Jahrgang (959
Montag, den 18. Dezember
Nummer 71
Silin alles, was du hast, chni ’« ! „Ich werde etwi
ja $
rige, wilde, unwillkürliche Eifersucht,
A' ihn noch, wenn auch entfernt, “['«! lindet, aus der er so tief herabgestüi •L' । fflpfphrfor um foin nt f Art fit» n
ieit und hört« mit einem
ire Mutter habe sich eines
V
Iȣ
iel. I< t liege
n hi« fetuity er alle WO M uralte lisooOt
Ströme ir Öen !IÜ> t»l
fr* 205 intet
Dann bot er Margarete den Arm, und sie gingen fort. „Margarete", meinte Paul, „sie folgen uns.
„Aber warum preßt du die Lippen so zusammen? Bist du böse?
Margarete hatte Tränen in den Augen.
„Du weinst?" fragte Paul.
„Ach", erwiderte sie. „Arme Frau, arme Hundei Gib mir dein Geld,
„„•v-----etwas behalten, um Leber zu kaufen", antwortete Paul.
Margarete lief zu der Frau und schüttelte den Inhalt der Börse in ! ihre Hand; dann kam sie zu ihrem Manne zurück, der um sich blickte.
„Kein Schlächter hier in der Nähe, aber wenigstens ein Bäcker."
Er ging fort, um Brot zu kaufen. Die drei Hunde waren zu dem Haufen zurückgekehrt, und Paul gab ihnen das Brot, indem er freundlich mit ihnen redete.
„Was du sagst, macht mich frieren, Liebster."
Hunger^ hat^o^^te' »Besser, eine Mutter friert, als daß der Sohn
iv Slj er, tz re H Sinin
e soi| ’« kt art ja
m.
i » lanjei
Jäixfja
,r
Ä
Ärieia Ä 6® Hein«® Heu Mi und i® eben iwifi* ,>11« ,itbt B und's
[äruntf - er-’
Die Hochzeitsreise
Roman von Charles de Coster
Deutsche Übertragung von Arthur Seiffhart
11. Fortsetzung.
Jetzt wollten die beiden anderen Hunde sich auf den Neufundländer stürzen, aber sein Herr pfiff dem siegreichen Hunde, und mit hocherhobenem Schwanz und stolz auf seine Muskeln ließ dieser seinen schwachen Gegner heulend entfliehen; nach zehn Schritten blieb der Unterlegene stehen, um von dort aus den Sieger in seiner Sprache zu beschimpfen.
Bei dem Lärm eilte ein Polizist herzu.
„Was tust du hier, Kanaille?" schrie er die Frau an. „Ich werde «ich ins Gefängnis bringen, wenn ich dich noch einmal beim Schlacken- sammeln erwische."
Die arme Frau antwortete nichts; sie schleuderte einen zugleich haßerfüllten und schüchternen Blick auf den Polizisten und ging langsam fort wie jemand, der an alle Beleidigungen und Kränkungen gewöhnt ist.
.Lwanzigtausenü Franken, ha, ha, ha!" brach Roosje böse lachend los.
Margarete hörte daraus die Eifersucht gegen ihren Mann, diese traurige, wild«, unwillkürliche Eifersucht, dieses Feuer, das in der allen Roosje brannte. Das Lachen dauerte lange Zi.....
fast sanften Lächeln auf. Margarete glaubte, ihr besseren besonnen und fiel ihr um den Hals.
