Ausgabe 
20.1.1939
 
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hot kick bäumende AenaFt. Der Beifall rauscht. Der Schimmel wendet, ÄEn rt j&etten, Croupaüen und Ballotaden W.« enn etnüaes '-ixkien sind Reiter und Roh. Die Kaisenn klatscht erfreut in die Hände. Choiseul ist entzückt. Selbst Versailles kennt kein so herrliches

Da'Pöffnet sich die Nein- Türe der Loge. Ein Hofsekretär fchlängeü sich mit um Vergebung flehender Miene gekrümmten Ruckens durch die Reihen der Aühle. Er wartet einen Augenblick bis der Reiter drüben an der Kobelwand seinen Hengst abklopst und wieder versam­melt Dann gleitet er hinter den Sessel des Staatskanzlers, flüstert ihm etwas ins Ohr. Kaunitz hebt kaum merklich dl« Brauen. Er mckt. Der ^Dte° Kawerin'sit^ aufmerksam geworden. Sie steht den Kanzler fmerä an. Kaunitz notiert auf einen kleinen Block einige Worte, reicht den Zettel hinter dem Rücken Choisiuls der Monarchin. Der Herzog wendet für einen Augenblick den Kopf, sieht dann wieder aus den Bereiter, der von neuem antrabt und mit einer Croupade beginnt. Die Kaisenn lieft:Meldung von der Armee. Der Kurier wartet vor der Loge.

Maria Theresia faltet das Paprer zusammen, wartet einen Augen- blick, bis wieder der Beifall aus den Logen und Rängen prasselt. Dann erhebt sie sich und tritt auf den Gang hinaus.

Der Doppelschlag von Reiterstieseln hallt. Weih von Staub, schwelh- triefend, keuchend und rot noch vom Ritt, aber kerzengerade, steht der Leutnant von Rabenau vor ihr. Sein linker Arm ruht m weißer, blut­befleckter Schlinge.

Die Kaiserin nickt kurz:Er bringt?

Meldung von Seiner Exzellenz dem Herrn Feldzeugmeister von Marschall: Olmütz ist seit gestern morgen vom König zerniert.

Die Kaiserin verhält den Atem. Wer sie bleibt beherrscht. Sie nimmt ein Schreiben aus der Hand des Offiziers?Wie stark ist das Belage-

Ueber dem Purpursaum der Teppiche zwischen den weihen, mar­mornen Säulen des lichtdurchfluteten Raumes zierliche Perücken und entblößte Schultern in allen Logen und Rängen. Seidige Roben in allen Farben. Dazwischen das schwarze spanische Kleid der Minister und Räte die bunten Röcke der Kavaliere, das Rot der Garden, der blaue und grüne Samt, di« Reiher- und Adlerfedern ungarischer Magnaten, das Funkeln von Steinen und Gold. Zwischen silbergrauen Wänden auf weißgelbem Sande Rosse mit bunten Schabracken und Zaumzeug, das Blitzen von Rüstung' und Helmzier, schmetternder Fanfarenstoß und das

Rufen der Herold«. Leise pochender Hufschlag, gepanzerte Reiter in

Trab und kurzem Galopp: Karussell in der Hofburg.

In der Mitt« der kaiserlichen Loge, unter dem gewaltigen, mit

Genien und Trophäen geschmückten Rundbogen, sitzt in silbrigem Kleide

auf einem kleinen Thronsessel Maria Theresia. Rechts von ihr der junge Erzherzog Joseph. Zu ihrer Linken, zwischen ihr und dem Staatskanzler Wenzel von Kaunitz: Etienne Franoois Herzog de Choiseul, Marquis de Siainvilte. Dahinter sitzen und stehen die kaiserlichen Prinzen und Prinzessinnen und di« höchsten Würdenträger des Reiches. Nur der Kaiser fehlt.

Maria Theresia ist ernst. Ihrer Meiung nach ist es nicht an der Zeit, Feste zu feiern. Vom Kriegsschauplatz fehlt jede Nachricht. Der Marschall Daun wartet wieder in einer seiner merveilleusen Stellungen in Böhmen auf den Angriff des Königs. Fragt sich nur, ob er Daun den Gefallen tun wird. Des Königs Vorhuten streifen nicht in Böhmen, sondern in Mähren. Nicht ein Regiment steht zwischen Schlesien und Wien.

