Ausgabe 
13.2.1939
 
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Zn der Frühe.

Von Eduard Mörike.

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir, Dort gehet schon der Tag herfür An meinem Kammerfenster.

Es wühlet mein verstörter Sinn

Noch zwischen Zweifeln her und hin Und schaffet Nachtgespenster. Aengste, quäle

Dich nicht länger, meine Seele!

Freu dich! Schon sind da und dorten Morgenglocken wach geworden.

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km Sommer des Jahres 1720 bezieht das 150. Regiment Seiner

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Oie Wache der toten Soldaten.

Eine Erzählung aus der Geschichte Brilisch-Jndiens.

Von Oskar G. F o erster.-

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&91' l nundertsünfundvierzig Jahr« später wurden das Fort und der aus«' (stliaiensriedhof von Azimpore zum Schauplatz einer seltsamen Be- le* i Einheit, die man als eine guterfundene Gespenstergeschichte abtun iriflw i äiiitte, wenn sie nicht von glaubwürdigen Augenzeugen und amtlichen |eM rechten bestätigt worden wäre. Im Juli 1857 lag eine kleine Be-

f einig von 300 Mann unter Oberst Prendergast in dem Fort. Mir ogrei|i SSai, einer der einflußreichsten und tapfersten Fürsten Hindostans, hatte setz!« einer neuen Aufruhr entfacht. Mit einer Armee von fünftausend Krie-

c tetr, zog er gegen die britischen Garnisonen. Fort Azimpore, am wei- tärtW testen nach Norden vorgeschoben, war am meisten gefährdet. Die Auf- eltngt« röter waren mit modernen Gewehren bewaffnet und fanatisch in ihrem genOKonnte Oberst Prendergast mit seiner kleinen Schar das Fort 'Tagt: lialhm? Di« Pallisaden waren halb verfallen, die Kanonen unbrauchbar. » bi« 5ti der Nacht zum 19. Juli erwartete der Oberst den Sturm auf sein n tgt Was in dieser merkwürdigen Nacht geschah, läßt sich am besten in« Hand der Meldungen und Berichte erzählen.

*

F'Juü Meldung des Kgl. Brit. Obersten Henry Prendergast an das Ober- ? lllimnanbo in Delhi, betreffend die Ereignisse beim Sturm auf Fort ds"» ! !t mpore, 19. Juli 1857. v"

Hü6'! ,Am Nachmittag des 19. Juli kehrte Generalstabskapitän Endcrby , - mit sechs Soldaten von einem Erkundnngsgang ins Fort zurück. Sie i mt n drei Meilen nach Norden durch das Dschungel gegangen und jen= ej I lle des Flusses auf das Lager Mir Khans gestoßen.

ih5ch ließ sofort die gesamt« Mannschaft unters Gewehr treten und die !,|®M'e besetzen. Patrouillen wurden ausgesandt. Dann hielt ich mit i innen Offizieren Kriegsrat. Wir waren entschlossen, befehlsgemäß das i?tn bis zum letzten Mann zu halten. .

Koch am Abend meldete sich Leutnant Adderly vom 150. Regiment !>e: mir. Der Leutnant brachte uns die Meldung, daß sein Regiment ubmarschiert sei, um uns zu entsetzen, und gegen Morgen eintreffen mbe. Während wir noch die militärische Lage besprachen, eilten unsere

läri, iejes........,

weil Mestät des Königs von England die kleine Garnison Azimpore im tJotn tjniern Hindosians. Die Soldaten des 150. Regiments kennen sehr wohl dem ilie itausendsochen Gefahren ihres Postens. Aber sie fürchten weder ußie Md-nis noch Ueberfall. Nicht umsonst tragen sie auf den roten Uniform« idjeii i»d n die breite Schärpe, die sie unter Marlborough im spanischen ent, -s^ug erwarben. Diese Schärpe kennzeichnet sie als das tapserste Regi- m |n IM des englischen Heeres.

,2i« Jalwallahs (Schärpentrager) sind Teufel, mit denen niemand iliiufen kann!" sagen die Hindus.Bvahnra hat ihre Leiber gegen '.ist e und Kugeln geschützt, und die Seelen der Tiger haben Besitz iioji ihnen genommen."

bin und wieder kamen eingeborene Händler und Bauerns in das tioi. Aber sie betrachteten scheu die roten Schärpen der Soldaten und tun ten in wahnwitziger Angst in das Dschungel zurück, sobald der alte Ktegmentshornist MacGrath das Signal des 150. Regiments blies. lMGrath war ein hühnenhafier Irländer von gewaltiger Körperkraft, (»eit narbenbedecktes Gesicht war abschreckend häßlich, und die Hindus Mieten ihn für einen bösen Zauberer und den gefährlichsten allerroten Ldchi rpenteufel". Doch war der Hornist tatsächlich ein humorvoller und tliitnütiger Mann im Kreise seiner Kameraden, dabei aber ein tapferer (Sei! at und in hundert Schlachten und Gefechten ein Barbild unbe.- büngier Pflichttreue.

