Ausgabe 
19.6.1939
 
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Nummer 46

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Sine Armee meutert

SCHICKSAf-STAGE FRANKREICHS 1917

Lia Gericht von p. C.LttigHoffer

<k » p y r i g h k b y Bertelsmann Gütersloh

1. Fortsetzung.

Verdun oder die Somme?

Das kleine Landstädtchen Chantilly ist in Aufregung. Seit dem frühen Vorgen fahren ständig Kraftwagen an und bringen höhere Offiziere. Um sieht darunter, neben den bekannten französischen und britischen Uniformen, die weniger bekannten der russischen, serbischen, japanischen, Uienischen und rumänischen Generäle und Stabsoffiziere. Gewiß, hier im Hauptquartier jjes Oberbefehlshabers Ioffre, herrscht immer Betrieb. Sandig ist hier das Kommen und Gehen von Ordonnanzoffizieren und Iremben Gästen, aber diesmal scheint sich etwas Neues vorzubereiten, Ira empfinden auch die Zivilpersonen, die etwas scheu und doch neugierig Unter den angelaufenen Fensterscheiben stehen und in die Unruhe der

britischen Armee für ihre stete Opferbereitschaft und erkennen gern an, daß auch sie eine längere Atempause benötigt, genau wie die französische Armee, die um Verdun so heldenhaft, blutete und jetzt noch an der Somme viele ihrer Besten ließ. Im Verlauf dieser notwendig gewordenen Atempause muh jedoch alles getan werden, um die Gefechtseinheiten wieder vollkommen auszurüsten und für den zukünftigen großen Ent­scheidungskampf zu schulen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Man hat früher die Theorie des Abwartens aufgestellt. Nein, jetzt können wir nicht mehr warten und die Zeit für uns warten lassen. Diese Zeit arbeitet ja auch für den Gegner."

Und die Amerikaner? Werfen Sie die Amerikaner nicht in die Waagschale?" unterbricht Fach, verärgert durch die Bemerkungen über den augenscheinlichen Mißerfolg seiner Somme-Taktik. Seit Monaten ist er der glühende Verfechter der Zeitgewinnungstheorie. Mit Fanatismus hofft er auf das -baldige Eingreifen der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Herr General", erwidert der Stabschef mit finsterer Stirn,wir hegen in diesem Punkt tiefste Befürchtungen, denn deutschen Meldungen ent­nehmen wir, daß die Regierung zu Washington die Absicht hat, auf die Munitionstransporte für die Alliierten das Embargo zu legen. Rechnen wir also vorläufig nicht mit den USA. Unsre eignen, sofort greifbaren Streitkräfte müssen wir richtig ansetzen, und zwar so, daß auf allen Fronten gleichzeitig der Riesenkampf entbrennt. Sowohl in Frankreich als auch auf den anderen Kriegsschauplätzen müssen heftige Angriffe. die deutschen Linien auf breiter Frontlinie erschüttern. Bis heute konnte keine einzige Offensive die Deutschen endgültig und vernichtend schlagen, weil die vorher unter den einzelnen alliierten Armeen vereinbarte Gleich­zeitigkeit fehlte. Außerdem blieben diese Angriffe stets nur auf geringen Raum beschränkt ..."

Stundenlang spricht Joffres Stabschef, und nach ihm ergreift auch der Oberbefehlshaber das Wort und bekräftigt die Ausführungen feines Untergebenen. Und dann gehen die Reden hin und her. Man kommt zu keiner Einigung, man läßt den ersten Tag dieses Kriegsrates ohne Ent­scheidung vergehen und verliert sich oft in kleinlichen Auseinandersetzungen über die richtige oder falsche Durchführung der Somme-Offensive. Die Meinungen spalten sich in zwei Lager: Hie Somme hie Verdun. Der Mann der Somme, der Verfechter der langsamen Ermüdungskämpfe mit unzähligen, täglichen Teilangrissen bald hie bald da, ist General Fach. Aber Nivelle ist fürs forsche Drausgehen, für den plötzlichen, rücksichts­losen, brutalen Einsatz aller Kräfte und aller Möglichkeiten. Alles auf eine Karte gesetzt! Bei Verdun hat ers erprobt und hak einen durch­schlagenden Erfolg erzielt, den größten seit dem Marnewunder im Sep­tember 1914. Frankreich blickt gläubig auf zu Nivelle!

Am späten Abend dieses trüben 15. November gehen die Generäle und Standoffiziere des großen Alliierten Kriegsrates etwas verärgert aus­einander. Ist man eigentlich jufammengefommen, um die Spitzfindigkeiten eifersüchtiger Generäle rnitanzuhären, oder um einen Entschluß, den einzigen großen Entschluß zu fassen?

Erst am andern Tage, nach langer Aussprache, an der sich Marschall Haig lebhaft beteiligt, wird das Ergebnis der beiden Beratungstage protokollarisch niedergelegt. Die Hauptsätze sind folgende:

Dem Feind muß die Freiheit des Handelns genommen werden. Dies zu erreichen, stehen ab 15. Februar 1917 die alliierten und angeschlossenen Streitkräfte zu einer gemeinsamen, großen Offensive bereit. Jede dieser Armeen stellt alle ihre Mittel zur Verfügung. Sofern es besondere Um­stände nicht verbieten, werden diese gleichzeitigen Angriffe auf allen Fronten befohlen, zu einem Zeitpunkt, da sie eine Einheit des Handelns darftellen können. Das heißt, innerhalb von drei Wochen, gerechnet vom ersten Offensivtag, muß auf allen Fronten die Riesenschlacht entbrannt fein. Bis dahin darf dem Gegner keine Ruhe gelassen werden. Ueberall und ständig soll man ihn durch Teilunternehmen stören und in Atem halten---"

Es folgen noch weitere Ausführungen und Erläuterungen.

