Ausgabe 
11.8.1939
 
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Das Kinderspiel.

Bon Herbert Böhme. Schwäne, Enten, Fische, Büren und ein weiher kleiner Hund, loht im Spiele es gewähren, seine Welt ist froh und bunt.

Pserdchen zieh und Vöglein finge, Blume, bücke dich geschwind, daß es seinen Gruh dir bringe, pflückt es dich, das holde Kind.

Sonne aber, der Gespielen Liebste, nimm es an der Hand, führ es iiber Traum und Zielen, all den lauten, all den vielen mitten in sein Vaterland.

6in Besuch in der Weltapoiheke.

Don Dieter von der Schulen bürg.

Allnächtlich erstrahlt über dem Riesenwerk der IG.-Farbenindustrie h Leverkusen das Bayerkreuz. Das Zeichen selbst ist bekannt mi unzähligen Medikamenten und deren Packungen, von Ampullen und Tabletten her, die uns der Arzt verordnete oder der Apotheker verkaufte, iier in dieser gigantischen Stadt der Arbeit ist es zur größten frei» shwebenden Lichtanlage der Welt verwendet. 2200 Lampen leuchten je ar Hälfte nach Köln sowie nach Düsseldorf hinüber. Es ist zwischen itn beiden 126 Meter hohen Schornsteinen der mächtigen Kraftanlage sit einem Durchmesser von 76 Meter gespannt .Der einzelne Buchstabe ü allein 12 Meter hoch. Würde man den Kreis, in dem sich das Kreuz l> findet, aus die Erde legen, hätten etwa 20 000 Menschen in ihm iequem Platz. Die Konstruktion und das Aushängen, das 1933 er« flgte, ist so genial erdacht worden, daß der leitende Ingenieur dafür «in besonderes Patent erhielt. Analog dieser Anlage in Leverkusen hingt das weltbekannte Buchstabenkreuz heute über allen Vertretungen üi6 leuchtet allnächtlich vor allem über den 89 Ländervertretungen der kirma, wie besonders groß etwa in Kopenhagen auf. Gleichwohl be­deutet es mehr als reine Reklame oder als ständige Anpreisung pharma- Mtischer Ware. Es ist zum Symbol geworden für deutschen Forscher- Iist, für Taten, die in stiller, unermüdlicher Laboratoriumsarbeit er« nnen, zu unendlichem Segen für die gesamte Menschheit geworden irb, im Kampf gegen Krankheit und Tod. Dieses Zeichen heißt Hilfe, nderung von Schmerzen, Heilung vom Leiden. Der Name Bayer >t nicht nur Weltruf, sondern das Weltvertrauen erworben mit seinen räparaten. Davon zeugt nicht zuletzt ein volkstümliches spanisches Sprichwort:Si es Bayer, es buenol"

Dieser Tage stand ich hoch oben aus dem Dachgarten des neuen Verwaltungsgebäudes und sah über die gewaltigen Werkanlagen von kverkusen hinweg. Welch ein Lebenswerk eines genialen Mannes! Als (arl Dulsberg hier nach dem Weltkrieg das Gelände erwarb, hatte f: an alles gedacht. Die entwicklungssähigen Großbetriebe wurden so «-gelegt, daß jederzeit, wenn es erforderlich war, die Bauten ver- ziößert und erweitert werden konnten. So sieht man von hier oben «tenthalben freie Räume, die sofort für neue Produktion und Au­di ulen bestehender Anlagen herangezogen werden können.

Vorbildlich ist auch für das Wohl, die Gesundheit und die Erholung «ter Werkangehörigen gesorgt. Ein breiter Parkgürtel mit wunder- diren Anlagen umgrenzt das Gesamtgelände. Hier ruht auch der kchöpfer in einem schlichten Mausoleum. Im Carl-Duisberg-Park befindet Ich des weiteren ein modernes Freibad, das an Schönheit wohl kaum km im Stadion zu Berlin nachsteht, in dem jeder, vom Direktor bis itm Arbeiter und Angestellten mit ihren Angehörigen ein erfrischendes 8-ib nehmen kann. Eine umfangreiche Werkbücherei sorgt für Unter» kltung und kulturelle Bedürfnisse. 25 000 Bände sind es allein an pöngetsttger Literatur. Dazu kommt aber für Weiterbildung und ernstes feubium die großartige Hinterlassenschaft des bekannten Chemikers Mute, die im Lauf« der Zeit auf 75 000 Bände wissenschaftlicher Werke ftroeitert wurde und endlich 30 000 Dissertationen. Jedes Tankschiff, ite mit Schwefel- oder Salpetersäure oder mit Ammoniak beladen, den Hrkehr von Werk zu Werk tal« oder bergwärts nach Uerdingen, Höchst ut-b Ludwigshafen besorgt, erhält eine Kiste mit je 12 ladenneuen kichern älterer und letzter Erscheinungen der Weltliteratur, die jeweilig «ich drei bis vier Monaten umgewechselt werden.

