»orn in der Hand und blies darauf. Da faßte uns alle das Entsetzen, | denn wir wußten, daß diese Uniformen von den Engländern seit langem nicht mehr getragen werden. Es waren die toten Soldaten, Sahib, die aus den Gräbern aufgestanden waren und nun gegen uns kämpften. Gegen die Geister aber waren wir machtlos. Wir alle warfen unsere Waffen fort und flohen vor dem Zeichen der Götter, ich selbst verlor die Besinnung vor Schrecken. Ms ich erwachte, lag Mir Khan tot neben mir ..."
Aus dem Tagebuch des Kapitäns Enderby:
„Ich werde diese Nacht und ihre Rätsel nie vergessen. Kaum hatten wir die seltsame Erzählung des Gefangenen angehört, da erschien der Wundarzt, er hatte inzwischen Mir Khan untersucht, und erklärte verwundert, er habe nicht die geringste Verletzung an dem Körper des Toten feststellen können. Er könne nur unter der Wirkung ungeheurer Furcht einen Herzschlag erlitten haben.
Am folgenden Tage gingen wir Offiziere auf den alten Friedhof und machten dabei eine seltsame Entdeckung: Jedes Wort, das der Oberst, der an der Eisenpforte stand, sprach, war an der hinteren Mauer deutlich zu verstehen, und als er einen Pistolenschuß abfeuerte, sandte ein Echo ihm sogleich einen zurück. Es war also das Echo der Schüsse gewesen, das die Ausrührer in der Nacht genarrt hatte.
Als wir am zweiten Tage mit den Hundertfünfzigern ausbrachen, um das Heer Mir Khans zu verfolgen und zu zerstreuen, ritt der Oberst mit uns noch eiymal an dem alten Friedhof vorüber. Am Grabe MacGrachs legte er die Hand an die Mütze und wir folgten seinem Beispiel."
Hebbels .Nibelungen" und die Gegenwart.
Von Friedrich Schreyvogl.
Im Spielplan der deutschen Theater für 1938/39 nimmt Hebbel einen bedeutsamen Plätz ein. Besonders seine „Nibe-» lungen", meist für einen Abend zusammengezogen, erfahren immer wieder neue Aufführungen im ganzen deutschen Sprachgebiet
In Hebbels Nachlaß findet sich eine Vorrede zu seinen „Nibelungen". Er setzt sich darin mit der Literatur über das Nibelungenlied auseinander, die schon, als er seine Trilogie schrieb, die Geister bewegte. Er wehrt sich dagegen, daß vieles in das Gedicht hineingelegt und aus ihm herausgsdeutst" wird, das weniger dem Werk und seinem Gegenstand als der Phantasie der Ausleger und Deuter entwächst. Man muß also auch vorsichtig sein, wenn man über Hebbels „Nibelungen" spricht. Er selbst hat uns gewarnt.
Aber auch die Warnung eines Dichters kann nicht hindern, daß sich der Einblick in fein Werk und Einschätzung feiner Werte von Geschlecht zu Geschlecht wandelt. Wenn ein großer Bau — eine Kirche, ein Theater, «in Denkmal — auf einem Platz aufgerichtet wurde, auf dem ihn Hauser vor allen Seiten einschließen, so ändert sich wohl nichts vom Grundriß und den Linien des Bauwerks, auch wenn später die engenden Hauser von allen Seiten einschließen, so ändert sich wohl nichts vom die Menschen das Bauwerk anders als vorher, freier und vollkommener. Darum wird in allen Zeiten, in denen Vergängliches stürzt, Enges und Kleines zu Fall gebracht wird, das Große und Bleibende neu erschaut und verstanden werden. Die neue Raumordnung kommt auch dem Sein, nicht nur dem Werden zustatten. Auch eine alte Gestalt gewinnt im neuen Licht eine neue Bedeutung.
So steht es auch mit Hebbel. Er gewinnt dreifach, wenn man seine „Nibelungen" heute spielt. Einmal, weil man deutlicher als jemals früher begreift, was die Wirkung eines Dichters auf das Gemüt des Volkes begründet, zum zweiten, weil die Gestalten des Nibelungenliedes aus jener zeitlosen Tiefe steigen, die heute für das ganze deutsche Volkstum freigelegt und fruchtbar gemacht ist, zum dritten, weil in unserer dramatischen Zeit die Menschen wieder dem Geist des Dramas, das unerbittlich die Gegensätze austrägt, innerlich zugeneigt sind.
Wer erlebt hat, daß die Völker ihr Schicksal erfüllen müssen, ohne daß je eine dauernde Täuschung auf dem Welttheater glückt, der gibt auch, wenn sie von der Bühne herab fprechen, lieber dem Tragiker als dem Theatraliker recht, der über die Konflikte hinwegspielt, statt sie zu unterscheiden.
