Nummer M
Montag, den 12. Juni
ergang 1959
eitel' ft!
Dreizehntes Kapitel.
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Inzwischen stöhnte Herr Heinrich: .Nur den Liebling, das Löwen- herz, nimm mir nicht, hu mächtiger Streiter Gottes! Wie wenig habe ich dich gekannt, hu heiliger Mann, in dessen Nähe und Atem ich Verworfener zu leben gewürdigt war ..
Ein Hornstoß ertönt. Ich kenne das Signal: ein Reitender aus hem Heerlager meines Königs in Frankreich. Geschwind werf' ich Herrn Heinrich einen Mantel über die Striemen seiner Schultern, trete vor das Portal, empfange die Botschaft, und stürze mit dem Schreiben zu
meinem Könige zurück.
Ich glaubte, Herr Thomas habe ihn augenblicklich erhört und Sieg gegeben über die Söhne.
Er bricht zitternd das Siegel, aber die Buchstaben schwimmen vor den Augen. .Liesl'befiehlt er, zornig vor Sehnsucht nach Steg
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Friede; aber was ich las, lautete anders: .Ich, Richard Graf Poitou, klage nicht in meiner Sache, sondern in der meines Erziehers und geistlichen Vaters im Himinel, dessen Mörder heil und ledig auf der Erde umhergehen, ohne ein Königsurteil, welches sie verfolge. Ich verdamme diese Lässigkeit, und damit niemand daran zweifle, verkündige ich Königen und Völkern, daß ich mich lossage von meinem Vater nach dem Blute, wie er selber von Christus und seinem Zeugen sich los-
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'ü ®l£;; «tzt erhoben sich aus der dunkeln Tiefe des Schiffes zerreißende rönta >töne, das Wehgeschrei wuchs und wuchs, und die Kirche füllte sich "*‘l‘ 41 Miarmem sächsischen Volke, das nach seinem Vater schrie und die Rache Schimmels auf die Mörder herabflehte. Mit unheimlicher Hast und & stürzten sich neben mir die Gestalten über den heiligen Leichnam, msßten die toten Hände und Füße, küßten die Wunden und wuschen still Tränenströmen. Ihre Kleider und Lumpen aber tunkten sie gierig « ins ausgegossene Märtyrerblut.
-Mich brachte ich mich auf die Knie, zog mit noch umnebelten arsen ein Tüchlein hervor und wischte die rieselnden Tropfen von rsism Wams. Da ward mir jammervoll zumute, und ich stöhnte: ,Jti culpa, mea maxima culpa.’"
DER HEILIGE
Novelle von Conrad Zeröinand tTteyer
(Schluß.)
. Ee sich im Streite gegen die Söhne starren uno m« «j« 0«^| s?'^eten Herzen seiner Sachsen wiedergewinnen. Du selbst Hans, | .tarnt offenbart, daß dein König ein großer Sünder gewesen «ft
,s ^.1 »«» Gleisner und Heuchler, meint Ihr?" rief der Armbruster
Ki | i>,^t und fuhr, durch diese Anklage weitergerissen, ^rt: „Bei de ',vr p,\. f / ^krönten Haupte Gottes, nie hat ein Mensch «'sicher gebetet, al - »;*'• ! «n der Stunde, da er die steinernen Fuße des 5ze!ligen
|Öf,en Tränen bedeckte! Ein sächsischer Steinmetz; ha - ihn ab- | tz 'M M seiner Gruft liegend, die Hände über der Br",t gekreuzt, L°Helnd Nicht des Mannes Kunst, aber die Aehnlichkeit des Bildes
1 i I h'Mt°nn^n" tr. statte sich den Primas bei dessen Lebzeiten wohl e.n-
Während ich stammelnd dieser grausamen Schrift Sprache gab, war der Herr mit starren, hervorquellenden Augen an mich herangetreten. Die Stimme versagte mir, er aber fuhr mir mit beiden Händen an di« Gurgel. .Das lügst du, Schandbube!' schrie er und brach ohnmächtig zusammen.
Herr Thomas aber auf seinem Grabsteins lächelte."
„Genug!" rief der erbleichende Chorherr und streckte seine Hände abwehrend gegen den Armbruster aus.
Herr Burkhard liebte das Heilere und Ergötzliche, wie das hohe Alter pflegt, das nur noch einen letzten Rest des Lebens zu genießen hat. Als er den Armbruster in sein Gemach zog, war es ihm darum zu tun gewesen, ein paar Geschichten und Menschlichkeiten aus dem Leben des Heiligen zu belächeln und das Gold des neuen Heiligenscheines — der Bsscheidenhett zulieb — ein wenig zu schwärzen. Hans aber hatte ihm einen qualvollen Kampf und zwei schmerzverzogene Menschenangesichter gezeigt, und diesem Eindrücke war er nicht gewachsen. Er suchte nach einem Scherzworte, um ihn abzustumpfen.
„Mich tröstet", sagte er nach einer Weile, „daß du vor mir sitzest als ein Frommer und Ehrbarer. Wahrlich, du bist ein schmeidiger Mann, daß dich dein König nicht am Gurt erwischt und mit hinuntergerissen hat."
Der Armbruster hatte sich mit funkelnden Augen auf seinem Schemel aufgerichtet. Seine Erzählung hatte ihn erleichtert wie eine Beicht« und in allen Muskeln gestärkt; denn er besaß trotz seiner grauen Haare ein tapferes Herz, das die harten Sprüche der in den menschlichen Dingen verborgenen Gerechtigkeit ertragen konnte.
