tfj vergleichen Hetzen, voll einsamer Größe und ohne Beziehung zum etlichen. Ader es ist heute noch das feindliche Element, das die Men- Yen ernst und wortkarg macht im täglichen Kampfe mit Wogen und tebolstürmen. Das Almvolk dagegen hat klingende Lieder. Die weite ichau über die herrlich prangende Welt zu seinen Füßen hat ihm wohl ie Zunge gelöst im hallenden Jauchzer. Und was sie singen, gilt immer lieber dem halb unbewußten Glück des freien Lebens heroben, der fon- ,gen Schönheit um sie her und der Liebe in ihrer ersten, natürlichsten örm.
Ick) liege im Grase und muh die Augen schließen vor der Fülle des ichtes, das noch purpurn durch die Lider scheint. Als ob sich’s hier oben kohl gar nicht sterben liehe. Dazu ein körperliches Wohlbefinden, das brch die Glieder strömt wie starker, brausender Edelwein. Eine Hummel tutet schwingend vorüber, in leichten Wellen läuft der wehende Wind i-rch Gräser und Blumen und bringt einen feinen, warmen Schwall rn Wohlgeruch als köstliches Destillat aus Wütenduft, Erdgeruch und vnnengold. Ich wende leicht den Kopf und sehe über die nächsten Gras- itzen in meilenweiter Ferne winzigklein eine Kette gewaltiger Berge, ahkupferrot die Felswände und wie in Silber genietet die Bänder der kchneerunsen: die Tauern. Zur anderen Seite dehnt sich di« weite kotteswelt in blauen Wäldern und Hügeln und blassen Tälern und ganz rne säumt der fitmmernüe Aether eine feine Linie, aus der ein kan- zes Hügelchen ragt, die Riegersburg, nicht weit von Ungarn.
Ein kleiner Käfer krabbelt mir ans Ohr und mahnt mich aus leuch- nden Weiten bescheiden an di« Nähe. Gehorsam wende ich mich und staue und staune in eine Welt des Kleinlebens. Da tragen die Halme id Blütenglocken ein feines Haarkleid von steirischem Loden gegen die searfen Schneewinde und stehen stämmig und aufrecht auf starkem Wur- !gründe, getrost und zufrieden wie kleines Almbauernvolk. Eine wilde t ene steckt bis zur Brust in einem wiegenden Glöcklein. Von der Spitze ries Halmes läßt ein stundenaltes Mllcklein die schillernden Flügel fpie- Ict und kann sich vor unbewuhtem Wohlbehagen kaum entschließen zum ging ins weite, unbekannte Land. Ein kleiner schwarzer Käfer hastet t.rchs Urwaldmeer, so eilend und aufgeregt, daß ich schuldbewußt lächeln «uß. Das kenn' ich. Kleinerl Wenige Schritte zur Seite ragt ein Fels- dbck aus den Almwiesen, kaum meterhoch, aber wie ich nun aufs nächste rigestellt bin, ein gewaltiger Berg durch die Wucht der Umrisse. Auf oem Flecklein seiner firnwindzernagten Rippen trägt er wurzelstarkes Eiben. Einen tiefen Spalt hinan steigt ein Fähnlein Moose, lanzen- jolank, mit spitzen Sturmhütlein, wie ein Trüpplein Gewappneter, das mnnhaft auszieht auf Aventiuren. Und richtig: da lauert im hintersten hhlengrunde der gewaltige Drache, ein fingerlanges Eidechslein, braun, ztdfchuppig, mit fliegenden Flanken. Auch sonst begibt sich manch Un- f loolles an der Schattenseite meines Mikrokosmos. Da würgt ein Inner gepanzerter Käfer in schauerlicher, winziger Einsamkeit einen büchen Tausendfüßler und im luftigen Raubnetz der Spinne büßt ver- fcmachtend ein stahlgrünes Flieglein feine kurze Daseinspracht. Wie 1:formen aus der Sagenzeit unseres heutigen Lebens erscheint alles, ins da kreucht an Wurm-, Schlangen- und Echsengestalten. Und das mnnenlange Fichtengreislein, das den Gipfel meines Liliputanerberges hint, es ragt aus dem Urwaldgefilz der Moose und Preihelbeeren ?! Itimm und windzernagt, aber hart und zäh wie