Die harte Wurzel, aus der nach unablässiger Gärtnerarbeit des Denkers und Sprachgestalters schließlich jede Dichtung Hebbels wächst, ist der Widerstreit, in der ein einzelner zu den Notwendigkeiten des allgemeinen, also des höheren Lebens gerät. Das Gesetz aller vernichtet den einzelnen, der sich gegen seine Ordnung vergeht, es erhebt ihn aber zugleich zu moralischer Größe, wenn er sich erkennend dem Schicksal unterwirft und, ein siegender Besiegter, gerade dadurch zu seinem Herrn wird.
Die „moderne Seelenkunde" hat Hebbel oft als einen Vorläufer ihrer alles zergliedernden Menschendeutung in Anspruch genommen. Die Gründlichkeit, mit der Hebbel das Seelenleben seiner Helden in die liefe verfolgt und den Schauplatz in einem ungewöhnlichen Maß von der äußeren Szene in das Innere der Gestalten verlegt, die Art, wie er hier Schuld und Wunsch bis ins kleinste ausmalt, schien denen recht zu geben, die ihn im Gleichklang zu einer eigensüchtigen Zeit als individualistischen Dichter sehen wollten. Das ist grundfalsch. Denn die dramatische Spannung bei Hebbel kommt nicht allein aus der Formung und Färbung des Ich in feinen Figuren, sie kommt aus dem Gegensatz, in den das so anschaulich beschworene Ich zu dem wichtigeren, herrschenden Wir gerät. Nur das strenge, leidenschaftliche und unbedingte Bekenntnis zu einem Gesetz der Gemeinschaft gibt den Hebdelfchen Konflikten ihre tragische Wucht und macht erst aus tiefen Charakterstudien wirksame dramatische Helden.
Die Gemeinschaftsidee in den Hebdelfchen Dramen war anderen Zeiten, einfach weil sie sich den Blick auf die gemeinsame Wurzel aller
Einzelschicksale so vielfach verbauten, nicht in gleicher Art sichtbar wh uns. Wir finden darum nicht etwa einen neuen Hebbel, aber den ganzen, wo man früher oft nur einen halben sah, und wenn wir „Mari« Magdalena", „Gyges und fein Ring" oder die /.Agnes Bernauerin" auf dar Bühne erleben, so empfinden wir den Zusammenstoß von Leidenschaft und Wunsch des einzelnen mit den unerbittlichen Forderungen ber Gemeinschaft nicht nur als ein Beispiel des wahrhaft Tragischen, bas uns überaus gegenwärtig anmutet, auch als den tiefsten, den wahrhaft bewegenden Ton Hebbels und den Kern dichterischer Wirkung überhaupt
Nicht minder bedeutsam für eine starke Wirkung in unserer Zeit ist der Wandel, den die Betrachtung des Nibelungenstoffes an sich erfahren hat. Noch im Jahre 1861, als feine Trilogie das erstemal von Dingel- ft e dt in Weimar zur Ausführung gebracht wurde, schrieb Hebbel gegen dl« „Nebelregion", in der „Gestalten in Allegorien umschlagen unb Zaubermittel an die Stelle allgemein gültiger Motive treten."
