Einen Gommer lang.
Don Detlev von Liliencron.
Zwischen Roggenfeld unb Hecken Führt ein schmaler Gang;
Süßes, seliges Verstecken , Einen Sommer lang.
Wenn wir uns von ferne sehen. Zögert sie den Schritt, Rupft ein Hälmchen sich im Gehen, Nimmt ein Blättchen mit.
Hat mit Aehren sich das Meder Unschuldig geschmückt, Sich den Hut verlegen nieder In die Stirn gedrückt.
Finster kommt sie langsam näher, Färbt sich rot wie Mohn, Doch ich bin ein seiner Späher, Kenn die Schelm i n schon.
Noch ein Blick in Weg und Weite, Ruhig liegt die Welt, Und es hat an ihrer Seite Mich der Sturm gesellt.
Zwischen Roggenfeld und Hecken Führt ein schmaler Gang, Süßes, seliges Verstecken Einen Sommer lang.
Robert Hamerling.
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Zum fünfzigsten Todestag des Dichters am 13. Juli.
Von R. A. Dietrich.
liker von denen, die drüben in der Ostmark schon früh ein Mland", ein einig Reich aller Deutschen mit der Sehergabe des fotii Dichtertums verkündeten, war der aus ärmlichen Verhältnissen irienbe „Waldviertler" Sohn Robert Hamerling.
„Deutschland ist mein Vaterland Oesterreich mein Mutterland"
Ibinrt eines seiner Gedichte, und wenn man in Peter Roseggers »P- zarten" blättert und die zahlreichen Arbeiten Harnerlings liest, die li'Ji reunb dort veröffentlicht hat, so klingt aus allen dasselbe groß- ot|c’ Bekenntnis. In der Einleitung Harnerlings zur „Zwettler Heirnat- Ipk' heißt es, „Das Waldviertel war von den älteren Zeiten her eine IMDacht gegen das slawische Zwischenland im Norden. Es wäre zu lir .:i, daß unser gegenwärtig noch kerndeutsches Gebiet nicht zu einem ■Mi herabsinke, in welchem der Deutsche sich nicht mehr heimisch fühlen Ihttt und in welchem auch die Heimatliebe des Waldviertlers erlöschen
. lifcon wegen feiner Heimat- und Vaterlandsliebe sollte der Name i Ift: Harnerlings weit bekannter [ein, als dies heute der Fall ist. Denn auch im Waldviertel (von dem uns im Reich nur ein Teil — die : Iru — ein bestimmter Begriff ist), Harnerlings Ruhm bis in die , ■< Weberstube drang, fein Werk hat doch zugleich ein Ausmaß, das ■B;chter, wenigstens im Rahmen feiner Zeit, mit der großen abend- , ■men Geifteswelt verbindet. Der Webersfohn. aus Kirchberg am . HP der Chorfängerknabe des Cistercienserftifts Zwettl auf der male- ' ■(fönen Halbinsel der Chuenringer, der Wiener Student, der sein
;mahl am Freitisch der Barmherzigen Brüder erhielt, der Gym- Will.hr er in Graz und später in Triest, wo seine ersten größeren Wc entstanden, hat immerhin eine romantische Dichtung wie die W'".i s im E x i l", ein Epos wie den „Germanenzu g" und i ■* hellenischen Künstlerroman „A spasi a"" geschaffen, der so voll rklich „Jdealischem" ist, daß man über manches heute vielleicht Mike Bild darin hinwegliest vom Hauch der inneren Seele berührt. > rliitt aber auch eine Tragödie „Danton und Robespierre" uwhe Komödie mit dem „modern" anmutenden Titel „£orb Lu - ' Jjr', es gibt Verse und AufZeichnungen, die in einer von der Zeit . 'SE/großartigen Weise die innige Heimatliebe kundtun, die der schlierte Dichter noch bis zu seinem Tode auf jahrlangem Kranken- '7'; n Trieft und Graz, also fern von der Waldviertler Erde, pflegte. , seiner besonderen Eigenart wirkt Hamerling am stärksten durch ( Ji roßangelegten epischen Dichtungen, wie „Ahasver in Rom
