Ausgabe 
20.2.1939
 
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Nummer (5

Montag, den 20. Zebruar

chrgang 1959

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An heiterer Liebesroman von Alfons o. LKuIka Äopyrlghl by I. G. Äotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart (Schluß.)

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Armee! Sie wirft einen Blick auf die Audienzliste und schellt.Die beiden Brand." Kaunitz tritt wieder an das offene Fenster zurück.

Mund und Herz saßen der List auf dem rechten Fleck. Der Mund vor allem, weiß Gott! Aber diesmal schlug ihr das Herz doch bis zum Halse. Heut war es noch anders als damals mit demModeaff". Was würde die Kaiserin sagen, wenn sie alles erfuhr? Und so, wie sie es sich gedacht, daß sie den Leutnant gleich mitbringen könnt, war es auch nicht geworden. Sie wußte nicht einmal, ob der Rabenau wirklich schon frei war.

Noch am Morgen hatte ihr die Bielgratterin die Hölle heiß gemacht und liebevoll gesagt:Hast was ang'stellt, Lisl? Dann hast du nix zu lachen. Da kann's schon sein, daß d' am Abend schon mit geschorene Haar im Spinnhaus sitzt." Daran mußte die Lisl denken, als sie sich jetzt mit dem Vater vor der Kaiserin neigte. Auch der Brief unter dem silbernen Leb­zeltenherzen machte ihr wieder Sorge.

Da fing es auch schon an. Selbst der schönste Hofknicks schien nicht zu helfen. Die Kaiserin kam mit . raschen Schritten auf sie zu, fragte böse: So! Ist Sie also wieder da?" Eine zornige Falte stand auf ihrer Stirne. Schau Sie mich an! Hab ich Ihr nicht schon einmal gesagt, Sie soll Ihrem Vater keine Sorgen machen?" Sie wandte sich an Brand:Wann ist Er mit ihr zurückgekommen?"

Vor drei Tagen, Majestät."

Maria Theresia war enttäuscht. Sie hatte gehofft, von Brand vielleicht etwas von dieser Bataille in Mähren zu erfahren. Aber wenn er schon seit drei Tagen in Wien war, wußte er wohl auch nichts. Sie sagte scharf: Ich hab Ihm doch befohlen, daß Er gleich kommen soll!"

Halten zu Gnaden, die Audienzen waren schon besetzt

Unsinnll" Sie sah wieder böse auf die Lisl:Was ist Ihr denn eigentlich eingefallen, Ihrem Vater durchzugehen? Was hat Sie denn überhaupt vom Herzog von Braunschweig wollen?"

Elisabeth Brand wurde feuerrot und schwieg.

Die Kaiserin fuhr sie an:Hat Sie das Reden verlernt? Aber Sie braucht mir erst gar nichts zu sagen. Ich weiß es auch so. Aber das schlag Sie sich nur aus dem Kopf. Daraus kann nichts werden Hat Sie ihn übrigens gesehen, den Leutnant von Rabenau?"

Nein, Majestät", antwortet die Lisl leise.

Ein ferner Hörnerklang läßt die Kaiserin aufhorchen. Sie blickt sich nach dem Fenster um, an dem jetzt wieder der Kanzler steht. Dieses Gerücht von einer Schlacht zwischen Olmütz und Schlesien macht sie noch närrisch. Sie wendet sich wieder an die Brand:Hat Ihr also der Herzog nicht erlaubt, zum Rabenau zu fahren? Denn darum hat Sie ihn doch wohl gebeten Das Kopfschütteln nützt Ihr gar nichts. Die Wahrheit will ich wissen!"

Ich habe den Herrn Herzog gar nicht bitten können"

Wen denn?"

Elisabeth Brand senkt den Blick:Den König."

Aber die Kaiserin hört es nicht mehr. Sie horcht, geht an das Fenster, fragt hastig:Waren das nicht Posthörner, Kaunitz?"

Es wird der Badener Eilwagen gewesen sein. Der kommt um diese Zeit."

Nein, Kaunitz, die Posten blasen anders." Die Stimme der Kaiserin klingt erregt.

Das Hörnergeschmetter ist jetzt deutlich zu hören, kommt näher. Die Kaiserin greift nach dem Arme des Kanzlers:Sieht Er denn nicht?"

Reiter jagen durch die Hietzinger Straße, biegen in die Auffahrtsallee. Bis über die Wipfel der Bäume fliegt der Staub. Der Kanzler lächelt. Ein Kurier, vierundzwanzig blasende Postillone hinter sich, wie es der Brauch ist bei guter Nachricht von der Armee, reitet im Galopp in den Schlohhof ein. Die Hörner jubeln. Die Postillone schwenken auf. Ein Wink des Kuriers. Der Reitertrupp steht. Den Dreispitz in der ausgestreckten Rechten grüßt der Offizier das Schloß seiner Kaiserin. Er gleitet aus dem Sattel, eilt in die Torfahrt.

Maria Theresia sieht auf:Gott war gnädig, Kaunitz!" Sie tritt in den Saal zurück.

Mit einer Handbewegung bedeutet der Kanzler dem Wachsziehermeister und seiner Tochter, in die Antikamera zu verschwinden. Die Kaiserin bemerkt es, schüttelt lächelnd den Kopf:Laß Er, Kaunitz! Er kann bleiben, Brand, und Seine Tochter auch!" Vierundzwanzig Postillone, das war die Victoire. Bescheiden treten Brand und die Lisl an die Wand zwischen Tür und Ofen zurück. Die Kaiserin wartet.

Eilige Schritte in der Antikamera. Die Türflügel öffnen sich. Sporen­klirren auf spiegelndem Parkett. Ein stampfender Doppelschlag. Jung- Augen strahlen. Aus der Ecke des Raums ein verhaltener Schrei. Der Leutnant von Rabenau steht vor der Kaiserin.

