bven verstehen. Es war etwas Wunderbares um die ausgewogene, groß« Narretei dieser Grauköpse.
Das^war ja die Wachszieher-Babette mit dem lustigen Gesicht und dem (Srtrenaana? Einer von den alten Narren war in der Maske der Babette kommen und diese Babette redete mit der Stimme der richtigen Babette, ss. batte den gleichen Watschelgang, aber der schlenkernde Arm war nicht ed Das ist der Wachszieher selber!" Der Schlenkerarm hatte ihn ver- roien aber es war ganz recht so, die Leute sollten nur wissen, daß er hir war, wenn daheim etwas anderes geschah. Der Wachszieher trank, Ann die anderen tranken, und er brüllte, wenn Die anderen schrien, er Mufrelte als Babette mit alten Herren an, er war ein Narr von großem M b'einer, der das Narrsein noch feierte als ein erbauliches Fest. Und er redete dann, als das Trinken und Reden und Mitsingen ihn trunken ie nacht hatte von den Dingen daheim, vom Wachs, von der Güte seiner Krzen Er beugte sich zu den Bürgern hin und erzählte ihnen, daß er »nicht mehr weitermachen werde. Aber niemand verstand ihn recht.
Keinen Schluck nahm er mehr, und wurde doch immer trunkener.
„Wißt ihr, wie lange eine zöllige Kerze braucht, bis sie abbrennt? Um so zwölf Fingerbreiten, verstanden? Drei Stunden! Drei Stunden. Jck> m.jn es ja wissen, ich bin nicht die Babette, ich bin der Wachszieher.' S< war halb elf, und die alten Narren hatten ihn in die Mitte genorn- ln und ließen ihn nicht mehr weg. Dreiviertel elf. Er war ganz trocken, er »rank jetzt wieder und trank sinnlos. Um elfe begann er zu schreien, ai r da verspotteten ihn die Narrenfreunde, daß er nichts mehr vertrage. Nun er aufstand, drückten sie ihn nieder.
>Elfe' Jetzt mußte bald einer hereinkommen und „Feuer ! schreien. Ho weil keiner kam, schrie er es selber. „Es brennt daheim! Auslassen |oit ihr mich! Selber habe ich die Kerze in die Packwolle gesteckt, jetzt btnnt das Lager aus und die obere Stube, wo die Rechnungen liegen, ft, nach dann das ganze Haus." Er lachte wie ein Narr, das Lachen der P eren aber gefror, als sie die Wahrheit spürten. Ein bissiger Wind war heaufgekommen, der fegte vielleicht das Feuer über die ganze Häuserseite.
es wahr, du?"
Wahr? Es brannte doch schon seit einer halben Stunde. Dieses Maß dii Kerze kannte er gut. Wahr? Die Kleider der Babette verschoben siä als der Mann an der Wand niederglitt, arm und elendig. Die andern Narren hoben ihn auf, er solle heimgehen, besoffen sei er und ein Sri andfleck für die ehrbare Narretei. Da raffte er sich auf, und er sagte mii der Klugheit, die nur den Narren eigen ist: „Es ist ja alles nicht wehr. Und ich bin schon richtig die Babette. Der Wachszieher sitzt daheim un> rechnet, was er euch schuldig ist."
<$r ging aus dem Saal. Der Arm durste nicht schlenkern, er mußte sti! am Körper halten, als fei er gewohnt an das Tragen des Markt- toibes, und die Füße muhten entenwatfchelnd Badettens Gang nach- pnchen.
Babette faß am Tisch daheim und wartete. „Das Licht im Lager haben 6ii auszulöschen vergessen, Herr. Ich habe cs ausgelöscht." Die sagte gar nichts von Brandstifter und derlei Dingen, sic wußte alles und fand fern Siri des Vorwurfes. Da faßte der Mann über den Tisch hin und faßte ich,- Hand, schüchtern fast wie ein Kind. „Wir müssen noch einmal hin- Scn zu der großen Narretei", sagte er, und sie fragte nicht nach dem und, als er die Schminke abwusch und ihr die Kleider gab, die er IHn getragen hatte.
Rach einer halben Stunde kam die gleiche Babette wieder, und der W-chszicher war diesmal bei ihr. „Es hat keinen Sinn", meinte er, „Ksnn man immer vor den Rechnungen sitzt." Dann ging es weiter in bei großen Narretei, und die Narrenbrüder freuten sich, daß die Babette nur auch den Wachszieher noch mitgebracht hatte.
Die Mainzer Kaffenacht.