künstlerisch stärkere „Der König von Sion', dessen Held ® ebertäufer Johann von Leyden ist. Hier wie in seinem berühmten h und KUnstlerroman „Aspasi a" ist es vor allem eine in r* und Sinnenglut prunkende Sprache, die oft — und das ist k, “i) und regional begründet — an die Gemälde Hans Makarts L ’M. Ma» muß diese zwischen Schwärmerei und Problematik, zwi- Ih. " »^geistigung und äußerem Prunk oft etwas schemenhaft wirken- , «hrmerlingschen Figuren, größtenteils in dem Jahrzehnt in Triest, i,‘*a‘ der damals umstrittenen Grenze zwischen Oesterreich und Jta- lu^^anben, etwas nach ihrer Herkunft und dem damaligen „oster- Zeitbild beurteilen. Im „Reich" ging die Entwicklung langst tC1 ■mbere Wege und strebte dem Versuch des „Naturalismus zu. X _ lerreich aber war unter den Besten der Dichtung wie Bartsch, > gr „ :’n Graedener und aus der vorherigen Generation eben vor d«Fobert Hamerling d i e Sehnsucht nach dem „Reich, nach *irX» n.$en; und „deutsch" ein Begriff, der an der Donau ebenso viel ^(geistige Verpflichtung enthielt als irgendwo bei uns.
" Harnerlings Werk zeigen sich neben diesen freilich noch ganz
andere Züge, wenn auch wesentlich im Formalistischen. Obgleich es ja selbst im Vorkriegsösterreich Harnerlings niemals eine „österreichische" Kunst ober Dichtung gab, sondern nur eine deutsche geben konnte, wie es nur eine deutsche Sprache gab, so hatte doch neben jenem tiefver- wurzelten Volkstumsgesllhl, das den Kern bildet, sich eine formalistisch besonders ornamentreiche Stilkunst gebildet, man möchte geradezu sagen, infolge des äußeren Abgetrenntseins vom „Reichsdeutschtum". Sie fand im Kunstgewerbe, etwa in der Schule des ausgezeichneten Malers und Bildhauers Gustav Klimt ihren sichtbarsten Ausdruck, sie zog ihre jugendstilartigen und mit reichen Orientalismen (der Balkan lag an der Grenze) geschmückten Kurven aber auch durch das Schrifttum. Sie sand ihre reichste Ausbeute etwa in den berüchtigt-berühmten Erzeugnissen von Hamerlings Zeitgenossen Sascher-Majoch. Aber ihr etwas schwüler Zug drang selbst noch in das unvergleichlich höherstehende Werk des Waldviertler Dichters (zumal in der Atmosphäre Triests!).
So ist ein Zug des Tragischen um diesen in Krankheit und auch in künstlerischer Unbefriedigtfein vergehenden — in kurzem Ruhm erschöpften — und dann zu Unrecht wieder völlig vergessenen Dichter Hamerling. Es ist jener tragische Zug des Deutschen, der im sterbenden Oesterreich — das schon zu 'Kriegsbeginn längst zum Ende reif war — seine Wurzeln zu verlieren fühlt, der weiß, daß nur vom Neich her und im auch äußeren Zusammenschluß mit dem Reich (dessen Sprache man sprach, dessen Kulturboden derselbe war) er sich wieder wurzel- sicherer fühlt, und der doch zugleich weiß, daß diese Sehnsucht nach der Reichseinheit für ihn nur ein Traum ist, dessen Erfüllung er nicht mehr erleben wird. So steht Harnerlings Dichtung zwischen den Zeiten, wie sie zwischen Heimat- und Weltgefühl steht und noch nicht beides voll verbindet, sondern in einem hohen Pathos die innere tragische Kluft zu überbrücken versucht. Gerade darum aber, weil er so auf einsamem Vorposten gekämpft hat: Ehre feinem Angedenken'
Nächtliche Ueberfahrt.
