Indessen verschwand er nicht, wie wir gedacht hatten. See-Elefant! scheinen zu erraten, was man von ihnen erwartet, um dann das gertii Gegenteil davon zu tun. Erwarte Rückwärtsgang, und du wirst seh« daß sie sich umdrehen: ebenso umgekehrt. Erwarte einen Angriff, utti man kommt dir freundlich entgegen: erwarte Liebenswürdigkeit, und H Elefant wird dich angreifen. Aber dieser Angriff ist nur spielerisch, den« allem Anschein nach sind diese Elefantenherzen bar jeder Tücke um) Niedertracht. In ihnen wohnt kein Mißtrauen und kein Groll.
Auch nachdem wir ihnen Steine auf den Rücken geworfen um) Schlingen um den Hals gelegt hatten, betrachteten sie unser Handeln nid! anders denn als Beweise liebenswürdigster Hochachtung. Nummer behielt die Augen lange genug offen, um noch zu sehen, wie sein NaäM ins Meer rutschte, dann schloß er sie wieder. Nummer Zwei, noch ratlik- über unser unerklärliches Vorgehen, drehte in den Sturzwellen bei. SD$I ®°Pf und Schultern aus dem Wasser tauchend, verharrte er in nachsichtig Beobachtung. Sich mit den Wellen hebend und senkend, sah er aus tu<e eine gutmutige, dicke, alte Dame im Seebad. Wir lachten über seins» schwermütigen Gesichtsausdruck und begaben uns zum nächsten. Währen) wir auf dem Wege zu Nummer Drei waren, erhob sich Nummer 3t»'<1 und kroch schwerfällig an Land. Auf seinem alten Platz angelangt, versml er wieder in träumerischen Schlummer, anscheinend zu müde, um M darum zu kümmern, was wir mit seinen Genossen trieben
Arch schüttelte den Kopf. Seinen langen Revolver, den er mitgebraÄ hatte, vermochte er ebensowenig auf diese Fettbiindel der Unschuld abM knallen wie auf einen schweifwedelnden Hund.
Derintwortllch: Dr. HanS Thyrtot. - Druck und Verlag: Vrühlfche Univerf itätsdruckerei A. Lange, Gießen.
Echlafgrippe bei See-Elefanten.
Von G. H. B a n n i n g.
In des Jnselsuchers G. H. Bannings romantischem Buche „3m Zauber mexikanischer Gewässer" (Verlag Brock- haus, Leipzig) umfängt den Leser die Stimmung abenteuerlicher Geheimnisse. Mit der Jacht „Velero II" besuchte Ban- ning mit einer Expedition an Bord mexikanische Gewässer und Inseln. Auf der Insel Guadalupe besuchte er die Heimstätte der See-Elefanten, den einzigen Platz, wo diese Ungeheuer des Meeres noch in Freiheit leben. Teufelsrochen, Wale, Tintenfische, Schwertfische, seltsame Vögel, wunderliche Versteinerungen, Salzseen, Feigenwildnis, kurz, die ganze Wunderwelt dieser Gewässer und Inseln hat Banning gesehen und erlebt.
Warum ward Guadalupe, und nur diese Insel allein, von den See- Elefanten zur Heimat erkoren? Dahinter steckt ein Geheimnis. Das Geschlecht ist nahe am Aussterben: bald wird der See-Elefant den Weg der Seeotter gegangen sein.
„Arch", der Schiffsarzt, einer der Matrosen und ich wurden zum Dreierausschuß ernannt, der im leichten Boot an Land gehen und die Geheimnisse der Insel erforschen sollte. Schnell trafen wir einige Vorbereitungen. Arch bewaffnete sich mit einem großen Revolver und einer Wurfleine: ich nahm ein langes Messer und einen Kodak. Bald schleppte uns das Motorboot in flotter Fahrt dem Ufer zu.
Jedesmal wenn fein Auspuff von einer Welle hochgehoben wurde, schlug das Kraftboot einen höllischen Trommelwirbel, so daß wir bald fürchteten, die wundersamen Möglichkeiten zu verscheuchen. Allmählich ward das Mögliche wahrscheinlich und schließlich zur Gewißheit. Hastig verabschiedeten wir den Schlepper, suchten hinter den vorgelagerten Felsen eine Landungsstelle mit weichem Sand, paßten die Ruderschläge der Brandungswelle an und setzten das Boot auf den Strand. Vorsichtig krochen wir dann über rundbucklige und schlüpfrige Blöcke zu dem Teil des Strandes hinüber, wo die ungeschlachten Tiere lagen. Es waren wirkliche Ungeheuer, die von der Nase bis zur Schwanzspitze dreieinhalb bis fünfeinhalb Meter maßen. Wir fanden ihrer ein Dutzend in regel- ma^icn<. c Itanbe.n oon dreißig Schritt, alle in genau derselben Stellung.