Anekdote von Otto Anthes.
i Wenn in früheren Jahrhunderten der Winter über einen im Gang bei ndlichen Krieg einfiel, bann wurden beiderseits die Unternehmungen eirgefteüt, die Heere bezogen Winterquartiere und lagen sich bis zur Wedcrkchr der besseren Jahreszeit so friedsam gegenüber, daß die Vor- mjten sogar einen saft freundschaftlichen Verkehr untereinander pflegten. Ec mar es auch im Winter 1792 auf 93 bei Mainz. Im Jahre 1792 hatte iü französische Revolutionsheer Mainz ohne Schwertstreich einnehmen timen, weil der Kurfürst mit seinem ganzen Anhang geflohen war, und hie Bürgerschaft in (Erwartung der Segnungen, die ihr die neue französische Irnhcit bringen sollte, die Einrückenden mit offenen Armen ausgenommen |alte. Zur Abwehr des eingedrungenen Reichsfeindes traten aber alsbald Seterreid) und Preußen auf den Plan, denen sich als einziger unter den ihrigen Reichsfürften der Landgraf von Heffen-Kasfel angeschlossen hatte. $C3 verbündete Heer drängte die inzwischen bis Frankfurt vorgerückten ?rimzosen auf Mainz zurück und schickte sich zur Belagerung der Stadt an, <!< im Dezember plötzlich eintretendes hartes Winter weiter die übliche Wnterruhe gebot. So lagen nun die Verbündeten untätig in der Um- tel ung, während die Franzosen vorläufig unbehelligt Mainz in her Hand «Kelten. Da solchergestalt keine Störung zu befürchten war, so sahen die Rstnzer keinen Grund, weshalb sie nicht ihren herkömmlichen Karneval, ite Fassenacht auf die gewohnte Art feiern sollten. Und die Franzosen Mierseits hinderten keinen, der von draußen kam, zur Teilnahme an der fillksbelustigung in die Stadt zu wandern. Sie sahen sogar durch die {jinger, wenn einzelne Soldaten des zur Zeit nicht übermäßig feindlichen tcres der Verbündeten sich unter die in Scharen einrückenden Bauern tischten, nur nicht gerade in Uniform. ,
In Hochheim am Main nun lag eine hessische Truppe tm Winterlager. I!id ein Grenadier, August Hopp aus Niedermöllrich bei griglar, ein inumtanger und baumstarker Kerl, der viel von rheinischer Fasienacht irt ort, aber nie etwas davon gesehen hatte, bekam auch Lust, sich diese Mgelegenheit einmal zu Gemüt zu ziehen. Er ließ also sein Steinschlotz- gn»ehr und seine hübsche Uniform mit den roten Ausschlägen und weißen
Litzen zu Hause, borgte sich von dem Weinbauern, bei dem er im Quartier lag, einen Anzug und zog mit dem Urlaub seines Hauptmanns los. Er kam auch, ohne angehalten zu werden, durch Vorposten und Tor in die Stadt und hatte bald Gelegenheit genug, sich an dem rheinischen Fasse« nachtswitz zu weiden und zu wundern. Die Mainzer Fasstnacht begab sich damals nicht wie heute mit dem Gepräge eines stundenlangen Zuges, in dem Hunderte von Pferden, zahreiche Prunk- und Ultwagen, Musik und noch einmal Musik den Eindruck einer gesammelten und feierlichen Narrheit Hervorrufen. Die Lachlust und bas. Schaubedürsnis der Menge zu befriedigen, war vielmehr jedem überlassen, der in sich den Drang ühlte, sich närrisch darzustellen. So zogen die Narren, bald als Einzelgänger, bald zu kleinen Gruppen zusammengetan, in den absonderlichsten Verkleidungen und Vermummungen durch die Gassen, entweder auf die bloße Narretei ihres Aeußeren vertrauend oder auch kleine Schauspiele veranstaltend, die sich irgendeine menschliche oder auch nur mainzische Dummheit zum Ziele nahmen. Der Einstellung vieler Bewohner entsprechend war denn auch eine Gruppe zugange, die es sich angelegen sein lieh, bas Heilige Römische Reich zu verspotten, an dem es ja nun leider Gottes nur allzuviel zu verspotten gab. Ein paar Kerle zogen ein auf Räder gestelltes hölzernes Roß von unnatürlicher Länge und Magerkeit hinter sich her, auf dem hintereinander, an Aufputz und Aufschrift kenntlich, ein Kaiser, ein Kurfürst, ein Graf und ein Bürgermeister faßen. Diese nachgemachten Herren, allesamt mit ungeheuer dicken Bäuchen versehen, vollführten, scheinbar wenigstens, ein sortwährendes gewaltiges Gesresse und Gesäuse, indem sie sich mit überlebensgroßen Würsten und unförmigen Trinkgefäßen zu schaffen machten, während das dürre Roh sich unter der Last ihrer Leiber bog. Wenn bann, nach bem Zuge durch mehrere Gassen, eine genügende Menge Volks um das Gewese versammelt war, veranlaßten sie durch eine sinnreiche Vorrichtung das Holzroß, in der Mitte cinzu- brechen, so daß unter dem wahnsinnigen Gelächter und Jubel der Zuschauer Kaiser, Kurfürst, Gras und Bürgermeister zu Boden purzelten. Nachdem wurde bas Roß wieber gerichtet, die Herren kraxelten wieder hinauf, und der Spaß begann von neuem.
