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Verantwortlich: Or. Fr. W. Lange. — Druck und Vertagt Brühlsche Universitätsdruckerei, R Lange, Gießen-
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Versunkene Städte tauchen wieder auf.
Von Wilhelm von Priemern.
Versunkene Städte des Altertums, die in Schutt und Asche gelegt, vom Staub der Jahrhunderte, nein, Jahrtausende immer weiter zugedeckt wurden, was können sie uns noch zu sagen haben, — ja ist man vielleicht versucht zu fragen. Sind nicht Ruinen stets Skelette, die allenfalls an den Tod gemahnen, nichts weiter? Was wissen wir überhaupt von Pompeji und Herculaneum? Vielleicht entsinnen wir uns noch des römischen Schriftstellers Plinius des Jüngeren von der Schulbank her, der von beider Untergang berichtete, oder wir bekamen zur Einfeaung von einem Paten „Die letzten Dag« von Pompeji" von Bulwer (Lord Lytton) geschenkt und erinnern uns turntet der Szene im Amphitheater, da das Unheil mitten in den Gladiatorenfpielen losbricht; sie war meisterlich geschildert und blieb uns im Gedächtnis haften.
Der berückende Zauber südlicher Landschaft, die blühenden Gärten, der blaue Himmel Italiens, die azurne Seide des Golfes und der phantastische Hintergrund des rauchenden Vesuvs an dieser beglllckenüsten Stell« Europas würde uns mehr in seinen Bann schlagen als das Aus- grabungsfeld, dem wir hier begegnen, sollten wir meinen. Beim Anblick Neapels scheint überhaupt für den Sterblichen das Dasein (einen Sinn verloren zu haben. Wo sähe ein Menschen äuge vollkommenere Schönheit aus der Well! Und doch wird der unvergleichliche Reiz'dieses Land- fchaftsbilLes noch durch die ehrwürdigen Stätten erhöht. Pompeji und Herculaneum sind keine toten Ruinenstätten, sie leben, sind durch die Energie Benito Mussolinis, den unbeugsamen Willen des neuen Italien und die umsichtige Leitung des rührigen Direktors vom Nationalmuseum in Neapel und zugleich Landeskonservators von Kampanien, Commendatore Amadea Maiuri auferstanden. Und wandern wir heute die cardines, die kleinen Seitenstraßen zwischen den Häuserblocks entlang, so würden wir uns wohl kaum noch darüber wundern, wenn aus der Haustür ein Einwohner aus der Zeit vor zweitausend Jahren, ein Römer, mit der Toga bekleidet, träte und uns, die Fremdlinge aus dem fernen Germanien mit seinem „Salve“ begrüßte und uns einlüde, in sein Atrium einzutreten.
Mit allen Mitteln modernster Ausgrabungstechnik und einem unvergleichlichem Genie hat Professor Maiuri die großen Gefahren gebannt, die Schwierigkeiten überwunden, die die unsachgemäßen früheren Grabungen heraufbefchworen hatten. Die neuzeitlichen elektrischen Bohr- mofdjinen griffen in den geheiligten, geschichtlichen Boden von Herculaneum ein mit einem Erfolg, den weder die unterirdische Maulwurfs- akbeit des 18., noch die mißglückten Versuche, von oben her heranzu- tommen, des 19. Jahrhunderts ahnen ließen. Sobald man Widerstand fand oder Erge-bnifse erwarten konnte, setzten die Bohrmaschinen sofort aus, und eine mit äußerster Vorsicht verrichtete Handarbeit begann, bis dann die Ziegeldächer tatsächlich zutage traten. So ist heute nicht ganz die Hälfte der antiken Stadt wieder ausgegraben.
