Der Mensch.
Von Ludwig Finckh.
Alles kommt, wie es kommen muß, Blind, und nicht blind.
Nach stummen Gesetzen fließt der Fluß, Und weht der Wind.
Alles erfüllt sich bis zum Schluß.
Man kann sich bücken und daran rücken, Aber sich nicht ums Leben drücken. Der Mensch ist mit den Augen und Ohren Und mit der blühenden Pflicht geboren, Ohne Wimmern Rechtschaffen sich zurechtzuzimmern, An seinem Schicksal mitzuschmieden. Es zu runden und zu befrieden, Es zu lösen aus feiner Haft, Sich zu wehren mit aller Kraft, Nur nicht, die Hände in Schoß zu legen Und der satten Ruhe zu pflegen.
Doch wenn er drüben vom anderen Reich Fallen fpürt den sicheren Streich, Muß er erkennen der Gottheit Zeugen Und sich stumm ihrem Walten beugen.
Noch 5 Kilometer ...
Von Bernhard R. Friedrichs.
Unbarmherzig brennt die Sonne aus die „Große Sandsee", den Mrchtetsten Teil der Libyschen Wüste, nieder. Weit und breit ein sanst nvelltes Meer flüchtigen Triebsandes, ein unheimlicher erstarrter Ozean, Ust nichts. Durch diese trostlose Landschaft schleppen sich zwei Menschen, ihn sieht ihnen an: sie sind am Ende ihrer Kräfte. Durch die Lippe des inen schimmert — schauderhaft schwarz — die Zunge, wie es bei Ver- mftenden zu beobachten ist. Ein Röcheln dringt aus seiner ausgedörrten kehle. Schwer hängt sein Kops vornüber, während er sich auf die Knie itzt und mit dem Finger ein Wort in den Sand schreibt: „Durst". Er I Mit weiter, schwerfällig und langsam graben sich einige Zeichen in den Koben: „Wadi Hamra". Dem anderen erstarrt das Blut in den Adern, ! ir versteht, daß ihm der Gefährte seines Unglücks sagen will: wir haben kMs verirrt! Dann sinkt der Schreiber in sich zusammen und fällt in men Schlaf tiefster Erschöpfung. Der andere kämpft gegen das fast un- ozähmbare Berlangen, sich wie sein Kamerad in ein traumloses Nichts iten zu lassen. Aber er weiß: das ist ja das Ende! — denn ein Erichen gibt es nicht. Er rüttelt seinen Kameraden wach und tritt in per losenden Wut des nahen Durstlodes die Worte im Sand mit den Füßen <U5 Die beiden schleppen sich weiter. Stunde um Stunde verrinnt. Die Nysche Wüste ist einer der trockensten Teile der Erde. Der Feuchtig- lisisgehalt der Luft geht am Tage auf einen so kleinen Prozentsatz zuruck, te ihn die feinsten Instrumente nicht messen können. ---
Cs wird Nacht. Seit 11 Stunden haben die Wanderer nicht mehr «trunken. Nach 8 Stunden schon setzt dort in der Wüste der Todeskampf trdurstender ein. Nur der ungeheure Wille des ungarischen Grafen sstmäsy — so heißt der mit dem tiefschwarzen Haar — halt die beiden «[recht Um den Mut des Kameraden zu stärken, kritzelt er mit dem Singer in den Sand: noch 5 km. Doch der andere nickt nur apathisch, keld bricht er endgültig zusammen. Sein Gefährte erhebt sich, hastet Mer, so schnell es seine kraftlosen Glieder ihm erlauben. Da, auf em= Ml, wird das Tal breiter. Und plötzlich glühen zwei Scheinwerfer zw>- t>n den Dünen. Graf Almäsy versucht zu rufen Doch kein Laut kommt ihr feine ausgetrockneten Lippen! Zur ohnmächtigen Verzweiflung des kurückbleibenden wendet der Kraftwagen. Mit zitternden Händen tastet Ülmäsy nach der Gürteltasche seiner Kniehose, findet em, flaches Päckchen Zündhölzer, wie es viele Männer bei sich tragen, und einige Blatt dünne Mpiers. Mit beiden Händen reißt er das vertrocknete Grasringsherum «s dem Boden, wirst es unter einen verdorrten Busch und zündet es an. fine hohe Flamme schlägt empor. Starr fch°ut Graf Almssy m die Achtung, in der das Automobil verschwand. Nach emigen Mmuten Men die beiden Scheinwerfer wieder auf und kommen mit Motzer Geschwindigkeit auf den Einsamen zu. Seine beiden sudanesischen Fahrer dringen aus dem Wagen. „Wassers röchelt ihnen Almasy entgegen
Der Anblick der Feldflasche jedoch beraubt ihri jeher Befmnung. Wild ’tifjt er die Flasche aus der Hand Sabirs. Doch der riesenhafte Neger dir ft den Rasenden, über den die letzte Kraft der Verzweiflung gekommen », zu Boden. Selim schleudert die Feldflasche >m ^en Augenbl ck uu^ ui den Sand hinaus, springt dann hinzu und umklammert Mit eisernem taff die Beine Almäsys, um ihn am Auffprmgen zu ^nd^rn. Schluchzend Wen ihn die beiden, ruhig zu bleiben weil er °°rerst noch mch ^tt n litf. Denn bei hastigem, unvorbereitetem Genuß von Wasser schweue einem Verdurstenden die ausgetrockneten Mund- und Rachenschleimhau 'M führen den sofortigen Erstickungstod herbei. hjr
Lange dauerte der qualvolle Ringkampf: schließlich b e'bt Sabic nicht «Meres übrig, als dem Tobenden seine mächtige Faust aus- k»n Kops | ii schmettern. Dann waschen die Diener Kehle und Handgelenfe d I'nnmehr Willenlosen mit Wasser und reiben ferne Brus. mit -«um Byfen Tuch ab. Aus die Lippen legen sie ihm °ls Kompresse ■ Ner benetztes Stück vom Turban, das sie abgerissen Hadem M An diese Stunden und Minuten zuruckzudenkem f .