Zum Schluß wird jedem Oberbefehlshaber einer der alliierten Armeen die Ausarbeitung eines großzügigen Angriffsplanes zur Pflicht gemacht. Jeder soll in feinem Kampfbereich alle Möglichkeiten studieren und bis zum angegebenen Datum, das heißt bis zum 10. Februar 1917, feine Truppe zum vorgefchlagenen und ausgearbeiteten Angriff bereitstellen.

Am Abend des 16. November 1916 gehen die Generäle und Stabs­offiziere auseinander. Sie haben nun ihr Ziel, sie wissen gut, worauf es jetzt ankommt. Im Laufe des Februar 1917, spätestens im März das hoffen sie bestimmt wird auf allen Fronten ejne Riesenschlacht ent­brennen und die Mittelmächte endgültig unb ftir immer vernichten. Einmal muß doch der Tag kommen, der große Tag des Sieges.

Die Kraftwagen fahren rasch durch die aufgeweichten und löcherreichen Straßen von Chantilly. Es dunkelt schon. Immer noch rinnt kalter Regen und verwandelt den Fahrdamm in graubraune Schlammflächen. Kein Licht brennt in den Kleinftadthäusern, teils aus Sparsamkeit, teils der deutschen Flieger und Zeppeline wegen: denn Chantilly liegt unter jener

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Vielleicht hat man endlich ein Mittel, das richtige Mittel zur Beendi- gtng dieses elenden Krieges gefunden, denkt manche gequälte Frau und ist im Geiste bei ihrem Mann oder Sohn da draußen, irgendwo im flammigen Schützengraben oder in einer triefendnassen Batteriestellung. Git Tagen regnet es ununterbrochen. Ganz niedrig segelt bleigraues SiiDölt dahin. Eine richtige AUerseelenstimmung. Unter den eiligen 6 mmireifen der draußen vorbeirasenden Kraftwagen spritzt der Straßen- Ulamnt hochauf bis an die Häuserfronten. Der Kalender meldet den 16 November 1916.

Die Zivilpersonen von Chantilly vermuten richtig. Diese französischen uti> fremden Offiziere sind hierher gekommen, um den viel zu lange schon teternben Krieg zu beenben. Das heißt, alle biefe Generalstäbler wissen ich nicht genau, wie sie ben lobernben Kampf auslöschen sollen, aber |ie sind hier versammelt, im Hauptquartier des französischen Oberbefehls- ,ia»ers Ioffre, um diesen Ausweg zu finden. Es muß endlich Schluß »macht werden mit dem deutschen Spuk. Weder die großangelegten bnpfe in der Champagne, im Herbst 1915, noch die Angriffe im Artois, ich die Somme-Offensive haben die deutschen Div.isionen zum Weichen Hingen können.

Bei Verdun, jüngst noch, Ende Oktober, schien bas Kriegsglück dem -logen, draufgängerischen General Nivelle unb seinem energischen Unter- feb enen, bem grimmen General Mangin, lächeln zu wollen. Eine auf Hüter Front angelegte Offensive zeigte unverhofften Erfolg. In kühnem Üntauf hatten sich bie Soldaten bes Generals Mangin eines großen Teils .«M bisher von ben deutschen Regimentern so heiß umstrittenen unb so Illitig eroberten Trichterfelder- bemächtigen können. Der Donaumonk unb fort Vaux, die beiden Fahnen Frankreichs an der Nordostsront, waren - uiber in französische Hand gefallen. Mit Frankreich hatte die ganze Welt W'Jbelt und den Sieg gefeiert. Und aller Augen waren auf diesen jungen, o rgischen General Nivelle gerichtet. Ist das ber Retter seines Landes, Befreier aller besetzten Departements? Ist das ber Mann, ber einst u einem Schimmel, ben Marschallstab in ber Hanb, als Sieger feine . Hilus nach Straßburg führen wirb?

General Nivelle ist selbstverstänblich auch zu dieser wichtigen Be- !»echung geladen. Sein Quartier liegt noch dicht hinter der Verdun-Front. 'N Gespräch läßt er durchblicken, daß die Ueberraschungen in feinem Schnitt noch nicht abgeschlossen sind. Nur mal wieder einige Tage "»ckenheit, wenn schon kein Sonnenschein, und die Deutschen dürften sich ,u böse Dinge gefaßt machen. Aber bei diesem Wetter sei vor Verdun B'kts zu hoffen, des tiefen, zähen Schlammes wegen. General Mangin, « neben feinem Chef Nivelle Platz genommen hat, unterstreicht diese ^traulich gemachten Ausführungen mit vielsagendem Kopfnicken und Wfenbem Lächeln.

I «stolzer Ehrfurcht blickt man zu ben beiben Verdun-Generälen hin. Ri ihnen hat das Vaterland sicher noch viel zu erwarten. Selbst Joffres Wi'Neralstabschef wendet sich unwillkürlich Nivelle zu und blickt fast nur i* an, als er, halb lesend, halb in freier Rede, die Hauptpunkte der I t09c5orbnung vorträgt:

..Meine Herren! Der französische Oberbefehlshaber hat Sie hierher e'*ten zu einer wichtigen und entscheidenden Sitzung. Seit 14 Tagen wen wir die Somme-Schlacht abgeblasen. Sie hat leider es muß 1 ^.schonungslos bekannt werden bie erhofften Ergebnisse keineswegs MW- Wie weit sie den Feind erschüttern konnte, wissen wir noch nicht, ,|r dtt Geländegewinn blieb verhältnismäßig gering. Wir danken ber

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger