Wir Mütter. |
Von Ilse Franke.
Ihr fremden Mütter, meine Schwestern alle, Ich liebe euch! Uns hat das gleiche Leid, Das gleiche Glück zum heiligen Dienst geweiht. Es wölbt sich über uns die Kuppelhalle Des Himmelsdoms. Die Erde ist der Raum, Wo unser Glück im kleinen Kreis sich gründet, Wo unsres Schicksals voller Kranz sich ründet Und unser Haus erfüllt den liebsten Traum; Den Traum, der Leben wird in reinster Fülle, Das Ich erlöst und goldne Ernten reist. Der kühl und selig die Gestirne streift. Dem sich auch Tiefen zeigen ohne Hülle. Wer hat der Qualen tiefste so erfahren. Die sich im Grund der Liebe offenbaren, Wie nur die Frau, die ihr umhegtes Leben Der dunklen Urkraft opfernd hingegeben! Ihr Mütter, meine Schwestern, seht, wir tragen Das schwerste, schönste Los; laßt uns nicht klagen! Wer weiß wie wir, was tiefstes Beten heißt! Wer kennt wie wir die Erde und den Geist!
Hedwig Koch.
Von Lisa Peck.
: Die Entdeckung des Tuberkel-Bazillus und des Tuberkulins, der Kampf M die Anerkennung in der Oeffentlichkeit und in der medizinischen Welt imi> endlich der Erfolg — das ist der erste Sieg im Leben Robert Kochs, l>: den Namen des unbekannten Kreisphysikus' in die Reihe der be- Hmteften aller Forscher rückt. Diesen einen Lebensabschnitt, gekrönt von wm so wunderbaren Erfolg, hat der Film „Robert Koch" zum ?chalt seines Geschehens gemacht.
Aber das Leben und vor allem das Wirken Robert Kochs hatte damit ich lange nicht fein Ende gefunden. Im Gegenteil, denn wer die For- Mngen und Ergebnisse Robert Kochs aus der zweiten Lebenshälfte ver- filgt, feine Forschungen an der Malaria, Cholera, Pest und vor allem an kl Schlafkrankheit in den gefährlichsten Gegenden Zentralafrikas und iiben Kolonien, der weih nicht, was mehr Bewunderung abfordert. Daß I tiefes Forscherleben aber sich so vollkommen erfüllen und ausschöpfen ! ' lomte, verdanken wir auch zu einem großen Teil der Frau, die nicht |l w das aufreibende und gefährliche Leben Robert Kochs geteilt hat, lljotbem die als „guter Stern", als Vertraute und beste aller Lebens- tmeraibinnen sein Leben reich und „himmlisch schön" gemacht hat: Frau , Hwig Koch.
Es war das Jahr 1889, als Hedwig Freiberg im Atelier ihres jjmrers — Hedwig Freiberg wollte Malerin werden— zum erstenmal labert Koch begegnete. Und schon kurze Zeit darauf stellte sich die , WAibzehnjährige dem berühmten Forscher zu gefährlichen Versuchen zur S Beifügung. Drei Jahre jedoch mußten vergehen, bevor Robert Koch, dessen ||tife unglückliche Ehe mit seiner (im Film von Hildegard Grethe Wielten) Clausthaler Jugendgespielin Emmy Fraatz 1892 geschieden Horben war, die 29 Jahre jüngere Hedwig Freiberg zu seiner Lebens- Ahrtin machen konnte. Es waren Jahre, in denen sich die Liebe beider ^einander immer wieder aufs neue beweisen mußte. Wohl ist auch in km Herzen des jungen künstlerisch begabten Mädchens oftmals ein Zweifel hit geworden, ob sie ihren Platz an der Seite des so berühmten, so viel ihren Mannes aussüllen könne. Und auch Schwierigkeiten und Hinder- ®i|c blieben nicht aus. Wie ihnen Robert Koch begegnet, und wie er sie IGewindet — das ist in Briefen und Tagebüchern niedergelegt, die feineres und Gültigeres über den liebenswerten Menschen Robert Koch Hit feine Lebenskameravin ausfagen als alle biographischen Skizzen es Wmögen.
In diesen Jahren schrieb Robert Koch an die junge Hedwig:
Berlin, den 21. Juli 1890.
Mein liebes, bestes Hedchen! Wenn Du diesen Brief erhältst, feierst $1 Deinen Geburtstag, den achtzehnten, einen der wichtigsten im ganzen 6ben, da man mit diesem Tage gewöhnlich den Schritt in die große Welt ht Du hast ihn schon längst gemacht (Hedwig Freiberg hatte sich bereits die gefährlichen Experimente mit dem noch unfertigen Tuberkulin zur Wägung gestellt), und so hat dieser Geburtstag für Dich auch keine toere Bedeutung als die früheren und späteren. Und doch hätte ich glichst gewünscht, bei Dir zu fein und Dir meine innigsten und herz- **)lten Glückwünsche auszusprechen ...
Cairo, 6. März 1891.
Dlein liebstes Hedchen! Einige wundervolle Tage habe ich in Luxor, °!n wo ich Dir zuletzt schrieb, verlebt ... Ich hätte dort wachen-, monate- f W bleiben mögen, wenn mich nicht ein Magnet nach dem Norden gezogen We, ein Magnet, der noch stärkere Anziehungskraft ausübt als das । I Wönfte Paradies ...
f I [Du bist ja immer meine Vertraute gewesen, und so will ich Dir auch W mein Herz ausschütten in der Erwartung, daß Du mir Die sorgen i Wen hilfst. Verlaß mich jetzt nicht, Deine Liebe ist mein Trost und mein i «fern, ;u dem ich aufschaue.
Sommer 1892.
-. Du bist jung, und das Leben liegt noch vor Dir, Deine Ansprüche Rm vor. Ich habe im Leben das Entsagen gründlich gelernt. Zwar i ich es mir so schön, so himmlisch schön gedacht, nur einmal in wahrer M'r Liebe aufzugehen, und ich hatte mich mit allen Wurzeln meines ?b'Ns an Dich geklammert. Aber unglücklich sollst und darfst Du nicht 7rf) mich werden. Folge dem Drange in Deinem Innern und überlaße W meinem Schicksal, das mir nun einmal beschieden ist ...
28. November.
Meine liebe, süße Hedi! Meine Sehnsucht nach Dir ist so groß, und die Zeit bis zum Sonntag noch so lang, daß ich Dir wenigstens ein paar Worte schreiben muß, um meinem Herzen Luft zu machen. Immer von neuem möchte ich Dir zurufen, daß ich Dich grenzenlos liebe, und wie glücklich ich mich fühle, daß ich auch Deiner Liebe gewiß bin. Bis gestern abend glaubte ich Dir, daß Du mich lieb hättest. Einen eigentlichen Beweis für Deine Liebe hatte ich aber nicht. Nachdem aber trotz der Eröffnungen (Es handelt sich um die Eröffnung, daß Hedwig Freiberg an der Seite Robert Kochs auf das Glück, Kinder zu haben, verzichten mußte), die ich Dir machen mußte, Deine Liebe nicht ins Schwanken gekommen ist, seitdem weiß ich, daß Du mich wirklich liebst; das war die erste und wohl die stärkste Probe, welche Deine Liebe zu bestehen hatte, und Du hast die Probe glänzend bestanden. Dafür will ich Dir aber auch fo dankbar fein, und will Dich immer auf den Händen tragen. Du fällst an mir einen vollen Ersatz für alles haben, was Du in Deinem Leben an Liebe der Geschwister, der Eltern, der Verwandten entbehren mußtest ...
Schon zwei Jahre nach ihrer Verheiratung folgte Hedwig ihrem Mann auf feinen Forschungsreisen, die ihn nach Rhodesien, Transvaal, Neu- Guinea und vor allem fünfmal in die früheren deutschen afrikanischen Kolonien führte, sowie nach Britisch-Jndien, zur Zeit der großen Pest- Epidemie im Jahre 1898. Alle Entbehrungen eines solchen Lebens hat sie klaglos auf sich genommen. Was sie, die vielbeneidete Gattin des berühmten Forschers, in Wirklichkeit gelitten und durchkämpft hat, darüber berichtet eine unscheinbare kleine Seite aus Robert Kochs Neu-Guinea- Tagebuch:
„Fr. Koch angekommen in Stephansort 29. 2.1899. Erstes Fieber 2. 2. 1900. Nahm (vorher feit mehreren Jahren) prophylactifch Chinin am 9. und 10. Tag, ein Gramm. In letzter Zeit Magenkatarrh, deswegen wurde wahrscheinlich das Chinin nicht resorbiert.
(Die ersten) Tertiana — (Fieberansälle) am 2.2. und 4. 2. — Chinin am 5. 2., morgens und abends, am 6. 2., morgens je ein Gramm .. ."
Frau Hedwig "Koch hat diese (Eintragungen Robert Kochs über ihre eigene schwere Erkrankung ergänzt:
„Die obenerwähnten Magenverstimmungen waren nicht die Ursache, daß das Chinin nicht resorbiert wurde, sondern sie waren die Wirkung des jahrelang prophylaktisch genommenen Chinins an sich. Später, als außer der Tertiana noch eine Quartana hinzukam, und ich die oben von Robert Koch erwähnten hohen Dosen (drei Gramm wöchentlich) viele Jahre schlucken mußte, ohne daß eine Wirkung, d. h. ein Verschwinden der Parasiten aus dem Blut sich zeigte, — besonders, als weitere Jahre später in Zentralafrika, während der Schlafkrankheiten-Expedition noch eine Tropica sich einfteUte, so daß ich nunmehr die Parasiten von drei verschiedenen Malariaarten im Blut hatte —, wurde auch die Wirkung des Chinins und des Methylenblaus ärger als die Fieber selbst."
Als Robert Koch am 27. Mai 1910 die Augen schloß an den Folgen einer Erkrankung, die er, der keine Schonung kannte, sich im Innern Afrikas geholt hatte, war auch das Leben feiner Vertrauten und Gefährtin zerbrochen. Jahrelang hat sie bann fern von aller Welt gelebt, um diesen harten unerbittlichen Schicksalsschlag zu überwinden. Und auch jetzt lebt die alte, noch immer fchwerleidende Exzellenz Koch zurückgezogen in Berlin, ganz den (Erinnerungen an Robert Koch, den großen Wohltäter der Menschheit, hingegeben.
Lehen ver Stille.
Von Hilde Fürstenberg
„O, iyr tytauen vergangener Zeiten!
Von euch reden, bedeutet vom Himmelreich reden: eitel Schönheit wäret ihr, eitel Licht. Ewig jung, ewig schön wäret ihr, und mild wie das Auge der Mutter, die auf ihr Kind niederblickt. Weich wie junge Eichkätzchen hinget ihr am Halse eurer Gatten. Niemals bebte eure Stimme im Zorn, niemals runzelt ihr die Stirn, eure weiche Hand wurde nie rauh und hart. Ihr lieblichen Heiligen, wie geschmückte Statuen standet ihr im häuslichen Tempel, Räucherwerk und Gebete wurden euch gespendet, durch euch vollbrachte die Liebe ihre Wunder, und um eure Scheitel spann die Dichtung ihren goldenen Glorienschein."
Dies« Worte, die sich tn Selma ßagerlöfs Roman „G ö ft a Gerling" finden, entbehren gewiß nicht einer seinen Ironie, eines lächelnden Zweifels, der gerechtfertigt ist, denn oftmals hat die romantische Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Größe und Reinheit das Vergangene verklärt, und manche Heilige trägt ihr Krönlein kaum zurecht; doch wie der Wind die Spreu vom Weizen trennt, fo ist durch das Sied der Zeit viel Dünnes und Wertloses daoongestossen, in der Schale zurückgeblieben ist das Gute und Starke, auf dem ein Hauch von Duft und Glanz liegt wie auf einer reifen Frucht, die in der Morgenfonne eines sommerlichen ©artens zwischen dunklem Laubwerk leuchtet.
Nie ist der Frauen Leben leicht gewesen, denn ihre Nöte und Entbehrungen lagen zu allen Zeiten nicht in den Gesetzen, die der Staat ihnen auferlegte, sondern in denen, die die Natur ihnen aufzwang. Diese aber sind unabänderlich. Trägerin des künftigen Geschlechtes zu sein, ist ihre Bestimmung, darin liegt alle Ehre, aber zugleich alles Leid ihres Ledens. Die germanischen Auffassungen und oft auch die der Kirch« haben diesen unabänderlichen Gesetzen der Natur Rechnung getragen, und je würdiger die Frauen sich selbst mit ihrem Lose abfanden, um so mehr hat man sie verehrt und ihr Wort und Dasein gewürdigt. Obgleich sie durch das Gesetz vom Mann abhängig und von den Geschäften des Staates formell gänzlich ausgeschlossen waren, haben sie doch großen Anteil gehabt sowohl an den Staatsgeschäften, als auch an der geistigen Entwicklung ihrer Zeit.
Die Geschichte berichtet, daß B e r t r a b e , die Mutter Karls des Großen, feine Heirat bestimmte; die Königin Mathilde, die Gemahlin Heinrichs L, wurde von ihren Kindern und Enkelkindern, unter denen sich der Erzbifchos von Mainz befand, einer Heiligen gleich geachtet wegen ihrer maßvollen, klugen und ausgleichenden Art. Ihre Enkelin, die schöne


