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Nummer 12
Jahrgang 1959
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scharfgezeichneten Gesichter der Ofsizlere aus dem Dunkel hob. Nur selten duckte ein leiser Wind den Rauch.
Auf einer Feldtruhe sitzend, erzählte der kleine Leskow eben — zum hundertsten Male, wie Rittmeister Hagen boshaft bemerkte —, wie er unter die Indianer hatte gehen wollen und schon auf der Hamburger Bark „Agathe" gesessen. Da schnellte er hoch. Ein Schatten war hinter Rauch und Feuer zu sehen. Aus dem Dunkeln kam ein Flüstern: „Der König!"
Die Offiziere sprangen auf. Rabenau trat bescheiden zurück, schwenkte den Dreispitz querab, stand stramm. Wo die Offiziere hielten, war es dunkel. Der volle Schein des Feuers lag auf dem Antlitz des Königs. Er dankte freundlich. „Bonsoir, Messieurs! Ich sehe, man vertreibt sich die Langweile. Eine Belagerung ist wohl nicht nach dem Geschmack der Herren Husaren? Aber ich hoffe, ich werde sie bald wieder loslassen können .. Ein Windstoß drückte den Rauch zu Boden. Das Feuer drehte sich. Sein rötliches Licht fiel jetzt auf den weißen Rock des kaiserlichen Offiziers. „Oh, die Herren Husaren haben einen Gast..Der König ging um das Feuer herum, blieb vor dem Gefangenen stehen. Rabenau stand, als hielte die Theresia vor ihm. Große Augen blickten ihn prüfend an. Er sah den blauen Rock und das Antlitz des Königs.
Friedrich gefiel der Offizier. Er fragte: „Er heißt?"
„Ernst Christoph von Rabenau, Leutnant im kaiserlichen Regiment de Signe, Jhro Majestät!"
„Magnifiques Regiment! Hat mich eine Bataille gekostet." Sein Blick fiel auf das kleine weiße Kreuz auf der Brust des Gefangenen. Er hob den Stock und deutete mit der Krücke auf das Kreuzlein: „Das ist wohl dafür — für Solin?"
„Rein, Sire, für Berlin ..
Friedrich war erstaunt. Er hob die Brauen. „Er war dabei, als mir Herr von-Hadik seine berühmte Visite machte?"
„Zu dienen, Jhro Majestät!" .
Der König setzte sich auf die Feldtruhe, auf der vorhin der kleine Leskow gefessen, schob mit der Spitze des Krückstocks einen glimmenden Ast in das Feuer und sah dann wieder auf: „Ja, ihr Oefterreicher seid höfliche Leute. Und ich möchte die Visite ja auch gerne erwidern ..." Sein Blick glitt lächelnd über die Reihe seiner Offiziere. Von der Festung her war Geschützdonner zu hören. „Wie die Messieurs wissen, habe ich mich bei der Kaiserin auch schon angesagt. Aber Herr von Marschall scheint mich nicht vorlassen zu wollen. Doch ich hoffe, er wird müssen..." Wieder sah er seine Husaren an: „Wer hat denn den Monsieur gefangen?"
Leutnant von Leskow meldete sich.
Der König nickte und wandte sich Wieder an den Gefangenen: „Er weiß,, doch schon, daß Er morgen nach Schweidnitz gebracht werden wird. Er kann sich dort frei bewegen und auch Seinen Degen wieder haben. Auf parole d’honneur versteht sich, daß Er uns nicht echappiert."
„Halten zu Gnaden, Sire, diese parole d’honneur darf ich nach dem Reglement nicht geben ..."
Friedrich stand auf. Eine Weile ruhte fein Blick wieder in den Augen des Offiziers. Dann lächelte er: „Er kann den Degen dennoch haben. Er ist ein braver Offizier!" Der König wollte gehen. Doch er blieb noch stehen. Es war ihm etwas eingefallen. Er legte die Hand im gelben Handschuh auf den Arm des Leutnants, sah ihn von der Seite an und sagte lächelnd: „Von Seiner Hochzeitsreise erzähl Er aber Seiner Kaiserin lieber nichts, wenn Er wieder nach Hause kommt!" Er zog höflich den Dreispitz und ging.
