wiederum
chige Üeberlegenheit und das mathe- s Geländes mit unerhörten Artillerie-
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von
massen vorziehen.
„Man muß die Deutschen Quadratmeter um Quadratmeter aus dem Boden schießen, sonst kriegt man sie nicht mehr weg!" sagt Foch, und Mangin erklärt zu gleicher Zeit seinen Stabsoffizieren: „Mit der Taktik Josfre und Fach wird der Krieg noch zehn Jahre dauern und ganz Nordsrankreich in eine Wüstenei verwandeln, in der niemals mehr ein Baum grünen kanch soviel Tonnen Eisen und Kriegsschutt werden das Land rettungslos bedecken. Wir aber wollen den frischen Angriff, verbunden mit einem Durchbruch und mit einer Verfolgung des Gegners durch unsere Kavalleriemassen. Mit den geringsten Opfern an Menschen und Material werden wir fast unversehrte Provinzen dem Vaterland
gewaltigerem Ausmaße.
Gleich nach dem Bekanntwerden des Joffreschen Planes gibt's im Kreise der dienstlich eingSweihten Generäle ein großes Aufhorchen und dann eine starke Verschiebung der Meinungen. Ganz deutlich spalten sich die Anhänger der Schule von der Somme und jener von Verdun. Die jüngere Generäle, an ihrer Svitze Nivelle, sind fürs forsche Draufgehen, während die älteren Herren die matische Abtasten und Ausklopfen des
Dieser Plan findet den ungeteilten Beifall des Generals Foch, der hier „iederum den Triumph seiner Taktik sieht. Vergessen die Demütigungen im Rahmen des Kriegsrates zu Chantilly. Das ist doch für ihn, für Foch, eine glänzende Wiedergutmachung, denn sogar Josfre, der Held des Marnewunders, bekennt sich zu der Somme-Taktik, ja sogar in noch
wiedergeben---"
Hart prallen die Meinungen auseinander. Auf der einen Seite Josfre und Foch mit der Taktik der Sommeschlacht, auf der andern Seite Nivelle und sein Untergebener Mangin mit dem Draufgängertum der Durchbruchsschlacht.
Und wieder gerät Frankreich in einen unbeschreiblichen Siegestaumel. Am 15. Dezember 1916 hat General Nivelle erneut, nach seinem bewährten Durchbruchsprinzip, angegriffen und wiederum große Gelündestriche den Deutschen entrißen. Zwei Dörfer sind wieder für Frankreich gewonnen, Ortschaften, deren Namen für alle Ewigkeit mit Feuer und Blut in die Geschichte der sranzösischen Nation eingeschrieben bleiben. Die beiden Dörfer heißen Douaumont und Louvemont.
Nivelle ist wieder der Held. Frankreich weih nun, wer sein Retter sein wird. Niemand anders kann es (ein als dieser jugendliche, schlanke, energische General, der überall, wo man ihn an eine verantwortungsvolle Stelle setzte, bisher nur Großes leistete.
Im Vergleich zu den aufgebrachten Mitteln und den eingesetzten Streitkräften ist dieser neue Erfolg Nivellescher Taktik bei Verdun nicht gerade überwältigend, wenn man alles fachlich sehen will. Die deutsche Heeresleitung legt selbst keinen allzu großen Wert mehr aus jene verschlammten Triimmerdörser, in denen das Leben im Winter geradezu eine Qual sein mußte. Um Menschenleben zu sparen und um die Anmarschwege durch jene Wüsten von Schlamm und Trichtern zu verkürzen, hatte die Oberste Heeresleitung selbst schon den Plan erwogen, freiwillig die ganze Gegend zu räumen und fast bis an die Ausgangsstellung der Verdunfront zurückzugehen. Kein bedeutender Verlust für die Deutschen, dieser Geländegewinn um die beiden Trümmerdörser, aber er wird großartig aufgemacht, er wird als Sieg sondergleichen gefeiert und stärkt Nivelle den Rücken.
Von Rußland gelangen indessen alarmierende Nachrichten zu Ohren des französischen Generalstabs. Gehorsamsverweigerungen größerer Verbände und eine unbeschreibliche Kriegsmüdigkeit lassen erkennen, daß die Soldaten des Zaren sehr bald die Massen niederlegen werden. Kein Jahr mehr wird vergehen bis zu diesem gefürchteten, scheinbar unvermeidlichen Zeitpunkt. Was dann? Vielleicht steht der Zusammenbruch des Zarenreiches dicht vor der Tür. Schon allein aus diesem Grunde kann unmöglich der Krieg in Frankreich noch durch Monate und Monate geschleppt werden. Er muß bald beendet sein. Amerikanische Hilfe? Bah, da ist scheinbar nicht mehr viel zu hassen. Nur eine Nioellesche Taktik kann eine rasche Beendigung des Krieges herbeiführen, nicht das Zermürbungssystem von Jossre und Foch.
Luftlinie, die von kühnen Piloten bei nächtlichen Angriffen auf Paris srets eingehalten wird. Durch die angelaufenen Fensterscheiben spähen die Frauen und Greise von Chantilly und sehen die zahlreichen Wagen mit den hohen Offizieren aller befreundeten Nationen vorbeifahren. Was hat sich nun abgespielt da drüben im Schlößchen, das Jofsre bewohnt?
Haben alle diese klugen und tüchtigen Generäle jenen entscheidenden Plan entdeckt, dessen Anwendung die baldige Vernichtung des Gegners bedeutet? v .
Wurde endlich die todsichere Formel des Sieges gesunden?
Wie heißt diese Formel, und wie sieht die praktische Anwendung aus? Jst's die Taktik der Somme?
Jstis die von Verdun? *
Josfre und Nivelle st eilen Pläne auf.
Bei den Stäben der alliierten und angefchlosfenen Armeen, die mit Deutschland im Kamps liegen, wird fteberhaft gearbeitet. Das Ziel ist gegeben. Eigentlich ist alles jetzt höchst einfach. Man erwägt irgendeine Angriffsmöglichkeit im Rahmen des großen Ganzen. Bei aller Zusammenarbeit bleibt dem einzelnen Heerführer dennoch die Selbständigkeit im eigenen Abschnitt. .
General Josfre ist als erster mit seinem Angriffsplan fertig. Schon am 27 November, genau elf Tage nach dem entscheidenden Kriegsrat von Chanttlly, schlägt er eine gewaltige Offensive der französischen und britischen Truppen auf dem bisherigen Somme-Schlachtfeld vor, allerdings in noch viel breiterer Front. Der Angriff hätte auf der ganzen langen Strecke zwischen dem Vimy-Rücken bei Arras über Bapaume, Peronne bis an die Oise bei Noyon stattzusinden. Gleichzeitig müßte eine zweite Offensive zwischen Berry-au-Bac und Reims losbrechen. Am 1. Februar 1917, so will es General Joffre, soll auf der angegebenen, ungeheuren Frontstrecke das Geschützfeuer seine blutige Arbeit beginnen.
Nivelle, der jugendsrische Sieger von Douaumont und Louvemont, pslückt seinen Tag. Er versteht es, sich zur rechten Zeit ins rechte Wchi zu rücken. Was erreichten seine Gegner bisher mit ihrer Taktik? Was können sie vorzeigen? Nichts als den Gewinn von ein paar Quadratkilo, meter Land, das ewig unbrauchbar sein wird. Er aber hat im schwierigsten Gelände bewiesen, daß seine Ansichten richttg sind. Und so wird General Nivelle zum Oberbefehlshaber der Nord- und Nordost-Armee ernannt. Man schreibt den 12. Dezember 1916.
Und drei Tage später zeigt ja General Nivelle bei Verdun, daß et seiner Ernennung würdig ist. Am Tage nach seinem Sieg erklärt er; „Der Beweisring ist geschlossen. Unsere Methode hat die Feuerprobe bestanden. Der Sieg ist nach dieser Taktik sicher. Daraus baue ich. Der Feind wird diese Taktik zu spüren bekommen."
Den greifen Helden der ersten Marneschlacht, General Jossre, kann man nicht in die Verbannung schicken. Er wird zum Marschall von Frankreich ernannt. Den ihm treu ergebenen General Foch bestehlt man nach Paris und gibt ihm später, weit hinter der Front, einen kleinen Posten. Das bedeutet sozusagen eine Kaltstellung. Erst der grimme Tiger Clemenceau soll später, nach dem ttagischen Zusammenbruch der Nivelleschen Theorie, den geschmähten General Foch als Oberbefehlshaber einsetzen.
Kriegsminister der Französischen Republik ist um diese Zeit General Lyautey. Ihm zur Seite steht Marschall Josfre, als technischer Berater für alle Dinge des Krieges. Zum Oberbefehlshaber des französischen Heeres wird General Nivelle bestimmt, während General Franchei d'Efperey den in Ungnade gefallenen General Foch ersetzt. General Nioell- hat den Fuß auf der ersten Sprosse der steilen Leiter, die zur Unsterblichkeit führt.
Der neue Oberbefehlshaber handelt.
Mit größter Begeisterung entwirft der neue Oberbefehlshaber seinen Schlachtplan für 1917. Zwischen Vimy und Soissons sollen die brittschen Streitkräfte mit der französischen Nordarmee des Generals Franchet d'Esperey angreifen. Gleichzeitig wird die französische Hauptmacht zwischen der Laffaux-Ecke und Reims durchbrechen und sich vorerst in den Besitz der strategisch wichtigen Hochebene von Craonne setzen. Diese Hochfläche ist der Eckstein der deutschen Linien. Ein einziger Stoß muß dieses Hindernis überwinden und den sranzösischen Angreifer von vornherein in den Vorteil bringen. Von der Craonner Hochsläche herab wird er das weite Land gegen Norden bis fast zur belgischen Grenze mit Artillerie, beobachtung und weittragendem Geschütz beherrschen können. Von hier aus sollen sich die Kavalleriemassen in die Ebene ergießen. Hier auf der Hochfläche von Craonne wurde schon manche Schlacht geliefert. Hier kämpfte Napoleon, hier wurden 1870 blutige Gefechte geliefert, hier soll die Erde Frankreichs noch einmal dröhnen unter dem Hufschlag von hunderttausend Rossen, die antraben werden, den Sieg gegen Norden, ja, bis an den Rhein zu tragen.
Der Plan, der Rohumriß der Schlacht, ist damit gegeben. Nach und nach befiehlt General Nivelle die Einzelheiten. Schon Ende Dezember ergeht feine Anweisung an die Artillerie:
„Die Artillerievorbereitungen müssen die ganze deutsche Front in ihrer vollkommenen Tiefe erfassen und vernichten."
Der französischen Artillerie fällt eine große Aufgabe zu. Sie muß die vorgehende Infanterie durch ihren Feuerorkan decken. Mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometer in der Stunde, einem Tempo, das später aber gesteigert werden muß, um bei rückwärtigen deutschen Stellungen fünf Stundenkilometer zu erreichen, wird der Feueroorhang aus Explosionen, einschlagenden Granaten und tanzenden Erdfontänen genau siebzig Meter vor der ersten Infanterie-Angriffslinie einherrollen und alles niederstampfen, um den nachfolgenden Stoßtruppen ein leichtes Arbeiten zu ermöglichen.
Dieser 3nfanterieangriff muß brutal sein, darf keine Müdigkeit kennen und hat ohne Aufenthalt im ersten Anlauf durchzugehen bis zur schweren deutschen Artillerie, die in der zweiten Stunde nach Beginn des Angriffs umzingelt und unbrauchbar gemacht werden soll.
Inzwischen geht das bittere Kampfjahr 1916 zu Ende Kurz vor Jahresschiuh bietet der deutsche Kaiser der Welt die Möglichkeit (ofartiger Friedensverhandlungen. Dieses deutsche Angebot wird hohnvoll zurück- gewiesen, als Schwache ausgefaht und gibt den Gegnern neuen Mut.
Am 14. Januar 1917 tritt nochmals der Kriegsrat in Chantilly zusammen. Diesmal führt General Nivelle den Vorsitz. Nicht genug, er spricht, er spricht mit jugendlicher Begeisterung. Seine Augen glühen, [eine Bewegungen sind lebhaft. Mit vor Eifer geröteten Wangen legt er oen versammelten Generälen seine Pläne vor. Mitreißend wirkt seine Art. Sogar der nüchterne und sachliche Marschall Haig ist begeistert und nickt immer wieder bestätigend:
„Wir wissen genau, meine Herren", sagt Nivelle, „daß die Deutschen an der Westfront 130 Divisionen stehen haben. Siebzig Divisionen kämpfen augenblicklich noch im Osten, dürften aber in absehbarer Zeit für unseren Frontabschnitt frei werden. Vor der Ankunft dieser 70 Divisionen müssen wir handeln. Wir werden sorgen, daß diese 70 Divisionen überhaupt nicht inehr zum Einsatz gegen uns gelangen. Deshalb, meine Herren, ist ein rasches und brutales Handeln notwendig. Der Hauptschlag muß hier geführt werden, auf einem Frontabschnitt, der unserer Hauptstadt am nächsten liegt, nur wenig mehr als 100 Kilometer von Paris entfernt. Ich meine damit den Abschnitt zwischen Reims und Soissons.
Die französischen und britischen Armeen haben bisher ge,zeigt, daß sie und sie allein imstande waren, den deutschen Streitkräften die Stirn zu bieten. Deshalb soll ihnen auch jetzt die Ehre Zufällen, den 130 deutsck>en Divisionen des westlichen Kriegsschauplatzes einen letzten Vernichtungs- stoß zu oersetzen. Der Feind wird sich hinter seinen starken Verschanzungen verstecken. Wir aber müssen ihn dort hinaustreiben. Wir müssen ihn zum Kampf zwingen, um ihn vernichten zu können. Und deshalb ist b<r Durchbruch des festen Frontgürtels notwendig und damit die völlig« Aufgabe des Stellungskrieges. Wir müffen den Deutschen in die Feld- schlacht zwingen.
(Fortsetzung folgt.)