Welche Fürsorge offenbart sich auch hier oben auf dem Dachgarten i*<3 neuen Verwaltungsgebäudes! Man tritt zu ihm durch ein kleines, ^hagljch und hell eingerichtetes Kaffee hinaus, in dem man für billiges ®Ub eine Erfrischung haben kann. Gärtner sind gerade damit beschaf­ft, Stiefmütterchen gegen Sommerblumen in den Beeten auszuwech- jen. Bequeme Li ege stich le laden zu kurzer Siesta ein. Und nun erst btr Blick von hier oben nach Köln hinüber und feinen Dom oder aus im Sonnenglanz glitzernden Rhein und aus das beständige Kommen »tb Gehen der Schiffe! Aber was ist denn das plötzlich auf der anöeren &ite? Das Bayerkreuz wird ja lebendig! Man sieht mit einem Mal Menschen im Aufzug einige Lampen austauschen. Sie neben im lieg

Stahlstränge wie Fliegen im Spinngewebe. Schwindel scheinen sie "iht zu kennen. Der technischen Wunder sollte ich indessen noch viele Iv diesem Morgen erleben. Schon beim Betreten des Dermal tun gs- ^iiies war mir aufgefallen, daß die gläsernen Flügeltüren von un- iintbaren Händen geöffnet wurden. Immer wieder war man versucht zu »üßen und für die freundliche Aufmerksamkeit zu danken. Es ftano Uer nie jemand da, so daß der Gruß jedesmal der liebenswürdigen "totozelle galt, die geflissentlich und dienstbereit das De ff n en der -kure * dem eintretenden Besucher über einen elektrischen Kontakt verursacht . sehenswert war auch der rund 16 Meter lange Konferenzsaal der Sektion, der nach neuen Gesetzen der Akustik mit runben Ecken ge­

baut war. Der Vortragende braucht nicht im mindesten die Stimme anzustrengen, er kann sogar ganz leise sprechen, um noch auf dem letzten gegenüberliegenden Platz im Saal verstanden zu werden. In den Direktionszimmern befinden sich neben den Schreibtischen breite Schaft­bretter, eine Apparatur, die das Megaphon mit dem Diktaphon ver­einigt. Der betreffende Direktor kann also von seinem Schreibtisch aus, ohne sich von seinem Platz rühren zu müssen, eine Konferenz mit allen Abteilungsleitern abhalten. Das Gespräch kann genau protokolliert wer­den. Ebenso werden Telephonanrufe aus allen Hauptstädten der Well sestgehalten. Will man einen eiligen Brief diktieren, braucht man nicht zu »arten, ob die Sekretärin im Zimmer ist oder nicht. Sie findet später das genaue PHonogramm vor und kann es unverzüglich zu Papier bringen.

Großartig wie die technischen Hilssmittel ist auch die Organisation. Vor den Direktorenzimmern künden Tafeln, wer von den Herren ver­reist »der aus Urlaub ist, wo und wann Besprechungen angesetzt sind. Einen Begriff von der bis ins Letzte durchdachten Organisationsarbeit gibt auch besonders das Bayer-Atelier, in dem geographische und künst­lerische Ideen für die gesamte wissenschaftliche Werbung ausgearbeitet werden. Finden irgendwo auf der Welt Aerztekongresfe oder Hygiene- Ausstellungen statt, »erben hier die wissenschaftlichen Ausstellungsgüter und das Demonstrattonsmaterial entworfen und gezeichnet, Inserat« in allen Sprachen des Erdballs gestaltet. Es gilt bei vielen Erzeugnissen, wie etwa Neosalvarsan, 950 Originalpackungen zu beschriften, um die Produkt« der Wett zugänglich zu machen.

Werden nun auch in Leverkusen die verschiedensten chemischen Er­zeugnisse hergestellt, so ist die pharmazeutische Abteilung zweifellos di« wichtigste und der Bau der Ampullen-- und Ta- bl e 11 e n fa b r i t besonders interessant.Als im Februar 1888 im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung der damaligen Farbenfabriken norm. Friedr. Bayer 8- Co. in Elberfeld beschlossen wurde", heiß es in der Jubiläumsschrist .Fünfzig Jahre Arzneimittel,neben der Farbenfabri­kation und dem Farbengeschäft eine eigene Pharmazeutische Abteilung aufzubauen, wird wohl keiner der an dieser Sitzung Beteiligten daran gedacht haben, welche Bedeutung die Arzneimittelfynthefe mit der Zeit bekommen sollte." Im Jahre 1883 war durch Höchst das Antipyrin eingeführt worden, am 18. Februar 1888 folgte die Erfindung des Phenacetin, das zur Begründung der pharmazeutischen Abteilung Bayer im Elberfelder Werk führen sollte. Blickt man heute nach einem halben Jahrhundert auf diese Anfänge zurück, kann man nur eine un­unterbrochene, fortlaufend« Kette beispielloser Erfolge feftstellen, die die Menschheit dieser Abteilungsgründung verdankt, und di« gewaltigen Fortschritte werden ersichtlich, die die Therapie auf allen Gebieten der Medizin erfahren hat. Chemo-, Serum-, Hormon-Bitamin-Therapie ge­hören heute wohl zum unentbehrlichen Rüstzeug des Arztes.

