Ausgabe 
19.6.1939
 
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Oer Meermann.

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Erlkönig.

Von I. W. von Goethe.

Wer reitet so spät burch Nacht unb Winb?

Es ist ber Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in bem Arm, Er saht ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst bu so bang dein Gesicht? Siehst, Vater, bu ben Erlkönig nicht?

Den Erlenkönig mit Kron unb Schweis? Mein Sohn, es ist ein Nebelstreis.

Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel ich mit bir;

Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

Mein Vater, mein Vater, hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; In dürren Blättern säuselt der Wind. Willst seiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schon; Meine Töchter führen den nächtlichen Rechn Und wiegen und tanzen unb singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort? Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau. Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; Und bist bu nicht willig, so brauch ich Gewalt. Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Müh und Not; In seinen Armen das Kind war tot.

Nach einer alten Chronik erzählt von Hermann Hesse.

uofo der vielen Humanisten, die es im Anfang des 15. Jahrhunderts in Italien gab, passierten damals zwischen Mailand und Neapel mel ichunlichere Dinge als heutzutage; roemgftens reihen die Chronisten ja- He,t trotz ihrer gelegentlichen Altklugheit alle Augenblicke die Üuen roeit auf und berichten mit der ihrem Berufe Zukommenüen Tu Herzigkeit ganz wunderliche Sachen. Ein solches, von zahlreichen L. :ijeugen beglaubigtes Ereignis aus eben jener Zett ist das ^genbe.

Line Stadt am Meere, eine zwar nicht »ro^, aber uralte hochbe- r.rinte und von vielen Zierden der Kunst und Wissenschaft bewohnte &»t errichtete auf bem Standort eines langst vom Boben ibutn Neptuntempels eine schöne Kirche. Sie wurde vollendet und em- k reiht und von jedermann mit Stolz und Lreude besuchi und tötet, nur nicht von den Bewohnern des eifersüchtigen Nachbar- | ^geschah es kurze Zeit nach der Einweihung jener Kirche durch den ®* llnaf Latz ein araufiqer Sturm ausbrach, der mit unerhörter Starke W »«Tage unb Nachte wütete. Mehrere Fifcherbarken

n Maus unter, ein Segelschiff mit reicher Warenladung versank un t-i: ber Küste, und vom Turm der neuerbauten Kirchwurde bas Irmnerschwere vergoldete Kreuz ausgerisien. Es furzte auf die Kirche, ! ^rhschlug das Dach und blieb verwüstet und verbogen W"»«® Mie hängen. Manche fanden, feine jetzige Form fei ^rrmesDreizacks, tu! schloffen daraus eine Rachehandlung des beleidigten Meergottes, mdere bemühten sich, die Haltlosigkeit dieser Behauptung darzuwn man tngte sich über die Frage, und bald war die ganze Stadt deswegen m [ (heit und Eifer. Der große Historiker Markus Salestns verlas^ im I Wssaat eine Abhandlung über Wesen und Geschichteder Meeresgo fen, eine wackere Arbeit voll aller Zita e und Hinweise auf die Werke kr Alten wie auch der Kirchenväter, die am Schlüsse m ber Ueber i-mung gipfelte, die ehemaligen Meergötter feien entw^er a^»g di- doch in unbekannte und öde Ozeane jenseits der Erdteile entwichen. , Ihm antwortete der berühmte Redner Cäsarius in einemi offenÄuben " frag. Unter Anerkennung der Gelehrsamkeit mÄBerdienste des kaeftrls behauptete er mit Ueberjeugung bas lsulÄ,Xten

A Ansicht vielen überaus wahrscheinlich, indem er aus C^mkM I tu aus Seefahrerberichten neuerer Zeiten viele Falle von Degegnun

N zwischen Menschen und heidnischen Meerwesen aufzahlte.

