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GiehenerKimilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1959 Zreitag, den [1. November nurnmcr 89
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Die Hochzeitsreise
Roman von Charles de Coster Deutsche Abertragung von Arthur Seiffhart
2. Fortsetzung.
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„Sehen Sie", sogt« sie, „man weiß nicht, was man tut, wenn so etwas geschieht. Ich habe Ihnen häßliche Worte gesagt; ich werde es nicht mehr tun. Und wenn es mit mir ans Sterben geht .... ja, aber nicht jetzt gleich, — so werde ich Sie holen lassen, und Sie würden dem Zandern mit seiner Sense sagen, daß er nicht eintreten darf. Und er wird es nicht wagen. Sie sind mein Sohn, mein Schatz! Es schmilzt! Das Eis schmilzt, jetzt rutscht es die Backe entlang. Es fällt! Sie sind der liebe Gott, Herr Doktor!"
| Blitzartig, in weniger als einer Sekunde, hatte Roosje die Decken vieüer auf ihre Tochter geworfen: „Schämst du dich nicht? Hier ist doch emand", sagte sie.
...$an.n küßte sie sie lange. Grietje, die noch nicht recht erwacht war, “4le sie wieder: „Noch mehr!" sagte di« Mutter, „noch mehr, mein
Grietje streckte, um die Mutter am Kopf zu fassen und so an sich zu jrehen, di« Arme aus den Decken, zog sie aber frierend wieder zurück. »Wer hat mich denn so nackt in diese Wolle gesteckt?"
„Sie spricht!" rief Roosje, „sie spricht!"
,Lch will aufstehen", sprach Grietje.
Die alte Frau lachte und weinte zu gleicher Zeit, nickt« mit dem «opf und schien wie verblödet.
„Ah, du , sagte sie, „sag das doch noch einmal: ,Ich roiff!' Das steht Dir so gut, wenn du sagst: ,Jch will!'"
„Ich will nicht sagen, ich will", antwortete Grietje. .Lieh mich an, Mutter."
Dann näherte ste sich leise ihrer Tochter, hob ganz vorsichtig ihren Kopf und küßte si«, als ob sie aus Glas wäre.
„Warm", sagte sie ganz leise, „sie ist ganz warm!"
Grietje erwachte allmählich; ein unmerkliches Lächeln, das Lächeln der Gesundung zeigte sich im Winkel der Lippen, die sich ein wenig über dem aum sichtbaren Schmelz der weißen Zahne öffneten. Dann schlug sie p« Augen auf, große, braune, noch verschleierte, aber schon sanft an- mutende Augen. Sie blickte um sich, hustete einige Male und sagte um zeduldig: „Ich brenne. Nehmt es weg!"
< Sie stieß die Decken mit dem Fuß fort und zeigte sich nackt und schön |?‘e eine Schöpfung Tizians. Ihr mattweißer Körper mit den zierlichen Miedern und den anmutigen Formen in ihrer noch jugendlichen Rundung Mrde durch das Licht der Kerzen vergoldet wie der Körper der bleichen uiana, als sie plötzlich in die Schmiede Vulkans hinabgestiegen war.
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„Ja, ziehen Sie sie an", sagte der Doktor vortretend.
„Wer ist dieser Herr" fragte Grietje ganz beschämt.
„Das ist ein Arzt, der dich aus dem Sarg gezogen hat", antwortete •Roosje.
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!> hörte von unten her, wie Roosje herumlief, fang und tanzte.
■ Ct9 fünf Minuten kam sie herunter.
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„ „Er ist viel zu schön für einen Arzt", sagte Grietje mit einem kaum Wi merkbaren, reizenden Verziehen des Mundes.
I „Warum geht er fort?"
„Damit wir dich anziehen können, mein Kind." | „Ach so, ja, aber er soll bald wiederkommen."
Paul ging hinaus. „Das ist ein schönes, verwöhntes Kind", sagte er B nachdenklich, während er di« Treppen hi nab stieg. Und er fühlte eine ime Wirrnis ins Gehirn steigen. Er hätte mit zwanzig Männern Men, sie besiegen, aber nicht töten wollen, er hätte seine arme, alte iuh mle Mutter Wiedersehen und ihr um den Hals fallen wollen, um ihr wie M Kind zu sagen: „Ich liebe sie, Mama, und ich werde nun heiraten, ?as du immer wünschtest." Und er meinte, wenn er an feine Trauer t°W, und lächelte angesichts der Ungeheuern Zärtlichkeit und der unbe- Michen Liebe, die ihn überflutete. Eine Katze, die im Schankraum allein Wieben war, schlich verstört von Disch zu Tisch weil sie nichts weiter ai als eine Nachtlampe, wo sonst alle Abende Kerzen in Leuchtern Mnten und die Gäste lärmten. Auf den Doktor zuspringend, wurde e mit Liebkosungen so stürmischer Art begrüßt, daß sie mit einem Hieb Wr Krallen und einem Biß in die Hand des Begeisterten erwiderte, sich in der Richtung seines Zärtlichkeitsausbruches getäuscht hatte.