Groß wie der Siegeszug war auch die Anerkennung für die Forscher­taten In einem kleinen Werkmuseum ist der Nobelpreis ausge­stellt den Emil o. Behring als erster Mediziner für seinen erfolg­reichen Kampf gegen die Diphtherie erhielt. Noch in jüngster Zeit wid­mete General Franco dem Generaldirektor und Generalkonsul W. R. Mann sein Bild in Dankbarkeit für die tatkräftige Hilf«, die das Bayerwerk der nationalspanischen Armee in schwerstem Kampf gegen den Wettfeind angedeihen ließ. Auf eine Anerkennung durch das ägyp- tifche Königshaus weist ferner ein Mittel mit dem NamenF u a d i n hin das mit größtem Erfolge die Bilharziosis bekämpft, eine gefähr­liche Wurmkrankheit, von der der ägyptische Landmann im Nildelta be- allen wird. Unaufhaltsam geht der Siegeszug weiter. Zu den neueren Entdeckungen gehört so dasProntosil" gegen Streptokokken. Einig« wenig« neue Mittel, wahllos herausgegriffen, aber sie zeigen das be­ständig« Weitergehen. ImB « t a x i n" gelang es 1938 zum erstenmal, auch das reine Vitamin Bl synthetisch herzustellen. Und mit welcher peinlichen Korrektheit bei der Durchprüfung eines Mittels verfahren wird zeigtBayer 2 0 5", das wettbekannteGermanin" im Kampf gegen die Trypanosomiasis, die Schlafkrankheit, lieber tausend besonders hergestellte chemische Verbindungen wurden dabei durchprüft, von denen eine endlich allen Kriterien standhielt, das heißt, den höchsten Heileffekt und vollkommene Unschädlichkeit gewährleistete, das war dann ^Treten "mit-9 abe^nun in das Reich von Asklepios schönster Tochter, der Hygieia ein, so erfahren wir hier erst,was überhaupt Hygiene heißt. Der ganze Dau der Ampullen- und Tablettenfabrik steht unter Ueber­drück an gereinigter Luft, die durch Trichter In die Räume hineinaepreßt wird Wenn Tür oder Fenster geöffnet werden, dringt nicht die Außen- lust nach innen, damit auch kein Staub oder Bazillis, sondern tue Jnnenluft nach außen. Man atmet wie auf einem hohen Berge frei und leicht Rund tausend Frauen und Mädels sind hier beschäftigt, alle in blütenweißen Kitteln und mit peinlich gepflegten Händen. Gleichwohl kommt die menschliche Hand mit keinem Medikament in Berührung. Das Füllen Zulöten oder Schließen von Ampullen und Tablettenröhren ge­schieht "durch feinersonnene Maschinen. Di« feinen Hände der Mädels sind nur zur Konttolle da. Di« Kontrolle geschieht auf bunt erleuchtetem Hintergrund, von dem sich die Medikamentflüssigkeit abheben kann. Und dann fällt noch eins dem Besucher aus: Hier scheint Man stets fröhlich und munter. Ost klingt ein gemeinsam gelungenes Lied aut Es ist nicht nur die Wirkung der prachtvollen Luft, die das Herz unbeschwert macht, die Lungen tiefer atmen läßt. Es ist, als wüßten diese Hände sehr genau, daß sie die schönste Aufgabe haben, die ihnen das Schicksal zuerkannt hat daß sie mit dazu beitragen dürfen, Schwerkranken Linderung der Schmerzen, Heilung und Genesung von ihrem Leid zu bringen. So etwas macht froh und das Herz leicht. So auch mit dieser psychischen Heilkraft geladen, die von lieben, deutschen Mädeln erzeugt ist, gehen die Medi­kamente unter dem Zeichen des Bayerkreuzes hinaus rund um den Erd­ball. Im großen Packraum les« ich auf den hochgestapelten Kisten Stadte- namen aus allen Zonen und Breiten der Windrose: Colombo, Madras, Calcutta, Rangoon, Baranquilla, Kobe, Neuyork, Habana, Hongkong, Callao-Lima und Buenos Aires:Si es Bayer, es buen!"