Ich befaßte mich zunächst mit einer langen, schweren Masse faltigen Speckes, die im Vordergrund meines Blickfeldes ruhte Wie alle feine Genoßen schien das Tier zu schlummern. Es kehrte uns den Bauch zu, uber ben es friedlich die obere Vorderflosse gefaltet hielt. Ob es wohl tot ■ ^'elleicht waren sie alle tot, Opfer eines geheimnisvollen Unglllcks- salts, der genau so seltsam und geheimnisvoll war wie sie selbst. Still lagen sie da wie angeschwemmte Treibholzstämme.
Naher kommend erkannte ich das Irrtümliche meiner Annahme Ich hatte einige Kiesel aufgelesen: aber ehe ich meine Absicht ausführte, damit sah ich, wie eine Flosse sich bewegte. Das Tier kratzte sich und stieß dabei em heiseres Schnaufen aus, wie das grunzende Gegurqel Sines überfüllten Vergasers. a a
Perry, der Matrose, machte schnell eine Aufnahme. Arch, der dicht neben mir stand, legte die Schlingen der Wurfleine bereit. Ich fragte mich
feit und Gleichartigkeit des Verlaufs der Erscheinung dafür, daß es sich um einen Vorgang handelt, der mit der normalen Sternentwicklung zusammenhängt, von dem also jeder Stern einmal betroffen wird. Statistische Erwägungen führen sogar zu dem bemerkenswerten Ergebnis, daß jeder Stern mehrmals das Novastadium durchläuft. Denn nehmen wir nur 30 neue Sterne jährlich an, so ergibt dies in einer Milliarde Jahren 30 Milliarden Neue Sterne. So groß ist aber die Gesamtzahl der Sterne im Milchstraßensystem! Das Alter der Fixsterne ist aber sicher viel größer als eine Milliarde Jahre. Denn für die ältesten Gesteine der Erdkruste muß man bereits ein Alter von zwei Milliarden Jahren an- nehmen.
Bei einem Nova-Ausbruch wird nur ein geringer Teil der Gesamtmasse des Sterns abgestoßen. Bald nach dem Ausbruch umgeben die abgeschleuderten Gasmassen den Stern in Form einer riesigen Nebel- Hülle, die sich ständig weiter ausdehnt. Im zweiten Jahre nach der Explosion ist die Nebelhülle so dünn geworden, daß man den zurückgebliebenen Kern beobachten kann. Dieser hat ein ganz anderes Spektrum und eine andere Farbe als der ursprüngliche Stern und zeigt im weiteren Verlauf der Entwicklung die charakteristischen Merkmale eines „weißen Zwerges".
Die physikalischen Vorgänge bei einem Neuen Stern lassen sich auf Grund dieser Beobachtungen und theoretischer Untersuchungen folgendermaßen deuten. Wenn ein Stern seinen Energievorrat so weit aufgebraucht hat, daß seine Wärmeerzeugung unter einen gewissen Betrag sinkt, kann er als glühende Gaskugel von normaler Dichte nicht weiter bestehen; er bricht zusammen. Dabei wird eine gewaltige Menge Gravitationsenergie frei, die fo schnell nicht durch Strahlung weggesührt werden kann, sondern einen starken Druck auf die Sternhülle ausübt; diese wird explosionsartig abgestoßen. Die Restmasse verdichtet sich zu einem „weißen Zwerg", der nur noch ein Hundertstel so groß ist wie der ursprüngliche Stern, also nur etwa so groß wie die Erde, aber Sonnenmasse besitzt und daher die 50 000fache Dichte des Wassers hat. Bei dieser enormen Verdichtung steigt die Oberflächentemperatur, die anfänglich ganz normal zwischen 5000 und 10 000 Grad liegt, auf 40 000 bis 60 000 Grad an.
Zwei Jahre nach ihrem Ausbruch gleichen die Neuen Sterne in auffälliger Weise den sog. Planetarischen Nebeln: ein sehr heißer Zentralstem wird von einer riesigen Gashülle in Form einer Kugelschale umgeben. Man dars daher annehmen, daß die Planetarischen Nebel aus ehemaligen Neuen Sternen hervorgegangen sind.
heimlich, ob er sie wohl benutzen werde, obgleich ich aus den Erzählung feiner Abenteuer auf dem Land schließen durfte, daß er eine gewiß Hebung im Lasfowerfen befaß.
„Nu man los!" redete er den Fettkloß an. „Steh auf, du da!"
