Der Wachtmeister nickte. Das leuchtete ihm ein. Und getanzt hatte er wieder einmal für jein Leben gern. In Schmirschitz gab s zwar einen Wtrtsgarten, Madel und einen passablen Wein. Aber aus Tanze^ verstanden sich die Feldmusiken nicht. Er fragte: „Zum Tanz ausspielen tonnt greinet)doch unser G'schäst", lachte Brand.
Der Wachtmeister wischte sich mit dem Handrücken über den «chnauz- bart: „Na dann braucht ihr doch kein Fuhrwerk. Da könnt ihr doch gleich mir uns fahren " Er stieß den andern Soldaten in die Seite: „Was meinst«, Muller? Getanzt hast wohl °ch !ch°n lange >ucht?" Wimmer sah Brand an und blinzelte. Hatte er nicht recht gehabt? Em Musikant
Der Wachtmeister hob sein Glas und stieß mit den beiden an. Dann, beuate er sich über den Tisch und tippte Wimmer an den Magen: „Aber spielen mußt ihr Kerle, daß dem Kleinen sein Bauch da platzt! Er rief wieder nach Wein. Lumpen ließ er sich nicht. Immer wieder füllt« er di« Maler, strich sich den Schnauzbart, schwätzte und rühmte das Soldaten, leben. Der kleine Regenschori sah ihn mißtrauisch an. Allerlei Geschichten sielen ihm ein. Am Ende war das ein Werber, der ihn zur Feldmusik pressen wollte. Aber dann beruhigte er sich wieder. Unter das preußiscye Grenadiermah würde er schon nicht fallen. , , .., ,,
Als der dritte Doppelkrug Wein zu Ende war, erhob sich der Wachtmeister, warf ein Geldstück auf den Tisch und sagte, sie mühten nun fahren. Er ging die Stufen hinab, kletterte auf den Fouragewagen, wies Wimmer und Brand zwei der hochgetürmten Strohbündel als Sitze an, griff nach Zügel und Peitsche und schnalzte. Die Gäule zogen an. Der Wagen ratterte zum Dorfe hinaus. . ...
Der viele Wein und die Freude darüber, daß feine Prophezeiung sich doch noch erfüllte und statt seines Schusters Rappen zwei preußische Esten- schimmel ihn nach Schmirschitz entführten, versetzten den Regenschori wieder in die ihm angeborene Laune. Er begann, das zwischen semen Beinen legende Violoncell von seiner Umhüllung zu befreien, sah den Kerzelmacher an, der ihm gegenüber auf einem Strohturme faß, und lachte: „Brand, wie wär's? Fuhrlohn muh fein!"
Als nach einer Weile die brummenden Töne des Cellos und die süßen der Flöte lustig erklangen, wandte der Schnauzbart den Schädel und nickte: „Das nenn ich mal spielen!"" Dann schlug er mit der Peitsche fröhlich den Takt.
Zwei Stunden später fuhren sie streichend und sloteno ins Hauptquartier ein. Indes von allen Seiten, aus Höfen, Häusern und Gassen die Soldaten gelaufen kamen, um sich diese musikalische Fuhre zu besehen, stieß Wimmer den Ellbogen in die Rippen des Brand und hob zwinkernd den Kops: „Ra, wer hat recht b'halten? Als wie ein General!"
Die Dächer und Häuser des Marktplatzes von Schmirschitz verdämmerten schon in die Schatten des Abends. Rur auf den kleinen Uhrturm des Schlosses und die höchsten Zelte des Lagers warf aus goldgeranderten Wolken die Sonne noch einen flammenden Schein, als der von Herrn von Leskow, einem Wachtmeister und zwölf Husaren geleitete Schwadrons- wagen mit der schönen Elisabeth Brand, einem Reisekorb und einem Diolakasten den Fuß de, Lagerhügels erreichte. Doch bogen nur die Husaren mit dem Schimmel des Leutnants in das letzte, steile Wegstück ein, das hinaus zu den Zeltgassen sührte. Der Wagen aber, in dem nun auch der Leutnant saß, rollte, den Hügel in weitem Bogen umfahreiw, im Abendschein über die Wiesen zur Wiener Heerstraße, von der etliche hundert Schritte weiter, an einem Bildstock vorbei, eine schmale, von Obstbäumen gesäumte Allee neben der Parkmauer des Schlosses zum Ortseingang abzweigte. .
Roch ehe Leutnant von Leskow nut seiner Feldwache aufgebrochen war, hatte er sich schon entschlossen, die Demoiselle nicht in das Lager zu bringen, sondern geradeswegs in den Gasthof von Schmirfchitz. Denn er hatte bedacht, daß, wenn er mit seinem so schönen und seltsamen Beutestück in den Zeltgassen erschiene, das ganze Lager in solchen Aufruhr geriete, daß das alte Rauhbein von einem Lagerkommandanten am Ende die unschuldige Ursache dieser Störung der ihm anvertrauten Disziplin auf kurzem Wege an die Lust, das heißt zum nächsten österreichischen Vorposten befördern könnte. In Schmirschitz aber hatte der General nichts zu befehlen. Die Ordnung im Dorfe unterstand dem mit Herrn von Leskow befreundeten Kommandanten der Siabsfchwadron, von dem wohl auch die Erlaubnis für die Bequartierung der Demoiselle leichter zu erreichen war als von dem schnauzenden Rauhbein im Lager. Auch würde das Fräulein im Dorfe noch am ehesten dem lästigen Anstarren und Ge- gaffe entgehen. _...
So war es wirklich da und dort nur eine kleine Gruppe von Offizieren oder Mannschaften, die dem Schwadronswagen der Puttkamer- Husaren erstaunt nachsah, als er um die Schloßinauer auf den Marktplatz einbog. Zu Leskows Verwunderung herrschte auf dem Platze, der sonst in so respektvoller Stille vor den Fenstern des Königs lag, daß man das Schreiten der Posten und das Plätschern des Dorfbrunnens zu hören vermochte, heute ein lärmendes Treiben. Sogar Tanzmusik klang drüben vom Gasthause her, aus der das leife Wehen des Abendwindes einstweilen freilich nur das Hebrumm einer Kniegeige hob. Leutnant von Leskow lachte und deutete nach dem Violakasten auf dem Sitze gegenüber dem Fräulein: „Bekommt die Derpoiselle da nicht ordentlich Lust? Ich könnt's verstehen. Geige spielt der kleine Leskow nämlich och. Nicht mal so schlecht. Uebrigens so vergnügt geht es bei uns sonst nicht zu. Aber der König scheint nicht in Schmirschitz zu sein. Da haben die Mäuse wohl Kirtag." Er warf einen Blick über den Brückenbogen, der sich über einen Wassergraben zum Schlosse schwang Die beiden Grenadiere am Schlohtore ^^Der Wirtsgarten, vor dem dann der Wagen hielt, war bis zum letzten Platze mit Soldaten gefüllt. Selbst auf dem Zaune und auf den Bäumen saßen noch welche. Der Leutnant bot der Demoiselle den Arm, weil sie den Garten durchqueren mußten, um zur Tür des Gasthofs zu kommen. Die Musik spielte. Aus einem freien Platze zwischen den Tischen tanzten und spranaen Soldaten mit Schmirschitzer Mädeln oder auch miteinandir,
weil es an Weibsleuten fehlte. Herr von Leskow drängte sich mit der Demoiselle zwischen Tanzplatz und Tischen durch. Unter dem schwarz- grünen Laubwerk der Kastanien war es schon dunkel. Nur da und dort hob ein Windlicht ein Gesicht aus dem Schatten. Auch über das Podium neben der Gasthoftür, auf dem die Musikanten — em Geiger, ein Cellist und ein Flötenspieler — hinter ihren Pulten faßen, huschte, lange Schatten auf die Hausmauer werfend, hin und wieder nn fladernber Schein. Gerade als der Leutnant und die Demoifelle dem Wirbel der Tanzenden glücklich entronnen waren und zwischen den T'^en derTurezutreben, siel das volle Licht einer Ampel auf den rundlichen Schädel des Cellisten, der, das Notenblatt wendend, über blitzende Brillengläser hinter feinem
Mi^einem weisen Ausfchrei griff die List nach dem 21rme bes ßeut. nants- „Iessas, der Wimmer!" Und wußte wohl selber noch nicht, worüber sie erstaunter sein solle: daß Wimmer in Schmirschitz war ober bet Regens, chori von Sankt Stephan Tanzmusik spielte.
Seinen Jähzorn hatte Aloisius Brand diesmal zu unrecht gesürchtet. Mit seiner Meinung hatte er nicht.recht gehabt, daß es geratener wäre, Wimmer wäre dabei, wenn er seine Tochter wiedersahe. Denn dieses Wiedersehen war ohne Trübung und Vorwurf verlausen Mag sein, weil Brand bei der ersten Begrüßung gar nicht die Zeit hatte, seinen Zorn zum Ausbruch kommen zu lassen, da er doch mit dem Regenschori und dem Schullehrer von Schmirschitz gleich wieder zum Tanze ausspielen mußte. Vielleicht, weil Brands nur selten beständige Wut mit den fröhlichen Weisen des' Spiels diesmal noch flüchtiger als fönst zu den Sternen entschwebte. Vielleicht auch nur einfach deshalb, weil er, als die List ihm so plötzlich in den Armen lag, froh war, sie wieder zu haben, und die Freude darüber alles andere aus seinem Herzen verdrängte.
