Ausgabe 
8.9.1939
 
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Verantwortlich: Dr. Hans Tdyriot. Druck und Verlag: Brühlsche Univerjitätsdruckerei R.Lange, Dieben.

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um die Mitte des letzten Jahrhunderts vor

Vangionen im keltischen Gebiet ansässig machte, die keltischen Bewohner verdrängte und die Grundlage aller späteren Gaueinteilungen im Raune der Stadt Worms bildete. Wir können noch nicht sagen, in welchem Grad

die Stadt Vobertomagus als keltisch oder germanisch anzusprechen ist. Die römische Besitzergreifung und Kolonisierung dieses Gebietes überdecke mit der Fülle ihrer Einprägungen die vorhergegangene Zeit so sehr, bog wir die Rolle nicht mehr erkennen können, die der Siedlung Borbetomagrs im germanischen Raum zufiel. Wir wissen nicht, ob die Vangionen in vor. römischer Zeit schon einen Königssttz in Worms hatten. Zu schnell breitete ich die römische Verwaltungsorganisation über dem jungen rheinischen Germanien aus. Aber die Tatsache, daß die Römer das Gebiet der sRnnnmnon in ihre regionale ßanbeseinteiluna aufnobtnenCivitas

sonders wertvoll erscheinen läßt, ist............,-----,

ton ab jedes Stück in Worms selbst und seiner nächsten Umgebung in del Rheinebene ausgegraben worden ist. Reue Räume des Museums bergt! jetzt die Funde aus burgundischer Zeit, von den Alemannen und Frank« allerdings ist es schwer das wechseloolle Geschehen jener unruhigen Johl' Hunderte der Völkerwanderungszeit nach einzelnen Kulturen zu unter1

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Der Psingstdienstag 1689 wurde so der schwärzeste Tag in der von außergewöhnlichem Schicksal gezeichneten Stadt und ihres Domes. Was aber gerade diesen augenblicklich wieder in das Blickfeld neuester wissen­schaftlicher Forschung gestellt hat, ist eine äußerst interessante Entdeckung, die man vor kurzem gemacht hat. Man fand nämlich bei der Untersuchung des Domuntergrundcs durch den Dombaumeister Philipp Brand sichere Anhaltsvunkte für die typischen Bauten einer römischen Forumsanlage mit Basilika, Markthalle und Tempeln, vielleicht auch mit angrenzenden Kastellbauten. Die Ergebnisse dieser Bodenunterfuchung werden in dem im Druck befindlichen großen Domwerk von Geheimrat Professor Dr. Rudolf Kautzsch im einzelnen publiziert werden; einen SonderdruckForum Germannm, Umrisse zur Geschichte der Wormser Königspfalz gab aber schon Dr. Friedrich M. Illert zusammen mit Regierungsbaumeister Adolf Heiß, der den Rekonftruktionsversuch der Wormser Königspsalz unternahm, heraus. Das römische Forum ist also in mannigfachen Funda­ment- und Architekturresten nachgewiesen worden. Und in Jllerts Publika­tionen darüber heißt es:Wir kennen nicht die Umstände, unter denen sich Zeitwende das Volk der

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Vom Forum romanum zum romanischen Dom.

Die Stadt Worms vor zweitausend Zähren.

Von Dieter von der S ch u l e n b u r g.

Die altehrwürdige Nibelungen- und. Lutherstadt Worms am Rhein beging kürzlich ein eigenartiges Jubiläum: den schwärzesten und dustersten Tag feiner jahrtausendalten Geschichte. Der große Theatersaal des Fest- Hau,es war bis auf den letzten Platz besetzt. Am Vortragspult ftanb ber um Worms verbiente Stadtarchivar unb Museumsdirektor Dr. Friedrich M. Illert. Aus jedem Wort sprach unmittelbar die Liebe und Ver­ehrung dieses Mannes für seine Heimat und ihre große geschichttiche Ver­gangenheit, eine Begeisterungsfähigkeit, die von tiefgründigem Wissen getragen ist, und alle Zuhörer sosort in den Bann schlägt. Das Thema seines Vortrages war aktueller denn je. Nur eins hat sich geändert von Grund auf: Die Gewißheit, die felsenfeste Zuversicht, daß ein solcher schicksalsschwerer Tag sich niemals wiederholen wird und kann. Aller Augen waren in dieser ernsten Erinnerungsstunde auf den Wall aus Beton und Eisen und die uneinnehmbaren Westbefestigungen gerichtet, die aus Geheiß und durch die Initiative Adolf Hitlers entstanden sind, und die Worms und seinen heiligen Strom unb bannt ganz Deutschland für immer vor sremdem Zugriff schützen.