Leutnant von Leskow fluchte vor sich hin: aber leise, von wegen der Mannszucht. Seit dem Abend lag er mit dem alten Wachtmeister Baumann und zwölf Husaren an der schmalen, staubigen Landstraße, die sich von Olmütz her zwischen mannshohem Korn aus einer Niederung heraufzag. Hinter ihnen in einer Wiesenmulde rauften die gesattelten, zusammengekoppelten Gäule das braungebrannte Gras, scharrten mit den Hufen und schlugen mit den Schweifen nach Fliegen.
Herr von Leskow war wütend. Gestern mittag hatte das Regiment Marschbefehl bekommen, auch Ansbach-Bayreuch. Nördlich von Olmütz, zwischen Sternberg und Domstadtl, schien sich etwas vorzubereiten. Kaiserliche Retter waren dort plötzlich gesehen worden, obwohl sich in der Gegend von den Oesterreichern bisher kein Pferdeschwanz gezeigt hatte. Der König wollte wissen, was sie dort an den Straßen nadj Schlesien zu suchen hätten. Auch die Armee des Marschalls Daun marschierte, obgleich die dicke Exzellenz bisher getan hatte, als ginge sie die ganze Belagerung nichts an. Da tat sich was. Da würden bald wieder die Säbel aneinanderklirren. Vielleicht heute schon. Und Herr von Leskow mußte hier auf dem Bauch liegen und aufpaffen, daß zwischen dem dicken Herrn von Daun und seiner Reiterei bei Sternberg keine Meldereiter durchkämen. Als ob in diesem verdammten Getreidemeer, in dem man nicht einen Pistolenschuß weit sah, Meldereiter nicht auch wo anders reiten konnten als gerade an der Nate des Herrn von Leskow vorbei.
Ser AHtlmacher von Sankt Stephan
lkin heiterer Liebesroman von Alfons o. Lzlbnika
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22. Fortsetzung.
Auch eine Frage, dachte Herr von Leskow. Aber er sagte es nicht. Er ich Rabenau an und spitzte erwartungsvoll die Ohren. Rittmeister Hagen stloß: „Auch hat mir der Wirt gesagt, daß Sie auf der Hochzeitsreise Viren..."
Rabenau hob die Schulter und antwortete vergnügt: „Nicht meine Echuld, wenn mir der Schimmelwirt in Raudenberg bei Ihrem lieber feil als einzigen Zufluchtsort das Zimmer einer zufälligen Reifebekannt- jdaft mies... In der richtigen Annahme, daß Sie die Courtoiste besitzen eriräen, Hochzeitsreisende nicht zu stören..."
An den Abenden saß Rabenau mit den Eskadronsoffizieren am Sager [eiter oder, wenn es regnete, im Zelt. Der kleine Seskow hatte wohl über t. W kg Raudenberger Abenteuer nicht den Schnabel gehalten: Denn wenn 'e'benfo mbere Offiziere, die Rabenau noch nicht kannten, tarnen — von Ansbach- >t bc 8° yreuth, das feine Zeltgasfen neben den Husaren hatte, oder von den !' W' Ülng-Kleift-Grenadieren, die vor beip Regiment Puttkamer lagen —, Der V mein feil (t# kaum einer, bei der Begrüßung zu sagen: „Das ist wohl der be- s,x «ai |! riijmte Monsieur, dem der Herr Bruder da die Hochzeitsreise verschaffte." Sbbei er dem Rittmeister Hagen vergnügt auf Rücken oder Schulter «tujii Jdfug. Und einer, ein alter, verwitterter Major von den Sei)dlitz-Kürassie- teil, der, ehe er vor einem Vierteljahrhundert Soldat geworden, Magister w der Hohen Schule in Halle gewesen, sagte gar, als er dem kaiserlichen ünutnant die Hand reichte: „3a, ja — tu, felix Austria, mibe!" Und als ünutnant von Seskow ihn verständnislos anfah, lachte er und sagte: „Das lammt davon, wenn man aus der Sateinschule desertiert, dann weiß man Ucht, was das heißt..." Rabenau schien es, als könnte es in der ganzen preußischen Armee keinen General und keinen Trohknecht mehr geben, lr seine Raudenberger Affäre nicht kannte.
Nach Tagen erfuhr Rabenau, daß er morgen endlich nach Schlesien «e»racht werden solle. Am Abend wurde am Lagerfeuer der Abschied geleiert. Zwischen Sommerwolken funkelten über den Zeltgassen hohe Sterne «us samtenem Blau. Rot und groß stand der Mond über Olmütz, über ta» die Feuerbohnen der Bomben zogen und die Fackeln der Brände ioiten. Die Becher kreisten um das Feuer, dessen flackerndes Sicht dir
Leutnant von Seskow lachte taut.
Rittmeister Hagen fuhr auf: „Herr von Seskow!" Schließlich war das kerhör eines Gefangenen eine dienstliche Handlung. Doch dann lachte er lebst,, schüttelte Rabenau die Hand und sagte: „Dann also nichts für un- !rt, Herr Kamerad! Allzusehr gezürnt werden Sie mir übrigens nicht lien."
War es die auf so abenteuerliche Weise geschlossene Bekanntschaft mit den Rittmeister Hagen ober die Vetternschast — dreimal um die Ecke iirurn — mit Herrn von Seskow: der kaiserliche Seutnant Ernst Christoph »in Rabenau durfte sich im preußischen Sager fast fo Jrei bewegen wie dir Braunschweiger während des Winters in Wien. Den Pallasch hatte Win ihm freilich abgenommen. Das mußte fein. Aber wenn er promeniere > wollte, brauchte er es nur zu sagen. Dann begleitete ihn Herr von Lskow oder sonst ein Schwadronsoffizier oder, wenn sie alle gerade nicht ioifömmlid) waren, der alte Wachtmeister Baumann. Rabenau empfand bis als besondere Wohltat. Er hätte sich sonst zu Tode gelangweilt. Es Wir jetzt bald eine Woche her, daß er gefangen war. Ein Gefangenen- Irtnsport schien vorerst nicht abzugehen. Es gab wohl etliche Dutzend Kaiserliche im Sager, die man bei Ausfällen der Festungsbesatzung ein- goracht hatte. Aber auch sie ließ man einstweilen hier. Die Wege nach ^eußen waren nicht mehr ganz sicher. In den letzten Tagen hatte sich « serliche Reiterei dicht an die schlesischen Straßen herangeschoben. Man - »»Ute mit dein Abschub der Gefangenen wohl warten, bis ein starkes S mmanbo nach Schlesien ging.
Sogar Briefe nach Wien durfte Rabenau schreiben. Er tat es fast tiijlicf), damit die schöne Elisabeth Brand sich nicht sorge. Ein Gefühl iu endlicher Siebe durchströmte ihn.
Auch seinen Wunsch, den König zu sehen, suchte man zu erfüllen. Es Wien nicht zu gelingen. Obgleich Herr von Seskow unter dem Vorwande, iiR der Gefangene seiner Blessur wegen den Armeechirurgus um Rat ! M fugen wolle, die Erlaubnis erbat, mit ihm hinunter nach Schmirschitz zu
chnoUi zchen, in dessen Gutshofe die Majestät ihr Quartier hatte. Der Chirurgus
wir mit der Heilung zufrieden. Das Schlüsselbein mar doch heil geblieben. Äibenau konnte den Arni fast schon frei bewegen. Ader den König bekam « nicht zu Gesicht. Der war jetzt meist draußen auf dem Tafelberg, weil mn in den letzten Tagen die Belagerung mit besonderem Nachdruck
Netzen« Zaniilienbliitter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger


