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Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühlsche UniverjitätSdruckerei A. Lange, Gießen.
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Woher aber hatte er das Geld, die Güter zu bezahlen? Nun, tat Unterschrift des Obersten von Prag war Gold wert, die des neu»« kaiserlichen Günstlings nicht minder, und die großen Bankleute der Zst waren hellhörig geworden. Dieser prachtvolle Organisator einer klein«! Armee, dieser bekannte Landwirt und Verwalter bekam bei ihnen iooM Kredit, wie er haben wollte, mehr und leichter als der Kaiser. IM
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Albrecht Wallenstein, der reichste Mann Böhmens.
Von Johannes Vogel.
Als im Jahre 1617 der König von Ungarn, Ferdinand aus dem Haufe Habsburg, einen Krieg gegen die Republik Venedig unternehmen mußte und es doch wie üblich in allen Kassen zu Wien an Geld fehlte, richtete er einen dringenden Aufruf an die adeligen Herren der kaiserlichen Länder, ihm gegen die Feinde beizustehen. Aber es rührte und regte sich nirgends, nur aus Böhmen kam der Oberst Albrecht von Wallenstein an der Spitze von 180 Kürassieren und 80 Musketieren geritten, die er auf eigene Kosten geworben und ausgerüstet hatte. Diese nicht unansehnliche Streitmacht stellte der böhmische Herr dem Oberfeldherrn in der lombardischen Tiefebene zur Verfügung und verpflichtete sich damit Ferdinand von Habsburg, der zwei Jahre darauf zum deutschen Kaiser erwählt wurde.
Und noch zehn Jahre zuvor war dieser Herr von Wallenstein, aus dem alten deutschen Geschlecht derer v. Waldstein, ein sehr unbekannter und jedenfalls sehr armer Adliger gewesen, der sehen mußte, wie er sich durchschlug. Auf einem Feldzug in Ungarn gegen die Türken mar er zum Obersten aufgerückt, und dann hatte er, heimgekehrt, die reichste Frau Mährens, Frau Lukrezia von Wischkow geheiratet. Sie war eine Witwe, galt als unschön und unfreundlich, und was den strahlenden jungen Edelmann an ihre Seite führte, wurde nie bekannt. Genug: nach fünf Jahren anscheinend glücklicher Ehe starb Frau Lukrezia an einem epidemischen Fieber, und da weder aus der ersten noch aus der zweiten Ehe Kinder heroorgegangen waren, war Albrecht Wallenstein ihr Erbe und nunmehr der reichste Mann Mährens.
Zwei Jahre später wurde er durch den Spruch der mährischen Stände seiner Besitzungen verlustig erklärt: inzwischen war der Dreißig-
mervolle Häuflein mit Dechand betrachtete, den Vater, die Mutter und die Geschwister, pochte er sich mit der Faust an die Stirn« und sprach: .Jetzt reicht mir's! Ich gehe jetzt nach Buchsweiler und frage den Herrn Grasen, ob er keine Arbeit für mich hat. D-mn kann ich euch viellelcht auch etwas helfen." Damit stand er auf und ging. Der alte Bellstem nickte nur hinter ihm her, die Mutter aber weinte laut auf: dies bewog den Beilstein, längere Schritte zu machen, denn Weiber heulen Horen können, das war ihm nicht gegeben. . .
Der grausame Frost reizte ihn sogar, noch schneller zu gehen, damit er ein wenig warm würde. So kam er rasch voran, trotzdem er durch Schnee waten muhte. Als er aber schon fast nahe bei Buchsweiler war, mitten im Walde, kam ihn etwas an: wie wenn ihn einer am Wams zöge und zurllckhielte, damit er nicht gar so sehr eilte. Er blieb stehen und wischte sich den Schweiß aus der Stirn. Dabei hörte er hinter sich etwas schnaufen. Wie er sich umdrehte, war es ein Wolf, der hatte gerade «inen Sprung gemacht und schwebte in der Luft, vermeinend, tm nächsten Augenblick auf Beilsteins Schulter zu sitzen und ihm die Zähne in den Nacken zu schlagen. Darum staunte dieser Wolf auch sehr, als etwas ganz anderes geschah: Beilstein nämlich machte eine Wendung wie ein Blitz und kriegte den Wolf im Vorübersliegen am Genicksell, krallte seine Finger tüchtig hinein und schwang den Wolf dreimal im Kreise durch die Luft, damit er merkte, mit wem er's zu tun hätte, setzte ihn dann so hart auf den Boden, daß er für die nächsten acht Tage an allen vieren lahmte, und band ihm, weil er den Rachen aussperrte und damit beißen wollte, jein Maul mit Zweigen zu, wobei er ihn zwischen seine Beine nahm und preßte, daß ihn die schwere Atemnot ankam. Danach wußte der Wols, woran er war, und hinkte gehorsam neben dem Veilstein her, der ihn immer am Nackensell führte, Buchsweiler zu.
