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kenn Ich besser als du. Und Angst, datz sch fle Dagmar wegesse, brauchst du nicht zu haben! Ich mag das labbrige Zeug nicht. Wenn es wenigstens welche mit Likör wären!"
Und ehe Leonhard aus dem Wagen heraus war und Einspruch erheben konnte, war sie mit dem Korb auf und davon, und Leonhard blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und das um so mehr, als Dagmar und ihre Mutter jetzt auf der Freitreppe erschienen und begrüht werden muhten. , „
Vor dem Frühstück traf er Dagmar in der Halle.
„Schämen solltest du dich!" lachte sie ihn an, „nicht mal Ostereier mit- zubringen, wo ich doch so gern Sühes esse!"
Er konnte nicht umhin, ihr Giselas kleinen Streich zu erzählen.
„Das sieht dir ähnlich!" sagte Dagmar.
Leonhard spürte eine gelinde Verärgerung, und als Dagmar weiter- fraqte- „Hast du wenigstens ,il)n< mitgebracht?" zuckte er die Achseln und machte ein undurchdringliches Gesicht. Um so größer meinte er, werde hernach ihre Freude sein, wenn sie den Ring in dem Osterei fand.
Das Frühstück zog sich länger hin, als Leonhard lieb mar: Dagmar kümmerte sich nicht um ihn, sondern bevorzugte aussällig DUektor Werm- kirchen, einen nicht unsympathischen, gescheiten Herrn von funsundvierzig.
Dann stürmte Gisela ins Zimmer: „Die Eier sind versteckt! Die von Leonhard für Dagmar im Gemüsegarten, die andern im Park!"
Und nun begann die Eiersuche. Dagmar ging zu Leonhards freudiger Ueberraschung gleich in den Gemüsegarten, sie trug den kleinen Lastkorb, den Gisela ihr zugeworfen hatte. Leonhard ging ihr nach, die andern verteilten sich in etwas auffälliger Diskretion im Park.
„Haft du ihn wirklich nicht?" fragte Dagmar, über die Schulter zuruck- blitfenb. Wiederum zuckte Leonhard die Achseln. Da fand he mit einem Freudenschrei das erste Ei, bann das zweite, das dritte und vierte. Uni) bann jubelte Dagmar auf: „Jetzt weih ich es: er steckt in einem Osterei. Auf der Stelle fing sie an, die gesammelten Eier aufzuwickeln und in den Mund zu stecken, und mit denen, die sie noch sand, machte sie es genau so. Leonhard begann das Schlimmste zu fürchten. . .
Und bann gesck-ah bas Unglück. Man hörte vom Park her einen Schrei unb aufgeregte Stimmer, bie beiben — Dagmar mit vollem JJiunbe qinqen schnell hin. Gisela hatte über eine gefällte Buche fpringen moüen unb sich das Fußgelenk verstaucht. Wermkirchen erbot sich, das Kind heim- zufabren, was sogleich' dankbar angenommen wurde; er trug die Kieme, die ihn kokett anlächelte, zu feinem Wagen und fuhr davon. Die Eier- fuche nahm ihren Fortgang, wenngleich in etwas gedämpfterer Spannung unb Aufmerksamkeit. , .
Leonhard ging neben Dagmar her, die Ei auf Ei fand unb aß —< nur nicht das ganz bestimmte rofarote. Ihm wurde bänglich.
Sind es jetzt alle?" fragte sie nach einer Weile erfolglosen Suchens. Eins fehlt noch", erklärte Leonhard mit mühsam gefestigter Stimme. Dann suche bitte allein weiter. Ich — mir — mir ist ganj übel ...
Dagmar wandte sich dem Hause zu, und Leonhard, dem sie dazubleiben bedeutet hatte, suchte allein weiter — vergeblich. Vielleicht hatte Gisela das Ei. gar nicht versteckt, sondern es einfach zuruckbehalten, um den beiden einen Streich zu spielen? Oder um es ihrem kleinen Bruder mit- zubrinqen, der gerade bie Masern gehabt unb daheim hatte bleiben müssen^ Unb plötzlich kam bem guten Leonharb ber Gedanke, ben Verlobungsring in ein Osterei zu tun unb biefes verstecken zu lassen, dermaßen kindisch vor, daß er sich scheute, ihn Dagmar einzugestehen. Sie kam gerade zurück, merkwürdig bleich.
, Es ist noch mal gut gegangen", sagte sie und hakte ihn unter; »komm mit ins Haus, die andern sind schon dort. Und, nicht wahr, vor dem Essen gibst du ihn mir, und dann sagen wir es den Eltern, und dann macht Papa es bei Tisch bekannt." -
Leonhard, in peinlichster Verlegenheit, stotterte etwas Dagmar ließ seinen Arm los und blieb stehen. „Hast du ihn etwa nicht mitgebracht? Und als sie sah, daß er rot wurde und nichts Rechtes zu sagen wußte, sagte sie beinahe zornig: „Du, schlimmstenfalls lasse ich dir Zett bis zum Abendessen — aber keine Minute länger!"