Pfingsten dieses Jahres waren genau 250 Jahre vergangen, seitdem der allerchristlichste" König Ludwig XIV. von Frankreich Worms durch Brand von Grund aus zerstören ließ. War schon 1674 basBrüler le Palatmat die Losung bes Sonnenkönigs gewesen, so wurde jetzt auf seines Kriegs- Ministers Louvois Anordnung dem französischen Generalissimus Comte de Melac der Auftrag zuteil, diese Losung auf die gesamten Städte der Rhein­linie anzuwenden.

Wie in Speyer sollte auch in Worms wenigstens der Dom und der Bischosshof zuerst geschont werden, und man traf alle Vorkehrungen zu ihrem Schutz auch bargen die Einwohner hier alle ihre Habe. Aber dann teilte der Oberst Paisonel dem Rate und dem Bischof mit, bah laut Befehl des Intendanten de la Fond dennoch beide verbrannt werden mühten. Am 31. Mai 1689 verkündete Trommelschlag den verzweifelten Ein­wohnern der unglücklichen Stadt, dah ab mittags 12 Uhr niemand mehr sich ehen lassen dürfe. Dreihundert französische Grenadiere waren bereits früh morgens eingerückt. Mit dem Glockenschlag 4 Uhr nachmittags wirbelten die Trommeln abermals, erdröhnte dumpf unb brohend Kanonenschlag, und sternhagelbetrunken gingen die Moxbbrenner an die Arbeit. 964 Häuser gingen in Flammen auf. In ben Wochen vorher waren bie äußere unb innere Stadtmauer niebergerissen unb gesprengt worben. Tore unb Türme waren gefallen, bie, wie bie Franzosen höhnten, vor bem König ihre Reverenz machen mußten. Jetzt würbe Worms in wenigen Stunben in Asche gelegt, ein einziger Stein- unb Trümmer Hausen, während bie vergewaltigten Einwohner in französisches Gebiet verbannt ober verschleppt worben waren. Die wenigen, bie auf bas rechte Rheinufer hatten flüchten können, sahen die Rauchsäule wie eine ungeheure Wolke emporsteigen, bie die Sonne verdunkelte und den Tag zur Nacht machte. Was ein Jahrtausend gebaut, verging an diesem einen grauenvollen Schrecken--tag.

Das Dach bes altehrwürbigen Domes war mit Blei gedeckt gewesen, es rann in dickflüssigen glühenden Bächen herab. Das herrliche Gestühl wurde restlos vernichtet. Und doch hat das Gotteshaus als eines der schönsten romanischen Baudenkmäler Deutschlands am Rhein seine schließ­liche Rettung einem Zufall noch zu danken. Um bie Kirche in bie Luft zu sprengen, begannen bie Mordbrenner in sieben Pfeiler Löcher zu ftemmen, doch kostete es zuviel Arbeit, man sah von einer weiteren Spren­gung ab und beschränkte sich darauf, wie man auch in Speyer vor der Schändung ber Kaisergräber nicht zurückgeschreckt war, in Worms eben­falls bie Gräber auszubrechen, das Kostbare zu rauben, die zinnernen und wertvolleren Metallsärge wegzuschleppen, die Gebeine der Toten in alle Winde zu zerstreuen, alle Grabdenkmäler und Heiligenbilder zu zerschlagen, die Altäre mit Unrat zu besudeln. Kirchen und Kapellen wurden zu Pferdeställen gemacht, ober man hielt in ihnen Weinschänken, Garküchen unb Trödelmarkt.So gingen alle die Stifter, Kirchen und Kapellen mit ihrem Geläute, Orgeln, Altären, Gemälden, Bildwerken, Bibliotheken unb Sammlungen zugrunde, nicht tninber bie profanen Gebäude, ber Bürger- Hos unb bie Münze mit ihren fürstlich ausgestatteten Gemächern, Kunst- sachen, Altertümern, Büchern unb Akten." (Boos:Rheinische Stäbte- kultur."!

Vangionen in ihre regionale Lanbeseinteilung aufnahmen Vangionum läßt erkennen, baß bei ihrer Ankunft bas Geb Stammes eine beutliche Ausprägung unb einen stabtähnlichen Mittelpunkt gehabt haben wirb. Vierhundert Jahre bleiben nun im Schatten bet römischen Imperiums."

Naturgemäß lag das römische Provinzialsorum mit seinen verschit» denen Gebäuden auf der erhöhten Stelle der Stadt, dem heutigen Don- bezirk, denn der Domberg trat sicherlich um diese Zeit deutlicher m Er­scheinung als jetzt, wo bie Arbeit von zwei Jahrtausenden b>e Nwelüi- rung vollzog, vor allem nach Norden und Süden. Dr. I l l e r t brmjt ferner den Nachweis, daß eng verbunden mit dieser nahe an den Mein heranreichenden Höhenlage der Zug der großen Fernstraßen nicht nur von Norden nach Süden, vom Gebiet der Wikinger (Haithabu) nah Gallien, sondern auch von Wesst von der Kaiserslauterner Senke heraus nach Osten gehend den Wormser Rheinübergang benutzt und sich bann zum Main, Neckar und zur Donau ostwärts fortsetzt. Der Domberg ju Worms wird also schon in srühester Zeit Straßenkreuzungs- und Knoten­punkt und ist es durch Jahrhunderte hindurch geblieben.