Die Gründung von Herculaneum geht auf das 6. Jahrhundert v. Ehr. zurück und wurde dem Hercules zugeschrieben, nach dem es auch feinen Namen führt. Bis zur Herrschaft der Samniten einschließlich behauptete es feine Selbständigkeit, die es aber 89 v. Ehr. durch die Einnahme durch einen Legaten Sullas verlor. Im Jahre 63 n. Ehr. hatte es bereits einmal wie seine Schwesterstadt. Pompeji unter einem Erdbeben zu leiden. Die Schäden waren kaum ausgebessert, als es abermals wie Pompeji von einer Naturkatastrophe, der gewaltigsten des ganzen Altertums, vom Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 n. Ehr. heim-
wohlbekannt sind. Prächtige Skulpturen eines unbekannten an ifen Meisters aus der Blütezeit römischer Kopisten, die der Prinz an Eupen von Savoyen schenkte. Nach dessen Tode gelangten sie in den wm August III. von Sachsen und so nach Dresden. Winckelmaen bezeichnet diese Statuen als „göttlich". Karl III. von Bourbon ernte* darauf die Villa des Prinzen d'Elboeuf in Portici und fetzte die Muil« wurfsarbeit 1738 fort, indem er sich von feinen Mrlitäringenieuren, roii namentlich dem Schweizer Karlo Weber beraten ließ. Ihm ist es oft« zu danken, daß die gefundenen Bronzestücke nicht seelenruhig in Srw
gesucht wurde und vom Erdboden verschwand. Aber während der M stein- (lapilli) und Aschenregen in fünf bis sechs Meter Dicke Pompejis 1A zudeckte, war das Verschüttungsmaterial in Herculaneum von gen,] IT anderer Struktur: Ein schlammartiger Strom aus Eruptivgestein, durch I 0 sintflutartigen Regen aufgeweicht, füllte alle Räume und überzog jeden 16 Gegenstand, um dann erkaltet völlig zu verhärten. 1 TT
Die Abtragung geschieht heute wie in einem Braunkohlenbergbau. Wr Die Dicke dieser Masse beträgt 12 bis 25 Meter. Noch in ihrer geringsten Stärke hat sie also rund das Doppelte an Höhe wie in Pompeji. Dich: „Gipsverband" bewahrte allerdings auch dann Herculaneum mehr ter Ausplünderung. Sicherlich ist auch im Charakter der Verschüttung von Herculaneum der Grund zu suchen, weshalb man noch nicht zehn Dpjer der damaligen Katastrophe bisher gefunden hat, während die Steltite von Pompeji nach Tausenden zählen. Die Bewohner konnten sich <in< scheinend noch rechtzeitig in Sicherheit bringen und nach Neapolis, Der Mks einmals „Neuen Stadt" des griechischen Nachbarn retten, in der j« fortan einen Stadtteil bewohnten.
Die erste Entdeckung des alten Herculaneum machte 1709 der Pech d' Elboeuf. Seine Raubgrabungen ließen ihn in Portici eine Aila mit den schönsten Funden errichten, wie dem der größeren und den zwei kleineren Herculanerinnen, die uns vom Zwinger in Dresken
fielt der alten Indianer-, Trapper- und Grenzergestalten In ihrer unzerstörbaren von einem politischen Ziel besessenen Vitalität, was uns die Romane Coopers über ein Jahrhundert lang lebendig erhalten hat. Es bedeutete für Cooper mehr als nur eine anspruchsvolle Geste, daß er über einen großen Teil feiner Buchkapitel jeweils gerade ein Shake- fpearezitat setzte. Er fühlte sich Shakespeare in dem gleichen Empfinden nahe, mit dem Goethe den „Letzten der Mohikaner" (einen der schönsten unter den Lederstrumpfromanen) beglückt begrüßte. Auch Cooper besaß ja die seltene dichterische Fähigkeit, durch das Zeitbedingte hindurch den Typus zu formen und im einmaligen persönlichen Abenteuer das weiter Wirkende zu erkennen, das hier nun wirklich Beginn einer „neuen Welt" bedeutete. Die Erzählungen Coopers entfalten das Geheimnis welthistorischer Verwandlungen, und ihr merkwürdiges Jneinanderverwoben- fein von persönlichem Einzelschicksal und überpersönlicher, auf künftige Generationen wirkender geschichtlicher Geltung beweisen jene dichterische Fähigkeit des Autors.
Ein starkes, echtes Gefühl für die Bedeutsamkeit des historischen Augenblicks und feine in die Zukunft strahlende Kraft empfinden wir am deutlichsten aber in Coopers Seeromanen, die bald das Vorbild für eine ganze Gattung wurden. Es scheint wie eine Ironie der Entwicklung, daß derartige Seeromane dann jahrzehntelang die UnterhaltungsÜteratur Englands bestimmten, desgleichen Englands, über das Cooper in seinen Werken immer wieder ein vernichtendes Gericht abhält. Vor allem in dem dramatisch-bewegten „Roten Freibeuter" entlädt sich die Erbitterung in einem flammenden Pathos, das doch immer künstlerisch, stilistisch gebunden blieb. Cooper kannte seinen Stoff auch hier aus eigener Anschauung: er war, siebzehnjährig, als Rekrut bei der amerikanischen Marine eingetreten und hafte die Gestalten der großen Tradition selbst vor sich gesehen.
Wenn heute viel zu viel routinierte Romanliteratur aus dem Westen übersetzt wird, sollten wir uns einmal wieder an Coopers episches Werk erinnern, das (als Ganzes ein historisch-politisches Dokument), von einem geborenen Erzähler mit der packenden Lebendigkeit der in die Sprache unmittelbar* überströmenden eigenen Seele und Anschauungsfähigkeit dichterisch geformt wurde.
Die Grabungen des 18. Jahrhunderts förderten große Schätze im- marmornen und drozenen Bildwerken zutage. Carlo Weber gelang' es, den Grundriß der über ein Viertel Kilometer fangen VorstadtviW der Villa dei Pisoni oder auch nach ihrem interessanten Fund: "lei Papiri genannt, klarzulegen, und über hundert Bildwerk« zg heb -n. In der Bibliothek der Villa, deren Besitzer ein Anhänger der epikmii- fchen Lehre war, fanden sich 1800 verkohlte Papyrusrollen. Ihr inhÄ sicher Hauptanteil bilden Schriften des Philodem, der der Schule ter Epikuräer angehörte.
Die Grabungen Maiuris nun gegen Schritt für Schritt in di« Tiefe; mit größter Vorsicht, da die Höhlungen in den Mauern erfortw- lich machen, daß fteischwebende, nur von der Eruptivmasse «gehabt Gebäudeteile abgestützt werden. Ueberrafchend ist hier, wie verkoW Holztreppen durch ein Paraffin- und Wachsverfahren des 21 rbeiteletofi Francesco Ventimiglia wieder fest und begehbar gemacht tmirtti Von der Meisterarbeit zeugt vor allem auch die Casa del Tramezu« di legno, nach einer Holzwand so benannt, die das Triclinium, IM Speisezimmer gegen Zugluft vom Giardino, dem Garten abschloß. Si« dreht sich heute noch wie einst in ihren erzenen Angeln. Welche fiumi des Ausgräbers!
Was uns in Herculaneum wie auch in Pompeji so ergreift, ist genaue Einblick, den wir in das ganze antike Leben gewinnen. Da |W die Thermen, mit Sporthalle, der Palaestra und dem Apodyterium, Auskleidergurn für Männer wie Frauen. Jrn Fußbodenmosaik des FraM» bafsins allein nur ein Cupido mit feinem gefährlichen Bogen! Da W ferner prächtige Einzelhäuser mit Perystilen, Loggien, Hauskapell» Gartenhofe», feinste Marmorintarsien in Fußböden im berühmten Op> sectile, bei dem kein Motiv sich streng wiederholt, sowie Wandmalerc,!' jeder Art. Wie gab sich der antike Mensch, wie aß er, wie trank er, tu» brauchte er zu seinem Leben? Das Hgnfseil über der Winde, die Tavec« mit ihren Gesäßen, in denen sich noch die letzten Bohnen oder Kich'N' erbsen befinden, die den Gästen am 24. August 79 vorgesetzt werte’ sollten, verrät es, oder der Marmortisch mit den gefundenen AuslaM> im Laden, ober in einem Patrizierhause der Schrank der Domina, uni® mit Gewändern gefüllt, oben von Türen verwahrt, als Schrein für Hausgötter, die Laren. Dann wieder der heitere Lebensgenuß, Lug«« und Reichtum, wie er sich in den Panvramahäusern offenbart, die w dem Meere zu gelegen sind; mit ihren Solarien, von denen aus nun einst hinausträumte auf den tief blauen Golf und die fast überirbiM1 Herrlichkeit dieses Paradieses genoß, ober den blütenbehangenen ®artü< mit Bilbwerken erlesenster Kunst, in dem man feine Freunde em pW Ja, Lebensfreude, hier steht vielleicht Herculaneum im Gegensatz noch!> Pompeji ttotz seiner Casa dei Vettii ober Casa del Fauno, denn Poms«! war doch noch mehr geräuschvolle Handelsstadt, während Herculaneut mehr Ruhe, Muße, Beschaulichkeit war. Lebensfreude und Lebensgeimi bezeugt auch vor allem eine Statue, die man in der Villa Suburbu fand, die noch ihrer Auferstehung entgegensieht, ein trunkener Satyr, « dem wir das Symbol der Lebensfreude in der glücklichen KampaW der Campagna Felix sehen können. Den rechten Arm hat der S» erhoben, mit dem Zeigefinger ein Schnippchen schlagend, liegt er lall!» selig über dem Weinschlauch, der ihm als Ruhekissen dient...
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nen umgegossen worden sind.
Zu seiner Zeit trat auch schon die Vorderwand des Proszeniums vm antiken Theater mit Nischenarchitektur zutage. Aber man vat hfik schlimm gehaust, indem man Stollen, von den Grabungsschächten Ijtr, vortrieb und Unersetzliches damit zerstörte. Zwei Hauptstraßen durchzogen Herculaneum, die nördliche führte zur f»genannten Bafilica, eitM Gebäude, dessen Bestimmung noch nicht ganz feststeht. Hier fand mit vor allem ein Wandgemälde der Arkadia mit Telephos, dem Sohn ins «M Hercules. Ihre Augen find weit geöffnet, als sehe sie die Zukunft 6ü Kindes vor sich, den Ahnherrn des pergamenischen HerrschergeschleHü, K||ta d^m wir unseren herrlichen Altar in Berlin verdanken. Als Bekrönuip wahrscheinlich der Basilika, ragte ein ehernes Viergespann, J Schlamm erdrückt, hervor.


