gerissen, der Mund leicht geöffnet, ats wollte sie sprechen. Mer sie blieb
war
Dämmerung
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leuchten in den Augen des Weibes bemerken können, darnach aver aucy ein erschrecktes Zucken um die Mundwinkel, kurz: zwei Erscheinungen, die einander widersprachen.
Ein Ulan hatte statt einer Lampe Kerzen aufgetrieben und brachte einen Kranz von Lichtern. Nun standen sie freundlich auf dem Tisch und wärmten mit mildem Schein die Stube.
„Wann werden Sie mich durch Ihre Ulanen wegbringen taffen?
fragte Ann Moreland plötzlich. .
Da seine Worte vorhin aber mehr ein lauter Gedanke als ein Entschluß gewesen waren, ärgerte es ihn, daß sie die unvollkommene Absicht nicht als Drohung, sondern als Selbstverständlichkeit aufnahm.
„Sie möchten wohl am liebsten gleich weg?" sagte er beleidigt.
„Nein, nur bitte nicht des nachts. In der Nacht fürchte ich mich , erwiderte sie zaghaft.
Er verbiß ein Lachen, das ihn locker anftieh. Und dann fühlte er auf einmal einen Haß aussteigen, der ihn würgte und im Würgen eine Wut erzeugte, die sich nicht gegen Ann und nicht gegen ihn selbst richtete. Sie brandete gegen das schwarze unbekannte Schicksal an, das ihn durch diese Frau narrte und bedrohte und verwirrte. Denn das versluchte Herz wollte nicht schweigen. , ..
Wie kann ich der schillernden Tänzerin zwischen Trug und Wahrheit (denn das ist, sie, fühle ich) das Geheimnis entreißen, dachte er voll Inbrunst.
Er litt. Er ahnte, daß die Wahrheit, die das Wesen da vor ihm verbarg, für ihn irgendeine Erlösung enthielt.
War er toll? Er kannte dieses Mädchen nicht, aber er sprang schon, wie ein Jfingling beim Johannisfeuer, über die Flammen, immer wieder.
Das Geheimnis muß ich haben, nackend wie eine Statue muß es vor mir stehen, ich werde es erkennen und zerttümmern, dachte er.
Und plötzlich entfielen ihm die hohen Wort«, die er flüsternd formte, und alles wurde ganz einfach. Ihm war wie einem Wanderer, der im Dickicht am Stand der Bäume erkennt, daß der mühselig durchwanderte Wald zu Ende ist.
„Aber die Nacht ist doch Ihre Stunde?" sagte er. Sie sah verwundert in sein ruhig abwartendes Gesicht. Er fuhr fort: „Ach, dieser strenge klare Blick! Wissen Sie, daß er mich auch einmal verwirrt hat, und daß ich diesen Augen geglaubt habe? Daß ich, wüßte ich nichts anderes von Jhnek, auch heute noch diesen Augen verfallen würde?"
Er schob die Kerzen so, daß ihr Licht voll aus Ann fiel. Es tat ihm weh, sie zu verletzen, aber er fühlte, einem unbewußten Drange nachgehend, daß die Worte über seine Lippen stießen: „Nun, Sie täuschen mich nicht mehr! Der Alp ist gewichen! Wie lange aber wollen Sie dieses Leben weitersühren?"
„Welches Leben?" fragte sie bebend.
„Der Hauptmann Baernburg hat noch sehr milde vor Ihnen gewarnt! Leichten Lebenswandels verdächtig! Nun, man weiß, was hinter einem solchen Wort steht! Es ist Ihre Sache, wie Sie sich und Ihre Seele umbringen", sagte er, und es schmerzte ihn. Es ist ja alles anders, sagte der Flügelschlag eines Lächelns, das ihn befreien wollte, aber er ging krampfhaft den einen Weg, die enge Schlucht zur Wahrheit.
Ann machte eine schüchterne hilflose Bewegung. Sie atmete hoch auf, sie wollte widersprechen. Konnte sie es? Dann verriet sie sich am Ende. Er ließ den Donner rollen: „Sie waren nicht der Gast des Maire, Sie sind seine Geliebte!"
Unmöglich, unmöglich, wisperten die Gedanken und spielten doch Ball mit den Worten. Die Worte aber waren Geschosse, die eine andere sehr ängstliche Seele trafen. In Anns Wangen stieg langsam eine rote Welle, überflutete das Gesicht bis zur Stirn und wich wieder. Ihre Lippen waren schmal. Offenbar arbeitete in ihr eine Erwiderung, aber sie vermehrte den Worten die gefährliche Ausfahrt.
