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wieder hinunter. I
Roosje horchte und hörte, wie sie sagte:
„Glauben Sie, ich kann Sie hier bedienen und Ihnen gleichzeitig einen Eierkuchen machen?"
Mr werden woanders einen bekommen , war die Antwort. Lies wiederholte sich dreimal mit drei verschiedenen Personen. Dreimal drang zu Roosjes Ohren das furchtbare Wort: woanders.
In ihrer Seele entspann sich ein seltsamer Streit; die liebende Mutter wollte bei dem Körper ihrer Tochter bleiben; der Geizhals mit den Krallensingern wollte hinuntergehen und Geld verdienen. Roosje drehie sich I auf ihrem Stuhl hin und her. Bei jedem ungeduldigen Wort, bei jeder Unae chicklichkeit Siskas stand sie auf und setzte sich wieder, ging zur Tur, um zu horchen, ging wieder ans Bett und küßte die Stirn oder die I bleichen Wangen ihrer Tochter, horchte von neuem, setzte sich abermals, um, über Grietjes Gesicht gebeugt, zu weinen und zu schluchzen.
Inzwischen gingen die von Siska schlecht oder gar nicht bedienten Stammgäste einer nach dem andern fort mit den Worten: „Gehen wir ^Mittels eines Stückes Blei, das, an einem Strick befestigt, als Gegengewicht diente, schloß sich die Tür hinter den Ein- und Ausgehenden. Jedesmal, wenn ein Gast sie öffnete, um hinauszugehen, schlug das Bier mit Gewalt an den Türrahmen und die Füllung, und jedesmal durch- fchauerte es Roosje, als hätte sie einen Faustschlag auss Herz be- ^"schlleßlich hielt sie es nicht mehr aus, stand endgültig aus, bedeckte das Gesicht ihrer Tochter mit dem Leintuch und ging hinunter, die Augen voller Tränen und mit schluchzender Kehle, fest entschlossen, all das schone Geld, das ihr zu entgehen drohte, festzuhalten. Die Dauern begrüßten Roosjes Erscheinen mit Hurra und Beifallklatschen. Biele, im Begriff sortzugehen und schon die Tür zu öffnen, kehrten um.
„Briendjes, was wollt ihr haben?" fragte Roosje.
Ein Käsebrot! Schinken! Eierkuchen! ,Ballekesst Rostbraten! Bier! Absinth! Einen Bittern! Punsch!" schrie alles durcheinander.
Roosje versuchte, um Zeit zu gewinnen, zu scherzen: „Trinkt erst, ehe ihr eßt, das macht Appetit! Wer kriegt Absinth? Wer Punsch? Wer einen Bittern? Wer Gerstenbier?" „ rjt . m
„Hier! Ich! Bring mir Punsch! Genever! Bier!' schrien die Bauern.
"Hilf mir, Siska , sagte Roosje, „und ein bißchen rasch!"
Wenn sich Siska in Abwesenheit Roosjes kopflos benahm, so fand sie sich im Augenblick, da Roosje eintrat, sofort wieder. Sie bediente die Bauern schnell und fachgemäß. Im Verlauf einer Stunde hatten alle getrunken, gegessen und bezahlt.
So beschäftigt auch Roosje damit war, Geld zu wechfeln und in Empfang zu nehmen, so verschwand sie doch oft, um hinaufzugehen und ©rietje zu küssen; dann kam sie mit unterdrücktem Schluchzen wieder herunter und bediente still die Gäste. So kam der Abend.
5.
Das Gastzimmer leerte sich allmählich. Roosje kehrte zu ihrer Tochter 3Urein junger Mann betrat das Gasthaus und sagte zu Siska, die am Schanktisch geblieben war: „Ich möchte hier über Nacht bleiben. Geben Sie mir ein Zimmer." ,
„Wir haben keines mehr frei", erwiderte das dicke Mädchen traurig.
Im selben Augenblick stürzte Roosje, die unaufhörlich auf das, was unten vorging, horchte, Hals über Kopf die Treppe hinunter und rief: „Du bist ein Dummkopf und weißt nicht, was du tust."
„Aber Vaesin, wir haben doch nur noch das Zimmer, wo ...
„Schweig!" , ..