der sturmzersegte II 8:umriefe eines uralten Opferhaines. Spielzeugklein, aber von einer I 8:walt der Umrisse und Kraft der Formen ist diese kleine Welt, als ob l| k' tausendjährige Kamps mit Sturm und Eis alles froh« Ausrecken und llü rzweigen niedergezwungen hätte, den Kern aber verstählt. Immer H ütfer versieht man sich in diese kleine eindringliche Welt der Wunder, D tl betroffen von dem Reichtum, den man kaum geahnt, und der Ge- IIknten auslöst, scheinbar platt und alltäglich, und doch voll innerer Be- Mfihung zur Geschichte des Lebens heroben. Noch vor wenigen Wochen ■h;en die Kräutlein unter fuhhohen, stahlharten Schneewächten, und «inte wiegt sie der Almwind so lind und zart, als ob jedes gröbere Mi:greifen ihnen schaden könnte. Eine säst unendliche Abstufung der liiäfte ist hier am Werke, au die sich dos Leben angepaßt hat, mühsam WM Lause von Jahrtausenden, unter tausendfachem Tod und wieder unter W'iilhundertfachem Werden, siegreich für alle kommende Zeit. So steigt H Ür ter diesen grausen Formen ein großes Gesetz der Entwicklung auf: ■kr Kampf ums Dasein. Bei uns drunten klingt das Wort nicht gut, ist WMz fürs Menschliche in Besitz genommen, für eigennützige Ziele und D Wlistige Ränke. Ein reißender Strom, der seine trüben Wellen zuzeiten M'ch ans ruhigste Gestade klatschen läßt und zu Wehr und Sorge zwingt. B -''d so kann es kommen, daß man solchen Nahblick in die freie Welt des ij hiverfums empfindet wie ein Märchenwunder, das ganz fein anklingt M fernen, fernen Tagen. In der ersten Kindheit gab’s auch eine Zeit, j, ro die Natur so einfach und eindrucksvoll und doch voll von Gehcim- k'isen zu uns sprach, nur in Farben und Formen, ohne Beziehungen
Weite. Wo man lange in einen Georginenkelch starren konnte und I »7 das leuchtende Gelb, das flammende Rot empfand, daran das Auge »e gessen trank und trank, bis es satt war. Und der goldgrüne Käfer im Märzen der Rose war ein kleines Gotteswunder, ein verstohlenes Ma^ । Man bezog nicht alles auf fein eigenes Ich) di« Begriffe schädlich 8 nützlich hatten noch keinen Raum im weiten Garten der Natur.
Sin leises Dröhnen des Bodens, ein gemütliches Schnauben laßt Mch aufschauen. Ein schneeweißes Rind sieht mich aus großen guten "I ügen an, schüttelt das Haupt vor einer Wolke von Fliegen und schaut | ft- anfenaoU ins Weite. Wie sich die leuchtende Umwelt wohl aus der j ^tzhaut seines Auges spiegeln mag? Die Frage ist nicht so müßig, wie Jc augenblicklich scheint, wenigstens nicht an einem Feiertage des «f(»ens, der mir so Seltenes schenkt an Zeit und Ruhe. Was bringt ■"fer seelenvolle Blick in blaue Fernen dem Tier ins Hirn heim? Wohl H Men die Bilder durchs klar« Aug auf seelenblinden Grund, wie die | ^nste Gletscherlandschaft durch die Spiegelscheiben eines leeren Alpen- I "Els fällt. Sicher ist's nur aufs nächste eingestellt. Hunger und ja ^"Mn's nicht eben ein Ochs wäre. Aber irgend ein Zustand der Zu- I f^denheit, ein behagliches Hindämmern ruht doch unbewußt am Grunde iHüver augenblicklichen Lebensempfindung. Glücksgefühl? Das ift wohl
zu stark — für einen Ochsen, der jenseits von Gut und Bös« im trägen Blute die köstliche, brausende Leidenschaft nicht kennt. Mit einem feuchten, innigen Blick des Mitleids wendet er sich von mir armen grübelnden Menschlein und rupft wieder im Schreiten den würzigen Almboden. Daß ich und meinesgleichen die Krone der Schöpfung, quittiert er gelassen mit einem breiten Schluhpunkt feines friedlichen Stoffwechsels.