„Der Himmel, oder war es der Teufel, hat Ihnen ein Aussehen gegeben, das in nichts an eine Kokotte erinnert", jagte Kelling verbissen, „wenn Sie sich jetzt im Spiegel sehen könnten, ein Bild beleidigter Unschuld! Wie können Sie aber mit einer Begabung für die Verstellung und den Leichtsinn in diesem Nest Mereville sitzen? Sie gehören nach Paris, Mademoiselle!"
Ihr Antlitz stand im Lichte des Zorns. Die Augen waren weit aus
wirklich ausgewiesen!"
„Und wo ist die Ausgewiesene fetzt?"
Ann schwieg. Sie kam in diesem Augenblick zu der Erkenntnis, daß die polternd rasche Art seiner Fragen zwar der Wahrheit dient«, aber auch ihre Verfehlung bloßlegte.
„Wo ist die Griselle?" forschte er hart.
„In Möreville", sagte sie dünn und seufzte „ach" und ließ den Kopf hängen. *
Sie war nicht mehr der stolze kühne Flüchtling, sie war ein schwaches hilfloses Herz und auf der ganzen Linie im Rückzug auf die Wahrheit.
Die aber gestand sie nun. Sie schilderte, wie sie — freilich von ungewöhnlichem Glück begünstigt — den Tausch vollzogen hatte.
„Ja aber worum?" fragte Kelling. ,
„Ich will doch nach England! Und ich habe keine Lust, in Mereville zu bleiben! Und ich hatte keinen Patz, den hat Lord Jllington! Ich dachte, bin ich erst aus Mereville fort, werde Ich schon weiterkommen!"
„Wußten Sie, daß ich in Blisseron war?" e
Sie schüttelte den Kopf: „Dann hätte ich es bestimmt nicht getan! „Nein, warum nicht?" wollte er wissen.
„Weil Sie mich dann genau so zurückgeschickt hätten wie damals aus der Landstraße!" ...
Sein Blick haftete an ihrem demütigen Gesicht. Aber fein Grimm ritt schon wieder auf der Straße der Verliebtheit.
„Warten Sie", sagte er und verließ das Zimmer.
„Ja", erwiderte sie gehorsam und bemerkte, daß Ehgeschirr und Bestecke noch nicht weggeräumt waren. Sie erbot sich kleinlaut, es nachzuholen, do solches ja zu der Arbeit gehöre, die man ihr besohlen hatte. Kelling erwiderte mit einer Geste, die sie noch ihrem Belieben auslegen konnte.
Während sie in der Küche wie eine Köchin klapperte, suchte der Ptt< mierleutnant seinen Wachtmeister auf und jagte stolz: ,Krätke! J5ic ist doch eine Engländerin! Der Ausweisungsbefehl gilt einer anderen!"
Er erzählte in knappen, von Triumph geschaukelten Worten Anns Reifegeschichte. ,Lch hatte sie nur ein paar Minuten im Verhör wie >n einer Kneifzange, da beichtet« sie", schloß er.
Zwar zeigte der Wachtmeister mit feinen Mienen gehorsame Freu« über den Erfolg des Vorgesetzten, aber innerlich wurmte es ihn, daß dieser glücklicher gewesen war. ..
Er suchte, ohne zu wollen, nach der schwarzen Tinte, die er über «e rosenrote Gewißheit des Sieges gießen konnte. „Dann hat sie zwar die Wahrheit gesagt, damals", meinte er bedächtig, „aber den Hauptmann Baernburg hat sie tüchtig hineingelegt. Ein nicht ganz leichter Fcm ttog- dem! Wir müssen die Person dem Hauptmann Baernburg zurückschickeni
Kelling hörte die Wachtmeisterlogik, die nicht ohne Vergnügen entwickelt wurde, mißmutig an. Die Worte gingen ihm nicht wie feuriger Champagner ein, sondern wie Bitterwasser. . o „
Er sah es ein: Stätte hatte recht. Jetzt war die Engländerin eine Wll> die sogar auf dem dienstlichen Gewißen lag!
(Fortsetzung folgt.)
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Sie werden in Paris eine ungewöhnliche Karriere machen! Und wenn Sie einmal auf die eine Art sich keinem Beschützer annertrauen können, werden sich gewiß Dummköpfe genug finden, die Sie anbeten, ohne mehr als ein Lächeln zu verlangen!"
In flammender Verwirrung stand sie auf. Was dachte dieser Mann, weil ein lächerlicher Satz hingeschrieben worden war! Ihre Sttmm« klang erstickt, als sie flehte: „Bitte, sprechen Sie nicht weiter!"
„Warum nicht", sagte Kelling gehetzt, „warum nicht! Es war doch gelungen, auch mich zu verwirren! Wenn Sie wirklich die junge reifende Engländerin gewesen wären, für die Sie sich ausgaben, es roare I« auch fein Unrecht geroefen, Sie jju lieben, nidjt ? Dl), id) niGdje Ihnen dieses Geständnis sehr ruhig, denn heute weiß ich ja, daß Sie eine chlechte Seele haben!" .