Die Sorgen kamen erst wieder, als seine Tochter schon am nächsten Morgen darauf bestand, nun nicht einfach nach Wien zurückzukehren, sondern zu dritt zum Herzog von Braunschweig zu fahren. Warum sie das wollte, obgleich der Leutnant von Rabenau wieder gesund war, erfuhr Brand erst nach Tagen. An einem Vormittage, als er mit ihr in der Allee zwischen dem Schlosse und der Wiener Heerstraße aus- und nieberging, erzählte ihm die Lisi, wie alles gekommen sei, warum sie den Kirndorfer nicht nehmen und vom Leutnant nicht lassen wolle, und um was \>» den Herzog von Braunschweig zu bitten gedenke. Als sie geendet hatte, blieb er stehen, schüttelte sorgenvoll den Kops und zog sie an sich: „Lisi, was wird die Kaiserin sagen?"
Aber bann strich er boch bis zum Abend allein über die Wiesen und Felder und dachte nach, wie er es zuwege bringen sollte, der List die Erlaubnis zu erwirken, zum Braunschweiger Herzog zu sahren. Denn auch dem Leutnant von Leskow schien bas nicht zu gelingen.
Daß ohne Erlaubnis bes Königs Fremde die Festung Schweidnitz nicht betreten dürften, hatte sich Leskow gleich gedacht. Aber er hatte nicht geglaubt, daß es so schwer sein werde, auch nur darum anzusuchen. Bisher war es ihm nicht einmal gelungen, einen der Adjutanten des Königs zu sprechen. Das Schmirschitzer Schloß war leer. Selbst die Stabsschwadron war ausgerückt.
Man wußte, daß die leichten Völker des kaiserlichen Generals von Laudon plötzlich in Eilmärschen in weitem Bogen hinter dem Rücken der Armee des Marschalls.Daun nach Norden abmarschiert waren. Wo sie aber blieben, ahnte man nicht. Erst hatte man Laudons Korps bei Domstadt in den schlesischen Straßen vermutet. Ungarische Husaren und Pan- buren waren dort gesehen worden. Aber nun waren die Wälder und Schluchten im Gebirge wieder leer. Daun selber rückte immer näher an Olmütz heran. Für den König galt es, die Festung zu nehmen, ehe die dicke Exzellenz die Entsatzschlacht wagte. Selbst Herr von Marschall mit seinem Eisenfchädel würbe Olmütz nicht mehr halten können, wenn noch ein letzter Feuerorkan über bie zertrümmerten Batterien, über bie zu- sammengesunkenen Wälle unb Basteien fegte. Aber nach den vielen Wochen ber Belagerung waren Munition unb Proviant im preußischen Lager knapp geworben. Auf Befehl bes Königs waren in Troppau viertausend Magen mit Pulver, Stückkugeln unb Proviant beloben worben. General van Zielen batte Order erhalten, diesen Wagenzug mit einer Reiterbrigade und etlichen Bataillons in Troppau abzuholen und über das Gebirge nach Schmirfchitz zu geleiten.
Viertausend Wagen bedeuteten eine Kolonne von einer Tagreise Länge. Ader der König mußte es wagen, wollte er nicht noch in letzter Stunde die Belagerung aufheben. Unb wenn es gelang, war Olmütz verloren unb Daun bazu. Der burch bas Belagerungskorps verstärkten Armee bes Königs würbe ber Marschall nicht stanbhalten. Unb zu gelingen schien es. Der König hatte Melbung, baß Zielen mit dem Wagenzug unangefochten über bas Gebirge gekommen sei, er hoffe, in zwei Tagen im Lager zu sein. Friebrich kehrte nach Schmirschitz zurück. Seit bem Nachmittage ftanben roieber bie beiben Erenabiere wie Bildsäulen vor bem Schlohtor.
Friebrich arbeitete bis zum späten Nachmittage. Dann ging er, nur von einem Abjulanlen begleitet, zum Lager hinauf. Seit Tagen hatte man ihn bort nicht gesehen. Als er zu einer Gruppe Husaren trat, benützte ber kleine Leskow bie Gelegenheit, mit bem Begleiter bes Königs zu sprechen.
Der Adjutant hörte ihn an. Dann lachte er: „Eine Audienz?! Leskow, wo denken Sie hin? Der König hat jetzt andere Sorgen, als diese' Leute aus Wien zu empfangen und ihnen einen Paffeport für Schweidnitz auszustellen. Damit kann ich bem König jetzt nicht kommen."
Leskow gab nicht nach: „Ich wüßte schon einen Weg. Der König liebt boch bas Drgelfpiel, unb ein Domkantor von Sankt Stephan versteht sich wohl ä merveille daraus —"
„Ach so! Sie meinen, baß man den König auf dem Umweg über bas Orgelspiel für bie Sache interessieren könnte ... Zu anberen Zeilen vielleicht. Aber im Augenblick nicht —"
(Fortsetzung folgt.)
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