Nein, weil er einen grünen Rock trug.

Ach, das ist zu komisch ... Der Laubfrosch. , S e ch s u nbzw a n zi g st e s Kapitel.

Bei Sonnenuntergang waren beide wieder daheim, und Käthe, naey- bem sie Hut und Mantel an Minette gegeben und den lee beordert hatte, folgt« Botho in sein Zimmer, weil es sie nach dem Bewutztfem und der Genugtuung verlangte, den ersten Tag nach der Reife ganz und gar an seiner Seite zugebracht zu haben. e,.,.

Botho war es zufrieden, und weil sie fröstelte, schob er chr ein Kissen unter die Füße, während er sie zugleich mit einem Blard zudeckte Bald danach aber wurde er abgerufen, um Dienstliches, das der Erledigung bedurfte, rasch abzumachen. __ ,

Minuten vergingen, und da Kissen und Plaid mcht recht helfen und die gewünschte Wärme nicht -geben wollten, so zog Käthe die Klingel und sagte dem eintretenden Diener, daß er ein paar Stucke Holz bringen ^Zucheich"erhob°sie sich, um den Kaminschirm heiseite zu fchieben und sah, als dies geschehen war, das Häuflein Asche, das noch auf der Eisen- P1° 3m gelben Moment trat Botho wieder ein und erschrak bei dem Anblick, der sich ihm bot. Aber er beruhigte sich sogleich wieder, als Käthe mit dem Zeigefinger aus die Asche wies und in >hrem scherz- hasteten Tone sagte:Was bedeutet das, Botho? Sieh, da hab ich dich wieder mal ertappt. Nun bekenne. Liebesbriefe? Ja oder nein?"

Du wirft doch - glauben, was du willst."

Ja ober nein?"

Gut denn; ja." , , ,.

,D as war recht. Nun kann ich mich beruhigen. Liebesbriefe, zu komisch Aber wir wollen sie doch lieber zweimal verbrennen; erst zu Asche und dann zu Rauch. Vielleicht glückt es."

Und sie legte die Holzstücke, die der Diener mittlerweile gebracht hatte, geschickt zusammen und versuchte sie mu ein paar Zündhölzchen anzuzünden. Und es gelang auch. Im Nu brannte das Feuer hell auf, und während sie den Fauteuil an die Flamme schob und die Füße bequem und, um sie zu wärmen, bis an die Eisenstäbe vorstreckte, sagte sie: Und nun will ich dir auch die Geschichte von der Russin auserzählen, die natürlich gar keine Russin war. Aber eine sehr kluge Person. Sie hatte Mandelaugen, alle diese Personen haben Marchelaugen, und gab vor daß sie zur Kur in Schlangenbad sei. Nun, das kennt man. Einen Arzt hatte sie nicht, wenigstens keinen ordentlichen, aber jeden Tag war sie drüben in Frankfurt oder in Wiesbaden ober auch in Darmstadt und immer in Begleitung. Und einige sagen sogar, es sei nicht mal derselbe gewesen. Und nun hättest du sehen sollen, welche Toilette und welche Sussifance! Kaum, daß sie grüßte, wenn sie mit ihrer Ehrendame zur Sabie d'hote kam. Denn eine Ehrendame hatte sie, das ist immer das erste bei solchen Damen. Und wir nannten sie die .Pompadour', ich meine die Russin, und sie wuht es auch, daß wir sie so nannten. Und die alte Generalin Wedell, die ganz auf unsrer Seite stand und sich über die zweifelhafte Person ärgerte (denn eine Person war es, darüber war kein Zweifel), die alte Wedell, sag ich, sagte ganz laut über den Tisch hin: ,3a, meine Damen, die Mode wechselt in allem, auch in den Taschen und Täschchen, und sogar in den Beuteln und Beutelchen. Als ich noch jung war, gab es noch Pompadours, aber heute gibt es keine Pompa­dours mehr. Nicht wahr? Es gibt keine Pompadours mehr?' Und dabei lachten wir und sahen alle die Pompadour an. Aber die schreckliche Person gewann trotzdem einen Sieg über uns und sagte mit. lauter und scharfer Stimme, denn die alte Wedell hörte schlecht: ,3a, Frau Gene­ralin, es ist so, wie Sie sagen. Nur sonderbar, als die Pompadours ab- gelöst wurden, kamen die Reticules an die Reihe, die man dann später die Ridicules nannte. Und iolche Ridicules gibt es noch?' Und dabei sah sie die gute, alte Wedell an, die, weil sie nicht antworten konnte, vom Tische aufstand und den Saal verlieh. Und nun frag ich dich, was fagft du dazu? Was sagst du zu solcher 3mperttnenz? ... Aber Bocho, du sprichst ja nicht, du hörst ja gar nicht ..."