En jenem Sommer 1720, kurz nach der Ankunft in Azimpore, brach i auch tjlit Unglück über das tapfere Regiment herein. Di« Cholera brach aus. Hu ebens mühte sich der Wundarzt zu Helsen er vermochte wohl ibnti te In aus verwundeten Soldatenkörpern herauszuschneiden und Wun- mchidieuzu heilen, aber gegen diese Seuche besaß er keine Waffe.

Weit über die Hülste der Soldaten erlagen der Cholera. Westlich gs jii nmr Fort, unter den mächtigen Regenbäumen und Opuntien, entstand abrm ( i Friedhof für die toten Kameraden. Der Rest des Regiments mar- j bie te im Juli nach Jngradar. In der Nacht vor dem Abmarsch starb < ud) McGrath. Er hörte noch die Kommandos der Offiziere und griff k.. mat feinem Horn, um zum Sammeln zu blasen. Aber die Lunge ver-.

--- des

n/s. Agil ihm den Dienst, das Horn entfiel den kraftlosen Händen Wkibenden.

« , {m folgenden Jahre zogen englische Soldaten eine Mauer um den

< inj. men Friedhof von Azimpore und errichteten Grabsteine für die r u teile- Soldaten. Auf dem weißen Stein auf MacGraths Grab gruben !et v.. f e uin Horn und einen Totenkopf ein, und die Hindus, die ab und zu vc cir |»en stillen Ort tarnen, mieden das Gräberfeld ängstlich und wichen mit besonderer Furcht dem Grabe des Hornisten aus, weil sie meinten, f n°- dätz (eine geheimnisvolle Zaubermacht auch über feinen körperlichen l,e 3" ß» hinaus wirksam geblieben sei ...

Patrouillen und Vorposten ins Fort zurück und berichteten, daß dr» Feind heranmarschier«. Meine Offiziere und ich traten auf den i)»| hinaus und di« Soldaten stellten sich auf ihre Plätze hinter de» Wällen ..."

* l

Aus dem Tagebuch des Stabskapitän» Enderby:

... Es war eine heiße, stockdunkle Nacht. Der Tag war (ehr schwül gewesen, und nun zog ein Gewitter herauf, während wir an den Walley standen und den Feind erwarteten. Dann zuckten die ersten Blitze auf« für Sekunden zerrissen sie die Finsternis mit ihrem grellen Schimmer, dumpf grollte der Donner hinterdrein. Wir schwiegen und horchten mH angespannten Sinnen ins nächtige Dschungel hinaus.

Neben mir stand Leutnant Adderly vorn 150. Regiment, im Scheiy der Blitz« leuchtete die Helle rote Schärpe auf feiner Schulter.

Glauben Sie, daß Ihr Regiment nach zurechtkommt, um uns ztt retten? fragte ich ihnEs kann vor drei Uhr morgens nicht hiek fein, Sir!" entgegnete er ruhig.Es find fast fünfzig Meilen bi» Jngradar. Wir muffen eben so lange aushalten. Oder sterben .. "

Ein Blitz erhellte die Nacht, und ich sah, wie Leutnant Adders ernst zu den weihen Mauern des alten Friedhofes vor dem Fort hiw» Übersah.

In diesem Augenblick suhren wir alle zusammen. Denn in den Donner des Gewitters mischten sich plötzlich Gewehrschüsse. Ansangs waren es nur wenige, dann aber rollten ganze Salven durch die Nacht.

Sie stürmen den alten Friedhof", rief der Oberst.Vermutlich halten sie ihn für besetzt!"

Still!" rief der Leutnant,hören Sie doch! Das Signal!"

Was für ein Signal, zum Teufel?" fragte Oberst Prendergast.

Das Signal des 150. Regiments!" rief Adderly.Das Regiment aus Jngradar ist da! Am Friedhof ertönte fein Signal!"

Unmöglich!" sagte der Oberst,sie können noch nicht hier sein!"

Wir horchten in die Nacht hinaus.