„Grietje hat Hunger was darf man ihr zu essen geben?" „Starke Fleischbrühe , antwortete Paul.
sonntags" ®Ott ' fa®te !RoO5ie' "'ch gebe ihr niemals Fleischbrühe auD„ „Haben Sie eine andere Suppe?"
sie M°L^S°geL"^rt- beschämt, „aber dünn. Ich hatte "®fben Sie sie ihr, wie sie ist", antwortete der Doktor, „und dann
®ias alten Weines. Haben Sie solchen? Ja? Aber wirklich alt UNS rein 5
„Gewiß."
„Was für ein Wein ist es?"
„Bordeaux."
„Gut, Bordeaux ist recht."
Roosje stieg in den Keller und sagte, als sie wieder heraufkam, mit zitternder Stimme: Sehen Sie, hier ist Bordeaux. Bordeaux von einem
H-°bler. Hundert Flaschen für eine Schuld von tausend Franken Kosten Sie ihn Hier .st der Korkzieher. Sie können ein Glas davon trinken, da Sie ste geheilt haben.
Sie holte das Glas. Er netzte nur feine Lippen, gab ihr dann das Glas und bat fu auf die Gesundheit des Kindes zu trinken. Roosje nahm es, leerte es, schnalzte mit der Zunge, drückt« den Korken wieder auf me Flasche und sagte: „Jetzt werde ich Grietjes Suppe wärmen." - /paul, ^te ihr in die Küche und sah, wie sie nur ein winziges Stück Holz auf das Feuer legte, um es wieder in Gang zu bringen märten9"6" darauf", befahl er, „Grietje hat keine Zeit, zu
„Mer? Genügen nicht drei?"
Und sie dachte, daß dieser Arzt, der vier Holzstücke brauchte, um das §eu«r zu beleben, sicherlich eines Tages betteln gehen würde.
. Aber er fetzte feinen Willen bei Roosje durch. Die vier Holzstücke gaben eme He Stamme, die die Suppe in dem Topf, in den Roosje sie ge- gossen hatte, sehr bald erwärmte. Roosje setzte den Topf auf ein Servier- brett neben die angebrochene Flasche, die sie umlegte, um sie vor dem Fallen zu bewahren und nicht etwa genötigt zu werden, eine andere holen zu muffen. Und dann ging sie wieder zu ihrer Tochter hinauf.
10.
„ Bald darauf wurde der Doktor von oben gerufen. .Kommen Sie, He^r Doktor. Kommen Sie! Meine Tochter ist angezogen." Er stieg hinauf und fand ©rietje vollkommen angekleidet im Bett. H '
"®a.ru!” f’nb Sie nicht aufgestanden?" fragte er ein wenig zu herzlich.
„Weil ich mich im Bette wohler fühle." 0 * y ’
»Sind Sie stark genug, um aufzustehen?"
„Ja, wenn ich es wollte."
„Warum wollen Sie es nicht?"
„Weil ich es nicht will."
„Sehr gut", sagte er.
"Nein, das ist nicht sehr gut", sagte Roosje. ,Hch möchte wohl rniiie , wer Ihnen das Recht gegeben hat, fie so zu quälen? Kaum öffnet sie die Augen so wollen Sie schon, daß sie aussteht. Bleib' im Bette, Grietje mein Lämmchen." ' '
»Nein, ich will nicht im Bette bleiben, ich will jetzt spazierengehen." Griesie stand auf.
„Fäulein", sagte Paul, „wir werden, wenn es Ihnen recht ist diesen Spaziergang zunächst im Zimmer beginnen. Geben Sie mir Ihren'Arml"
Grietie gehorchte.
Sie machten zusammen einige Dutzend Schritte, und Paul fand daß sie für eine gerade vom Tode Erstandene recht gut gehen konnte '
Die Mutter ging mit gefalteten Händen hinter ihnen und sagte: „Wie schon ist sie so! Ermüde dich nur nicht, Töchterchen, gehe nicht zuviel, Liebling. Ach, sind Sie ein tüchtiger Arzt."
Grietje wollte sich wieder setzen, und Paul, Roosje und Siska taten das gleiche.
Noosjes Gesicht, das seit Grietjes Erwachen vor Freude glänzte verzog sich plötzlich zu einer Grimasse; sie senkte den Kopf, blickte dann chrag zu Paul hin, ballt« die Fäu/te, knirschte mit den Zähnen und schien ich die Haare ausreißen zu wollen. Dann ging sie zur Tür und sprach vor sich hin: „Jesus, Maria! Jesus, God en Maria! Warum habe ich so etwas versprochen!" Sie verließ das Zimmer.
Grietje war wieder aufgestanden und hatte Pauls Arm ergriffen Sie stutzte sich mit ihrem ganzen Gewicht auf ihn und flüsterte: „Wenn ich Ihre Frau wär«, würden Sie mir dann diesen Arm geben oder den andern?"
„Das wissen Sie besser als ich", erwiderte er.
„Geben Sie mir den andern."
„Nehmen Sie ihn, Marg... mein Kind." Er hätte beinahe Margarete gesagt.