Heute wissen wir, daß es sich bei den verschiedenen Fassungen des Nibelungenstoffes nicht um beliebig-beiläufige Allegorien handelt. Wir wissen, daß im Norden, in dem die Siegfriedsage ihre Heimat hat, dem fchöpferischen Geist, der unserem Erdteil seine reinste Kulturgestalt gegeben hat, die Flügel gewachsen sind. Das neue Deutschland hat uns in jedem Sinn auf die Wurzel zurückgewiesen, nicht nur die Sippen und Völker werden ihrer Ahnen bewußt, auch die Vorstellungen von Mensch und Welt. Wir wissen heute, daß in den germanischen Anschauungen von Sein und Werden, von Leben und Tod, vom Schicksal und seiner Meisterung der Grundton zu hören ist, nach dem sich das Schicksalslied der großen Völker in der Geschichte fügt. Noch in naher Vergangenheit wurde es als eine Art seelischer Kraftmeierei angesehen, wenn Deutsche unter Berufung auf die großen germanischen Grund vorstellungen von Leben und Lebensgestaltung den friedensseligen un) glückshungrigen Hoffnungen auf eine kampflose Weltzukunft entgegentraten. Längst wissen wir, daß die Schwachen, die den Kampf als Vater der Dinge und das Schicksal als den Gott der Welt verdrängen wollten, in Wahrheit die Träumer und die Betrogenen waren, und daß nur wer nach unabänderlichem und hartem Gesetz durch opfervollen Kampf und fordernde Kraft die Welt gestaltet sieht, die Wirklichkeit erkennt und meistert. i
Damit hat auch vieles, was früher einmal blaß und zeitfremd schien, bi» Kraft eines unmittelbar wirksamen Symbols gewonnen. Daß jeder das Gesetz erfüllen muß, nach dem er angetreten, irrt und sühnt, wie es uns aus der gewaltigen Ballade von Brünhilde, Gunther, Kriemhild«, Siegfried und Hagen entgegentritt, das wird heute von uns anders und wohl auch richtiger verstanden als in der Vergangenheit. Die prunkenden Einzelheiten eines Romanes von Glück, Liebe, Leid und Rache in romantischer Ritterzeit werden heute von der allgemeinen, der völkischen Bedeutung des Nibelungenthemas überstrahlt. Heute ergreift und die Gestalt Hagens neu, wir ernennen feinen Plan, nach dem er btt große Probe herbeiführt und mit den Burgundern zu Attila zieht, um ihn, wenn schon nicht zu überwinden, so doch ins Herz zu treffen und damit für die Zukunft ohnmächtig zu .machen. Der Entschluß her Burgunder, für die Treue alles zu wagen, für ein Ungreifbares, bas doch unlösbarer Teil des wahrsten, eigenen Wesens ist, das Leben zu opfern und alles äußere Glück preiszugeben, biefe beispielhafte Verklärung unserer geheimsten Kraft scheint uns heute vor allem zu begründen, daß wir das Nibelungenlied als unsere große Nationaldichtung lieben. Daß der innere Sieg schließlich nicht nur die heldische Unsterblichkeit, sondern auch die Herrschaft über die Welt herbeiführt, daß die Freiheit von Todesfurcht in allen äußeren Gefahren zugleich die befte Kraft gibt, sie zu überwinden, daß man ein Volk in feinem Herzen groß und kühn machen muß, damit sich seine äußere Macht groß und kühn entfaltet, das mag im Nibelungenlied auch in Allegorien stecken, aber wer sie erkennt, dem sind sie Wahrheiten des Lebens und der Gegenwart.
Nun wissen wir auch richtig, wogegen sich Hebbel verwahrte, nicht etwa gegen eine allgemeine Deutung des Nibelungenliedes dieser Art Er wollte nur nicht auch noch mit seiner Dichtung in das Zwielicht treten, das zu seiner Zelt über der deutschen und germanischen Vergangenheit lag. Er kann heute in keinem Vorwort und in keinem Nachwort mehr zu der neuen Zeit sprechen. Aber sein Werk hören wir doch heute und finden in ihm sehr deutlich den entscheidenden Gleich- tlang. Auch das Wesen der Nibelungensage, wie wir sie heute sehen, entspricht in allem dem Gesetz, nach dem der Dramatiker Hebbel sich entfaltet hat.
Die Forschung der Geschichtswissenschaft deckt immer klarer auf, baj) die schöpferische Kraft der griechischen Kultur aus dem Norden stammt Daher kommt es auch, daß der Glaube an die Macht des Schicksals, dem alle unterworfen find, des Schicksals, das menschliche Größe nur dem zumeist, der das Unabänderliche mit Würbe erfüllt, in gleicher Weift die germanifche Weltbetrachtung wie das griechische Drama beseelt: bas Nibelungenlied steht so mit Euripides und Sophokles in geistiger Verwandtschaft. Nicht mit Unrecht gilt das gleiche Wort für die Träger großer Rollen auf der Bühne wie im Leben: der Held ist es, du und dort.
Hebbel stellt Helden auf die Bühne, darum ist er ein Dramatiker.
Die Nibelunzenfage fiihrt uns Helden als Beispiele und Sinnbild unseres Daseins vor, darum hat sie bas große Nationalgebicht der Deutschen erweckt. Darum konnte aber auch der Dramatiker Hebbel als ein Wesensgleicher das Heldenlied der Nibelungen gestalten.
Wir wiederum wünschen heute eine im reinsten Sinn heldische Gestaltung unserer Zeit und wissen, daß sie nur auf einem dramatischen Weg zu finden sein wird, das heißt in unerbittlicher Austragung der Gegensätze.
So stimmen wir heute besser als je zusammen: die Nibelungen, Hebbel und wir. Und jede Aufführung feines Werkes ist nicht nur eine Verbeugung vor der Literaturgeschichte, sondern auch ein lebendiges Wort in die Zeit. 1
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühlfche UniversitätSdruckerei R.Lange, Gießen.
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