Das Mittagessen ging vorüber — Direktor ®erH1^'rd)e” !P°r,. wieder da; Dagmar ah kaum etwas und beschäftigte sich ausschließlich mit ihm. Leonhard empfand wühlende Eifersucht unb verwarf den Oebanfen, 3U Gisela zu fahren, bie auf einem Nachbargute wohnte, um nach dem Verbleib des Ostereies zu fragen. Wer weiß, wie Dagmar fein«। Abwefen- beit ausleqen und was mittlerweile geschehen konnte! Der Nachmittagskaffee in der Veranda ging ebenfalls vorüber. Leonhard wurde immer einsilbiger e« dämmerte, es dunkelte, man faß und horte Radiomusik. Dann stand Dagmar, grünlichblaß, auf flüsterte ihrer Mutter etwas zu und verschwand. „Zuviel Ostereier gegessen!" sagte Frau Wiegert lächelnd, als die Tür sich hinter Dagmar geschlossen hatte. Leonhard war trauriger rumute als je zuvor in feinem Leben. Er ging hinaus in den Gemuse- qarten Es war kälter geworden, dennoch plärrten vom Teich her die Frösche; ein Nachtvogel strich lautlos schwirrend vorüber. Und bann, als er sich schon wieber bem erleuchteten Hause zugewandt hatte, sah Leonhard etwas blinken; er bückte sich, und siehe da: in einer Rhabarberpflanze lag bas rosarote Osterei — es wäre zwischen ben Knollen unb rosa Stengeln unb unter ben breiten Blättern am Vormittag wirklich kaum zu bemerken gewesen. Leonharb fiel ein Stein vom Herzen. Er bat Dagmars Mutte: in bie Halle, fragte nach des Mädchens Befinden, und händigte ihr dann das Ei ein: das fei eine Medizin!
Frau Wiegert schüttelte den Kops, ging aber hinauf zu Dagmars Zimmer. Leonhard folgte.
Noch ein Osterei?" hörte er durch die angelehnte Tur Dagmars stöhnen. „Seonbarb ist ein Ekel! Ich kann kein Osterei mehr sehen - uh!
Da konnte Leonhard nicht anders. In klaffendem Widersvruch zu allen Gesetzen ber Schicklichkeit stürzte er ins Zimmer unb rief: „Wickle es aus, D Er hörte einen abgrundtiefen Seufzer, ein leises Rascheln und Knistern unb einen Freudenschrei. „Geh runter, Leonhard!" jubelte Dagmar. „Ich komme gleich noch. Jetzt bin ich wieder ganz gesund!"
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-st „irbt ersonnen, sondern gelebt wie das leibhaftige, schone, schwere und doch geliebte Leben zwischen Himmel und (Erbe, durch Sommer unb üßinter, Tag unb Nacht. Und alles Brauchtum ist Gott wohlgefällig wie inbrünstiges Gebet._
Das verlorene Osterei.
Eine Geschichte von E r n ft Sander.
Hütte in den ersten Februartagen einer seiner Bekannten bem guten Leonharb Berting auf ben Kopf zugesagt, Ostern werbe er verlobt (ein, jo würbe er mitleidig gelächelt ober, je nach Stimmung unb Gelegenheit, eine Wette auf bas Gegenteil abgeschlossen haben. Hatte jener Bekannte inbcjjen überbies noch hellsichtig behauptet: „Leonharb, Ostern werden Sie mit Dagmar Wiegert verlobt fein!", so würde Leonhard mit Recht haben antworten tannen: „Wer in aller Welt ist Dagmar Wiegert? Aber es Mud sich kein Bekannter, der Leonhard Berting auf diese Weise gewarnt ober, je nach dem, ihm einen Blick in verlockende Zukünfte eröffnet hatte.
Leonhard war ein jüngerer Rechtsanwalt mit guter und stetig wachsender Praxis, neunundzwanzig Jahre alt, dunkelblond, mit einigen Ersparnissen, jedoch ohne Vermögen, (Eigentümer eines zweisitzigen Sportwagens. Unb wer war Dagmar? Drittes Kinb eines mittleren norbbeutfdjen Gutsbesitzers, schmal, hellblonb, gefunber Sproß eines schweren, etwas wehleidigen Vaters und einer quicklebendigen Mutter, neunzehn Jahre alt unb mehr ber Stabt als bem ßanbe zugetan. Denn bort hatte sie auf einem ber großen Feste, bie um bie Faschingszeit gefeiert werden, Leonhard kennengelernt.'