, Auch ich bin nicht ungeschlagen davongekommen", sagte er, „doch ich verzog mich beizeiten und ließ es an mancherlei Heilbringendem nicht fehlen. Ich will Euch das noch in Kürze berichten, und wie ich der Jetzige geworden bin. v
Die Gäule laufen rascher, wenn es dem Stalle zugeht.
Als ich nach jener Geißelung hinter Herrn Heinrich nach Schloß Windsor zurücktrabte, ward mir zur Sicherheit, daß meines Bleib«ns im Königsdienste nicht länger fein werde. Seit dem Tode des Primas war ich den Augen meines Königs ein Aeraernis geworden, und er hatte mir meine Ohnmacht, jenen aus den Händen seiner Mörder zu reißen mit zornigen, unbilligen Worten vorgerückt. Wo der Herr mich erblickte wendete er sich ab. Ein wohlgebildeter Page von vornehmem aquitanischem Geblüt« hatte mich Bärtigen im Schenkendienst ausgestochen Auch auf die Jagd begleitete ich ihn nur noch selten, und zu seiner Buße in Canterbury hatte er mich mitreiten lassen, weil er sich vor mir nicht zu schämen brauchte
Auf Schloß Windsor nahm mich der Waffenmeister, Herr Rollo, ins Verhör- denn die Geißelung des Königs war ruchbar geworden und wanderte unter den Sachsen, Erbauung und Schadenfreude verbreitend, von Mund zu Munde. Da er die schmähliche Wahrheit vernahm, schwoll ihm die dunkle Zornader auf der Stirn zum Zerspringen, und er machte sich nach seiner Weife Luft mit frechen Worten: ,An seine Gruft ist er gekrochen und hat den Feigling angebetet! Wie mag der Bleiche in seiner Höhle gekichert haben! ... Und daß er ihm noch unter dem Boden hervor einen Stich gab, das ist der Schlange würdig! ... Ein gepeitschter normännischer König! ... Aber es ist sich nicht zu wundern! Hast du gesehen, Hans, schon seit Jahr und Tag trägt König Heinrich ein Pfaffengesicht auf den Schultern!. .....
Hierin sagte Herr Rolle di« Wahrheit. Das Angesicht meines Königs
iehenerZaMenblätter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
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,UI?" sich seines Antlitzes bemächtigt. . . -<iwken
kmete hinter meinem Herrn, während er reuig semer Sunden i ~ittn£ "is er das Fleisch seines Rückens zur Geißelung ^kinoß^, heiß und kalt über den meinen. Inbrünstig bat auch «ch
, ^26n, in die Stapfen Gottes zu treten und seinen Mördern zu ver
ä «so sprechend, lieh sich Hans der Armbruster, als wär? das Ver- Uiiene wieder gegenwärtig, stöhnend von seinem Schemel in die Knie |Mn. Herr Burkhard streckte mitleidig seine allen Arme nach ihm aus Mckk'k «^tröstete ihn mit liebreichem Zuspruche.
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I Ai« lange ich auf den Steinplatten lag, ist mir unbewußt. Als meine Zue wlederkehrden, war ich allein in der Kirche. Ich versuchte, mich »s-nchten, aber wagte nicht nach der Leiche des Heiligen hinzublicken, kirnst Schritte von mir entfernt vor dem Altäre lag. Das aber f-h " « i<t,wieder zurücksinkend, daß mein Lederkoller mit dem Blute des Ge- “ ' «iteten benetzt war. .
1!t I «kt erhoben sich aus der dunkeln Tiefe des Schiffes zerreißende
nterdeffen war das kärgliche Licht des Wintertages M«n, und da gerade ein dichter Tanz von Schneeflocken stcroirbelte, ward es plötzlich so dunkel in dem schmalen _
ö :wei Alden kaum mehr die Züge der ein« des andern unterscheiden tscen. Ein paar letzte Flämmchen zuckten wie Irrlichter über die ,-’n, denn der Erzähler wie der Hörer hatten das Schüren des WTs vergessen, und nichts war vernehmbar als das leise «schnarchen fort vor dem Herde ausgestreckten Tapp und das Knuspern eines in ' Höhe des Brotkastens geschäftigen Mäuschens.
trat der alte Knecht des Chorherrn mit einem Arm voll Holz ^im, nährte die Glut und ließ mit schnarrendem Geräusche die m wn hangende, dreischnäblige Oellampe nieder, welche nach einer mit ihren gleichmäßig brennenden Lichtern den gewölbten Raum erhellte.
Ich bin zu Ende", seufzte der Armbruster. „Denn was wäre noch i Fen, nachdem Ihr nun jenes blutende und an den Steinftufen zer- [Wn? Himpt erblickt habt? Was wäre noch zu sagen von dem Könige . -5At ,Tmir- seinem armen Knechte? ... . .
*r rlliJ* wenn Ihr hören wollt, wie mein Herr unter der immer 6»* । Wrer drückenden Bürde des heiligen Leichnams zusammenbrach — ... |*! Herr Thomas durfte ihm auch in der Glorie nicht ver,zechen
13^1 r>-wie der Friedlose den Knecht als einen Verhaßten und Mlischul- ' - |ß( von sich trieb. Und doch hat sich Herr Heinrich vor der Gruft
s Getüteten gegeißelt und ihn aufrichtig angebetet, wie es in der >j "lmik verzeichnet steht."
:'! der glaubwürdigen Aussage meiner Chronik", bemerkte der n bedenklich, „hat sich dein König am Grabe des heiligen ^homas imterbury gegeißelt, aber nicht ohne kluge und weltliche Absichten, ^■1 ÄÄM im Streite gegen die Söhn« stärken und d,e ihm a-