Mlinäsy, der mit seinem deutschen Gefährten HansiaachiNi ...
I öt Zeit wieder auf einer neuen Expedition in.^llyp S n = I i-chebliche Überwindung". So schreibt er m s"Buch„D^e^ un i ^kannte Sahara"* Dieses Werk ist ein Heldenlied, aus oem - ll| kr @c"ft der großen Pioniere spricht. Almäsy, dessen ungansche Drigma - II x * „Unbekannte Sahara" (mit Flugzeug und Auto in der^ | düste), »erlag F. A. Brockhaus in Leipzig. Preis geb. 8,00 Rim
Niederschrift Esch gewandt und kenntnisreich kns Deutsche übersetzt hat, berichtet darin von mannigfachen Abenteuern, die sich der an die Ordnung Deutschlands gewöhnte Leser fast nicht vorstellen kann, und von mancher wunderbaren Entdeckung. In „1001 Nacht" lieft man von Zarzura, der märchenhaften Oase, der „weißen Taube" der Wüste. War sie nur ein Kind sehnsuchtsvoller Phantasie? Oder gab es sie tatsächlich? Graf Almäsy glaubte an ihre Existenz; er meinte, daß sie einst zwischen der von dem deutschen Forschungsreisenden Gerhard Rohlfs gefundenen Oase Kufra und Aegypten gelegen habe. Er war der Ueberzeugung, daß dieses Wüsteneiland nur verschollen sei. Seinem Spürsinn und seiner Hartnäckigkeit glückte das Wunder: Zarzura wurde wieder entdeckt. Das tieft sich wie Karl May, nur „moderner", denn Flugzeug und Kraftwagen spielten eine Rolle bei dieser Eroberung. Das Märchen wurde Wirklichkeit in dieser stillen Insel der Wüste. Ueber sie strichen zutrauliche Schwalben; sie waren so zahm, daß sie sich einsangen liehen.
1870 wanderte ein einsamer Europäer durch die südliche Libysche Wüste. Nach vielen Qualen und Leiden mußte er seinen Plan aufgeben, nach Süden zum Sudan vorzustohen. Das Lager, an dem er nach Westen ging, nannte er „Regenseid", wohl weil er hier von einem der seltenen, mit wahrer Gier genossenen Regenfälle überrascht wurde. 59 Jahre später fand Gras Almäsy dieses Regenseld und die Zeichen der Anwesenheit des Deutschen Rohlfs wieder. Und während er in ernstem Schweigen des toten Vorgängers gedachte, setzte — ein leises rauschendes Rieseln ein, „Regenfeld" hatte Rohlfs diesen Ort genannt. 59 Jahre später wiederholte sich die gleiche Naturerscheinung, die bisher an keiner anderen Stelle der Libyschen Wüste beobachtet worden ist. Almäsy legte ein Dokument seiner Anwesenheit nieder, das nach Jahrzehnten vielleicht wieder einmal einen Reisenden inmitten der glühenden Einöde an die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Unvergänglichkeit des menschlichen Forschungsdranges gemahnen wird. Wieviel Jahre aber werden noch vergehen, bis auch das letzte Geheimnis der ewigen Wüste erschlossen ist?
Eins der schwierigsten Ziele der Expeditionen Almäsys war die Aufnahme von Landkarten. Diese Aufgabe hatte sich Almäsy, der aus freiem Antrieb reift, selbst gestellt. Was es heißt, wochenlang und monatelang im glühenden Sonnenbrand an topographischen Instrumenten zu stehen, kann wohl nur der voll ermessen, der es am eigenen Leib erprobt hat. Almäsy hat die letzten „weißen Flecke" auf der Landkarte der Libyschen Wüste getilgt. Die Darb El Arbe'in, die „Straße der Vierzig Tage" ist von ihm der Vergessenheit entrissen und kartographisch feftgeltgt worden. An Stelle einer anderen großen Kartenlücke stehen heute die sorgfältig vermessenen Höhenlinien des Gilf-Kibir-Plateaus. Die nördliche Hälfte der „Großen Sandsee", über deren Aufbau und Ausdehnung bisher nur ungenaue Angaben Vorlagen, ist eingehend durchforscht und vermessen worden. Der ägyptische König nahm größten Anteil an diesen Forschungen. Das Buch über sie aber ist ein Heldendrama vom Kampf des Menschen mit der Natur.
Übereinzustimmen,
jungen Dame aus Diese junge Dame berllhmtheit; denn
Eine irische Nevolulionärin.
Von Anton Schnack.
Der Aufstand der Iren im Revolutionsjahre 1848 hatte eine besondere Sensation durch das überraschende und mutige Auftreten einer der vornehmen irischen Familie der Elgees erhalten, gelangte durch die Geburt eines Sohnes zu Welt- sie wurde die Mutter Oskar Wildes, der von Eng- drei Vierteln der englischen Weltanschauung nicht ist eine der ersten Forderungen des gesunden Men-
land sagte: „Mit
jchenverstandes."
Die Mutter Oskar Wildes war zur Zeit der achtundvierziger Jahre ein Mädchen von achtzehn Jahren. Don dieser Franziska Elgee, wie Lady Wilde mit ihrem Mädchennamen hieß, erzählte einer der Führer Jung-Irlands aus jener Zeit, Sir Charles Duffy, daß sie cm hochgewachsenes Mädchen von stattlicher Erscheinung, mit blitzenden braunen Augen und kühnen antiken Zügen, die den Geist der Schwärmerei und der Revolution ausdrückten, gewesen sei. — Dies war das Bild der Irin Elgee, die aufrührerische Literatur schrieb und in Gedichten gegen die Herrschaft Englands kämpfte. Es verwischt sich allerdings und wird trüb nach ihrer Heirat mit dem Vater Oskar Wildes, wo sie dann die irische Bewegung aus Bequemlichkeit und aus Gründen des gesell- schasttichen Verkehrs und der Zweckmäßigkeit aufgibt.
Lady Wilde berichtet selbst, daß sie durch die Lektüre eines Bandes her „Irischen Bibliothek", die im Verlag Duffy erschien, für die Sache 6er jri chen Bewegung entzündet wurde. Dieser Band war der „Geist der Nation", ein breitspuriges Werk des Schriftstellers dÄlton Williams.
Franziskas Familie war protestantisch, und stand bisher in keinerlei Beziehung zu den kacholischen und nationalistischen Kreisen Irlands. Um es nicht zum Bruche mit den Angehörigen kommen zu lassen, unterzeichnet sie ihre dichterischen Beiträge mit dem wohlklingenden Pseudonym Speranza, ihre Briefe und die Aufsätze mit John Fenschaw Ellis. Im Hauptorgan der irischen Revolutionäre, der von Duffy herausge- aebenen „«Ration", einer Wochenschrift von annähernd sechzehn eeiten tritt sie an die Oeffentlichkett. Franziska Elgee verstand es geschickt, sich hinter ihre Decknamen zu verbergen, niemand wußte, auch der Heraus- aeber der Nation" nicht, wer hinter dem Namen „speranza , wer hinter dem'Namen „John Fenschaw Ellis" steckte, bis sie eines Tages höchst dramatisch und kühn selbst den Schleier lüftete. Dies Bekenntnis mar ein ungeheurer Erfolg und ihr mutiges Benehmen, das sie vor den Schranken englischer Gerichtsbarkeit zeigte, gewann ihr für immer hie Liebe des irischen Volkes, die ihr auch später blieb, als sie die nationale Sache als eine Verirrung her Jugend längst aufgegeben hatte.
-Zn der Nation" vom 29. Juli 1848 erschien ein kämpferischer und von reoolutionärem Feuer durchlohter Artikel ohne Derfasserbezeichnung, der den Titel „Alea est facta" trug. Wegen dieses Artikels war der Herausgeber, Sir Charles Buffy, als Aufwiegler anget agt und vor Ge- r ckit siliert worden. Der Staatsanwalt las zur Unterstützung und Be- träftigung der Beschuldigung aus dem Artikel vor und bemerkte habet, bag