Ach er glaubte nicht an die schlechte Seele. Schlecht waren seine Worte die losbrausten wie Wildpferde auf fremder Weide und Gras und Saat unter sich traten! Worte wie Elefanten waren es, die sich über die zarten Gärten der Hoffnung wälzten und die Blumen und Kräuter, diese Kinder des Lichtes, zermalmten. Ach ja, im wütenden Drang nach der Wahrheit, im Kampf mit diesem schweigenden Rätsel war Kelling nun selbst bei der Lüge angekommen. Er suhlte es am Ton, der ihm fremd war, fatsch, pathetisch, gleihnerisch, unwahr: „Lassen Sie ab von diesem Leben! Es kann auch ganz anders kommen! Vielleicht find Sie in einigen Jahren nur noch ein Schatten. Verbraucht, gemieden. Und wenn Sie Blifseron verlassen, denn morgen will ich Sie hier nicht mehr [eben nehmen Sie wenigstens meinen Rat mit! Werden Sie ein anständiger Mensch, Griselle." Seine Stimme überschlug sich, es mar ein Trompetenklang darin, aber «in falscher. Nun war er am Ende. Alles umsonst, dachte er erschöpft. .
Ich bin nicht di« Griselle", schrie Ann erbost. Aber >m nächsten Augenblick erschrak sie und schloß die Lippen so krampfhaft, als wollte sie 'sich davor bewahren, noch mehr zu sagen. Aber was sie gesagt hatte, genügte dem Premierleutnant Kelling.
Daß der Sturm richtig geblasen hatte! Daß er nicht nur ihm, sondern auch Ann Moreland das Gemüt zerzaust hatte. Windstöße aus bitteren Worten, Wirbel aus Anklage, Windhosen aus pfeifender Verachtung hatte es gegeben. Und nun hatte sich Ann Moreland empört. Der Panzer der Lüge war doch nicht so stark, weil unter dem Panzer ein anständiger Kerl steckte, der ihn nur aus Angst angezogen hatte. Ja, er hatte Ann Moreland gepackt: am Stolz, am Weibtum. Es war gelungen. Krätkes Kochprüfung, welch lächerliche Stümperei!
„Wer sind Sie dann? Wieder hinsetzen?" befahl er, als fte die Hand nach der Türe ausstreckte, „hierbleiben!"
„Ich bin Ann Moreland!"
„Und wer ist die Griselle?"
„Die Wirtschafterin des Herrn Beauvisage in Mereville! Die ist
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Ann dachte: „Aha, setzt gibt es wieder ein Verhör! Aber vor diesem bangte ihr mehr als vor Baernburgs herrisch-mißtrauischen Fragen. Dort konnte ihr Trotz Blüten treiben wie ein Baum nach dem Fruhttngsregen, hier aber, obwohl sie wußte, daß man ihr mit Milde entgegentrat, zerbröckelte ihr Mut. . , ... . ,
Kelling sah nachdenklich zum Fenster hinaus. Ann setzte sich gehorsam, er hörte es, aber er drehte sich nicht um. ...
Zwei Säge jagten in seinem Hirn: „Unflätiges Benehmen! Leichten Lebenswandels verdächtig!" Dabei sah diese Person aus wie ein eigensinniger Engel! .. .. . .. . ,
, Sollte er mit eiliger Feder an Baernburg schreiben und die vermeintliche oder wirkliche Griselle (es würde sich ja Herausstellen) bis zur Antwort des Hauptmanns hier gefangen halten? .. . m ,
Aber wenn ihn nun dieses Mißgefühl narrte? Wenn diese Person scheinheilig aus wer weiß welchen Gründen die Ausländerin vor ihm nur gespielt hatte, aber vor Baernburg, dem ftrengen Richter, mcht? Dann hatte er einen Vorgesetzten geärgert, und das war selbst dann nicht gut, wenn man sich im Recht glaubte.
Die Mühle feiner Gedanken drehte sich: nur die Verdächtige selbst konnte ihm Klarheit geben.
Die aber saß da wie ein Tier, das ein Gewitter über sich suhlt und es schon beim ersten Wetterleuchten fürchtet. Das war aber eine Haltung, die zu ihrem Wesen nicht paßte.
„Ich werde Sie von ein paar Ulanen in die Mitte nehmen lassen und Sie dann irgendwo aussetzen, Griselle!" drohte Kelling vom
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Fenster her.
Es war schade, daß er sich jetzt nicht umsah. Denn obwohl sich di« ; schon dick ins Zimmer legte, hätte er ein freudiges Auf- ben Augen des Weibes bemerken können, darnach aber auch


