Ausgabe 
10.11.1939
 
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Verantwortlich: vr. Fr. W. Lange.

Druck und Verla g: Brühlsche Unioersitätsdruckeret, R. Lange, Gießen.

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ihm hing die Sonn« der Nordzone, und am Horszonk entlang wandelten langsam die Urgestalten der Alten im Meerdunst immer der Ewigkeit zu. Schon zweitausend Jahre wanderten sie und waren noch nicht an­gekommen. Wie lange war das stille, liebe Leid meiner Kindheit her, und noch nicht eingeschlafen!

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Deutsches Theaterleben in Prag.

Bon Otto Schabbel.

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Hyperions Schicksalslied.

Von Friedrich Hölderlin.

Ihr wandelt droben im Licht Auf weichem Boden, selige Genienl Glänzende Götterlüste Rühren euch leicht, Wie die Finger der Künstlerin Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen; Keusch bewahrt, In bescheidener Knospe, Blühet ewig Ihnen der Geist, Und die seligen Augen Blicken in stiller Ewigkeit Klarheit.

Doch uns ist gegeben. Auf keiner Stätte zu ruhn. Es schwinden, es fallen Die leidenden Menschen Blindlings von einer Stunde zur andern. Wie Wasser von Klippe Zu Klippe geworfen, Jahrelang ins Ungewisse hinab.

In diesen Tagen ist dem Prager Deutschtum eine feiner wichtigsten und wertvollsten Kulturstätten wiedergegeben worden: das von reichster künstlerischer Erinnerung umwoben« sogenannteStändetzeater" Es war ein feierlicher Augenblick, als jetzt dieses Theater, unter der aktiven Förderung des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren und dank dem lebendigen Einsatz von Reichsminister Dr. Goebbels, wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt und in den Besitz des deutschen Theaterpublikums zurückgegeben wurde. Diese Stunde beschwor die Erinnerung an die ungemein reiche und lebendige künstlerische Ver­gangenheit Prags herauf, in der das Theater immer an führender Stelle gestanden hat. Schon vom frühen Mittelalter an blühte und wirkte im deutschen Volk dieses gesegneten Landes die Freude am Theaterfpiel. Wie sonst nur in südlichen Landen gedieh hier das Theater schon früh zu hoher Blüte. Im Rahmen der deutschen Theatergeschichte ist das Kapitel Prag eines der interessantesten. Denn hier war auch auf dem Theater deutscher Geist spürbar und wirksam. Die Parallele zu Ham­burg und seinen Bemühungen zur Schaffung eines deutschen National­theaters liegt nahe. Nur daß hier der Wille in diesem politisch schwie­rigen Raum noch um einige Grade kämpferischer und um die Not­wendigkeiten des Volkstums bewußter war. Angesichts der erwachenden Nation drängte es einen dieser Prager, der wie alle seine Landsleute kunstbesessen, aber darüber hinaus auch kultur-bewußt war, im Gedanken on,andere theatralische Neugründungen zu dem Ausruf:Sollten wir Böhmen allein eine Ausnahme machen und weniger deutsches Blut in unseren Adern fühlen?" Es war ein hervorragender Vertreter des Adels, der dem architektonischen und geisttgen Gesicht der Stadt die ent- icherdenden Züge ausprägte, Franz Anton Graf von No st dem emNationalspektakel in unserer Muttersprache" als edelstes Ziel vor- schwebte. Ein Mäzen großen Stils und in des Wortes schönstem Sinne baute er auf dem Obstmarkt jenes hohe, galerieumgebene Theaterhaus' dessen schmaler, hoher Zuschauerraum mit seinen fünf in lauter Logen aufgestellten Rangen einer ovalen Schachtel vergleichbar ist. Medaillons Amoretten und goldene Ornamente geben den Ballustraden zierlichen und festlichen Schmuck. Daß dieses 'Gräflich Noftitzsche Nationaltheater" das spatere Standecheater sich feiner hohen, seiner höchsten Ver­pflichtung bewußt war künden von der Stirnseite des Theaters goldene Lettern.1 atnae et Musis", mit dieser Widmung übergab der Prager Theater,graf sein Haus dem deutschen Gemeinbesitz. Mtt derEmilia Galotti wurde 1783 das Haus eröffnet, das esan würdiger Stätte und in würdigem Rahmen die Werke deutscher Meister in deutscher Sprache pflege . Die doppelte Betonung des Deutschen ist unüberhörbar.