25.
a"6! Kases7xTr '"f^ge einer unvorhergesehenen Zahlung das Geld ausgegangen Zu stolz, um seine Patienten mit Rechnungen zu belästigen, ließ er sie ganz nach ihrem Belieben das nnrh .Am nächsten Tage war sein Namenstag. Eine Woche
trinten"^atten °'e e &ute ungeladen, um „ordentlich zu essen und zu
Margaret« kam gegen acht Uhr in Roosjes Schlafzimmer. Als dl« alte Frau ihre Tochter angehört hatte, legte sie die Hände auf die Tür- klinke und öffnete und schloß sie unaufhörlich, als ob sie Margarete aus dem Zimmer verjagen wollt«. H
Diese stand fast flehend vor chr. „Aber Mama", sagte sie, „zwei- hundert ^ranken rst doch für dich so wenig, und es ist gerade das was wir brauchen. Du hast sie und noch viel mehr in deiner Schublade "
„Nicht einen Sou, Uicht einen Pfennig! Wie! Zweihundert Franken d"- Jr e n, °9n mir, die ich sechs Monate arbeiten mußte, um öne Halft«, ja etn Viertel zu verdienen! Zweihundert Franken!" vor';, o >st fern Namenstag, Mama, das kommt nur einmal im Jahre „u "var un'< alle gibt es teures Obst, Geflügel, Huhn! Und alle dies« Möbel und Bilder und euer Schloß und eure Dienerschaft! Das alles kostet nichts, mcht wahr?"
Dann zeigte sie auf das Bett und die Rosenholzstühle und di« Tapeten um sich und strich darüber hin. „Und Kaschmirvorhänge und Kaschmir- spitzen — Sie waren aus Kretonne. — „Und unter meinen Füßen einen Teppich, schöner als die Decke auf dem Spieltisch im .Kaiserlichen Wappen. Und goldene Leuchter und Spiegel und chinesisches Porzellan Das ist ja ein Zimmer für eine Königin!" ...
„Mama, das ist dein Zimmer. Wir haben das ganze Haus ae- plundert, um es schön zu machen." B
»Das ist mir gleich! Nicht einen Franken, nicht einen Centime!" „Mama, ich versichere dir, es sind nicht fünf Franken im Haus." „Das geht mich nichts an."
„Und eine Menge von Dingen sind bar zu zahlen: Obst, Gebäck und Eis!"
„Obst, Gebäck, Eis!" Roosje geriet in fürchterlichen Zorn Ganz blaß und mit geballten Fausten ging sie auf ihre Tochter los: „Eis, wie! Bettlerin! Cis! Und von mir verlangst du Geld, um es zu bezahlen und es in den Schnabel dieses Bettelbruders, dieses Habenichts, dieses Fasses ohne Boden zu stecken, der sicherlich schon Schulden hat! Eis! Aber lieber drehe ich ihm mit meinen alten Fingern den Hals um! Cis! Ha! Ja, so sind sie alle, diese vornehmen Herren. Eis! Geh doch und sieh, ob dein Eis kommt! So was hat ein Schloß, Diener, so was macht Staub und bespritzt die Leute. Eis! Bezahll er wenigstens seinen Schneider? Jede Woche beinahe hat er einen neuen Anzug. Eis und Gell>- borgen! Hier sieh!" — Und sie faßte an die Falten, die der Keulenärmel ihres Kleides bildete. „Hier, das ist Baumwolle, für dreißig Centimes Schweizer Baumwolle, aber sie schuldet niemandem etwas! Bin ich jemals zu irgend jemandem gegangen wie ein kuschender Hund, und habe ich jemals das beschämte Gesicht eines Geldborgers gezeigt?"
„Mama, uns schuldet man viel. Wir haben für wenigstens zwanzia- tausend Franken Außenstände..."
„Mama, arme Mama", sagte sie und bedeckte sie mit Küssen.
„Wirst du mich loslaffen", rief Roosje, sich aufrichtend. „Wirst du? Ich weiß, warum du mich küssest: es ist für mein Geld. Du wirst nichts davon erben, von meinem Gelde! Ich werde es als Leibrente anlegen; so wird er wenigstens nichts davon haben. Er verdient zwanzigtausend Franken! Ha, ha, ha!"
„Mama, lach' nicht so, sieh dir lieber meine Bücher an!"
„In die Bücher kann man schreiben, was man will..."