Maria Theresia tritt an ihn heran:Er bringt?"

Rabenaus Stimme klingt wie ein Jauchzen:Allergnädigste Kaiserin Olmütz ist frei!"

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,Äuch Soldat, der Sohn?" .

.Zögling in Jhro Majestät Offiziersakademie in Wiener-Neustadt."

.Das ist brav. Und die Tochter?"

.Seit drei Jahren mit einem Hauptmann vom Regiment Khevenhllller ixis»rochen, aber" m

>ie Kaiserin blickte sich nach dem Kanzler um. Das alte Lied. Kein Geld tiun Heiraten. Sie wendet sich wieder dem Obristen zu:Da haben Ihm >>ii «edersuchser von der Kriegskasse schöne Sorgen gemacht Wie lange I i»n ?"

.Halten zu Gnaden, seit ich verwundet wurde."

,2as tut mir leid. Ich will's auch wieder gutmachen. Seiner Tochter ;<i ich das Heiratsgut, Seinem Sohn, wenn er sich brav führt, die Leut- i tm?sequipierung. Das Ruhegehalt bekommt Er, wie es Ihm zusteht. Eine : Einigkeit will ich noch selber zulegen. Für die Sorgen, die Er gehabt hat, ! Dem alten Soldaten rinnen die Tränen über die Wangen. Die !?riprin reicht ihm die Hand zum Kusse:Und jetzt geh Er mit Seinem - 3iii schön vernünftig zur Tür hinaus und nicht rückwärts, wie ein Krebs! 11tii schick Er mir Seinen Sohn, wenn er Leutnant ist!"

Maria Theresia greift wieder nach der Glocke, sieht den Staaiskanzler 11 iiWie vielen könnte ich Helsen, wenn diese ewigen Kriege nicht wären! ®le: so Weiß ich denn, Kaunitz, ob ich überhaupt noch halten kann, tws ich dem Alten da versprochen habe?" Das Gerücht von der Bataille I^ir Mähren macht ihr Sorge. Und noch immer keine Meldung von der

Sin Geräusch ließ sie aufblicken. Die hohe Gestalk des Staatskanzlers t<rv an der Türe, Maria Theresia legte die Liste auf den Schreibtisch lurÄcf, reichte Kaunitz die Hand, über die er sich ehrerbietig neigte. ,B«ijour, der Fürst!" Mit dem höchsten Diener ihrer Reiche waren »>»er die Sorgen da. Sie fragte:Noch immer keine Nachricht von

litnl-r die Kaiserin. ..

I Ein untersetzter, weißhaariger Soldat tritt ein, stützt sich schwer auf j :in n Stock. Sein Holzfuß macht ihm Mühe, die vorgeschriebene Haltung i mz, nehmen. Maria Theresia geht rasch auf ihn zu, um ihm das Gehen iivs idem spiegelnden Parkett zu ersparen. Jetzt erinnert sie sich. Er hat iwf in den Türkenkriegen gedient und vor zwei Jahren, schon als Sieb- ;ir- , in der undglücklichen Bataille von Lobositz bei einem Sturme ein ,, ,, !8,ii verloren. Die Kaiserin fragt freundlich:Hat Er nicht Kinder, f® liiift?"

<1 " ,Ju dienen, allergnädigste Majestät, einen Sohn und eine Tochter."

f<Nt illles,. SN in afc : Mu eilet j.

Den?"

Kaunitz hob bedauernd Schultern und Hände:Nichts, Jhro Majestät." IEs ist um den Verstand zu verlieren! Oder verschweigt Er mir was. Uheh es Ihm an, daß Er noch was weiß."

Wissen ist zuviel gesagt, Jhro Majestät. Aber der Polizeibericht nelnet, daß Reisende, die gestern abend mit der mährischen Eilpost kamen, irzchlten, daß zwischen Olmütz und Schlesien eine Bataille stattgefunden sotf-"

Maria Theresia fuhr betroffen auf:Und keine Meldung von der jieigt [rtuee? Wie lange brauchen die Eilwagen von Olmütz?" mtikfo Drei Tage"

NE : Und die Stafetten, wenn sie mit Relaispferden reiten, anderthalb. U|C([e gutes Zeichen! Eine Meldung müßte längst hier fein." leuttt' Es wäre opportun, noch heute einen General vom Hofkriegsrat zur di- » M ee zu schicken"

- , Placet, Kaunitz! Ich habe dann ohnehin noch mit Ihm zu reden. Ich

Huf nur rasch einige Audienzen erledigen. Es ist mir lieb, wenn Er gleich >«i «her ersten dabei ist. Bei der Kriegskasse muh Remedur geschaffen ist,»en. Die läßt mir sonst noch meine Soldaten verhungern."

Die Kaiserin geht mit dem Staatskanzler in den kleinen blauen Saal I jiniiber, in dem sie, wenn sie In Schönbrunn ist, die Audienzen zu erteilen likle; t. Sie hebt die Glocke, die auf einem weißen, goldgeränderten Tischchen | Ml Der Kämmerer vom Dienst erscheint. Maria Theresia befiehlt:Den Otrfften! Wart Er noch, Kinsky! Den Rat von der böhmischen Hof- Canlei kann Er selber abfertigen. Ich laß ihn fragen, ob er glaubt, daß i ii richt weiß, wie hoch fein Salär ist. Sag Er ihm, er soll nicht sausen, i»nt wird er auskommen! Und jetzt den Dbriften!"

Saunitz sieht abseits an dem hohen, fast bis zum Boden reichenden fet ter, aus dem man über den Schlohplatz und die Auffahrtsallee bis urHietzinger Straße sieht. Erft als die Tür geht, tritt der Staatskanzler