Die beiden paßten zueinander unb hatten bas auch bald heraus« gefunden. Daß aus ihrer beider Verliebtheit gleichsam über Nacht eine helle feste Liebe geworden war, suchten sie, Kinder ihrer Zeit, nach Kräften hinter sportlicher Forschheit zu verbergen, unb auf einen Widerspruch von feiten der Eltern Dagmars brauchten sie schwerlich gefaßt zu [ein- denn Leonhard hatte bereits zweimal als (Saft in Heckenrode, dem Wiegertfchen Besitz, geweilt und hatte sich dort ebenso wohlgelitten gefühlt, wie er selbst dort gern gewesen war. Altmodisch umständliche Formeln, feierliches Anhalten, und was dergleichen mehr ist — darum brauchte Leonhard sich nicht zu kümmern. Aber dennoch war es sowohl ihm als auch Dagmar reichlich nüchtern und prosaisch vorgekommen, als er ihr an . einem der unverhofft warmen, blaugolbenen Frühlingstage um Mitte März eine ganj bestimmte Frage gestellt, die das Mädchen mit schöner Unum- wundenheit ohne das mindeste Zögern bejaht hatte. Es war auf ber Terrasse eines Cases gewesen, man hatte schon im Freien sitzen können, unb diese Gebanken hatten viele Menschen gehabt — so viele, baß es nicht einmal zu einem Verlobungskuh gekommen mar. Nur angelacht hatten sie einander, und sich unter dem Tisch die Hände gedrückt, und Leonharb hatte nicht umhin können, Dagmars Hanb sestzuhalten unb zu streicheln, wobei er ein bißchen rot geworden war. Dann waren sie, da bis zur Abfahrt von Dagmars Zug noch eine gute Stunde Zeit war, in ben Anlagen fpajieren gegangen; die Forsythien blühten gelb, bie Luft roch nach Erde unb Veilchen.
„Nun sind wir also heimlich verlobt!" sagte Leonharb, unb nachbem er sich umgeschaut hatte, ob sie halbwegs allein feien, was glücklicherweise der Fall war, näherte er fein Gesicht dem ihren. Aber Dagmar bog den Kopf weg. „Nicht hier", sagte sie, „unb eigentlich erst, wenn wir richtig verlobt sind. Mit Ring und Elternsegen. Vor allem aber mit Ring. Sie zog den linken Handschuh aus. „Sieh, da kommt er hin!
„Wann wollen wir es denn den (Eltern sagen?"
„Ach, weißt du — ein bißchen Überraschen wird es sie ja vielleicht doch. Ich muß das vorbereiten. Warte mal — am besten Ostern. Ostern ist ein Verlobungsfest. Eigentlich sind bas alle Feste. Wir haben Gaste -bu solltest übrigens auch eingelaben werben, neulich ist davon schon gesprochen W°J5a", sagte Leonhard. „Das ist schön. Ostern also! In gut drei Wochen."
„Aber vergiß den Ring nicht! Ohne Ring — das wäre keine richtige Verlobung^o nod)!„ ^fzte Leonhard. „Und das schlimmste ist, daß ich dich vorher kaum werde sehen können. Ich muß übermorgen ins Industriegebiet und einen Vertrag ausarbeiten, und dann zu meiner Mutter, zu der ich ja eigentlich über Ostern hatte reisen wollen."
„Guter' Da hast du also noch drei Wochen Zeit zur Selbstbesinnung. Sie sah ihn plötzlich ernst an: „Also, wenn du mir zu Ostern den Ring mitbringft, ist alles gut. Und wenn nicht, dann weiß ich, daß du es bir anders überlegt hast." „
Diese halb scherzhaften, halb ernstgemeinten Worte Dagmars losten in Leonhard die Eingebung zu dem Plan aus, der bann ...
Am Dftermorqen fuhr Leonhard in seinem kleinen roten Wagen nach Heckenrode. Aus dem freien Sitze lagen, in Seibenpapier gewickelt, Blumen für Dagmar und ihre Mutter, und außerdem stand dort ein Sponkorbchen mit Ostereiern. Obenauf lag ein besonders großes, in rosa Stanniol gewickeltes, das Leonhard während.der Fahrt hin und wieder mit zärtlichen Blickei, musterte — denn dieses Osterei war nicht aus Schokolade oder Marzipan wie die übrigen, sondern bestand aus poliertem Holz und netz sich ausklappen, unb darin lag, in dunkelgrünen Samt gebettet, ber Dagmar zugebachte Verlobungsring. Den eigenen trug er griffbereit in der linken Westentasche; er überzeugte sich während ber Fahrt mehrmals, ob er auch noch vorhanben sei. „ ,, ,
Als er vor bem Herrenhaus hielt — es standen schon m^re" ®1'9 auf bem weiten Platz, barunter ber Achtzylinber
von dem Leonhard wußte, daß er sich um Dagmar bemüht hatte, fr i m ohne den mindesten Erfolg — sprang ihm Gisela entgegen, Dagmars fünfzehnjährige Kusine. . , . . ..
„Tag. Leonhard", sagte sie, „Prost Ostern!" Sie duzte jeden, mit bem sie mehr als drei Worte gesprochen hatte, verbat sich ober energisch, b 6 sie selbst ebenfalls geduzt wurde. „Au fein, du haft Öftereier mitgebrad) . Zeig mal her. Die müssen wir nachher verstecken. Nee, laß man


