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Der«ntwortlich: Dr. Han« Thhriot. — Druck und Derlag: Brühlfche UnlversitLtSdruckerei R.Lang«, Gießen.
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wohlhabend aus? Wenn ich jetzt dort stehen würde, mir würde matt «Z Nicht glauben...
Und Gaspard läuft vier Stunden zum Dorf. Zu Philippe und den Pferden.
Der gute, dumme Gaspard. Er wird größer werden und stärker und klüger. Er wird eine Marie heiraten oder ein« Madeleine. Nur nicht feine liebe, kleine Louise. Vieleicht wird er noch eine Weile eine kleine Bahnsteigkarte aufbewahren wie andre ein Bild.
Und manchmal, im Kreise der Burschen, wird er sich vernehmen lassen: »,OH, Paris? Welche Stadt! Ich kenn« sie!" Und er wird geheimnisvoll lächeln. .
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Mondstimmung.
Von Christlan Morgenstern, lieber den weiten schweigenden Wäldern der Welt macht ich gleich dir, o Mond, großen Auges dahinziehn ... wenn die dämmerigen Wiesen den Geist ihrer Nebel zu dir emporwölken, und breite Gewässer schwärzliche Eilande silbern umrinnen ... wenn die Dörfer sich tiefer dem erdigen Boden schmiegen und die steinernen Städte mit weißeren Giebeln und Türmen lautlos vor deinem Angesicht schlafen. Auf die träumende Menschheit dann möcht ich gleich dir großen Auges hinabschauen und der leisen Musik ihres flutenden Blutes lauschen.
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Kaufloden Kamerun.
Von Eva Mac Le an.
Der Urwald, der Kamerun gegen das Meer wbschlieht und der schon vor dem Krieg das Vordringen der deutschen Kolonisation stark gehindert hat, richtet sich auch heute noch wie ein schwer zu nehmendes Hindernis vor der eindringenden abendländischen Zivilisation auf. Ab.er es ist etwas Gutes daran, an diesem finsteren -Dickicht — es läßt auch die neue Zeit nicht herein, die neue Zeit der afrikanischen Westküste, deren düstere Vorzeichen im letzten Winter, am „Kakaostreik" der Goldküstenkolonie zu erkennen waren. Als ich aus der Fahrt nach Kamerun an Akkra, dem größten Kakaoaussuhrhasen dieser englischen Kolonie, vorbeikam und den gewohnten Landausflug unternahm, war der Kgkaokrieg gerade in vollster Blüte. Der Hafen leer — keine Lastwagen mit Katao- säcken wis sonst um diese Zeit der Kakaoernte, kein Gedränge in den Straßen — tot lag die Stadt. Und warum? Weil das Hinterland streikte, die schwarzen Kakaobauern die Herausgabe der Ernte verweigerten mit der Begründung, die großen Kakaofirmen hätten einen Trust mit der unmoralischen Absicht gegründet, den Kakaobauern niedrige Preise aufzuzwmgen.
„Wer Kakao an diese Händler verkauft, wird von uns als Verräter angesehen", sagte der Oberhäuptling der Aschantis zum englischen Gouverneur, „und ich versichere Euer Ehren, daß, wenn wir dies duldeten, unsere Frauen uns auslachen würden."
Am meisten erschrocken waren die Engländer über di« Disziplin, mit der dieser Streik durchgeführt wurde, der Hand in Hand mit einem Boykott der europäischen War« an der Küste ging. Kein Eingeborener trank mehr das Bier der Brauerei in Akkra — man kehrte zum selbstgemachten Palmwein zurück — kein Schwarzer kaufte etwas in den Faktoreien, di«, bis obenhin mit Waren vollgestopft, vergeblich auf Abnehmer warteten. Nachdem die Ernte zum Teil verfault, zum Teil verbrannt worden war, löste sich der Trust der Kakaofirmen auf, den die Schwarzen so wütend bekämpft hatten. Damit war der Stein des Anstoßes hinweggeräumt.
Boykott und Streik — Wort«, die wir der demokratischen „Kulturwelt" vorbehalten glaubten — geistern also auch schon an der Westküste Afrikas. Aber in den Urwald Kameruns sind sie noch nicht eingedrungen, und jenseits der grünen Wildnis, bei den absolut regierenden Sultanen des Nordens, finden sie erst recht kein Verständnis. Hier herrscht — sozusagen — noch Ordnung! Wie lang«? Das ist eine andere Frage. Der reichste Mann auf Fernando Po — der dem Festland vorgelagerten spanischen Insel — ist ein Neger, der Besitzer des Elektrizitätswerkes von Santa Isabel. Es wäre denkbar, daß die Weißen dort auf einmal im Dunkeln sähen, weil der reichste Mann der Insel die Kilowattstunde noch rentabler gestalten möchte. Vieles wäre denkbar, was sich an der Westküste noch ereignen könnte. Aber, wie gesagt, in Kamerun steht der undurchdringliche Urwald schützend vor seinem Volk«, Und hinter einer dünnen europäischen Fassade güst das Leben seinen alten — man möchte sagen vorkriegsmähigen — Gang weiter.
Speer zu Leibe gehen.
„Rauchen Babingas Zigaretten? Oder lieber Blättertabak? Kann man ihnen Sardinen anbieten? Haben sie Salz?" Das sind bang« Fragen, die man sich stellt, wenn die Ausrüstung für den Urwaldmarsch zusammengestellt wird, denn man kehrt dem modernen Wirtschaftsleben dann fo endgültig den Rücken, daß sogar das Wort „Geld" seinen Klang verloren hat und man auf den Tauschhandel zurückkommt. Die Babingas wollten übrigens keine Zigaretten, aber für ein Kilo Blättertabak hätten sie wahrscheinlich einen ganzen Elefanten angebracht.
Es ist begreiflich, daß die Urwaldzwerge für den weißen Kaufmann von geringem Interesse sind. Bedürsnislosigkeit ist der Feind der Wirtschaft. Der Wunsch, den sich ein primitiver Buschneger am ehesten in der Faktorei befriedigen wird, ist wohl ein Buschmesser, das als Waste und Axt zugleich dient. Dann schießen die Wünsche schon üppiger ins Kraut, Buntdruckstoffe zur Bekleidung ist ein ganz großer Artikel im Busch, weiterhin Sturmlaternen und Petroleum, denn die Neger sitzen nicht gern im Dunkeln.
Man kann den Gang der Zivilisation förmlich daran verfolgen, was Verkaufsläden in den Städten und Flecken zu bieten haben und wie der groß« Strom Überseeischer Waren von der Küste weg in immer schmaler« Kanäle sich verästelt, bis er schließlich in einer kleinen Wellblechbude im tiefsten Busch verebbt. In Duala, wo vierhundert Weiße leben, gibt es die kostspieligsten Delikatessen, französische Kristallwaren, Parfüms, kurz und gut, Dinge, die man nicht ohne weiteres in Afrika vermutet. In Kribi mühte sich ein deutscher Kaufmann, einem Schwarzen das Fahren auf einem Motorrad beizubringen. Dreihundert Kilometer landeinwärts, in Jaunde, wird die Sache schon schwieriger, obgleich man in der Hauptstadt ist: denn das Typische für einen solchen innerafrikanischen Der- kaufsbetrieb ist, daß plötzlich die allereinsachsten Dinge ausgehen — der Nachschub trifft erst mit dem nächsten Dampfer wieder ein!
„Kleine Eisennägel?" heißt es dann zum Beispiel. — „Bedaure, im Augenblick find keine mehr da, aber ein reizendes japanisches Teeservice ist gerade zu haben — und ganz im tiefsten Vertrauen — mit dem nächsten Dampfer kommt eine Kiste Rheinwein an!"