Nur dem französischen EnvonL zuliebe, der mit einer Sonderbotschaft aus Versailles gekommen ist, hat sich die Kaiserin entschlossen, dieses Fest In der Hofreithalle zu geben. Diesen eitlen, wie ein Geck gekleideten Herzog von Choiseul kann ste nicht leiden. Wie sie alles Französische nicht mag. Sie kann den Kaiser verstehen, daß er einen Tag vor der Ankunst des Botschafters zur Jagd ins Höllental, nach Kaiserbrunn, ge­fahren ist. Aber dem Bündnis und der Politik zuliebe war dieses Fest nicht zu umgehen. Seit Wochen munkelt man, daß die Pompadour den Herzog von Choiseul zum Minister des Aeuheren der französischen Krone machen will. In seinen Händen läge bann das Schicksal der Alliance. Maria Theresia hat Kaunitz nicht widersprechen können, als er darauf drang, den Herzog mit allem kaiserlichen Glanze zu emp­fangen.

Unbewegten Antlitzes steht die Kaiserin auf das prunkvolle Schau­spiel. Das Schweigen vom Kriegsschauplatz macht ihr Sorge. Manch­mal nur lächelt sie, bei einer besonders schönen Figur der Quadrille zu Roß. beim Rinaelstechen, oder wenn die Türkenköpse unter den klat­schenden Säbelhieben fallen ober einer der lanzenstechenden Ritter, den Helm auf bas linke Knie gestützt, sich vor ihrer Loge neigt.

Der erste TeU des Schaustücks ist vorüber. Die Manege ist für einen Augenblick leer. Stallknechte eilen mit Rechen über den gelblichen Sand. Die Kobelwand gegenüber der kaiserlichen Loge öffnet sich. Auf prachtvollem, goldgesatteltem Schimmelhengst reitet in scharlachrotem Schoßrock und weißlederner Hose, mit Ichwarzem Dreispitz und blanken Kanonenstlescln ein Reiter ein. In hohen, stolzen Gängen trabt er bis oor bl« Loge der Kaiserin, läßt den Lippizanerschimmel in mächtiger Levade steigen, Wyroingt mit weitausladender Gebärde den Dreispitz vom Haupt. Unbeweglich wie ein steinernes Denkmal fielen der Reiter und

rungskorps?"

Es ist des Königs ganze Armee, Ihrs Majestät."

Wann ist Er von Olmiitz ab geritten, Rabenau?"

Gestern ein Uhr nachmittags mit Relaispferden, Ihrs Majestät.

Da ist Er wohl auch die Nacht durchgeritten."

Mit einer Stund« Rast."

Er ist «in braver Offizier. Mer ich seh, Er ist blesflert ...

Nur «in Streifschuß, Jhro Majestät. Ich wurde von preußischem Dragonern gejagt."

Er kann ja kaum mehr auf den Beinen stehen ... Mach Er mu nichts vor, Rabenau! Ich seh's. Sie winkt den Hofsekretär heran, der am anderen Ende des Ganges wartet und die Ohren spitzt:Verschass Er dem Offizier etwas zu Esten und vor allem Wein, am heften Tokaier!" Sie lächelt und sagt:Laß Er stch's schmecken, Rabenau, und meld Er sich in einer Stunde in meinem Kabinett." Sie nickt fteund lief) und tritt in die Log« zurück.

Niemand sieht ihr an, was sie eben vernommen. Selbst der gewiegt« Choiseul nicht der mit einem raschen Blick ihr Antlitz streift. Sie lächeli gnädig, als di« Kavaliere und Damen der Quadrille zu Roh huldigent an ihr vorbeiziehen und der Bereiter noch einmal seinen Schimmei vor ihrer Loge steigen läßt. Während der Beifall rast, steht sie aus, sieht den Staatskanzler flüchtig an, grüßt nach rechts und links zu bet Logen und geht.

Kaunitz hat den Blick verstanden. Er ahnt längst, was geschehen ist Nach einer Weite erhebt auch er sich, verneigt sich höflich vor dem fran­zösischen Herzog, küßt den Erzherzoginnen di« Hand, spricht verbindlich Worte mit den Ministern. Aber das Hirn des Kanzlers arbeitet Während er mit strahlendem Lächeln die Honneurs macht, gehen sein« kalten, stahlblauen Augen über di« Ränge und Logen. Er weih: voi diesem Sturmstoh aus Mähren kann in Tagen all dieser Glanz ver­wehen wie ein Blätterhaufen im Winde.

Rabenau steht wieder vor der Kaiserin. An dem hohen Fenstet neben ihrem Schreibtisch wartet der Staatskanzler. Dor der Monarch!« liegt die Relation des Feftungskommandanten von Olmütz.

Di« Kaiserin hebt den Kopf:Ich will Ihn nicht lange aufhalten Rabenau. Ich kann mir denken, wie müde Er ist. Aber hat Er not eine mündliche Meldung für mich, die der Feldzeugmetster dem Papi« nicht anvertrauen wollte?"

Ich hab« zu melden. Jhro Majestät, dah die Festungsbesatzung voi Olmütz, einschliehlich der drei kurfürstlich bayerischen Bataillons, 7441 Mann zählt, die Anne« des Königs aber nach Aussagen von ®< fangenen und Deserteuren 65 Bataillons und 120 Eskadrons."

Daun wird wohl nicht viel weniger haben?" Die Kaiserin sieh Kaunitz ftagend an. Der Kanzler steht wi« aus Stein. Was er zu ant warten hat, darf er vor dem Offizier nicht sagen.

Rabenau fährt fort:Auch bittet der Herr Feldzeug meister, dah Ihr Majestät unverzüglich den Entsatz von Olmütz befehlen wollen ..."

Die Kaiserin nickt, reicht dem Leutnant di« Hand zum Küste:kV dank« Ihm, Rabenau. Bleib Er ein« Woche in Wien und laß Er st Seine Blessur kurieren!"

Rabenau geht.

Maria Theresia wendet den Kopf:Das ist schlimmer als Leuthen. Was rät Er, Kaunitz?"

Der Kanzler zögert. Seine Hand, di« mit dem hohen Orden b« Goldenen Vlieses auf dem schwarzsamtenen Kleide spieU, verrät seit Erregung.

Die Kaiserin fragt:Weih Er keinen Rat, Kaunitz?"

Den schlimmsten, den ich Euer Majestät je gegeben habe."

Maria Theresia bewegt unwillig den Kops:Frieden? Rein!

Frieden vielleicht noch nicht. Aber immerhin könnte der Fall otf Olmütz oder eine neu« Niederlage Dauns das Ende des französische Bündnistes sein. Schon nach Leuthen haben ste in Versailles Fte Austria« geschrien ..."

(Fortsetzung folgt.)

mnr nte hätte das tiefe Leib, das über sie gekommen war, erst ihr« gan,ze Begabung erweckt. Sie übte jetzt mit Leidenschaft, a s »oute fie über der Musik das Leben vergeßen. Warum spielte ste heut« ntrbt? (Satte ihr Vater sie am Ende wirklich aus dem Hause geroorfe Wenn man ihn sitzt Io sah, war es ihm zuzutrauen. Er tobmätem Würfen nm Renfter Die Augen starrten ins Leere. Sem Gesicht hatte XiUsw --- ».<x»-ch°n»«" l°

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nahm den Bogen heraus, strich mit dem Kolophonium darüber und *rQt®nenjtrad) Habich ch^r g'schlagen, daß die Wänd gstoackelt haben."

Matthias Wimmer stemmte die Geige auf seinen Schenkel. Seme Zungenspitze leckte am Mundwinkel. Wenn er die Viola stimmte, tat fr immer. Nach einer Weile jagte er:Das Dümmste, was hast tun können. Jetzt roirbs gar nimmer mögen."

Aloisius Brand seufzte schuldbewußt.

Der Kanzleirat Hausmann schob seinen hageren, verwitterten Musiker- schädel von dessen fliehender Stirn die grauen Locken wehten, durch die Tür« Violoncell und Bauch des Domcellisten Himmelbauer folgten. Brand entzündet« die Kerzen an den Pulten. Die Hausmusik begann.

Als sie bann später wieder allein waren, fragte der Kerzelmacher benommen:Was soll ich jetzt tun. Wimmer?" Nach Kondotttere von Ferrara sah er nicht mehr aus. . ,,

Wimmer legte die Mola in den Kasten:Mir Ist was emg fallen, Brand. Paß auf! .. .Du hast doch einen Neven, den Lindner, der da irgendwo an der Hohen Wand, im Piestingtah glaub ich, Doktor und Wundarzt ist ... Schick doch die Lifl auf paar Wochen hin! Im Piesting- tal ls jetzt schön. Die Bäum blühen bald. So was hat die Lisl doch gern Da kommt's schon auf andere Gedanken. Und dem Klrndorfer gegenüber haft auch eine Ausred. Braucht halt jetzt ein bitzl Landluft, die Lisi ... Da kann er doch nix dagegen haben."

Aloisius Brand nickt« und bltes die Pultkerzen aus: ,-,Da hast eigent­lich recht, Wimmer. Wir reben noch drüber." .

Der Regenschort ging. Das war also in Ordnung. Einstweilen wenigstens. Aber eine Wut hatte er doch. Nicht mehr auf den Brand. Aber auf diesen Leutnant von Rabenau, der das alles eingebrockt hatte. Der konnte sich freuen, wenn er wieder nach Wien kam! Dem wollte Matthias Wimmer seine Meinung schon sagen!