Im goldenen Spätnachmittage schreite ich der fernen Hütte zu. Wie von selbst fällt der Schritt in ein ruhiges Gleichmaß, das sich einfügt in den Takt des Lebens um mich her. So gehen sie auch alle, die in dieser Welt ihr Leben verbringen, die Hirten und Wurzelgräber, die Jäger und Holzknechte, wenn anders sie nicht ein Außenstehendes, ein Ziel zwingt. Das Ziel ist nicht vor uns, ist um uns, ist ein Gehen, ein Stillestehen und Schauen. So stehen die Rehe unten im Grund«, so säumen die leuchtenden Wolken überm Wald, so fällt der Quell in den Brunnentrog. Alles gehört zusammen, und nichts fällt zu besonderem Zwecke aus dem Rahmen. Der heimkehrende Hirte grüßt mich gleichmütig mit leichtem Nicken als etwas Selbstverständliches, beinahe Erwartetes.
So wird di« Rast auf der Bank vor der Hütte im sinkenden Abendgold zum unbewußten Gottesdienst. Herrgottsfriedeni Das ist das rechte Wort für dies« heilige Stille im weiten Rund. Ruhiger, in ausgleichendem Zeitmaße, gehen hier die großen Gesetze des Lebens ihren Gang. Die weiten Linien lassen freie Bahn fürs Auge wie für die Seele. An Segantini muß ich denken, der anbetend schauend sein Größtes in der schweigenden Bergwelt empfangen hat. Schweres Leid, hier sinkt es zum Grunde, zuckender Schmerz um Verlorenes, hier oben müßte er sich lösen, weich verströmen in der Unendlichkeit. Drunten tief im Arbeitsfeld unseres Lebens mahnt uns immer wieder eine schmale Gasse, ein liebes Haus, eine stille Stube an liebe Weggenossen, die wir verloren, hier oben aber schreiten sie uns wieder zur Seit«, frei und leicht, und mit all dem fröhlichen, oft absonderlichen Gehaben, das ihnen im Leben angehangen. Hier oben möchte man wohl einst begraben sein ober, besser noch, verzehrt werden in reinigenden Flammen und als leichte Asche verstreut in den wehenden Wind, daß bald kein sichtbares Teilchen unseres Körperlichen zu finden wäre, daß wir aufgelöst wären im weiten All, wiedergegeben der mütterlichen Erde. Ein Dichter hat's gesungen, aber wie viele vor ihm haben es ahnungslos empfunden.
Zögernd scheidet das Licht. Aber noch lange stehen die Berge klar und scharf gegen den helleren Westen, bis endlich die Nacht die reife Pracht des Tages in ihren blauen Mantel fängt und das schimmernde Sternenheer unser bewegtes Einzelschicksal für einige Stunden ruhen läßt vor den ehernen Toren der Ewigkeit —
Ich aber steige durch den schweigenden Hochwald, sroh und getrost, mit einer Welt des Erlebens zwischen gestern und heute. Und mit einer Lust zur Arbeit für all di« nächsten Tag«, unter der es wie ein feiner, köstlicher Durst liegt nach dem Sonnentraum auf der Höhe. Bis ein heihverdienter Ruhetag mir aufs neue ein Wandern schenkt nach oben, nach Sonne, Licht und Freiheit — auf die Alm!
