Ausgabe 
10.2.1939
 
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Glase Bier, an dem er sich den ganzen Nachmittag gütlich tut. Betrunken« habe ich in dem Jahre meines Aufenthaltes in Spanien nlcht gesehen. (Doch: Einen! Und das roar ein Deutscher!)

Hinter den letzten Häusern der Städte verlausen plötzlich falt alle Wege und Fußpfade im Sande, nur einige staubige Landstraßen führen in das Innere der Provinz. Es würde auch nie einem Spanier einsallen, einen Ausflug auf gebirgigen, unbequemen Pfaden zu machen, um etwa, wie in Deutschland, die Naturschönheiten zu genießen.

Die Bauersleute leben schon eine Stunde von der Stadt entfernt ganz weltoerlassen. In ihren zerstreut liegenden grauen, einfachen Häusern ver­bringen sie die heißen Tagesstunden, und nur vormittags und abends sieht man sie bei ihrer Feldarbeit. In den Weinbergen sind sie nicht viel S sehen, eigentlich nur zur Zeit der Lese. Wie oft dachte ich da an die were Arbeit unsrer Winzer. In Spanien spendet die Natur alles dop­pelt und dreifach. Der Weinbauer schneidet seine Reben stark zunick, und im andern Jahre hängen sie überladen voll. Die schönsten und köstlichsten Trauben reifen hier unter der heißen Sonne.

' Der gewöhnliche Landwein, den die Spanier beim Ejfen mit Watzer verdünnt trinken, ist sehr billig. Bei ganz besonders gute). Ernten ist es schon vorgekommen, daß die Weinbauern ihre schon im vorigen Jahre gefüllten Fäßer entleeren, d. h. den Wein weglaufen lassen und den neuen, besseren Wein einfüllen. .

Auch Obst wächst in Katalonien in Hülle und Falle. Fast niemals gibt es eine Fehlernte. Fröste treten nicht auf, und im Schutze des milden See- klimas gedeiht alles vortrefflich. , ,

Sehr malerisch sind die Trachten der Bauern in Katalonien. Es war für mich immer eine Freude, diese derben, untersten Bauerngestalten mit ihren kurzen Hosen In der Stabt zu beobachten, wie sie ihre Früchte verkaufen ober auch ihre Ziegen durch die Straßen trieben. In Barce­lona wurden die Ziegen aus den Straßen gemolken. Die Hausfrauen erschienen mit einem Töpfchen und ließen sich die Milch auf der Straße ganz frisch überreichen. Ebenso sah ich Eselinnen, die aus der Straße gemolken wurden. Es waren ganz reizende Bildchen in einer belebten Großstadt.

Die Umgebung von Barcelona hat viele Reize. Da ist vor allem der Berg Tibidabo, der mit seiner 532 Meter betragenden Höhe das Stadtbild abschließt und zu gleicher Zeit beherrscht. Eine Zahnradbahn führt auf feinen Gipfel. Als ich am ersten Sonntag als echter deutscher Wanderer meinen Hauswirt nach dem Wege zum Tibidabo fragte, schaute er mich erstaunt an und sagteEinen Weg? Da fährt doch die ZahnrW- bahn hinauf!" Das war bezeichnend für den spanischen Großstädter. Es würde ihm nie einfallen,'-den Tibidabo zu Fuß zu besteigen. Daß ich es doch tat und am Abend darüber berichtete, verwunderte ihn sehr.

Eine Sage erzählt, daß der Teufel Jesus auf diesen Berg geführt und ihm von da di« schöne Welt gezeigt habe. Das Wort:Haec omnia tibi dabo (Dies alles will ich dir geben) soll dem Berg den Namen gegeben hoben. , .

In Wirklichkeit ist auch der Ausblick vom Tibidabo einzigartig, on der Ferne leuchtet das tiefblaue Mittelländische Meer bis hinüber zu den Umrissen von Mallorca, im Norden glänzen die schneebedeckten Berge der Pyrenäen, und im Westen erblicken wir die wild zerklüfteten Zacken des sagenumwobenen Montserrat (gefügter Berg). Zu unsern Füßen aber breitet sich die große, schöne Stadt Barcelona aus. Wir erkenn?n deutlich die Altstadt mit ihren engen Gassen, daran anschließend aber die langen, breiten Straßen des neuen Barcelona. Nach allen Seiten dehnen sich die Vororte mit den herrlichen Villen aus.

Barcelona ist die größte und bedeutendste Stadt Spaniens, besonders für den Handel und die Industrie. Es ist das spanische Hamburg und zählt mit seinen Vororten weit über eine Million Einwohner, übertrifft also die Hauptstadt Madrid um ein Beträchtliches. Die Lage ist einzig schön. Ringsum von Bergen eingefdjlojfen, im Südosten bespült vom Mittettändifchen Meer. Das Klima ist sehr angenehm: Im Sommer nicht übermäßig heiß und im Winter nur an einigen Tagen kühl. Defen kennt man in Barcelona nicht. Die Häuser sind hell gestrichen und ganz aus Stein, die Dächer find stach. Deshalb macht Barcelona auch nicht den europäischen Eindruck wie z. B. Madrid.

Das Straßenleben in Barcelona ist äußerst interessant und in feinem Drängen und Treiben echt großstädtisch. Die Hauptstraße ist die R a m - bla, die vom Hafen bis zum Mittelpunkt der Stadt führt und die Alt­stadt in zwei Hälften teilt. Zu beiden Seiten der Ramdla (einem früheren Flußbett) liegen die größten Geschäftshäuser, die schönsten Laden, die Theater, tie Kasernen und andere wichtige Gebäude. Den ganzen Tag über kann man hier ein munteres Treiben beobachten. Besonders vor­mittags herricht auf der Rambl a de las Flores (Blumen) emsige Geschäftstätigkeit. Mitten im Dezember kauft man hier die schönsten Rosen und Veilchen auf der Straße. Zu Weihnachten konnte ich meinen Eltern eine große Freude bereiten, indem ich ihnen aus dem Süden Veilchen, Nelken und Zitronenblüten unter den Weihnachtstisch legte.

Sehr laut und lebhaft sind die Zeitungsverkäufer, denn jebermann kaust sich die neuesten Nachrichten auf der Straß«. Ist einmal eine Bombe gefallen oder ein großes Stiergefecht gewesen, so hört man an allen Ecken und Enden den Namen dex Zeitung mit den neuesten Schlagzeilen.

Verkäufer aller möglichen Gegenstände drängen sich an die Frchganger und bieten ihre Waren fest, Schuhputzer stehen links und rechts und winken uns, wenn die Stiefel staubig sind; denn in spanischen Hotels wer­den keinem Reisenden die Schuhe gereinigt. Das wird alles auf der ^g^benengen Straßen, die links und rechts abzweigen, befinden sich schöne und reich ausgestattete Läden. Auch die große Kathedrale, die Hauptsehenswürdigkeit von Barcelona, liegt in einer kleinen Neben-

Der erste Eindruck, den man von ihr gewinnt, ist gewaltig. Ganz dunkel innen, nur buntes Licht fällt durch die Fenster. In den Banken

Wie Gott cd sögt..

Von Paul Fleming.

Laß dich nur nichts nicht dauern Mit Trauern, Sei stille;

Wie Gott es fügt. So sei vergnügt Mein Wille.

Was willst du heute sorgen

Aus morgen?

Der eine

Steht allem für, Der gibt auch dir Das Deine.

Sei nur in allem Handel

Ohn Wandel, v

Steh feste!

Was Gott beschleußt, Das ist und heißt Das Beste.

Kleine Reisebuoer aus Spanien.

Don PH. Hofmann.

Als ich seinerzeit nach Spanien reifte und bei Port Bou, der ftanzö- Bn Zollstation, die Grenze überschritten hatte und in dem schönen

en des Luxuszuges sah, dachte ich: Nun komme ich In ein grünes, llendes Land. Aber wie wurde ich enttäuscht! Es war im Herbst, und öde, wie ausgebrannt, lag die Landschaft vor mir. Der heißen S nne des Südens waren viele Pflanzen zum Opfer gefallen. Das Land gtr ausgetrocknet, die Bäume ließen ihre Blätter hängen, und die 3Snmen welkten.

Das Idyllische einer deutschen Landschaft fehlt in Spanien ganz. Nur eitige Pinien wachsen auf den Bergen. Sie bilden keinen Wald und geben nur kärglichen Schatten. Wohl wirken die kahlen, felsigen Berge (denn sei ganz Spanien ist gebirgig) in ihrer grauen Einförmigkeit großartig uro feierlich, wohl gefallen uns die in dem gleichen grauen Steine gebau­te Dörfer und Städtchen, die am Bergesrand, Schwalbennestern ähnlich, crgetlebt find. Aber bas Einladende einer deutschen Landschaft sucht man ergebens. *

Es war ein düsterer Eindruck, den ich von Spanien erhielt. Er wurde mch verstärkt, als ich im Frühjahr des folgenden Jahres Aragonien de- fuhte. Traurig wälzte der Ebro feine gelben Fluten dahin, und nur an jenen Ufern sah man hier und da ein grünes Fleckchen. Dahinter aber &»nte sich weit ein einförmiges Felsemneer aus, wo kein Baum, kein tzirauch zu sehen war. Hier war jede Vegetation erstorben, und schlimmer kmn ich mir die Wüste nicht vorstellen.

Südlich von Barcelona aber sah ich reizende Plätzchen und ausgedehnte Iiine Felder. Alles blühte und duftete. Da standen Orangenbäume mit iiticm dunklen Laub, und golbne Früchte lachten mich an. Daneben trieben

Feigenbäume ihr erstes frisches Grün, und höher hinaus erglänzten tii Silberblätter der Oliven, weiße und rote Manbelblüten wurden von kn Bienen umschwärmt, und Singvögel belebten die sonst so stillen ^Jm Süden Spaniens freilich ändert sich das Bild noch in weit stärke­ren Maße. Da ist bas ßanb,wo bie Rosen schöner blühen unb bas Manblicht golbner blinkt ... wo im duft'gen Monbenglanz freier atmet jeie Brust, wo sich bei ber Zither Tönen jeder Fuß beflügelt schwingt, unb ter Knabe mit der Schönen glühend den Fandango schlingt!" Hier ist Spanien schön! Hier lacht und leuchtet die Natur!

Wie das Land, so seine Bewohner.

Bei uns heißt es: Stolz wie ein Spanier! Und so ist es auch! Stolz ftö sie alle, im Süden und im Norden! Stolz auf ihre ruhmvolle Ver- «mgenheit, ihr ßanb, ihre Stiergefechte, ihren Handel, mit einem Wort: Ms alles, was spanisch ist! Im Norden und Innern des Landes begeg­nen wir ernsten unb nüchternen Menschen, im Süden dagegen sind alle Uhaft unb munter, ja ausgelassen lustig und sangesfroh! Der Katalane stricht selten den Fremden an, er sucht auch keine Unterhaltung. Der Mahlte aber ist stets bereit, zu scherzen und zu singen

Im Verkehr unter sich sind bie Spanier von einer Liebenswürdigkeit imd Höflichkeit, baß man immer wieder staunt. Jeder achtet und schätzt te« andern, sei es ein einfacher Arbeiter ober ein Marquis! Selbst ber Bettler (es gibt viele) gilt alsCaballero". Nirgends fand ich stolze Hetbstüberfchätzung dem andern gegenüber. Besonders bemerkenswert ist iie außerordentliche Höflichkeit, mit der bie Spanier ihre Frauen Hanbeln. *

Wenn auch bie Zeiten noch so teuer sinb, hat ber ©panier Geld, um üotterie zu spielen. An dem Ziehungstage herrscht eine Aufregung auf ulten Straßen unb in allen Häusern, bie man kaum betreiben tann. 6r>on am Morgen stehen Tausende vor b<m Lotteriegebäude unb harren ber Glück verheißenden Zahlen Sogar Bettler spielen mit. »"-einigen sichren gewann in Barcelona eine Bettlerin 250 000 Peseten. Leider war las etwas zu viel für sie. Vor Freude wurde sie wahnsinnig und tarn in: Irrenhaus!

Denn im Glück und im Leid kennen die Spanier keine Grenzen. Ihre Jlefur ist so lebhaft und erregt, bafj Ihnen gar leicht, wie man bei uns f»pt, das Pferd durchgeht. Auch bei Zank unb Streit Der Dolch ist schnell «.ogen. Zehn Prozent aller Sterbefälle sinb bie Folgen solcher "Kampfe . Aker wir dürfen babei nicht an Alkohol denken. Denn mäßiger sah ich leinen Menschen als den Katalanen. Wohl trinkt er seinen Wem. Im Gcsthaus aber nie. Da sieht man ihn nur beim Kaffee ober bet einem