„Mama, allein Herr von C..., der gleich hier nebenan wohnt, der Baron, schuldet ihm siebzehnhundert Franken."
Roosje brach von neuem in Lachen aus: „Ha, ha! Siebzehnhundert Franken! Und wofür? Ha, ha, ha ha! Dieser Lausbub, der einen Franken für den Besuch bekommt, siebzehnhundert Franken!"
„Aber Mama, das rft nur für drei Entbindungen und für die Behandlung."
iK«!
\r
hin - »ähini iil m : di« ft
mh
„Ich habe ein seltsames Gefühl. Frau, wenn wir jemals einen Sohn Staben werden, was ich hoffe, so wollen wir ihn alles, was wir wissen, ehren, ihm alles mitteilen, was wir zusammen gesehen haben. Wir wollen aus ihm einen braven, starken und mutigen Menschen machen, der nützlich ist und leben kann. Wir müssen ihm die Welt zeigen, wie sie ist; die Welt, in der die Schlauheit einen Laden hat und die Kraft die Ware verteidigt. Aber unser Kind darf niemals arm sein! Niemals soll er aus der Wohlhabenheit, selbst nur vorübergehend, in Bedrängnis kommen, sonst würde er sehen, was die Welt unter der Maske ihres Lächelns an bitterer Grausamkeit verbirgt. Ach, ich wage nicht daran zu denken, Margarete. Er kann kränklich zur Welt kommen, als verschwenderischer, gedankenloser Mensch sich zugrunde richten, arm werden und ins Elend geraten. Der Arme ist ein Wesen, das von allen und immer unbestraft beleidigt, verfolgt, angegriffen und verleumdet wird. Wenn ihm noch ein wenig Stolz bleibt, und wenn er, ohne sich zu lt «1! erniedrigen, um Arbeit bittet, so wird man ihm aus dieser notwendigen ^n.3 Tugend ein Verbrechen machen, das man törichten Ehrgeiz nennt. Wenn n« weiße Wäsche und saubere Kleider liebt, so wird man ihm sagen, daß er besser täte, seinen Bäcker zu bezahlen, als soviel Geld für die Wäscherin auszugeben. Die Schwachköpfe, die ihm deshalb Vorwürfe machen, begreifen nicht, daß es gerade dieser letzte Anschein von Wohlhabenheit
i Mutä ciujcmi, mit der Welt der Glücklichen Der- jnivni, ui» uei ,v tief herabgestürzt ist. Wenn er als Künstler oder , i belehrter, um sein Werk zu schaffen, von ttockenem Brot und Wasser ' lebt, so wird man ihm sagen, er täte besser daran, Soldat zu werden
und ein Gewehr auf der Schulter zu tragen. Du kannst dir gar nicht ^erstellen, wie töricht und brutal meistens die Einmischung der Leute in s- ||||i Kis Leben derer ist, die leiden und die von niemandem etwas verlangen, >ls Zeit, um wieder hochzukommen. Wenn sie durch Entbehrungen und iruchilose Kämpfe am Boden liegen wie Löwen, di« an Erschöpfung hrben und nicht mehr beißen können, dann kommen alle, um ihnen Wi Eselstritt zu geben. Margarete, die Hunde, die arme Frau, die Mizei, der Neufundländer und der reiche, dicke Mann, das ist das Leben, t> wie es jetzt ist und wie es wahrscheinlich immer sein wird! Alles für Wge wenige, nichts oder fast nichts für die andern. Aber gieße keinen ßeß in das Herz deines Kindes. Sage ihm, daß der Mensch, der sich für 'groß hält, dem Tiger in nichts überlegen ist, wenn man (einen Vor- M antastet. Sage ihm, daß alle Mühe haben, ihre Nahrung zu verdienen und daß es gerecht ist, jeden feine Nahrung verdienen zu lassen. I
GiehelmAmilienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger


