Derintwortlich: vr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Drühllche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.
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Würmch->n schlängeln vergnügt vor der dunklen Tür, in der breit und dehädiq der Einsiedler liegt. Seine Fühler tasten manchmal, rote um sich zu vergewissern, daß sie da ist, zu der schönen Anemone hinauf, die dann mit ihnen spielt Wenn er seine Mahlzeiten hält und dabei den Sand ordentlich aufroühlt, dann hat die bunte Freundin nahrhafte Zeit.
Eine Weile steht der Lachs vor dem seltsamen Paar und schaut zu, wie die sich vertragen. Der Krebs hat eine Entenmuschel ergattert und ist dabei, sie auszusressen. Davon steigen fette Stückchen im wölkenden Sand auf, und die Schlänglein der Bunten sind in tausendsacher Aufregung, nur ja nichts davon zu verlieren. Geschickt fängt sie die fast unsichtbaren Bissen und stopft sie in ihren Schlund
Zst es nicht ein schöner Brauch?" sagt der Einsiedler zum Lachs. Jetzt ist er zufrieden und heiter und schluckt mit großem Behagen.
Anders, anders als bei uns! denkt der Rheinpilger, in dessen Sippe klare Verhältnisse herrschen müssen. Er rudert ins Unsichtige davon.
Der Geharnischte glotzt ihm schwarz nach.
Jetzt zieht die Anemone plötzlich die bunten Würmer ein und hangt leblos in der Tür. Der Eremit hat das sofort gewahrt und ist im Haus verschwunden. Nur die Zangen liegen über dem Rand. Em riesiger Polyp wuchtet strudelnd vorüber. Die Anemone hat ihren Ernährer rechtzeitig gewarnt.
0 schöner, weiser Brauch!
Annas Lied.
Bon Achim von Arnim.
Goldne Wiegen schwingen Und die Mücken singen. Blumen sind die Wiegen, Kindlein drinnen liegen, Auf und nieder geht der Wind, Geht sich warm unb’ geht gelind.
Wieviel Kinder wiegen?
. Wieviel soll ich kriegen? Eins und zwei und dreie, Und ich zähl' aufs neue, Auf und nieder geht der Wind, Und ich meine wie ein Kind!
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Oie Verlobten.
Bon Josef Martin Bauer.
Man machte Feierabend auf der Freihube, denn die Leute sollten zeitig schlafen.
Franz, der Knecht, ging noch einmal durch den Pferdestall und prüfte alle Riegel, dann hob er den Riegelbalken des großen Tores noch einmal aus und ging über den sandigen Fahrweg zum Weiher.
Es wurde eben dunkel, als Franz an den Weiher kam und auf der Waschbrllcke sich gemächlich auszuziehen begann, um einmal oder zweimal den Welcher zu durchschwimmen.
„Guten Abend, Franz!" sagte da eine Stimme, und jetzt sah der Knecht erst, daß jemand an der Kante der Waschbrücke saß. Es paßte ihm nicht, wenn man ihn störte in seinem Tun, und wenn diese junge Kathrina, die noch kaum ein Mädchen war, ihn störte, mußte er widerwillig auf sein Vorhaben verzichten. „Eigentlich hätte ich baden wollen", sagte er gleichmütig und wollte der kleinen Magd Kathrina damit zu verstehen geben, daß sie ihn allein lassen sollte. Aber Kathrina sagte nur: „Du kannst ja schwimmen, wenn du willst. Bei den Erlen dort kannst du ins Wasser steigen, und im übrigen ist es schon dunkel."
Das sagte sie so ruhig, wie nur ein ganz harmloses Kino es sagen konnte. Und Franz, der sich zuerst geärgert hatte über das Mädchen, das hier vergnügt die Füße ins Wasser baumeln ließ, setzte sich eng neben Katharina und machte es wie sie. Man hatte sich nichts zu sagen. Dazu war der Tag lang genug. Und ein Knecht mit achtundzwanzig Jahren hatte so einem jungen, törichten Ding mit knapp siebzehn Jahren auch bei Tag nichts zu jagen. So saßen die zweie denn still nebeneinander und ließen die Füße ins Wasser baumeln.
Als sie beide schließlich zur Freihube zurückgingen und Franz das Mädchen so nebenhin fragte, wie lange es eigentlich auf der Freihube zu bleiben gedenke, gab ihm Kathrina lachend zur Antwort: „Ich werde bleiben, bis ich heirate. Und wenn ich einmal heirate, bann wärest mir am liebsten du als Mann. Dich mag ich gern und dich möchte ich heiraten."
Dann lief sie weg und huschte in die Kammer, während Franz noch einmal alte Türen überprüfte, ehe er feine Liegestatt auffuchte.
Ein paar Jahre gingen herum, ehe Franz mit Kathrina wieder auf dieses Gespräch zurückkam.
Beim Weizenlegen jedoch, ein paar Jahre später, als Kathrina wie immer hinter Franz her die Mahd ablegte, fanden sie ein paar Minuten für sich, um dort weiterzureden, wo sie an jenem Abend auf der Wasch- brücke begonnen hatten. Franz zog fest aus und entdeckte beim Umsehen, daß der nächste Mäher ihm und Kathrina nicht folgen konnte. Darum hieb er noch kräftiger drein und war schon am Rande der Mahd, als die anderen noch in der Ackermitte gingen. Jetzt war es Zeit, und jetzt ließ sich etwas ausreden, was man nicht immer so mit sich Herumtragen konnte
„Du bist groß geworden, Kathrina", sagte er anerkennend, aber als Kathrina nur verlegen „Ja sagte, wußte er nicht mehr weiter und wurde
verlegen. Da nahm Kathrina das Wort richtig auf und fragte ihn, während sie einen Halm unruhig zerzupfte, ob er sie auch jetzt noch nicht heiraten wolle, nachdem sie ihm damals beim Füßewaschen auf dem Steg noch zu jung gewesen sei. Franz war dem Mädchen dankbar, daß es selbst bie Frage stellte, aber er zerrieb verlegen eine Aehre in der Hand und zählt, die Körner. „ , , . .. , ..
Man könnte wohl einmal darüber reden , meinte er, und sie beide verstanden die Antwort so, als hätte er Ja gesagt. Die anderen Mahleui« waren den zweien inzwischen nachgekommen, Franz nahm die Sense über die Schulter, Kathrina strich ihre Rupfenschürze glatt, die Arbeit ging weiter, und an diesem Taae wunderten sich die Leute auf der tfreibube, weil Franz beim Pserdefüttern zum erstenmal, seit er auf dem Hof war, ein Liedlein pfiff. An diesem Abend trafen sich die zwei, als wäre es Zufall, wieder am Weiher, und obgleich sie beide nach soviel Tagesh,tz, gern den Weiher etliche Male durchschwommen hätten, blieben sie auf dem Waschsteg sitzen, ließen die Füße ins warme Wasser baumeln und redeten mit ein paar Worten aus, wie sie es machen und wie sie es zusammen halten würden in der Ehe. j
„Wir werden eben warten müssen", meinte .Franz, „weil wir als Knecht und Magd doch nicht heiraten wollen."
Kathrina sagte nur: „Ich kann ja warten." Dann gingen sie zum H°s hinauf, und Franz pfiff sich ein Lied, als er alle Riegel noch einmal prüfte. „ ... . , .
Dieses Liedei hörte die Bäuerin in ihre Kammer hinein, und in btt Kammer schlief schon seit Jahren kein Bauer mehr neben ihr. Sie hort, es anderntags in der Küche, sie hörte es überall, und sie lächelte dem Knecht, der sich so gut auf die Arbeit verstand, fteundlich zu, als sie bas Essen auf den Tisch brachte. Sie war noch eine recht ansehnliche Frau, die Bäuerin, die ihren Bauern schon nach wenigen Ehejahren verloren hatte, und wenn sie einen Mann als Bauern auf den Hof nehmen wollte sand sie zehn für einen.
Seit diesem fröhlichen Giebel ihres Knechtes aber nahm sie sich vor diesen sonst so schweigsamen Burschen, der plötzlich zu einer stillen Froh lichkeit erwacht zu sein schien, vom Knecht zum Bauern zu machen, wenn er nur wollte. Und wenn er nicht wollte, war sie wohl Weib genug, diesen Willen in ihm zu wecken. Sie schnitt von diesem Tage an das Stück Fleisch, bas ihm gutem, besser aus, sie fragte ihn vor ben anberen Leuten um alle Dinge bes Hofes, als sei er ber Bauer. Am Morgen schon ging sie burch ben Stall, wenn Franz ben Pferben einfütterte, unb am Abend, wenn Franz seinen letzten Runbgang beenbet hatte, stanb sie im Dürftet so, baß der Knecht ganz eng an ihr vorübergehen mußte ...
Eines Tages muhte er doch begreifen, daß er hier Bauer werden burfii auf der Freihube. Er blieb stehen im Türftock, als bie Bäuerin ihn |o sonderbar anblickte, unb ging bann mit ber Bäuerin.
Die verschwiegene Liebe zu Kathrina schien abgetan unb vergessen zu fein. Franz rebete nie mehr mit Kathrina barüber unb nahm, was ihm anbersroo so bereitwillig bargeboten würbe. Als Franz heiratete und |o zum Bauern wurde auf der Freihube, packte Kathrina ihr Bündel unü meinte unb packte es roieber aus. Sie wollte bleiben, dem Manne zim Trotz, ber alles vergessen hatte. Franz hätte ihr nicht gewehrt, wenn p« gegangen wäre, unb wehrte ihr nicht, als sie blieb. Er sprach in ben Dingen ber Arbeit mit ihr, wie er immer mit ihr gesprochen hatte, er war im übrigen ber gleiche schweigsame Mann geblieben unb pfiff auch sein kleines Liebel nicht mehr, bas einzige Lieb übrigens, bas er kannte.
Gar nichts veränderte sich auf der Freihube. Jeder tat wie zuvor seine Arbeit; das Korn wurde Jahr um Jahr gesät, der Weizen wurde in jedem Sommer geerntet, und die Magd Kathrina ging in jedem Erntesomnm hinter dem Bauern in der Mahd und legte den Weizen zu Garben. NI« aber kam es dem Bauern mehr in ben Sinn, seinen Knechten eilig voraus- zumähen, weil er ber Magb Kathrina unb sie bem Bauern nichts zu sagen hatte, was nicht all feine Leute hätten hören dürfen.
Sechzehn Jahre blieb da so, unb am Enbe biefer sechzehn Jahre starb bie Bäuerin auf ber Freihube, nacfjbem sie gut unb rechtschaffen mW ihrem Bauern gelebt hatte. Franz, ber nur einmal ein Liebel getanmt I und noch nie gemeint hatte, begleitete schmeigsam feine Bäuerin zu Grabt; er meinte nicht, roohl roeil er das Weinen nie im Leben gelernt hatte, aber er lebte in ehrlicher Trauer von da an in bie Zeit hinein, noch einmall über zwei Winter hin, bis roieber einmal Zeit war, ben Weizen zu mähe«
Zu dieser Zeit mußte auch die Magd Kathrina, die seit dem Tode btt Bäuerin das Hauswesen versorgte, mit auf die Felder gehen und Hinte» dem schweigsamen Bauern her die Mahd zu Garben legen. Immer notz mähte Franz besser als jeder Knecht, und als man schon den halben Acke» gemäht hatte, schien es plötzlich, als habe der Bauer größere Eile als bisher. Kathrina blieb ihm eng auf den Fersen, bis er die ganze Ackern länge durchgemäht hatte und bie anberen Leute noch in ber Ackerniitts werkten.
Franz räusperte sich unb besah seine Sense unb fragte plötzlich unvermittelt zu Kathrina hin: „Weißt bu noch, roie mir bamals vorausgemühU haben?" Dieses Mal aber nahm Kathrina nicht für ihn bas löfenbe Worb auf, fonbern schickte sich an zum Umkehren. Es schien gar nichts Wichtige- zu sein, was bie beiden auszureben hatten, benn Franz zerrieb eine Aehrs in ber Hanb unb zählte bie Körner, währenb er nebenhin murmelte: „3611 Frauenleute seid aber vergeßlich! Von heute auf morgen wißt ihr sch« nicht mehr, was war, und ich möchte doch meinen, es wäre ein richtiggehender Verspruch gewesen, damals, du weißt schon noch, beim Weizenlegen."
Kathrina wußte keine rechte Antwort unb sagte nur verlegen: „Ja" Dann kehrte sie um zu einer neuen Mahd, unb vor bem ersten SensenhieW sagte Franz noch über bie Schulter zurück: „Es hat wohl eine Weils gebauert, aber für Kinber ist immer noch Zeit. Unb wenn wir ihnen einem Hof hinterlassen können, werben sie es uns mehr banken, als wenn ® nur ein Knechtsplatz wäre.