Von Peter Ehrhardt.
Die Waffer träufelten sich sacht.
Die Wellen plätscherten am Bug Des Kahnes, der uns durch die Nacht Zum Steg ans andre Ufer trug.
Dort gab das Buschwerk hart und klar Im Mond ein krauses Schattenspiel. Und undurchdringlich dunkel war Der Schatten der aufs Wasser fiel.
In dieser Schwärze glitt der Kahn Und streifte rauschend durch das Rohr. Und aus dem Schilfe schrak ein Schwan Schmal in das bleiche Mondlicht vor.
Jn der chemischen Welttücke.
Von Dieter von der Schulen bürg.
Der Schöpfer gab uns den Stoff; aber er überlieh es dem Menschen, diesen sich dienstbar zu machen und aus ihm den besten Nutzen zu ziehen. Der Stoff, die Materie, befindet sich überall in der Natur, über und unter der Erde, im Gestein, in jeder Pflanze, in Tier und Mensch, im Wasser und in der Luft. Schon das heißt Grenzenlosigkeit! In ihren verschiedenen Zustandsformen, als fester Körper, als Flüssigkeit und endlich als Gas unerschöpflich und mannigfaltig wie das Weltall, unfaßbar oft für den Menfchengeist, verwirrend, überwältigend wie der Blick in die Stille der Nacht zu den ©fernen und fernsten Sternensystemen.
Ins Ungeheuerliche weitet sich diese Sicht, wenn wir uns weiter vorstellen, daß fast jeder Stoss sich in seine einzelnen Bestandteile und Urbestandteile zerlegen, und zergliedern läßt. Gerade darin ist das eine Arbeitsgebiet der chemischen Wissenschast begründet, das man mit „Analys e" bezeichnet. Und die Chemiker betrachten es von jeher als ihre Aufgabe, die Stoffe voneinander zu scheiden, wertvolle Stosse aus Stofsgemischen, wie sie meistens in den Naturprodukten vorliegen, zu gewinnen. Deshalb nennen auch die Holländer die Chemie „Scheikonde", die Kunde von der Scheidung der Stoffe, die „Scheidekun ft".
Jeder Stoff kann aber auch wieder in andere chemische Verbindungen umgewandelt werden. Man gewinnt auf diese Weise ganz neue Stoffe mit ganz neuen Eigenschaften, die häufig dadurch erst wertvoll werden. Man nennt dies „$ e r e t> e l u n g". Dies stellt die zweite Haupttätigkeit der Chemie dar; die Synthese, den Aufbau neuer Stoffe aus bereits vorhandenen. Die Vorgänge bei solchen Umwandlungen »erlaufen nun nicht immer vollkommen einheitlich, sondern es bilden sich dabei auch Nebenprodukte, die entweder für sich oder auch in Verbindung mit anderen Stossen wieder nützlich und wertvoll werden können. So greift, wie überall in der Natur, eines in bas andere. Man muß ein Forfchungslaboraforium größten Stiles, wie etwa das der IG.-Farben in Ludwigshafen gesehen haben, um eine Vorstellung von der ungeheuren Vielseitigkeit der Materie gewinnen sowie begreifen zu können, wie weit der Mensch mit Hilfe chemischer Forschungen »nd Auswertungen sich die Materie bereits dienstbar gemacht hat. Man ist voller Ehrfurcht vor dem rastlosen Eifer des menschlichen Forschungsgeistes. Die Früchte dieser Tätigkeit sind Denkmäler deutscher Forschungsarbeit, die Segen über Segen nicht uur für unsere Volkswirtschaft, sondern darüber hinaus für die gesamte Menschheit gebracht ^"^Äls ich dieser Tage ein Forschungslaboratorium in Ludwigshafen besuchen durste, erging es mir genau so wie jenem Schüler, der zum gelahrten Dr. Faust kommt, um zu „profitieren". Hilf- unb ratlos, ja erschüttert, stand ich vor dem ungeheuren und vielseitigen Tatigkeitsseia