Als sie vor dem Schloß in Buchsweiler angekommen waren, riß Beilstein die Bänder von des Wolfes Maul weg und hob ihn vorn in die Höhe, indem er sagte: „Jetzt singe dem Herrn Grafen ein Liedchen, so gut du kannst!" Der Wols wollte erst nicht oder verstand nicht, was Beilstein wollte. Als er ihn aber in die Ohren zwickte, kam ihm der Verstand, und er stimmte eine Musik an, die dem obersten Musikanten aller Wölfe Ehre gemacht hätte. ,
Der Vogt Grullert schoß zum Tore heraus und brüllte nicht schlecht: wer sich erfreche, einen solchen Lärm vor dem gräflichen Schlosse zu machen? Als er aber sah was da für Lärm gemacht wurde, erbleichte er wie eine frisch gekalkte Wand und verzog sich auf das eiligste, nicht ohne das Schloßtor hinter sich zu verriegeln. Und doch hatte ihn Beilstein ganz höflich eingeladen: „Wollt Ihr nicht einmal meinen Hund streicheln, ehrlicher Schloßvogt?"
Schon aber hatte Graf Jakob das Fenster im ersten Stock ausgemacht — wo er eben beim Mittagessen saß — und rief herab: „Bist du's, Beilstein?"
„Ich und noch einer, Herr Gras", antwortete Beilstein.
„Ich sehe es wohl! Ihr seid ein sonderbares Paar."
„Das meine ich auch, Herr Graf! Sind zweie und haben zusammen sechs Füße, und doch nicht jeder drei, wenn Jhr's nachzählen wollt."
Jetzt hatte Beilstein den Grafen wieder in der Tasche. Denn obwohl er launisch war, wie wir früher schon gesagt haben, und an allem gerne etwas aussetzte, worunter seine Diener viel zu leiden hatten, so war der Graf doch immer dabei, wen es etwas zu lachen gab. Und so lachte er auch jetzt, wie er den Buben und den Wolf einträchtig vor dem Schlosse stehen sah, bis ihm die Tränen kamen.
Endlich fragte er: „Wo hast du den Vierbeinigen her? Bist du unter die Wilderer gegangen? Vor dem Handwerk solltest du dich hüten!"
Beilstein antwortete: „Nein, Herr Graf! Ich habe ihn nicht gejagt, im Gegenteil, er ist mir nachgelaufen. Mit Zureden habe ich ihn nicht abtreiben können. Darum bringe ich ihn her und frage, ob Ihr ihn am Ende kaufen wollt? Es ist ein lebendiger Wolf, ich kann ihn nicht ernähren, wir haben selber den schwarzen Hunger, daheim in Uttweiler." — „So bring ihn herauf", antwortete Graf Jakob und schloß das Fenster, denn die Kälte machte ihn husten.
Manne Böhmens, ja wohl des ganzem Reiches.
Seine Erfolge als Wirtschaftsorganisator waren beispiellos und e." möglichten es ihm schon nach wenigen Jahren, dem Kaiser mit dem schlag eines eigenen kaiserlichen Heeres zu nahen, das trotz der leer«« Wiener Kassen, allein gestützt auf den Wallensteinischen Namen, Krew und Besitz aufgestellt werden sollte. Und nicht zwanzigtausend Man« sollte die Armee zählen, wie man in Wien im allergünstigsten Falle ««* nahm, sondern fünfzigtausend oder mehr!
Und wirklich stimmte der Kaiser zu: auf „eigene Spesa". so hieß «>' wird der inzwischen zum Herzog von Friedland ernannte Albrecht M» Wallenstein ein Heer für den Kaiser anwerben, das sich in Feindeslail selbst verpflegt, aus den kaiserlichen Arsenalen zwar allerlei Ausrüstan- erhält, in bezug auf geregelten Nachschub aber gänzlich auf die frM, ländischen Güter angewiesen ist. o, -
Wallenstein ward binnen weniger Monate der Feldherr der griM« Armee Europas, er wurde auch der größte Kriegslieferant feiner 3(; Aber feine Preise waren niedriger als die aller anderen Bewerbs seine Lieferungen erfolgten immer pünktlich, und was geliefert murte war beste Ware. Das Herzogtum Friedland mit seinen Ernten und 3'1' dustrien ermöglichten dem Kaiser den Krieg: als der siegreiche Feldhe? bald auch Herzog von Sagau und später reichsunmittelbarer Herzog oc« Mecklenburg wurde, holte er seine Organisatoren auch in diese Sänoti und bald lief die Maschine hier in gleichem Rhythmus wie daheim " Böhmen. |
Den erfolgreichen Kriegsherrn^und Diplomaten hat dann später Ehrgeiz verführt, gegen seinen kaiserlichen Herrn Verrat zu spinnen, wj blutige Ende des Herzogs von Friedland 1634 ist bekannt. Seine @U'? wurden aufgeteilt, aber was er geschaffen, verkam nicht ganz, und viel- von dem, was er an Wohlfahrtseinrichtungen gestiftet und erbaut. fw$ heute noch auf böhmischem Boden.
Wallenstein enttäuschte seine Geldgeber nicht.
Inmitten seines riesigen Besitzes lebte er wie ein Standesherr, um es war kaum eine Ueberraschung, daß der Kaiser ihn im Jahre 1622 zum Pfalzgraf ernannte, zum Fürsten also, der bereits das Recht be[«i, Adelsdiplome zu verleihen und selber auf seinen Gütern Richter zu sei«. Aber das Erstaunlichste war doch, daß nun diese Herrschaft Friedl-ml, wie sie genannt wurde, nach Methoden verwaltet wurde, wie sie ander? wo erst sehr viel später anzutreffen waren. :
Wallenstein kannte den Bedarf eines Heeres und richtete deshrd fein Güter zur Belieferung von Armeen ein. Korn und Leder: was iH daran fehlte, kauften feine Agenten auf. Häute wurden in Mengt« überall für ihn erstanden und in seinen Gerbereien bearbeitet. Leim: seine Fabriken wurden neuzeitlich eingerichtet, Färber von überallher geholt, Maulbeerbäume gepflanzt, die Seidenraupenzucht eingeführt ® nur tüchtige Handwerker aufzutreiben waren, ließ sie der Pfalzgraf oo« Friedland anwerben, gleich welchen Glaubens sie waren. Und dun» baute er ihnen Wohnungen, Schulen und Kirchen, stiftete Spitäler wrö Waisenhäuser, stellte Pfarrer, Priester und Lehrer ein, ordnete die waltung, sprach Recht. Er ließ die Söhne der Handwerker im Bern! • ihrer Väter ausbilden, errichtete besondere Lehrgänge für sie, fdjuf fit " einen Stab von Landwirten, Beamten, Ingenieuren und Kaufleute Ein eigener Staat erstand mitten in Böhmen und erregte das Staun«« der Umwelt. Bald sprach man von Albrecht Wallenstein als dem reichst«« w
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ährige Krieg ausgebrochen, und Wallenstein hatte sich gegen den Adj. Böhmens und Mährens für Kaiser Ferdinand II. erklärt. Er hätte jch! von seinem Oberstengehalt leben müssen, aber längst hatte seine doj. ziigliche Bewirtschaftung der ausgedehnten Wischkowschen Besitzungen Mi Aufmerksamkeit manches Standesgenossen und manches Geldgebers e»; regt, so daß es ihm dank deren Hilfe möglich war, feinen Kredit anjti' pannen und mehrere Regimenter in Flandern und Wallonien anwerbet i zu lassen. Diese Truppen stellte er dem Kaiser im Kampf gegen bet „Winterkönig", Kurfürst Friedrich von der Pfalz, erwählten König o»; j Böhmen, zur Verfügung, und mit ihrer Hilfe erfochten die Kaiserlich« den Sieg am Weißen Berge.
Wallenstein wurde zum Oberst von Prag ernannt; seine Unterschrift war jetzt so gut wie bares Geld. Ueberdies hatten die neuen Methode^ dieses Kriegsobersten Verwunderung erweckt: was nur immer an Millett aufzutreiben war, was an Kontributionsgeldern einging, alles rourör immer wieder für die Wallensteinischen Regimenter verwendet. Jmm« neuer Ersatz trat unter seine Fahnen, immer wurde die Ausrüstung auf den letzten Stand gebracht, niemals fehlte der Sold, und wenn bet Oberst von Wallenstein auch hoch verschuldet war: jetzt kam zum erfter« I mal eine große Stunde für ihn.
Denn Kaiser Ferdinand zögerte nicht, den böhmisch-protestantisch« Adel aus dem Lande zu treiben, seine Güter als verfallen zu ertlärei und nun für die Krone zu verkaufen. Und Albrecht Wallenstein gns zu: als Ersatz für Auslagen wurden chm zunächst mehrere Guter d«k Smirickyschen Liegenschaften deshalb zugesprochen, weil seine Mutter aus diesem Geschlecht stammte. Um diesen Neubesitz herum kaufte AlbrM Wallenstein mehr als fünfzig Großgüter, die verwüstet oder herunll» ,. . gewirtschaftet waren uifb rundete sein Eigen auf das Vorteilhafteste <Uu
Er bezahlte diese Güter mit barem Geld, er nahm sie nicht als Lehe« oder als Belohnung, er bezahlte sogar hohe Preise dafür! Wohl tr< stand er über diese nun schon ausgedehnte Herrschaft hinaus noch eto sechzig Güter, aber diese hier oder da, wie sie der Zufall bot, und - •« -™ nur, um sie mit feinen langsam berühmt werdenden Methoden in turjtr «K« Zeit in die Höhe zu bringen und mit ungewöhnlichem Gewinn weite?