Wahrhastig jetzt vernahm ich es auch, ein weithin hörbares Horn- signal. Der Oberst meinte zwar zunächst, es sei das Trompeten eines Elefanten. Aber als es nun zwischen Gewitterdonner und Schüssen zum dritten Male ertönte, war auch er überzeugt. Mit ihm alle unsere Leute.

Sie kämpsen schon mit den Indern!" rief der Leutnant.Hört ihr den Kampflärm?"

Ja, wir hörten ihn. Deutlich vernahmen wir das Toben eines wüten­den Feuergefechtes. Hüben und drüben peitschten die Schüsse durch die Nacht. Aber schon nach wenigen Minuten fielen nur noch vereinzelte Schüsse, dann wurde es still.

Unheimlich still. Auch das Gewitter war vorüber, und der Mond kam hinter den Wolken hervor.

Leutnant Adderly!" befahl der Oberst,gehen Sie mit zwanzig Mann zum Friedhof hinüber und empfangen Sie das Regiment!"

Der Leutnant salutierte und verließ mit seinen Soldaten das Fort. Eine halbe Stunde verging. Es war eine unheimliche Situation.

Das Regiment versolgt wahrscheinlich die fliehenden Inder, meinte ich.

Aber man hätte dann wenigstens einen Melder zu uns gesandt!" erwidert der Oberst.Und wo bleibt Adderly? Es sind kaum tausend Fuß bis zum Friedhof!" In diesem Augenblich kehrte Adderly endlich zurück. Er war seltsam erregt, und fein« Leute führten einen Ge­fangenen mit sich. Zwei Soldaten trugen außerdem einen Inder in gold­gestickter Uniform herein. Er war tot.

Es ist Mir Khan!" meldete der Leutnant.

Meldung des Leutnants Adderly, ausgezeichnet vom Regiments» fchreiber:

,^zch kam mit meinen Soldaten an den alten Friedhof, ohne auf dem Wege dorthin auch nur das leiseste Geräusch zu vernehmen. Der Mond schien auf die weißen Mauern und di« Grabsteine leuchteten hell über den dunklen Grabhügeln. Wir sahen uns überall um, aber wir fanden nicht einen Angehörigen meines Regiments. Dagegen war der Boden ringsum mit fortgeworfenen Waffen befüt. Weder ein Toter, noch ein Verwundeter zeugte von dem. wilden Kampf, den wir kurz vorher ver- nomrnen hatten. Die Grabsteine und Mauern weifen allerdings, soviel wir im Mondlicht erkennen konnten, zahllose Einschläge auf.

Beim Abstreifen der näheren Umgebung fanden wir zwei Manner. Sie lagen vor dem eisernen Tore des Friedhofes. Der eine war tot, der andere erwacht« aus feiner Bewußtlosigkeit, als wir ihn rüttelten. Er war noch fast außer sich vor Furcht und erklärt«, der Tote fei der Fürst Mir Khan. Wir brachten beide hierher. Meine Leute find mutige Sol­daten aber auch sie vermochten das Grauen kaum zu überwinden, das sie hier packte, als sie den Kampfplatz völlig still und verlassen fanden ..." *

Aus der Meldung des Obersten Prendergast:

Uns allen war das Ganze unerklärlich. Ich beschloß darum, zunächst den gefangenen Hindu zu verhören, der fließend englisch sprach. Er machte folgende Ausfage: .

Sahib, Mir Khan und seine Krieger wollten Euch überfallen und das.' Fort dem Erdboden gleichmaßen. Wir gelangten an den Garten der Toten, von dem es heißt, daß er feit vielen Jahren verzaubert fei und wollten über feine Mauern steigen, um eine Deckung gegen eure Kugeln zu haben. Mir Khan führte uns gegen den Garten, und weil er nicht wußte, ob der Friedhof besetzt war, befahl er uns, unsere Gewehre in das Gräberfeld abzuschießen. Wir taten es, aber unsere Schüsse wurden sogleich beantwortet. Wir schossen ganz« Salven ab, die in gleicher Weise erwidert wurden. Plötzlich zerriß ein langer, greller Blitzschein die Dunkelheit und da sahen wir hinter den Mauern des Garten viele weiße Soldaten in roten Röcken und mit breiten Schärpen, wie sie der Sahib dort trägt." Hier wies der Ge­fangene zitternd auf Adderly, der Die Ehrenschärpe des 150. Regiments trug.Dicht an der eisernen Pforte aber stand ein riesiger alter Soldat mit einem sehr häßlichen Pesicht voller Narben, er hielt em