Die Kaiserin lacht beglückt: „Läßt Daun mir das sagen? Wie kam es dazu? Hat es eine Bataille gegeben?" „
„Nicht eigentlich eine Bolaille, Jhro Majestät...
"Volmer'Tagen hat der Feldmarschalleutnant von Laudon, nachdem er es am Tage zuvor schon einmal versucht hatte, bei Dornstadtl einen t>on Troppau heranziehenden feindlichen Wagenzug voll Munition und Proviant angefallen, zweitausend Wagen erbeutet, siebzehnhundert verbrannt und ge mengt; nur dreihundert sind entkommen. Gestern vor Tagesanbruch hat der König die Belagerung aufgegeben und ist nach Böhmen Oi)njBas'Cnenn ich einmal eine Nachricht! Ich danke Ihm, Rabenau!" Sie wendet den Kopf. Ihre Augen lachen vor Glück: „Nun, Kaunitz, soll ich noch immer nach Graz gehen?" Sie sieht wieder den Leutnant an: „Aber jetzt sag Er mir, Rabenau, wie kommt Er eigentlich her? .Ich horte doch, Er sei blessiert und gefangen."
„Ich war es auch, Jhro Majestät." ...
„Ja, haben Ihn denn die Preußen wieder ausgelassen, oder ist Er ihnen am Ende ausgerückt?"
.Mein, Majestät! Ich war wenige Tage in der Festung Schweidnitz, als die Ordre kam, mich unverzüglich an die kaiserlichen Borposten zu überstellen. Am Tage nach Domstadtl rückte ich bei General von Hadik ein."
„Und weih Er, warum Er wieder freitam, Rabenau?"
„Es wurde mir nur gesagt, daß es auf Befehl des Königs fei...
„Na hör Er ..." Die Kaiserin tritt einen Schritt zurück, schüttelt erstaunt den Kops: „Auf Befehl des Königs?" Ein rascher Blick streift das Mädel. Hat ihr die Brand nicht vorhin gesagt, daß sie beim König war. Aber so närrisch wird sie doch wohl nicht gewesen sein. Sie sieht Rabenau in die Augen: „Er weiß also nicht, warum?"
„Halten zu Gnaden, nein, Majestät!"
„Soll ich's Ihm sagen?" Sie winkt die List heran. Ein iahes Erkennen blitzt aus Rabenaus Augen; Glück und Erschrecken zugleich. Die Geliebte bei der Kaiserin? Was soll das bedeuten? Doch er darf sich nicht rühren. Die Kaiserin zeigt auf den Offizier: „Sann Sie dem Monsieur vielleicht sagen, warum der König so generös war, mir ihn wiederzuschicken?"
Von flammendem Rot übergossen senkt Lisl den Kops.
Das Gesicht der Kaiserin wird hart. Sie fährt auf: „Sie wird den König doch nicht darum gebeten haben!?"
Elisabeth Brand nickt beklommen. Jetzt stürzt wohl die Welt zusammen. „ . _ ,,
Wieder erscheint die drohende Falte aus der Stirne der Monarchm. Aber Olmütz ist frei. Heute kann sie nicht böse sein. Kopfschüttelnd sieht sie das Mädel an. Hat die Grand'rnere also recht behalten? Als sie sagte: „Die ist imstand und bittet sich ihren Leutnant noch vom preußischen König aus." Um ihren Mund zuckte es. Nur ein leiser Spott schwingt noch in der Stimme der Kaiserin: „So! Hat Sie den König vielleicht auch gleich um den Heiratskonsens für den Herrn Leutnant gebeten? Oder glaubt Sie nicht auch, daß ich da noch ein Wörtl mitzureden hab?"
Wieder nickt die Lisl.
„Schön von Ihr! ... Aber was meint Sie, was ich jetzt mit Ihr anfangen soll?"
Elisabeth Brand hebt zögernd den Kopf. Die Augen der Kaiserin blicken immer noch ernst, aber nicht böse mehr. Das gibt ihr Mut und setzt ihr Herz und Mundwerk zurecht. Sie sinkt zu ihrem schönsten Hofknicks zusammen, sieht lächelnd auf und sagt: „Majestät haben zu sagen geruht, daß ich kommen darf, wenn ich einen Schatz hab..."
„Und ich Ihr dann vielleicht helfen könnt... Ich weiß." Auch Maria Theresia hat ein Gedächtnis wie der liebe Gott und der Hadik. Sie lacht: „Kann mir ja denken, wie ich Ihr helfen soll. Und ich will auch nicht nein sagen." Sie sieht lächelnd den Leutnant an: „Weil Er mir heute eine rechte Freude gemacht hat, Rabenall... Aber das eine bitt ich mir aus: sorg Er dafür, daß sie mir nicht wieder Liebesbriefe unter die Lebzelten legt!"
Nächtlicher Spuk.
Von Georg Schwarz.
Heut nacht, so um die drei und vier War's nicht geheuer, glaubt es mirl Ich war ein wenig aufgewacht Und jah's genau bei halber Nacht: Der alte Schrank an seiner Wand Wechselte plötzlich seinen Stand Und drehte mir ächzend in aller Ruh Seinen breiten, glatten Rücken zu. Das Sofa in der Ecke schwoll, Als war's ein Balg und würde voll Und stöhnte aus gebunf’nem Leib, Ihm fehle längst ein Zeitvertreib! Doch wie erschrak ich gar darob. Daß nun der Tisch die Beine hob, Stolzierend edel, grab und zier Durchs Zimmer wie ein hohes Tier! Holterdiepolter ging es um, Und rechts herum und links herum. Zwei Stühle folgten feinem Schweif, Ganz gravitätisch, rüdenfteif. Dazu trat aus der Uhrentür Der Kuckucksvogel dreist herfür Und schrie und flog da frei umher. Als ob das in der Ordnung wär'! War ein Gepolter und Radau Die kurze Zeit vor Morgengrau! Vielleicht, wenn Ihr einmal verfrüht Erwacht, Euch auch das Wunder blüht'
Narretei.
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Erzählung von Josef Martin Bauer.
Um ein Uhr hatte es zu schneien begonnen in nebelleichten Flocken Der Wachszieher wußte genau die Viertelstunde, mit ber es angefangen hatte er faß feit Stunden am Tisch vor bem Fenster und schrieb jenen törichten Haufen Zahlen zufamrnen, der ihn morgen ober in der nächsten Woche oder in einem Monate spätestens erdrücken mußte. *
Die schwerfällige Babette tarn um vier Uhr: „Es schneit, Herr. Dei Herr fah von seinen Blättern auf, „es schneit, unb ihren aufgeroarmten Kaffee können Sie in den Ausguß schütten". Darüber grämte sich Babette, weil fie stolz war auf ihren Kaffee unb weil der Herr doch frieren mußte in bem ungeheizten Zimmer. „Ich stelle ben Kaffee ba her. Der Kassei stand um halb sechs noch am gleichen Platz, es schneite weiter, unb auf ber Straße lief einer, den man nicht fah und nicht horte, der lief von Haus, zu Haus, er tappte ba unb dort an ein dunkles Fenster, bann wurde es hell dahinter, glasig hell, ober leicht rot, oder gelb mie bas Glanzpapier in der Wachsauslage. , . , s , .,
Nebenan scharrten die Leute, die heimkamen von der verfchneiten Straße, lautpolternd ben aufgeballten Schnee von ben Schuhen. Morgen vielleicht, ober nächste Woche. Ober im anderen Monat, wenn der Schnee ausaeschwemmt wurde. Ein Fuhrmann schnalzte mit ber Peitsche vorbei. Vielleicht würbe in ber nächsten Woche schon durch die Zeitung aus. geschrieben, baß jedermann Haus unb liegenden Besitz d?s Wachsziehers haben könne gegen ein unwürdiges Gebot. Gute Nacht! Ein Ätnb klap- perle mit Bierkrügen vorbei, gute Nacht, die Babette soll den Laden zw machen unb ben alten Kaffee wegschütten. Morgen bann. Ober nächste
Woche. ,
Jemand lachte drunten. Unb weiter weg irgendwo schlug das Zetern einer Trompete stumpf gegen die Watte von Schnee. Die jungen Leute fällten nicht immerzu wie toll schreien ba brunten! Aber der Mann ain Fenstertisch nahm es jetzt gleichgültig hin. Er lachte trocken heraus. Wenn schon alles lachte und wenn die Straße mit ihrem lauten Treiben nicht zur Ruhe kommen wollte, bann durste er boch auch lochen.
Wozu war er eigentlich Wachszieher geworden? Zum Verdienen wohl nicht mehr, denn dazu war er in die unrechte Zeit gekommen. Zum Arbeiten nur noch selten, höchstens zu dieser Arbeit über den Büchern im un ^heizten Zimmer. Zu dem aber doch auch, baß er genau wußte, wie wüt vi:it zöllige Kerze in einer Stunde niederbrannte, in zwei Stunden, in drei Stunden. Warum denn gar nie mehr lachen?
Die Trompete lief durch den Markt, wie ber Lichtanzünder vorher durch die Häuserreihen gelaufen war, unb bie Trompete schrie: wißt iht denn nicht, was für eine Zeit wir haben? Habt ihr bie Narretei vergessen? Du? Unb bu? — Unb bu, Wachszieher, alter Narr? Willst bt nicht mehr wissen, wie ihr Alten Jahr für Jahr alle Dehnung umgerannt habt, wie ihr Narren geworben feib, richtige, große Narren? Hm?
Alt war er geworben, ber Wachszieher, unb die klobigen Zahlen hatten ihn müde gemacht. Nun lachte er ein klein wenig. Es war freiliit nur ein mageres Lächeln, aber der alte Narrenglaube kam wieder über ihn, und mit bem glaubte er fogar an fein eigenes Lächeln.
„Halt das Maul, Trompeter! Ich komme fchon! Heute abend, morgen abend, jeden Tag die ganzen verrückten Wochen lang. Die Babette wird fchon etwas eingenommen haben im Laden, das wird nicht reichen für die Rechnungen und bie Zinsen. Für heute abenb reicht es fchon, — unb morgen, morgen?" Er wußte doch, wie lange eine zöllige Kerze brauchte, um eine Elle weit abzubrennen. Und nach diesem Wissen reichte alles wieder, bas Haus, das Geld, alles. „Du sollst nicht plärren, Trompeter! Wir schreien schon selber. Kennst bu beim bie alten Narren nicht mehr! Als Rotznasen finb wir schon gelaufen mit Laternen und Trommeln. Babette, richte mir etwas her für bie Narretei! Was? Du wirst fchon das Rechte finden."
„Freilich, zuerst meinen Kaffee verachten, unb bann Du zu mir sagen! Als was wollen Sie denn gehen? Und wo das (Selb Herdringen?"
„Babette, kümmern Sie sich nicht brum! Wenn ich sonst nichts finbe, laufe ich in Ihrem Gewanb, bann bin ich bie Babette, unb bie Leute werben brüllen. Deinen Entengang werde ich schon fertigbringen. Uni vas (Selb? Geht Sie bas Geld etwas an? Haben Sie Schulden ober ich! Was ist heute im Laden eingegangen? — Sechs Mark? Die reichen fit heute, unb für morgen brauchen Sie nicht zu reichen. Hahaha. Babette, Sie dürfen nicht fad fein! Bringen Sie alles her, was man zur Babette braucht!" ' 1
Babette aber war erzürnt darüber, daß er fie in ihrem eigenen Gewand lächerlich machen wollte, nur zögernd gab sie ihm bie paar Mar! aus der Cabentaffe, der Wachszieher aber lachte. Der Bader kam, uni Babette muhte sich neben ben Herrn fetzen, bamit das Gesicht mit Wachs unb Schminke, mit Haarzopf unb Ohrringen genau nach dem Gesicht bet dienstbaren Babette geriet, über bie boch jeher im Markt ein wenig lache« Durfte. Dann heulte Babette, unb der Herr stand im Frauengewand i« einer Ecke. Er lachte jetzt nicht mehr. Das Gesicht zwar lachte noch ei« wenig, denn Babette lachte immer unb nach diesem Lachen hatte ber Badet bas Gesicht bes Wachsziehers gemacht. Jetzt aber stand unter dem Lache» die Sorge, bann bie Angst, bas Grausen vor dem {onberbaren Vorhaben
Eine zöllige Kerze brannte ungefähr um bie Breite von vier Finget« ab in einer Stunde, Babette mußte oben nach ben Fenstern sehen, h" ber Winb sie nicht anschlug, und der Mann in Weiberkleibern ging i« der knappen Zeit, bie ihm so belassen würbe, schleichend ins Lager. Dm mal bie vier Finger nebeneinanber, so tief muhte er bie Kerze in di« Packwolle stecken, bas war bas Maß für heute nacht. Und dann: „Gute Nacht, Babette. Heulen Sie nicht immer weiter, es tut Ihnen nicht gut Er rebete mit flatternber Stimme. Die Kerze brannte im Lager, das Läget war abgesperrt, unb um elf Uhr kam das Feuer nieder zur Packwolle.
Es quäkte unb hudelte, bie Burschen liefen unb bie Mäbchen kniffe« ihnen lachenb aus, bie Narren trieben sich unter ben jungen Leute« herum unb rissen alles mit im Wirbel. Bei denen war bie Narretei ei«1 große, vornehme Fahrt, zu ber nicht jeder geboren war. Man muß" ganz Narr sein können und man mußte ganz tief aus diesem Trank J(
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