir, o König, daß du dein Geschöpf ermutigst, frei mit ein zu reden', erwiderte der Primas. ,So wag' ich es, dir zu bekennen, dag diese Hand zu schwach ist, um zugleich den Bischofsstab und dein Siege» zu führen. Unausbleiblich käme das ein« der mir anvertrauten Kleins oder das andere dabei zu Schaden, und ich bin ein zu getreuer Knecht, um dir einen unbrauchbaren Kanzler oder der Kirche einen f4Iea)i® Bischof zu gönnen. Nimm, ich flehe dich darum an, o Herr, dies Ze >4^ deines mächtigen Willens, der mich zu feinem Werkzeug erkor dn- Pfcmd deiner übergroßen, unverdienten Gnade, die mich lange WO™ beglückte, nimm es heute wieder von mir!'
Und Herr Thomas griff in die Falten feines allzu weiten Gewandes zog das Staatssiegel mit den drei Leoparden daraus hervor und reich' es dem Könige entgegen, um es m [eine Hand zu legen. .
.Keineswegs!' rief Herr Heinrich und trat einen Schritt zurück, .1^ Kanzler, haben wir nicht gewettet! Nicht eine Stund« kann ich vf11**1! Dienst entbehren. Nur du und deine Klugheit können das äuftan - bringen, worüber wir zusammen gedacht und gewacht haben. 34 , - n. mit meiner starken Hand das garte Gewebe deiner Finger zerstöre» Kein Sträuben! Mein Kanzler bist und bleibst du!' ...
.Du willst nicht mein Berberben', beschwor ihn Herr Thomas, ;oap» bist du zu großmütig! Siehe, ich fürchte mich, den Hohem zu eegu^ dem du selbst mich anheimgegeben hast. Er ist ein eiferfüd) tiger Meim der keinen zweiten neben sich duldet.'
Diese schwer zu deutend« Rede verwirrte den König dergestalt, er das Siegel unwissentlich zurücknahm. Er runzelte argwöhnisch Stirn, und seine Stimme klang mißtonig, als er fragte: .Wem ich dich abgetreten? Doch nicht dem Papste in Rom?" (Forts- folg"
sie herabfloh. t. , , „ .
Die Normannen aber ballten die Fauste oder legten sie an den
Knauf ihrer Schwerter. .
Der Primas wandte sich, ohne jemandes zu achten, gegen Oie wohlbekannte Türe des Königs, gerade da ein Kämmerer von innen fii öffnete und Herr Heinrich in guter Morgenlaune in den ©aal trat. Ehrerbietig stand Herr Thomas vor ihm und harrte feiner Anrede mit gefenttem Haupte und in unterwürfiger Haltung.
Herr Heinrich betrachtet« feinen Kanzler eine Weile aufmerffam unb zweifelnd, nicht anders — haltet mir's zugute — als man einen lang jährigen Liebling — Roß oder Bracken — beschaut, der durch Schm oder Stutzen des Schweifes seine Gestalt verwunderlich geändert hat Ueberratoung und Gelächter stunden aus seinem Gesicht; doch gedachte er [einer königlichen Würde und Weisheit und entließ zuerst die Hofleuti mit einer leutseligen Handbewegung.
.Kir danken euch, Herrschaften', sagte er, .für eure Begrüßung Dienstwilligkeit und Liebe. Freude und Fröhlichkeit des Wiedersehen! oerfparen Wir auf Unsere festliche Tafel, zu der Wir euch all« emlaten,. wie es unfere Gnade und cuerm Werte geziemt. Doch vorerst di« Geschäft« mit Unferm Kanzler. Wollet inzwifchen einen Gang in Unsre neuen Gärten tun. Vergeßt nicht einen Blick zu werfen auf den neuen; Wasserspender im hinteren Hose, den grimmigen, ehernen Lowenkop, den Uns der wallonische Meister in Unsrer Abwesenheit vollendet hat- Au revoir, seigneurs barons!'
Nach diesen Worten des Königs leerte sich der ©aal; der letzte, bet' widerwillig hinausschritt, war Rollo der Waffenmeister.
Jetzt konnte sich mein Herr und König nicht länger halten. Zimi Henker, Thomas, wie siehst du aus?' sprach er neckend seinen Kanzler: an, .kommst du aus der Mauser? Die Federn sind dir ausgefallen, uni* die Widderhörnchen deiner ritterlichen ©chuhe hast du dir abgestohen — ja, wie ich sehe, sogar die ©chuhe selbst verloren! ... Ei, ei! Was kann man nicht alles an einem Philosophen, wie du, erleben! — Du bifti doch keine schillernde ©chlange, welche die Haut wechselt? Zugegeben,, daß etwas Abstinenz einen Bischof kleide, so tust du des Guten p du Großartiger, viel zu viel! ... Willst du dich toi« ein Aszet der Wusln abtöten? So kann ich nicht wieder mit dir Mahlzeit halten, was meint! Wonne war; denn Wasser und Wurzeln taugen einem töniglidjeni Magen nicht!' ,
Herr Thomas hatte diesen lustigen Worten mit gesenkter Stirn« zugehört, ohne eine Miene zu verziehen; nun richtete er die Augen aun das Angesicht des Königs. Da sah mein Herr, wie strenges Fasten unw Kasteiung die Wangen des Bischofs verzehrt, die Form feines Schädeln verfchärst und feinen jederzeit ernsten Blick fremdartig vertieft hatte. ,
Es übermannt« meinen Herrn ein Mitleid. .Thomas, mein Liebling» begann er wieder, .wirf nun dein« Maske weg! Wir sind allein unM unbelaufdjt. Ich glaub’ es, die Mummerei ist zu meinem Besten, aber: Gott verdamme mich, wenn ich verstehe, wohin du damit zielst! Wa« bedeutete-diese Verwandlung? Deffne deinen Mund, du Rätselhafter»