Aber der Herr Elefant rührte sich nicht. Ich warf einen Kieselften, der über die Runzeln feines Halses kullerte. Nochmals schleuderte ich ein« Stein, und zwar mit mehr Schwung. Der Herr Elefant rührte sich nich, Ich schmiß den dritten, den vierten; ich schmiß alle meine Steine. ;t rührte sich nicht. Ich schleuderte einen Felsbrocken; der Erfolg blieb let nämliche. Etwas beleidigt ob dieser Nichtachtung, hob ich einen bitten Felsblock auf, den ich über feinen Rücken springen ließ. Der Herr Glefcnt zuckte mit den Achseln, bewegte die Floße, schnaufte wieder und dli» seinen abenteuerlichen Rüssel etwas auf, hielt die Augen aber krampshist geschlossen.
„Schlafgrippe", grinste der Doktor.
Trotzdem sah man deutlich, daß der Riese vor nicht langer Zeit in Kämpfe verwickelt gewesen war. In der faltigen, mindestens zolldi^n Schwarte klafften tiefe Risse, die noch bluteten. Sogar im träum tämpte er noch. Manchmal vergaß er zu atmen; er wand sich in seiner Haut, tt zitterte und wackelte mit den schmiegsamen Flossen wie von plötzlich« Angst befallen.
Von Mitleid ergriffen, überließen wir ihn dem Kampfe mit bin Gegnern seiner Träume und wandten uns dem Elefanten Nummer Zmj zu. Nummer Zwei war lebhafter. Er ließ uns wissen, daß er Felsbrock« verabscheue und daß ihm unsere unanständige Aufdringlichkeit im höchst!« Grad ungelegen tarne. Er öffnete sogar die Augen und stellte sich deutG auf uns ein, erst auf Perry, dann auf Arch, dann auf mich. Durch bi 4« Anzeichen ermutigt bemühte ich mich, ihn dazu zu veranlaßen, sich auf bie Vorderfloffen zu erheben. Ich schnalzte ihm mit den Fingern vor bn Augen umher und brüllte: „Aufgestanden! Los! Hoch!"
In Verbindung mit diesem und andern Versuchen möchte ich gleich hi« bemerken, daß, wer mit diesen Rüsselrobben spielen will, zuallererst mit den Fingern vor dem Gesicht des Spielgefährten schnalzen muß. 3ii Steinblock von ausreichender Eindruckssähigkeit übersteigt die Kräfte bis stärksten Mannes; die Benutzung eines Katapultes oder Kranes wäre hi» wiederum nicht sportgerecht. Jedenfalls ist das Fingerschnalzen tnen^ kicher. Außerdem wirkt es. Auf Grund dieser Entdeckung erlebten üti Perry und ich manch köstlichen Spaß mit den See-Elefanten. Bei bieleit ersten Male prallte ich entsetzt zurück und verlor beinahe das Gleich gewicht, denn ich starrte in einen gähnenden Rachen, der geräumig geu| war, meinen Kopf zu schlucken, etwa wie man die Spitze eines Spargel, abbeißt.
Arch lachte, während ich aufgeregt am Kodak fummelte, denn gar |« gern hätte ich ein Bild des Riesen gehabt. Aber mein Gtefantenfreml begann mittschiffs zu stoßen und setzte sich mit dem Hinterteil voran m| die Brandung zu in Bewegung. Dabei gurgelte und grunzte er. N Maul war fo weit offen, daß der Rüssel hineinhing.
In diesem Augenblick hörte ich das Klatschen des Seiles und sah tii Schlinge kunstgerecht um den Hals der Beute fallen. „Wir haben V Perry half dem Doktor schon beim Festhalten des Fanges; ich faßte auf] gleich mit an. Nun hatten wir ihn doch ganz sicher. Oder (wir zogen ans Leibeskräften), richtiger gesagt (wir keuchten), er hatte uns alle nut' einander. Wir legten uns machtvoll ins Tau; wir setzten uns hin uni bohrten die Hacken in den Sand. Aber man hätte sich ebensogut gcgi» einen Raupenschlepper stemmen können. Wir vervollständigten dich; Gleichnis, indem wir den Pflug darstellten. Der Sand wich vor u»> auseinander wie das Bugwaßer des meerdurchfurchenden Dampfers. M Hosenboden machte sich schon eine heftige Reibung bemerkbar, als fiert Elefant sich umdrehte. Wahrscheinlich wurde er eines leichten SÖBiberftaiüs gewahr. Mit bem Kopf zum Meer gemenbet, erhöhte er feine Geschah i digkeit. Humpelnd und stampfend schleppte er uns gemächlich der Bm»! düng zu. Wir erhoben uns, einmal nach rechts, bann wieder nach lintöl scherend, um die Seine an irgendeinem Felsen festzumachen, aber tret'| geblich. Es hätte auch nicht viel genützt, denn wie spätere Erfahryng-'I zeigten, stand die Zugfestigkeit der Seine in gar keinem Verhältnis m Riesenkraft dieser Ungeheuer. Nur ein verzweifelter Schnitt mit b« Jagdmesser rettete den größten Teil des Sassos. Der Herr Elefant wälA« sich in die wogenden Fluten.


