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Wiege geht gelind Lied von Mond und Schafen, weißen Linnen schlafen, keine Hand mir,pinnt.
Quell aus Bitten rinnt
Mutterlegende.
Von Ruth Schaumann.
Ich lag und sah ein Kind Im Traume bei den meinen, Aus unbeschuhten Beinen, Und war so schwach und blind.
Ich sah das kleine Kind Sich trauervoll gebärden. Es fang: „Wer läßt mich werden, Wie meine Brüder sind?
Kalt ist der Sterne Wind, Kalt ist der Sonne Lohen, Wer ruft mich zu den Frohen, schon geboren sind?
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Dem Himmelreich zu Ehren, Wer wird mich Liebe lehren. Die Gottes Herz gewinnt?"
„O Kindlein, arm und kalt, Hast du nicht mich gesunden?" Da war das Kind verschwunden — Ich weiß, es wird mir bald.
Oie ^eise zu Louise.
Von K. R. N e u b e r t.
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dieses eine Wort. .
„Was hast du dir nur gedacht?" flüsterte fie heftig. Sie war etwas bewegt. Ihr fielen wohl Stunden ein: im Heu mit Gafpard und am Bahndamm, wenn die weißen Wolken am blauen Himmel segelten, und die Stille über dem Land wie ein fernes Läute fummte. „Du mußt zurück, Gaspard! Was willst du in der Stadt? Hier verlierst du dich. Guter Gaspard' Du wirst wieder bei Philippe die Wiese mähen und mU mir am Bahndamm sitzen, wenn ich — wenn ich mal zu Besuch komme?
Endlich nickte er.
„Hast du noch Geld?" fragte sie leise.
„Genua!" Er machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Nein, du hast sicher nicht genug." Sie wollte aufstehen und Gew holen. Er hielt sie fest. „Genug Geld, Louise. Brauch es gar nicht mehr.
„Gaspard!" bebte sie. „Bist du betrunken?"
„Einen Kuh", sagte er nur. . . ,
Ja Gaspard!" slüsterte sie. Sie lauschte zitternd. Nebenan sprach Gustave. Sie nahm rasch Gaspards Gesicht zwischen ihre Hände und küßte ihn aus den Mund. Er stand taumelnd auf. Die Tur fiel hinter ihm zu.
Gaspard lief durch die Straßen. Wieder flammte und zuckte das farbige Licht an den Häusern, aus den Lokalen klang Mustk, und von den Frauen wehte ein süßer Dust. Er ging, bis er müde war, und sich in ein Lokal setzte. Diele Mädchen saßen an den Tischen. Keine war trne Louise, sand er, aber eine gefiel ihm ganz gut. Sie hatte daheim wn Laden von Pailhard stehen können. Sie lächelte freundlich, als wußte fie, daß er traurig war, und als wäre Traurigsein doch dumm für einen Jungen wie Gafpard. Und ihr roter Mund war beinah etwas von Louise.
Als er das dachte, war es schon wie Nebel um ihn. Was dann alles noch geschah, daran konnte sich Gafpard kaum noch erinnern, als er im Morgengrauen auf einer Bank am Seineufer erwachte. Ihn fröstelte. Er wußte nicht, wie lange er hier gesessen hatte. Der Dust irgendeiner Hautkreme oder eines parfümierten Puders haftete an feinen Händen. Er spürte es, als er sich das Haar aus der Stirn strich. War es von Louise? War es ...? Nebel. Nebel. Er wußte nur, daß er nun doch nicht in die Seine gesprungen war. ~ . .... .
Gaspards Hand griff in die Tasche. Ein Geldschein war noch ubr g= geblieben Er hätte dafür frühstücken -können. Mein Gott, dachte er, ich muß nach Hause. Die Pferde warten auf mich und Besuch tommt; will fie da nicht mit mir am Bahndamm sitzen bei den gelben Königskerzen und den blauen Fingerhüten? Die Louise von damals. Seme Louise!
Er fragte sich nach dem Bahnhof durch, auf dem er vorgestern an» gekommen war. Hier stand er stundenlang hinter der Sperre und sch den obfahrenden Zügen nach. Und dann stand er auf dem Bahnsteig, mit einer Bahnsteigkarte, und ein Zug sollte absahren, ein Zug nach Lyon. Und Gaspard lief unruhig an den Wagen entlang. Zehnmal blickte er auf die Tafel Die Menschen nahmen schon Abschied. Die Türen wurden schon zugeschlagen. Da sprang Gaspard noch auf...