Der eben Angekommene betrachtete nacheinander die beiden Frauen. Sein aufmerksames, gutes und bestimmtes Wesen nahm gleich anfangs für ihn ein. Er war ziemlich mager und über mittelgroß. Seine kräftige Brust die beiden Schultern, die schlanke Figur und hohe Stirn, die Nase mit roeitgeöffneten Nüstern, der seine, ziemlich große, von einem kleinen braunen Schnurrbärtchen überschattete Mund, das fest«, wvhlgeschnittene
So war Roosfk: gtfl und edel In ihrer Liebe, felbWchffg und in ihrem schmutzigen Geiz. Und so, sehr liebte sie ihre Tochter dah s e sie schluchzend und gebrochen mit ihren Tranen netzte und ihre Zahne m Stirn, Wangen und Hals Grietjes eingrub.
4.
Sie stand beunruhigt auf und jagte zu Siska: „Du hast doch nicht etwa das Haus geschlossen?"
"Wie^Weil be/liebe Gott mich mit meinem Kinde schlägt, mußt du mich hindern, meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Geh sofort hinunter, öffne und sage, ich käme gleich." .
„Sehr wohl, Vaesin", entgegnete Siska und ging hinunter, um den
^Roosje tauschte aufmerksam allen Bewegungen der Dienstmagd. Sie hörte, wie die Läden beim Oeffnen gegen die Mauer schlugen; mie em Bauer eintrat und ein Glas Genever bestellte, em anderer „eine Pinte Bier" dann ein dritter, vierter und dann nacheinander Leute aller Art, die, je nachdem ob sie Hunger ober Durst hatten, Speckeierkuchen, Rost- slei'sch, Bier oder Schnaps bestellten. . ,
Aus dem ungeduldigen Ton in Siskas Stimme horte Roos,e heraus, daß sie den Kopf verlor und daher wohl anfing, gegen das Wohl der Gastwirtschaft zu handeln: sie würde zu viel Speck in den Eierkuchen tun, die Biergläser zu voll füllen, die Schnapsgläser zu gewissenhaft reinigen und die Pumpe, die aus einem großen im Keller liegenden Faße das Bier saugte, nicht richtig bedienen. . ± .. «. ..
Die Bauern kamen in Meng« in den Gasthof, um dort die Rachi zu verbringen. Roosje hörte, wie Siska einen nach dem andern in fern «immer brachte, in alle Stockwerke, bis unter das Dach. Sie freute sich. Als Siska an ihrer Tür vorbeieilte, hielt sie sie an, um zu fragen, ob alle Zimmer befetzt seien. v . .. „
„Alle bis auf das, in dem Sie sind", erwiderte Siska und ging schnell
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Mit ruhiger, vielleicht etwas herrischer Bewegung winkte er Roosje, die sich ihm gegenüberstellte, und verlangte ein Glas Mer. Als er seine Geldtasche öffnete, um zu bezahlen, fielen die gierigen Augen Roosies auf Silber, Gold und Banknoten.
„Stimmt es", sagte er, „daß Sie kein Zimmer mehr frei haben?"
Mein Herr", antwortete Roosje, die sich em wenig vor Siska schämte „wir haben eins mit zwei Betten, aber in einem der beiden Betten schlaft * „Dann werde ich woanders wohnen müssen", sagte der junge Mann
und stand auf.
Woanders? Nein, mein Herr", rief Roos,«. Sie zwang ihn, sich wieder zu setzen und wies auf die Zimmerdecke, „die da oben liegt, wird Sie nicht am Schlafen hindern."
Und Roosje weinte still vor sich hin.
Der junge Mann ergriff die Hand der alten Frau, eine fiebrige Hand, die sich ruckweise aus der seinen zog. Er betrachtete Roosje mit lenem freurtNidjen und achtungsvollen Mitleid, welches das Leiden von Greisen einflößt er sah ihre von Tränen geröteten Augen und die stumme Verzweiflung, die sich in tiefen Furchen in dieses verzerrte Gesicht eingegraben hatte, und sah die zitternd zusammengeprehten Lippen Er dachte an ihre Worte ■ , Die da oben liegt, wird Sie nicht am Schlafen fyinbern und begriff, daß die Frau gerade einen unersetzlichen Verlust erlitten haben mußte, wahrscheinlich den einer Tochter, und daß lästerliche Reden, Wahn sinn oder stumpfe Ergebung die natürliche Folge sein mußten.
Der Gast war jung, und die Jugend verbringt ihr Leben damit, ein Netz mit den goldenen Maschen der Hoffnung zu stricken.
Er war nicht davon überzeugt, wollte nicht davon überzeugt sein, daß die dort oben lag, ihn nicht am Schlafen hindern sollte,Er sagte zu Roosje: „Zeigen Sie das Zimmer, von dem Sie sprechen.
Roosje zündete eine kleine Lampe an.
'äTnq voran über die ersten Stufen. einer Wendeltreppe. Er folqte ihr. Die Lampe verbreitete gerade soviel Licht, um von einem rötlich schimmernden und verqualmten Hintergründe das Schattembild der mageren alten Frau sich abheben zu lassen. Wahrend sie manchmal van Schluchzen erstickt stehenblieb und schweren Schrittes hmausttieg, gelangten sie aus einen Flur. Ein Lichtstrahl drang zwischen Rohmen und Füllung einer niedrigen alten Eichentur hervor. Roosje osfnete.
Der Gast sah sich beim Eintreten in einem großen, hohen Zimmer aus dem vierzehnten Jahrhundert mit einer in Felder geteilten Decke. Die hohen Fensternischen in einer vier Fuß starken Mauer und beiden an jeder Seite der Nische angebrachten untermauerten Sitze tobirgt erinnerten an die schlichten Sitten jener einfachen, poesieumwobenen, if0lntn( so fernen Zeit. Allerdings fehlten die Bänke, die damals um das Zimmer herumliefen, und die Truhen, -bie zugleich als Sitze und Reist- koffer dienten, und in denen alle Besitztümer der Familie untergebrachl , mären. Das schlichte Bildwerk der hohen Umfasiung des großem Kamins war unter unzähligen Lagen von Kalkbewurf fast verschwunden, der von frevelnden, ihres Tuns unbewußten Händen sett vier Jayr- hunderten in kurzen Zeiträumen immer wieder ergänzt wurde.
Draußen schien der Mond, und sein Licht drang durch die Fenster. Die fehlenden Vorhänge wurden durch den Stamm und die entblätterten Zweige der Linden ersetzt, die sich schwarz vorn blauen, ftemenuber- säten Himmel abhoben. Der helle Mond zeichnete trotzdem auf den abgenutzten Boden des Zimmers lichte Flecke. Zwei Betten ohne Vor hänge standen hier, eines nahe dem Fenster, das andere an der Tur.
Am Kopfende des zweiten Bettes stand auf einem Tisch ein mti einem kleinen Tuch bedeckter Kasten, der ein großes Mahago^ kreuz mit dem Gekreuzigten und einen aus Buchsbaumholz ge chmtz«^ Totenkopf trug. Zwei große, gelbe Kerzen in hohen beschienen -das Bett, auf dem eine vollständig angekleidete Frau um« | den schweren Falten eines Leichentuches aus grober Leinwand letzten Schlaf zu liegen schien.
Auf dem Teil des Tuches, der -die Brust bedeckte, zeigte ein n«rtroa“ neter Buchsbaumzweig seine hornigen Blätter. Schräg fiel das Licht o « Kerzen aufs Bett, lange Schatten mit stark ausgeprägten UrmW» werfend. Der Gast erbat durch eine Handbewegung von Roosje o Erlaubnis, das Grietje bedeckende Tuch zu lüften. „
„Ja, ja", sagte Roosje, „nehmen Sie das Tuch weg, dann wird ™ 'Z'ho^ langsam "das Leichentuch hoch, mit dem Zartgefühl das man Toten gegenüber bewahrt, als fürchtete man, ihnen wehe zu tun.
Allmählich kam eine kleine, weiße Haube zum Vorichemdie^n niedrige, aber kluge Stirn umrahmte; starke schwarze Augenbraue wurden sichtbar, Lider mit langen Wimpern, eine Nase mit grob durchsichtigen Flügeln, in geringem Abstande der Mund.
Die Lippen waren zwar ein wemg groß und dick, aber fein geze.. net und bildeten, wie die Alten es nannten, den „Bogen Amors , ganze Gesicht drückte einen zugleich milden, entschlossenen, geduld g einfachen und kindlichen Charakter aus. , ,, mM«.
Unter der Musselinjacke zeigten sich kleine, runde und feste Vr i Die Füße trugen sehr feine weiße Strümpfe und GoMaferschuhe.
„Sehen Sie, Herr", sagte Roosje, „sehen Sie meinen wunderschön« Liebling an, morgen wird er unter der Erde sein. Sehen Sie.
Aber der Schmerz erstickte ihre Worte, und sie verbarg> ihren Rh in der Schürze; durch den Stoff drang ein Klagen, das einem V ähnelte, und das sie nicht unterdrücken konnte. Dann wieder f>i en Arme lang am Körper herunter und die Schurze nut ihnen, sc> o v Roosjes von Fieber glühendes Gesicht sah und die großen s Augen, aus denen still die Tränen liefert.
1 (Fortsetzung folgt.)