Der biedere Hesse August Hopp hatte die Verhöhnung des Reichs, für das er doch kämpfte, mit einigem Mißbehagen angesehen und war drauf und dran, sich unwillig abzuwenden, als von der entgegengesetzten Seite eine andere Gruppe nahte. Es gab nämlich auch unter den Mainzern Leute genug, die schon ein Haar in der französischen Freiheitssuppe gesunden hatten, und auch ihre Meinung tarn in den Veranstaltungen der Fassenacht zum Ausdruck. Hier führten zwei durch rote Mützen als Franzosen gekennzeichnete Burschen einen zerlumpten, überaus kläglichen barhäuptigen Mann an dicken Ketten daher, und andere rote Mutzen umgaben den Unglücklichen in dichtem Schwarm. Sie riefen: „Freiheit!" und ra selten fürchterlich mit den Ketten; schrien: „Gleichheit!" und nahmen ihm Wurst, Weck und Wein aus der Jacke, um die eigenen Taschen damit zu versorgen; schließlich brüllten sie: „Brüderlichkeit!" und schlugen ihm die Pritschen um die Ohren, daß es nur so knallte. Und auch diese Schaustellung wurde von den Mitziehenden mit beifälligem Gejohl begrüßt. Die beiden Züge stießen nun zusammen, und da sie in der engen Gasse nicht recht aneinander vorbeikonnten, gab es zuerst ein Geschiebe und Gezerre hinüber und herüber, bann ein heftiges Geschimpfe, unb schließlich schlugen sie mit ben Pritschen aufeinander los. Der Hesse, schon zu leiblichem Grimm gestimmt unb bie Schlacht für ernster nehmend, als sie in Wahrheit war, sprang eifrig zwischen die Streitenden und herrschte sie an: „Schämt ihr euch nicht, Deutsche, die ihr allesamt seid, euch zu schlagen unter den Augen der Fremden!"
Die also Angeblasenen stutzten nur einen Augenblick, dann itelen fie plötzlich qeeint gemeinsam über den Störer ihres Vergnügens her. Der Hesse wehrte sich nicht schlecht. Den Kurfürsten, der von seinem Holzpserd abqefprungen war unb sich am mausigsten machte, warf er kurzerhand wider die nächste Hauswand und packte schon den zweiten beim Kragen, um ihn hinterher zu schicken. Da aber langte im Eilschritt eine französische Streife auf bem Kampfplatz an, nahm ben Gewalttätigsten, als der sich unser Hesse offensichtlich erwies, bei Arm und Bein fest unb schleppte ihn auf bie Hauptwache. Der wachthabende Offizier machte nicht viel Aisthebens von dem Fall unb befahl beiläufig, ben Unruhestifter für bie Nacht ins Loch zu werfen. Soviel Französisch hatte August Hopp nun in seinem Feldzug schon gelernt, baß er verstand, was „cachot“ bedeutete. (Er nopm alsbald soldatische Stellung und sagte: „Herr Kapitän, das geht nicht. Ich bin hessischer Soldat, liege in Hochheim im Quartier und habe nur bis zwölf Uhr nachts Urlaub." — Der Offizier war durchaus geneigt, bie Bräuche ber damaligen Winterkriegführung zu achten und die herkömmliche militärische Höflichkeit walten zu lassen. Er sprach nun sogar deutsch unb wußte dem Hessen begreiflich zu machen, er müsse nun beweisen, bah er ber fei, für ben er sich ausgäbe. August Hopp besann sich einen Augenblick, wie er, im Anzug bes Hochheimer Weinbauern, solchen Beweis bewerkstelligen könnte. Dann zog er kurz entschlossen fein Kommishemb vorn aus ber Hose, bas war mit beutlichen schwarz aufgemalten Buchstaben gezeichnet:
I. Bataillon Garbe Grenadiere Landgraf von Hessen. ,
Der Offizier ließ mit Grinsen ben Beweis gelten. Aber ob er nun doch bem Gegner einen Schabernack antun wollte ober ob auch ihm bie Fassenacht im Kopf rumorte: er orbnete an, baß ber Hesse, so wie er war, mit heraushängendem Hemb, von zwei Soldaten durch die Vorposten gebracht wurde. So begab sich denn ein Zug durch die Stadt der mindestens ebenso närrisch war, wie bie von ben Mainzern getroffenen Anstalten. Kein Wunber, baß auch dieser Spaß von dem die Straßen füllenden Volk weidlich ausgetoftet wurde. August Hopp aber ließ sich nicht lange stumm umjohlen, sondern rief ber Menge zu: „Ich kann mein Hemb sehen (offen, aber ihr? Ihr feib bescheren von oben bis unten, west ihr bem Reicy untreu feib, bas doch euer aller Mutter ist, wenn auch eine arme und geschundene. Pfui Deibel über euch!"
Nun waren, wie gesagt, nicht wenige, die von dem Franzosen- und Freiheitswahn schon gründlich geheilt waren. Die spendeten dem derb-