°^ !°cherart deutscher Kulturboden hat sich dieses Haus im Leben des deutschen Volkstums würdig zu erhalten gewußt, wenn auch nicht ^"uer die manchmal mdifferent« »der zum Teil verständnislose Haltung des deutschen Teils der Bevölkerung im rechten Verhältnis zu den Be- L jungen des tschechischen Dolksteils zur Entnationalisierung des deut­schen Volkslebens stand, Bestrebungen, die in den letzten Jahrzehnten immer radikaler, immer unverhüllter zutage traten Je unbeltteitbarer der urdeut che Charakter des Kulturlebens dieser Stadt war, um so zäher und verbissener wurde auf der anderen Seite für die TschechesieÄng b wissen, im letzten Enfe erfolglos.

Was dem edlen Theatergrafen emst vorschwebte, hat diese Schau­buhne im Laufe eines guten Jahrhunderts gehalten. Auch gegen den

Zeitgeschmack, so gut es ging. Einanständiger Wohnsitz für die Musen", hat dieses Ständetheater die besten Geister der dramatischen Kiust angezogen und beherbergt. Denn diesescaput Regni boemici" ttf. wickelte sich zur Theaterstadt par excellence. Hier war echte Kurl, atmosphäre, das Theater leidenschaftliches Bedürfnis eines Publikums, das in und mit dem Theater lebte. Unseren Mozart führte die Res« nach Prag zu einer fruchtbaren und gesegneten Lebensstation. Für dich« Haus, für dieses Publikum schrieb er ja seinenDon Giovanni" wohl selten hat sich eine Wechselbeziehung zwischen Autor und Publikum fruchtbarer und gesegneter erwiesen! Später nahm hier Carl Mar a von Weber den Taktstock in die Hand und wirkte als Operndireksr für ein neues Ideal einer deutschen Oper. Ein paar Jahrzehnte spür sehen wir keinen Geringeren als Richard Wagner, der in leb­haftem Briefwechsel um die Aufführung seiner Werke in Prag ftarb. Als er selbst kam, konnte er sich überzeugen von der Aufgeschlossenh-it und Begeisterungsfähigkeit des wirklich kunstgebildeten deutschen PM- kums der Stadt. Vergessen wir nicht, daß Prag nahezu führend war n der frühen Pflege des Wagnerschen Werkes und sogar sein Ensemble als Bahnbrecher für den Nibelungenring auf weite Kunstreisen schickte.

In den achtziger Jahren, als die altmodische Bühne des Stand» theaters für die technischen Anforderungen der großen Oper und d>s neuen deutschen Musikdramas nicht mehr ausreichte, schuf sich das rootl» habende deutsche Bürgertum, das damit dem Vorbild des Adels roürteg nacheiferte, gegen tschechische Widerstände eine zweite, vorwiegend br Oper gewidmete Bühne, das Neue Deutsche La nd e s t h e a t« i; in dem eine Tafel voll Stolz verkündet: ,D>iese Stätte der Kunst Ijwt das deutsche Volk aus eigener Kraft gegründet." So hatte Prag zmi deutsche Bühnen, in denen das deutsche Volk sich zu Hause fühlen irri die Werke deutschen Geistes erleben konnte. Hier war ein wesentlich,« Born der Erhaltung und sprachlichen und geistigen Entwicklung do deutschen Volkstums. Freilich konnte der Lauf der Dinge unter brt kapitalistischen Einfluß des Judentums, das für feine politischen Zweck! willig opferte, nicht hindern, daß der zersetzende Geist jüdischer ßiteratar auch hier sich einnistete und auf der Bühne das Emigrantentum iippz sich ausbreitete. Da obendrein die tschechischen Machthaber im Jahre 1@ die alteingestammten deutschen Besitzer aus ihrem ehrwürdigen Kultur besitz im Ständetheater mit nackter Gewalt kurzerhand verjagt hatin, war das deutsche Theaterleben in schwerster Gefahr. Jin StändetheotÄ spielten die Tschechen in tschechischer Sprach«, im Neuen Deutschen L°r- destheater mauschelte eine aus Berlin und Wien hier zusammen-,? strömte jüdische Cligue.

Aus der Vergangenheit gleitet unser Blick wieder in die lebendiM Gegenwart zurück. In dieser festlichen Stunde haben die Prager Dein scheu wieder Besitz ergriffen von chrer ureigensten Kulturstätte: hat fe mals Graf Nostitz im Zeichen Lessings sein Haus eröffnet, so w schieht es diesmal unter dem erlauchten Namen Kleists hüt beim Prinzen von Homburg". Hierin schon drückt sich Verpflichtung um» symbolische Haltung eines zukünftigen Programms aus, mit dem d>: neue Aera im deutschen Theaterleben Prags eingeleitet wird. Man fängt auf der Bühne, nachdem die politischen Voraussetzungen dafür geschafstu waren, buchstäblich aus dem Nichts an. Kein Nagel, kein Gewalt', kein Sessel, kein Versatzstück, nicht einmal eine Glühbirne ist vm Händen, geschweige denn ein darstellerischer Stamm. Alles mutz ü'« knappen zwei Monaten in rasendem Tempo und obendrein in Kriege zetten mit ihren Material- und Transportschwierigkeiten beschafft uri) aufgebaut werden. Es gehört schon ein Mann von erprobter Organist tionskraft und zuverlässigen Nerven, wie der aus München gekommen« Generalintendant Oskar Walleck sie hat, dazu, um eine solche W gäbe zu meistern.

Seine Aufgabe ist es, das gesamte deutsche Theaterleben im.PM tektoratsgebiet zu betreuen, in dem das deutsche Volkstum in oerbürgti!- Ruhe seinen Hunger nach deutscher Dichtung stillen kann. Und dient Hunger ist groß. Das deutsche Publikum in Prag hat die aufgelegt«'- Abonnements für das soeben eröffnete Deutsche Schauspielhaus bereit!- völlig belegt, der Herr Intendant braucht also keine Kassensorgen F haben, ja, er hat nicht einmal Raum für KdF.- und andere Sonderven ansialtungen. Mit beruhigter Sicherheit und Zuversicht, um die ihn m« leicht der eine oder der andere seiner Kollegen im Ältreich beneidet, siet­er nicht bloß die siebenhundert Plätze seines Theaters für die Wnüu dauer bereits nahezu ausverkauft; ja, er eröffnet in der nächsten W* noch eine zweite Bühne, ein intimes Saaltheaterchen für leichn Kammerspielliteratur. Und was er in diesem Deutschen Schauspielhaus im Ständetheater machen will, bezeugt fein Anfangsspielplan, der ein«M Hamsun (An des Reiches Pforten"), einen Grillparzer (Ein treu® Diener seines Herrn"), dieMinna von Barnhelm" und obendrein noA eine Uraufführung Gerhard MenzelsApaffionata" vereinigt. 3«* zwischen wird auch noch di« Opernbühne im Neuen Deutschen Lande«' theater einer gründlichen Modernisierung unterzogen, und GeneroU intendant Walleck ist Optimist genug, zu hoffen, daß schon im fyerW nächsten Jahres hier auch die deutsche Oper wieder ihren Einzug halt® kann. Lockende Aufgaben genug für einen Intendanten, dessen Freu!« das Aufbauen ist! In der Ferne bietet schließlich auch noch der schluß an das sudetendeutsche Schrifttum Möglichkeiten, der zeitgenoM schen Dramatik des Nachbargaues sich zur Verfügung zu stellen un- eine Quelle neuer Anregungen zu erschließen.

Während die tschechischen Volksteile gerade in Prag eine Reihe vo Bühnen verschiedenen Genres bespielen,"hat nun auch deutsches Draw und deutsche Schauspielkunst nach langen Zeiten des Kampfes um> »« Entsagung eine Pflegestätte im deutschen Prag gefunden. Damit ist auf diesem Gebiet ein wichtiger Ausgleich der kulturellen Sphären 9 beiden Dolksteile geschaffen. Das Moment des Kampfes der stuher. Zett ist fortgefallen, eine ruhige, durch nichts gestörte Arbeit veryeiF «ine neue Zukunft voll künstlerischer Fruchtbarkeit.