Wer hat die Alpen gestaltet?
Von Dr. R. Francs.
Warum sind die Alpen schöner als alle anderen Gebirge von gleicher Mächtigkeit, wie das sämtliche Weltreisende von je bestätigt haben? Aus diese Frage hat die neue Forschung eine sehr merkwürdige Antwort gefunden, indem sie nämlich die Eiszeit, von der doch jeder Naturfreund bereits gehört hat, als den großen Künstler erkannte, der an ihrer Verschönerung gearbeitet hat, ja ihnen erst den eigentlichen Hochgebirgscharakter ausgeprägt hat. Dadurch wirken sie größer, als sie find. Die Eiszeit hat mit Gletschern und durch sie bewegten Schutt gebosselt und gearbeitet an ihnen. Sie war es, die die scharfen Felsgrate, die kühnen Bergspitzen, die tiefen Kare, das herrliche Relief der Täler, die steilen Wände, die Wasserfälle und Klammen, die malerischen Talhintergründe geschaffen hat, ohne die die Alpen ebenso großartig langweilig wären, wie die Cordillere in Amerika oder die Mafsengebirge Aftikas. Nur ein einziges Hochgebirge gleichen Ranges hält darin den Wettbewerb mit den Alpen aus, und das ist der Kaukasus. Aber gerade er hat ebenso seine Eiszeit gehabt wie sie.
Dort, wo das Eis nicht waltete, bleiben die Alpen durchaus in der Landschaft des Mittelgebirges stecken. Man sieht dies an der Steiermark in ihren östlichen Teilen, die auch in der Eiszeit keine Gletscher trugen, sondern nur die Wirkung des rinnenden Wassers und des abblafenben Windes ausgesetzt waren. Dort gibt es nur auf den über 2000 Meter hohen Gipfeln wirkliche Hochgebirgserscheinungen, gleichsam als Inseln zwischen wohlgerundeten Kuppen und sanften Waldbergen, welche zwar die Anmut der Steiermark bedingen, sie aber hinter der Majestät des übrigen Alpenlandes zurückstehen lassen.
Es arbeiten zwar auch an ihnen Verwitterung und Wasser restlos daran, die kühnen und malerischen Gestalten, die uns die Eiszeit hinterlassen hat, wieder gewöhnlich zu gestalten. Die tiefen Täler werden zu- geschüttet, die Felswände und Felsstufen werden zerschnitten, die Firste der Berge stürzen ein, und an Stelle der schlanken Felsnadeln tritt Schutt und Geröll. Gegenwärtig aber erfreut sich das Herz des Alpenfreundes doch noch überall an dem herrlichen Wechsel der Bilder in dem Gegensatz zwischen breiten Talgründen und schmalen dunklen Schluchten, dem jähen Sturz der Felswände und den grüngeschmückten sanften Abhängen, die durch Flüsse gebildet sind, an den gefälligen Einzelheiten der mannigfaltigen Durchbildung und Gliederung, die eben die Alpen so schön macht und das Erbe der Eiszeit ist. ..
Gerade die größten Schönheiten der Alpenwelt waren nicht zustande- qetommen, hätte nicht die Natur vergangener Jahrtausende diese schwere Schickung bestanden. H. v. Humboldt nennt Salzburg an erster Stelle, wenn er die Schönheiten der Welt preist. Und seitdem ist dieser Ruhm der schönstgelegenen Alpenstädte auch unbestritten. Wie ist aber dieses Tal, das von so mannigfachen Berggestalten umstellt ist, so überaus mannigfaltig und dadurch malerisch geworden? Woher kamen in ihm diese entzückenden Gegensätze zwischen kühnster Hochgebirgsformation und so an-