Von einem germanischen Königssitz in Worms hören wir zum ersten» Mal, als König Gunther am Ende des römischen Imperiums sein Rech zu begründen versuchte. Allerdings nennen die zeitgenössischen Quellen] den Namen der Stadt nicht, in der er seine Residenz aufschlug. Emdeutiz!, und ohne Variante preist nur das Heldenlied die Königsstadt Worms. Es erscheint unmöglich, daß ein späterer dichterischer Einfall allein |ol viel Bedeutung aus eine bestimmte Stadt hätte häufen können. Erst eint systematische Untersuchung der Burgundenspuren quer durch Deutschlaiito wird bie Frage bes Wormser Burgunberreichs im einzelnen klären. Wir wissen aber heute, bah bie Angaben des Nibelungenliedes auf Wahrheit beruhen und eine burgundische Königspsalz in Worms bestanden hat. N jenem frühen Jahrhundert war noch die Civitas Vangionum mit provin­zialrömischem Gepräge vorhanden. Die Burgunder waren als Hllssvcm der Römer in dieses Gebiet gekommen und in die römische Staatsver-, waltung eingegliedert worden. Es kann als wahrscheinlich angenommen werben, daß bie bewegten geschichtlichen Ereignisse ber Erhebung mw-- des Untergangs Gunthers sich im Raum des römischen Forums vollzogen haben. Hier dürfen wir die Oertlichkeit des tragischen VerhangnisstF suchen, die nie mehr aus dem Gedächtnis des Volkes schwand und die die Königspfalz um 1200 zum Vorbild der Burgunderresidenz im Nibt- lungenlied werden ließ. Die Burgunder wurden auf einem ihrer kriege­rischen Einsälle 435 von Aetius besiegt und im salzenden Jahre bni Königsgeschlecht bes Gundicar nach einem hunnischen UeberfaU vernicht Dem burgundischen Volk wurden neue Wohnsitze im Innern Gallie angewiesen. Der Untergang der Burgunder bedeutet aber trotzdem zuale-i das Ende der Römerherrschaft am Rhein. Nun setzt die endgültige San! nähme durch die Germanen ein, und zwar durch bie Alemannen.

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Zu machtvoller Blüte stieg Wormatia unter den Karolingern auf. Ar» monumentalen Verherrlichung des neuen Reichsgedankens wurde nun auf dem alten Forum die städtische Königspsalz errichtet. Kein Köniz, kein deutscher Kaiser schon von Pipin ab, der hier in Worms die all1 gemeine Reichsversammlung, das Märzfeld 764 abhielt, bis zu Karl V. mit dem Reichstag 1521, auf dem der Heros der evangelischen Kirche our dem Forum ber Welt ftanb, der nicht immer roieber in Worms residiert hätte. Der große Bischof Burchard, Berater ber Oktanen, war es bare, ber im Raum ber Königspfalz als Gaukirche den gewaltigen Dom ® das noch heute beherrschende Wahrzeichen der Stadt und der ganjt! Rheinebene errichtete, den Heinrich II. 1018 weihte.

Wenn man heute in ihm dem Hochamt vor dem wundervollen Ho-!>« altar im reinsten Barock folgt, wenn man zu diesen wuchtigen Pfeileck» aufblickt, bann ist es, als beginne ber rötliche Stein aufzublühen uwj in den Gewölben raune es von vergangener Macht unb Kaiserherrlichkeit-« Jahrhunberte ziehen vorüber. Schauer ber Ehrfurcht können uns über-» riefeln, denn die Stelle, auf der wir sitzen, war einst vor zwei JahM tausenden ein römisches Forum. Der römische Legionär ist hier vorbei geschritten, dann der Burgunder, der Alemanne, wie der Franke. findet sich wieder so leicht eine ehrwürdige Stätte in Deutschland, an bef| sich bie Zeitalter begegnen unb ihre Spuren hinterlassen haben, oo"« Rom, den Burgundern, Merowingern, Karolingern, sränkisch-salisch!" 1 Kaisern bis zu diesem Tag und dieser Stunde?

Das Wormser Stadtmuseum im altehrwürdigen Kollegiatstist St. Ais dreas, das weit über das lokale Interesse von großer Sehenswürdigst und Bedeutung ist, zeigt die Spuren der Römer in reichster Fülle. A schönsten vielleicht ist das Glas: Sturzbecher ohne Standfläche, Nuppe wie Rüsselbecher, die an Form wie Patina kaum den besten Schätzt»

" " ' - Köln nachstehen. Was die Funde bi1

aber der Umstand, daß vom Neolillji-