Ja so ist der junge, etwas übernächtig aussehende Mensch in der Sonntagsjoppe des Landbewohners in den Zug gekommen, der nach Lyon fahrti Er steht im Gang am Fenster und pfeift leise durch die Zahne wenn der Kontrolleur auftaucht. Mögen sie ihn schnappen, aber erst in Lnon. Von dort aus kann er nach Hause laufen 3n das »eine Dorf Zu Philippes Pferden. Es ist aufregend Er darf sich nichts merken lafien, roie er unruhig wird, wenn der Kontrolleur an ihm voruder- geht. Einmal hat er ihn schon prüfenb ongefefien, und Gaspard hat gar nicht gezittert: „Sie haben sie doch schon gesehen. Ader der Beamte konnte wieder fragen. Weit war es bis nach Lyon.
So hebt Gaspard wie ein Wild, das wittert und sichert, im Gang am ftenfter. Ein dicker, wohlhabend aussehender Herr bleibt neben Gaspard stehen und zieht ein Zigarettenetui aus der Westentasche. Etwas ist dabei m »oben gefallen. Nur Gaspard hat es bemerkt. Sah es nicht wie eine ^abrtarte aus? Er stellte den Fuß darauf. Der dicke Herr schaut zum Fenster raucht, geht in fein Abteil. Und Gaspard hebt die Fahrkarte auf eine Karte zweiter Klaffe nach Lyon. Alles, was ©afparb fmbet, wurde er abliefern, nur nicht diese Fahrkarte. Siehst du, Gaspard, denk, er, Gott will nicht, daß du ins ©efängms kommst. Und warum will Gott es nicht? Weil er deine Liebe zu Louise kennt.
Gaspard setzt sich in ein Abteil und schlummert ein. Plötzlich weckt ihn eine Stimme. Er fährt erschrocken auf. Es ist der Kontrolleur. ,,3l)re Fahrkarte - bitte." Hat Gaspard nötig, vor dieser Stimme, vor diesem Bück zu erschrecken? „Hier!" lächelt er und reicht dem Beamten d,e Karte. Der Beamte grüßt sehr höflich. . . ...
An der Sperre in Lyon sieht Gaspard den Herrn wieder. Der Dlcke sucht in allen Taschen und flucht. Ein Bahnbeamter spricht beruh gend auf den Dicken ein: „Lasten Sie sich Zeit. Suchen Stein -»"er -Nuhe. Gaspard schiebt sich durch die Sperre Man wird dem Dicken schon glauben ÖaB er die Fahrkarte nur verloren hat, denkt er. Sieht er nicht
„Gustave" sagte Louise, „jemand von zu Haus. Ein guter Freund.
Der arme Gaspard! Was sollte er sagen? Wenn dieser Gustave nicht gewesen wäre! Wer war Gustave? Ja, sie' wird ihn wohl vor drei Monaten tennengelernt haben... Gaspard trank, und Gustave füllte »ort neuem das Glas. Höflich war dieser Gustave. Verdammt. Es war fdpnw* rer zu ertragen als ein Schimpfwort. •
„Also, du bist ausgerückt, Gaspard?" fragte das Mädchen. „Hast dus bei Philippe nicht mehr ausgehalten? Viel Lohn hat er Ja nicht gezahlt, aber schlecht hast du es doch nicht gehabt?"
„Nein", murmelte Gaspard.
, Denkst du, du wirst in Paris dein Glück machen r Oh, das denken viele, Gaspard. Na, hoffentlich hast du Glück. Eigentlich hatte ich nie gedacht, daß du deine Pferde im Stich lasten könntest."
„Ich wollte ja nur —" stammelte Gaspard, „ich--
„Prost, Gaspard!" sagte Gustave und hob das Glas.
„Prost!" sagte Gaspard erleichtert, als hätte er gerade dieses Work gesucht, Und griff nach seinem Glas. Da kam die ältere Frau ins Zimmer und rief Gustave in irgendeiner Sache fort. .
Sie waren allein. „Louise!" seufzte Gaspard. Alles lag barm. Mehr brauchte er ihr gar nicht zu sagen. Alle Hoffnung, alle Enttäuschung sagte
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lauf einer Bank ein. .. „
Als er erwachte, war sein erster Gedanke: „Louise . Die Menschen, Her die er sich mischte, eilten zur Arbeit, fliegen in den Schacht der Kiro oder auf die scheppernden Autobusse. Mstpard bekam Hunger und M auch ander« drüben beim Cafetier frühstücken. Er ge[ellte fid) 3 ?: 1 : feen, schlürfte mit Behagen das heiße Getränk biß, mit emer noch att- Hi so stark gefühlten Freude am Dasein, in das knusprige Gebäck, und Li? Liberte das Lächeln eines hübschen Mädchens, das am Tisch nebenan 2' : Melbe tat. Vielleicht frühstückt jetzt auch Louise, dachte er. S'e wird Lp; W zu Hause sein, wenn ich komme, aber die Wirtin wird mir sagen, sie arbeitet, wann fie zurückkommt...
1 Doch di« Wirtin in der Rue de Vaugirard wußte es nicht. Lauste war w-gezogen. Schon vor Monaten. Sie musterte den jungen Mann a k: Provinz, der so niedergeschmettert schien, und nannte gutmutig ein« ^Cs mor’bie Gegend des Montmartre. Weih flammte die Kirche Sacre Mr herüber. Steil stieg die Straße an, an der niebrige, alte1® auf er Men. Noch drei Häuser. Dort das Eckhaus mußte es einl S : ftieg mit feieren Beinen die Treppe empor und klingte.
P!ii merci, die Frau, die öffnete, nickte. Ja, hier wohnt Lauste Raume . 81er fie ist jetzt nicht da. Gafpard lachte. Wenn sie nur überhaupt da »ir. Heute abend? Er würde wiederkommen. Und die alte Frau nickte biiber, und Gafpard lief fröhlich die Treppe hinunter.
, Abends stolperte er in Louises Stube. Nein, er war nicht betrunken, «eioahre, er war nur aufgeregt, er konnte kaum sprechen unb ki Mütze in seinen großen Händen. „Louise!" stammelte er. „D .**)' Wollte sehen, roie’s dir geht!" ,
Louise sah ihn an und lachte. „Gaspard! ®u bift em Witz -...
Me immer noch. Sie hatte einen sehr roten Mund, ihre 3‘jb’’« '^im- Jiirten, und unter dem engen Kleid dehnte sich ihr Körper. Plötzlich g k dem Verwirrten die Arm« auf die Schulter und sagte m einem falt mtterlichen Ton: „Guter, dummer Gaspard! Iß mit uns Abendbrot!
wirst Hunger haben." „. ...M
Da sah er, daß noch jemand im Zimmer war. Ein hübscher, > g W»nn. Ein Student modste es [ein, ein Maler, irgendein Künstler,
wtie Ny junger, etwas übernächtig aussehender Mensch in der Sonntags- rsliiW ltpi>« eines Landbewohners geht auf dem Bahnsteig unruhig hm und her.
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- * faul Der Zug rollt aus der Halle. Gaspard hat nur eine Bahnsteigkarte. Vorgestern war er hier an gekommen. Mik einer richtigen Fahrkarte.
&! hatte einen großen Teil feiner Ersparnisse verschlungen. Was verdate er denn bei Philippe Baudoin in dem kleinen Dorfe vor Lyon Sn'bem Dorf, wo Louise gelebt hatte, bis vor einem Iayre. Dann mar fie nach Paris gezogen. Sie konnte hier mehr verdienen und hatte es Inter So schrieb sie. Aber immer länger mußte er auf Post warten. M seit drei Monaten war kein Lebenszeichen mehr von ihr gekommen.
Er liebte doch Louise! Und fie — hatte sie ihn nicht geküßt und gern em feine Worte gelauscht, wenn er Zukunstsbilder malte? Drei Monate. Srmte sie nicht krank fein? Sie war ja allein in Pans. Die liebe, gute Steife! Wie sie lachen konnte! Wie gern sie die Blumen hatte und die »eßen Wolken am Sommerhimmel!
Drei Monate! Eines Tages ging Gaspard nach Lyon und stieg in •n der Züge, die noch Paris rollten. Abends kam er dort cm. Er fi-mte über das flimmernde, zuckende Licht in den Straßen. Mit emem hfl ehrwürdigen Schauer stand er mitten im Wunder. Und lief bie ganje W an Cafes und Musik und Licht und duftenden Frauen voruben to dachte an Louise. Bis der Morgen graute über der Seine. Da fchttef