Doch, doch, Käthe ..."

Drei Wochen später war eine Trauung in der Jakobikirche, deren kreuzgangartiger Vorhof auch heute von einer dichten und neugierigen Menschenmenge, meist Arbeiterfrauen, einige mit ihren Kindern auf dem Arm besetzt war. Aber auch Schul- und Straßenjugend hatte sich einge- funben. Allerlei Kutschen fuhren vor, und gleich aus einer der ersten stieg ein Paar, bas, so lang es im Gesichtskreise ber Anwesenden ver­blieb, mit Lachen und Getufchel begleitet würbe.

,F) i e Taille", sagte eine ber zunächststehenden Frauen.

Taille?"

Na denn Hüfte."

Schon mehr Walfischrippe."

.D a s stimmt."

Unb kein Zweifel, daß sich dies Gespräch noch fortgesetzt hätte, wenn nicht eben in diesem Augenblicke die Brautkutsche vorgefahren wäre. Der vom Bock herabfpringende Diener eilte, den Kuifchenschlag zu öffnen, aber der Bräutigam selbst, ein hagerer Herr mit hohem Hut und spitzen Vatermördern, war ihm bereits zuvorgekommen und reichte seiner Braut die Hand, einem sehr hübschen Mädchen, das übrigens, wie gewöhnlich bei Bräuten, weniger - um seines hübschen Aussehens, als um seines weißen Atlaskleides willen bewundert wurde. Dann fliegen beide die mit einem etwas abgetretenen Teppich belegte, nur wenig Stufen zählende Steintreppe hinauf, um zunächst in den Kreuzgang und gleich danach in bas Kirchenportal einzutreten. Aller Blicke folgten ihnen.

Un kein Kranz nid)?" sagte dieselbe Frau, vor deren kritischem Auge kurz vorher die Taille der Frau Dörr so schlecht bestanden hatte.

Kranz? .. Kranz? ... Wissen Sie denn nicht? ... Haben Sie denn nichts munkeln hören?" _

Ach fo. Freilich hab ich. Aber, liebe Kornatzki, wenn es nach s Munkeln ginge, gäbe cs gar keine Kränze, mehr un Schmidt in ber Friedrichstraße könnte man gleich zumachen."

Ja, ja", lachte jetzt die Kornatzki,bas könnte er. Un am Ende für o neu Alten! Fuffzig jute hat er doch woll auf n Puckel un sah eigent­lich aus, als ob er seine silberne gleich mitfeiern rvollte.

Woll. So sah er aus. Un haben Sie denn feine Vatermörder ge- ehn? So was lebt nid)." . » ,,

Damtt kann er sie gleich bob machen, wenn s wieder munkelt.

3a, das kann er." ... . / . ro. ,

Unb fo ging es noch eine Weile weiter, wahrend aus ber Kirche chon bas Präludium ber Orgel hörbar wurde.

Den anderen Morgen faßen Rienäcker unb Käthe beim Frühstück, diesmal in Bothos Arbeitszimmer, dessen beide Fenster, um Lust und Licht einzulafsen, weit offen ftauben. Rings um den Hof her mftenbe Schwalben flogen zwitschernd vorüber, unb Botho, ber ihnen all- morgendlich einige Krumen hinzustreuen pflegte griff eben wieder zu gleichem Zweck nach dem Fruhstückskorb, als ihm bas ausgelaffene Lachen feiner feit fünf Minuten schon in ihre ßieblingsjeitung vertieften jungen grau Veranlassung gab, den Korb wieder hinzustellen.

Nun, Küche, was ist? Du scheinst ja was ganz besonders Nette, Sefj>ab ich audT, Cs ist doch zu komisch, was es für Namen gibt! Unb immer gerade bei Heirats- unb Verlobungsanzeigen. Höre doch nur."

"Ich 3hre gheute vollzogene eheliche Verbindung zeigen ergebenft an: Gideon Franke, Fabrikmeister, Magdalene Franke, ge b. Nirn p si ch .., Nimpt ch. Kannst du dir was Komischeres denken? Unb bann Gideon!

Botho nahm das Blatt, aber freilich nur, weil er seine Verlegenheik dahinter verbergen wollte. Dann gab er es ihr zurück und sagte mit soviel Leichtigkeit im Ton, als er aufbringen konnte:Was hast du nur gegen Gideon, Käthe? Gideon ist besser als Bocho."

Schmetterling.

Von Herlnann Hesse.

Flügelt ein kleiner blauer Faller vorn Wind geweht, Ein perlmutterner Schauer, Glitzert, flimmert, vergeht.

So mit Augenblicksblinken, So im Voruberwehn

Sah ich bas Glück mir winken, Glitzern, flimmern, vergehn.

Auf der Walze.

Aus den Aufzeichnungen eines wandernden SaltkrgefeUen.

Von Hermann Hesse.

I.

--Wie ich also denn auf Freiburg kam, verzehrte ich benfelbem "chinken in ber Herberge unb erfuhr fogleich, in welche Art Gesellschaft oder Schnapphähne ich gefallen war. Nämlich nächsten Tag war m meinem Berliner nicht Schinken, noch Käse, noch Geld mehr drinne« zu finden, ich aber trug einen f trupp en Kopf umher und sehnte mH nach meiner Heimat wie ein wachsweicher Rekrut. Unb bevor ich noch in Basel war, war ich arm wie ein nackter Sperling, denn ich hat» weber Berliner noch Ql ebbe* mehr, weil nämlich beibe mir im Elsässi­schen gestohlen worden. Weil ich freilich meines Vaters guten Rat ver­gessen hatte unb nicht in ber Herberge abgestiegen war, sondern m einer wilden Penne. Unb so kam ich auf Basel, konnte dennoch bafettln nicht bleiben, wegen Grenzpolizei, unb wanderte leer wie ein Schlauch nach Neuchatel. Es fehlle auch wenig, so hätte mich ber Hunger er­würgt, unb ich stahl ein Brot und brei Eier, nahe bei Biel in eine« Mühle an ber Straße, wo bann bald ein welsches Wirtshaus kommt Alle Leute parlierten Französisch, unb ich war stolz genug, daß ich vorher ein wenig vom heiligen Schor sch in Dur lach gelernt hatte. Den­noch aber verstand mich niemand und ich merkte, daß hier noch Nichs das rechte Welschland war; denn alles, was sie redeten, kam mir gauZ kurios und unvernünftig vor. Damals erlitt ich. denn Elend genug um wäre schier lieber gestorben. Nur in der Stabt Neuchatel regulierte tnarj mich aufs beste, sogar Wein dazu, unb wies mir den Weg. Dararn muhte ich bei einem Bauern Weinbergpfähle spitzen und Holz tragen bis er mir ein wenig Geld geben wollte, und tarn in den großen WaB 3ura, zwischen Murten unb Bern, wo sie wenig Deutsch vermochten un® die Zehrung war sparsam, wächst auch kein Wein mehr bort. Man trtn J dort auch niemalen Wein, Bier oder Most, sondern lediglich Brannt­wein unb einen grünen scharfen Schnaps, ber ist so stark, man oen rnischt ihn mit kaltem Wasser unb heißt es Absinth. Die Religion n«® unterschiedlich, jedoch mehr katholisch, aber wenig gute Pfarrhäuser.

In Bern redeten sie Deutsch, aber eine unausgebildete Sorte, unß die Stadt ist zum Teil ganz alt unb schief gebaut, ähnlich wie nw* Städte im Bayerischen hat. Doch erging es mir überaus wohl, ich trän nämlich zwei Landsleute an. Johann Miegel zahlte mir die Kost um Dachgeld und brachte mich in seine Werkstatt. Der Meister war laut um mächtig, wollte mich aber doch behalten und wies mir Arbeit. SogW® fing ein schönes Wohlleben an, und ich hatte immer Geld unb braucht- nie teins. In unserer Penne nämlich war keine Seele, welche Mun» harmonika unb Ziehharfe spielen und schön fingen konnte, ich kann - aber alles sehr gut und wurde bald bei allen Gesellen berühmt. Braucht niemals eine Zeche zu zahlen, unb wenn ich sollte Geschichten erzähl^ besann ich mich lang und wartete zu, bis sie mich stark drängten

* Felleisen unb Handwerksbuch.