Auf die kleinen Plätze mitten im Busch senden die Firmen meistens schwarze Angestellte, gelegentlich trifft man auf diesen Vorposten aber auch noch Weiße an, oft sind es Griechen, Syrier oder Armenier. In Kamerun leben ungefähr 180 Griechen, was bei einer weihen Bevölkerung von dreitausend ein ziemlich hoher Prozentsatz ist. Aus diesen kleinen Plätzen ist der Ladeninhalt fast ganz auf den Bedarf der schwarzen Kundschaft eingestellt, und gerade hier kann man am besten erkennen, daß eigentlich die ganze Welt wetteifert, die Bedürfnisse der Schwarzen an Jndustriewaren zu befriedigen. Ich habe in einer solchen Faktorei einmal „Bestandsaufnahme" gemacht — es war in Akonolinga, Sitz einer Bezirksverwaltung, wo auch noch etwa zwanzig Weiße lebten. Folgendes Ergebnis: Aus Japan kamen Bier, Buntdruck, Daumwollhemden, Zahnbürsten und Lachs, bis letzten beiden Artikel für die Europäer. Aus Frankreich Rotwein und Zigaretten, Italien hatte Wermut geschickt und Deutschland Sicherheitsschlösser, Buntdruck, Sturmlaternen und Sodawasser. Aus Amerika stammten Petroleum und Marmelade, aus England Nähgarn und Filzhüte. Schweden war durch Streichhäzer, Dänemark durch Konservenbutter vertreten. Die ganze Welt hatte sich also ein Stelldichein in diesem fernen Erdenwinkel gegeben.
Es gibt natürlich eine ganze Anzahl anderer Waren, die Anziehunas- kraft auf den Schwarzen ausüben und von denen nur noch Stockfisch, Blechschüsseln und Nähmaschinen genannt seien. Die Gesichter werden jetzt immer länger, da mit dem stürzenden Franken die Preis« höher klettern und Worte wie Inflation noch nicht zum Sprachschatz des Eingeborenen gehören. Das Papiergeld lehnt er meistens ab, und man kann ihm lieber etwas weniger bezahlen, wenn man es nur in Hartgeld tut. Die Luftfeuchtigkeit und die gefräßigen Kakerlaken zerstören leicht «in Stück Papier, eine Münze aber hält ewig, die kann man sogar unbeschadet in der Erde vergraben.
Besonders die französischen Nickelstücke, die in der Mitte ein Loch haben, so daß man sie auf eine Schnur reihen kann, sind sehr beliebt., Dabei haben diese Geldstück« kaum noch einen errechenbaren Wert. Zehn Centime sind noch nicht ein Pfennig. Aber Geld ist Geld, sagt der Schwarze und hamstert die runden Metallstücke, und so sind im Lauf« eines Jahres über zwei Millionen kleine Münzen in Kamerun aus dem Umlauf verschwunden. Auch das ist eine Kapitalsanlage, denn selbst wenn die Münzen einmal ganz außer Kurs gesetzt werden sollten, so können sie doch noch als Schmuck dienen, so wie auch heute noch ungezählt« Frauen mit dem Silbergeld behängt sind, das die deutsche Kolo- nialverwaktung vor dem Krieg ins Land gebracht hat.
Das ist vielleicht das Reizvollste an Kamerun, daß man dort noch J einen Querschnitt durch alle Stadien der Kulturentwicklung machen kann. , M An der Küste der überelegante ober zerrissene Hosenneger, weiter hinein fl
ins Land der von der Kultur schon etwas beleckte Schwarze, der noch liflj
in dörflicher Gemeinschaft lebt, aber durch Schule, Mission und Auto- 111
verkehr mit der fremden weißen Welt in Berührung gebracht wurde, ' |i der z. B. noch das Hüstentuch trägt, aber sich einen Scheitel rasteren ||r i läßt. Und der entsprechend innerlich, trotz Christentum und Rechtschrei- V bung, doch noch befangen ist in der Gedankenwelt seiner Väter. Und dann haben wir noch die „richtigen Wilden" nach der Südgrenze zu, wo sich die Urwaldströme dem Kongobecken zuwenden.
Da sind die Makos und di« Kokas, die freundlichen alten Menschen- fresser, die einen heute noch so wohlwollend gefräßig anblicken können, als liefe ihnen schon das Wasser im Munde zusammen beim Anblick von weißem Fleisch. 1921 ist bas letztemal dort «in Mann wegen Kannibolis- ' mus gehängt worden. Er hotte sein« zwölfjährige Tochter verspeist — ; HM und wer kann sagen, was in dem gewaltigen dichten Wald heute noch ; .2-— vor sich geht! Schließlich sind in dem Dreieck Jokoduma— Molundu — ■■ Lome die Zwerge zu Hause, bie Babingas, keine Menschenfresser, sondern die geborenen Jäger, die auch jetzt noch dem Elefanten mit dem '