A Inzwischen hatte der entsetzliche Seesturrn nachgelassen, und wenn «og die See noch ziemlich bewegt war, konnten doch Frscher und andere

\| Se.te, die ihr Gewerbe am Strand betrieben, wieder ihrem Berufe

Da kamen eines Morgens Fischerweiber in die Stadt gelaufen und M teäünbeten fchreienb, es liege am Sandufer, vom Meer fyerg fp »

i' nn, nackt und halb vom Seetang überzogen Sie vermuteten m ihm Leichnam eines von dem im Sturme Umgekommenen, und in $t-be begleitete sie eine große Schar, teils Hilfsbereiter, tei S Pfrr zum Ufer. Sie nahmen Stangen, Netze und Sette mit, einige Wichten auch ihre Boote flott, und fo näherten sie sich dem Körper, ber un : e< t des Strandes, scheinbar in Schlinggewächse verwickelt, im Takt bei

noch unruhigen Brandung auf und nieder schaukelte. Frauen wehklagten und beteten, Jünglinge und Kinder sahen mit Grausen auf den bleich schimmernden Körper, der bald bis zur Brust sichtbar wurde, bald nur noch eine Hand über Wasser zeigte.

Des unsicheren Bodens und der vielen Untiefen wegen fand man es geraten, den Leichnam von drei Booten aus mit einem Schleppnetz einzuholen. Erfahrene Männer führten dies aus, und es gelang.

Entsetzt aber schrie die Menge ber Zuschauer auf, als der vom Netz umschloffene Körper sich plötzlich heftig bewegte. Er riß am Netz und schlug mit ben Armen, und unvermutet stieß er ein so wildes und scheußliches Gebrüll aus, daß jedermann bas Herz erstarrte. Zugleich warf er sich wie im Krampf in die Höhe, und nun konnte man sehen, daß er mit einem gewaltigen Fischschwanze an Stelle ber Beine, ver­sehen war. v ,

Ein Ungeheuer! Ein Meermensch! Ein Seeschreckl riefen alle durch­einander, und nicht wenige ergriffen die Flucht. Die Männer in ben Booten aber hielten, obwohl erschrocken, Stand und zogen ben unent­rinnbar Umstrickten mit Uebermacht ans Land-, Dort banden sie den ganzen vom Netz umschnürten Meer mann noch mit starken Seilen, warfen ihn auf einen zweirädrigen Karren und führten ihn unter un­geheurem Au flau s und Geschrei des Volkes in die Stadt.

Hier war mittlerweile von den zuvor Geflüchteten die Neuigkeit in allen Gaffen verbreitet worden, und auf dem Marktplatz, wohin die Män­ner mit dem Karren eilten, strömte im Augenblick eine unzählbare Volks­menge zusammen. ,

Totschlägen!" unbVierteilen!" riefen Hunderte unaufhörlich. Doch wagte sich niemand an ben Gefangenen, ben die Einlieferer überdies bewachend umstanden. , . «...

Unter den Herren von Ruf unb Geltung, die sich samt dem Bürger­meister in ziemlicher Anzahl eingefunden hallen, wurde heftig beraten. Der Historiker Salestris und ber Rebner Cäsarius waren die ersten, die sich bem auf bem Wagen liegenben Ungeheuer näherten, um es genau zu betrachten So weit auch ihre Meinungen sonst auseinander gingen, waren sie doch darin einig, daß man versuchen müsse, ben Fremdling am Leben zu erhalten. Und es gelang ihnen, entgegen bem Wunsch Der Menge, jene Manner zu vermögen, daß sie den Gefangenen, gebunden wie er war, in den Marktbrunnen warfen, wo er alsbald unterfant

Der Brunnen wurde mit Schildwachen besetzt, und das Volk trieb sich erregt noch lange auf dem Platz herum, während der Rat unter Bei­zieh una jener Gelehrten über die ferner zu ergreifenden Maßregeln >m Stadthause beriet. Salestris und Cäsarius erhielten Erlaubnis und Aust trag, den Tritonen nach Möglichkeit zu erforschen und, wenn es möglich wäre, mit ihm zu reden.

Sie begaben sich zum Brunnen, wo die Wachen sie vor dem Andrang der Neugierigen schützten. Der Meermann lag aus dem Grunde des tiefen steinernen Beckens, unb es gelang erst nach mehreren Stunden, ihn durch Brot unb Fische an die Oberfläche zu locken. Endlich tauchte er auf, und es zeigte sich, daß er Netz unb Stricke inzwischen abgestreist hatte. Die beiden Gelehrten machten bas Zeichen des Kreuzes, wozu ber ÜRcermann lachte Dann redete ihn bald der eine, bald ber andere an, sowohl m ita­lienischer wie in lateinischer Sprache. Doch verstand er sie nicht obwohl er eifrig zu lauschen schien und teils durch Gebärden, teils durch unver­ständliche Laute einer fremden Sprache etwas zu sagen bemüht roar.

Eine nochmalige Beratung im Stadthause blieb ohne Ergebnis. Casa- rius äußerte die Ueberzeugung, es müsse möglich sein, sich in irgendeiner Sprache mit dem Fremdling zu verständigen. Daraus fand sich em fub= ländischer Schiffer, der als Verwalter einer Reederei am Orte lebte unb der sarazenischen Sprache mächtig war. Auch er redete nut dem Scheusal und wurde nicht verstanden. Doch hielt er es für wahrscheinlich, daß es griechisch rede, denn seine Laute tarnen ihm denen ber griechischen Sprache ähnlich vor, die er zwar nicht verstand, doch auf Seefahrten manchmal $ ° ® s^MUf o,°jemand zu finden, der Griechisch konnte. Allein es fand sich niemand, denn die Kenntnis dieser Sprache war damals wenig ver­breitet. Doch wußte Salestris, ber Historiker baß der ,n der Rachbarstabt lebende Arzt Charikles griechische Bücher besaß und sich mit feinen grw- chischen Studien brüstete. Nur hatte niemand Lu t, der verhaßteni Nach­barstadt den Triumph zu gönnen unb ben Charikles holen juL

Aber in einer letzten Sitzung spat am Abenb würbe doch schließlich für richtig erkannt, den fremben Arzt und Gekehrten heimlicherweise her­zubestellen, unb Cäsarius übernahm den Auftrag dazu, wenn auch ungern. Früh am andern Morgen begab er sich zu Pferde nach der nicht sehr weit entfernten Stadt, sprach bei Charikles vor, sagte ihm viele Schmeiche­leien und bat ihn am Ende, ohne Aussehen mit ihm 311 tommen. 3cner meinte er habe durchaus kein Interesse daran, der Femdm seiner Dater- stadt einen Dienst zuerweisen, doch wolle er der Wissenschaft zuliebe und gegen eine ordentliche Belohnung immerhin mttkommen.

9 Hub io standen am späten Nachmittag bie Edlen ber Stabt, die Ge­lehrten unb der Arzt Charikles am Rande des Brunnenberfens. Das Meerungeheuer tauchte empor und legte sich mit beiden Armen auf bie Steinbrüftung. Charikles fprach es lateinisch unb italienisch an, doch ohne grfolg. Da begann er griechisch zu reden, und kaum hatte er einige Satze aefaat fo gab auch das Ungeheuer frembarhge Laute von sich. .

9Es is?gut", sagte ber Arzt zu ben Umstehenben,er gibt mir Ant- ro0%ir scheint aber doch", meinte Salestris,bas Schrecknis rede nicht dieselbe Sprache wie Euer Wohlgeboren."

Ihr habt ein seines Ohr", erwiderte der Arzt lächelnd.Der Triton spricht zwar Griechisch, jedoch ben veralteten jonischen Dialekt, benjel en, in bem bie Gesänge bes Homeros abgesaßt fmD.

öTrebete weiter mit bem Unholb, bis dieser der Belästigung müde, untertauchte und im tiefen Wasser verschwand. Darauf gab er im Rat- haufe feine Unterredung zu Protokoll. Nach diesem hatte der Meermann mitgeteilt, er fei ein Abgesandter des Gottes Poseidon «Obiger fei erbost

an ber Stelle seines ehemaligen Tempels cm fremdes Gotteshaus N errichtet worden; darum habe er jenen Sturm erregt, Fischer unb