schmerzlicher, über zuletzt gleichgültiger Vorgang an ihrer Leiblichkeit. Gott selbst würde sterben, wenn diese Seele, die ein Teil seiner selbst ist,
Kein Wort der Jünger auf die Rede, die sie vernehmen, wird berichtet; nur ,ihr Herz brannte". So brennt das Herz dessen, der plötzlich im Dunkel der Zeit den einzigen Weg aufleuchten sieht, der Menschen nut Gott vereinigt und über die Vergänglichkeit hinaussuhrt: den Weg der entschlossenen Liebe und Lauterkeit, die jedes Leiden aufmmmt, um dem Geiste Gottes treu zu bleiben und andere zu gleicher Gotteimgkeit zu befreien
Woran aber erkennen sie ihn? Höchst bezeichnend an der Gebärde des Brotbrechens, an der Gebärde des Gebenden, des auch in der geringsten Gabe sich Gebenden. , . .. ,
Es wird nicht gesagt, daß sie nun auch ihres eigenen unvergänglichen höheren Seins gewiß waren, und gerade dies scheint mir den stärksten Ausdruck eines Geborgenseins in der Liebe Christi zu bedeuten — lebte er so waren sie gewiß, daß auch ihnen nichts geschehen könne. Von ihm geliebt, lebten auch sie, war er in Gott, so würden auch sie es einst sein, denn sie erinnerten sich des verheißenden Wortes: „Ich will keines von denen verlieren, die der Vater mir gegeben hat."
Einer ging voran, die Stätte zu bereiten; fein Name war: der Erstling vieler Brüder.
TamS 'm Dranchlum enthalten. In Sen einzelnen Stammen, Tn ixu Landschaften und Gauen erfahren sie ihre Ausschmückungen, treten ig schlichter, dort reicher auf und sind auch mancherorts in Vergefsenhek geraten. So wird in Baden das Eierlegen am Ostermontag, roobg Burschen um die Wette taufen, auch Reiten um ausgelegte Eier seltene:. Kinder vergnügen sich noch mit Eierpicken. Sie stoßen ihre Eier mit de„ stumpsen oder spitzen Ende gegeneinander. Das Ei, das zerbricht, mutz dem Gegner abgeliefert werden.
Das Ofterbrauckstum beginnt bereits am Gründonnerstag, der 15 alemannischen Landesteil auch „Hohdunschtig" heißt. Er ist ein Glück-- taa für die wissende Bäuerin. Sie kümmert sich an diesem Tag gen um ihre Blumenstöcke, die „Maien", schneidet abgestorbene Zweige «, gibt ihnen Dünger oder frische Erde und stellt sie ins Licht, vorab Ire Geranienstöcke, ferner backt sie. Die Hotzenwälderin muß Küchle backe,,, damit ihr das ganze Jahr weder Mehl noch „Anken" (Butter) ausgeh«.
Im Hanauerland wurden „Dfterflaben" gebacken, an manchen Orin Brezeln, Zöpfe, Kränze. Grünes Gemüse, Spinat, Salat wird gegessn.
Die Gründonnerstag-Eier eignen sich besonders, wie sie glaubt,, zur Brut; denn sie sind gesegnet. Oft bekommen die Männer am Ostei- (onntag die Eier vom Gründonnerstag zu essen; denn sie verhüten dc- Jahr hindurch Leibschäden des schwer arbeitenden Bauern. Er lupft sih keinen Bruch, er verheit sich nicht den Magen, er stürzt nicht von k Tenne und verletzt sich nicht mit Messer und Axt. Und bei jungen Bauern ist dann auch der Hoserbe sicher.
Immer noch wandeln am Gründonnerstag die Glocken aus di ein Kirchtürmen nach Rom, und die Meßbuben, dies vorab im fränkisch«» Bauernland, ziehen mit Klappern oder Rätschen durch die Gassen ui» bieten die „genaue Zett". Morgens und abends singen sie das A« Maria, und am Karsamstag nach dem Avesingen verbrennen sie in Odenwald den Judas auf einem Scheiterhaufen, und danach (ammtJi fie als Lohn für ihre lebendige Zeitwache Ostereier ein und mach«, damit Lebenschön am Ostertag.
Der Karfreitag ist still. Im protestantischen Markgraslerland ruht oll taute Arbeit, es ist der höchste Wochenseiertag im Jahr. In schwarz» Tracht, die stolze Hörnerkappe auf dem Kopf, gehen die Frauen 31111 Abendmahl, die Männer in schwarzen Röcken und steif gestärkten Hen den. Die Frau hebt das Sarfreitagsei im Verborgenen auf, es darf niisl gebraucht werden und fall frisch bleiben bis zum nächsten Karfreiiaz Cs schützt vor Blitzschlag. In katholischen Orten sät die Frau ihre” Blumengarten ein, aber im Erdboden darf nicht gegraben werden, soH gräbt man den Leichnam Christi aus. Die Gräber der Lieben aus 6eii Gottesacker werden besucht und geschmückt.
Das Wasser, immer ist das fließende Wasser gemeint, weit es rein hat am Karfreitag Heilkraft, man muß es aber „unbeschrauen" benützen gegen Hautausschläge, böse Finger, Sommersprossen. Vor ©onnenaufg« »i ist alles Gewässer am wirksamsten. Der Karfreitagstau ist auch von glü6 ttcher Wirkung. Das Vieh, das mit betautem Heu, welches man abeitte hinausgelegt hat, gefüttert wird, bleibt gesund. In Todtmoos im SchwE wald wie auch in anderen Orten ist der Karfreitag voller Wunder ft das Wachstum, und er hat Bannkraft gegen Ungeziefer, Ratten, Mä«, Käfer, Schlangen. Haare und Nägel fall man am Karfreitag schneiden, fn leiden bann nicht mehr an Krankheit und Schwund. Vieles ist zu beacht!» an diesem stillen Tag. Die Männer gehen nicht ins Wirtshaus, fluch!» nicht, es darf kein Streit im Heim fein, kein Gedudel. Kein Knecht |ol pfeifen, keine Magd fall kreischen, kein Blut soll fließen bei Mensch U.»l Tier. Die Seelen sind still unter der Last des Trauerns um Christi W Und doch, sie alle haben die Gewißheit, Mensch und Erde, das spüren <M sagen können sie es nicht in Worten: lieber eine kleine Weite geht dii dünkte Vorhang über das große Leiden auf und weht es mit hinauf >1 den österlichen Auferstehungshimmel.
Am Karsamstag rumort die Hausfrau in Stube und Küche. Stört st ja nicht! Sie muß putzen und backen und Deftereier färben und viel» beachten. Die Mädchen sind gurrig; denn die Oftertage geben ihnen 1M Erlebnisse. Die Mutter sagt ihnen, daß Osterwasser schön mache, unti1 schrien muß darin mindestens das Gesicht gebadet werden. Sie werden M tun. Die Anna weiß auch, daß sie am Ostermontag mit dem Franz „w Emmaus" gehen wird. Die Anna sowohl im Frankenwatd als das Anrr lis am Bodensee; denn das Auswärtsgehen zur Sippe, zu Vettern w* Basen im Nachbarbors ist überall gang und gäbe am Ostermontag, auch, vorab im Markgräflerland, am Himmelfahrtstag. Die Kinder |w wunderlich, weit sie geschrubbett werden, um am Ostersonntag bei Gotte Ehre einzulegen, wenn sie ihr Kuchen bringen und den „Osterh»- dasür einheimsen.
Nach der Auferstehung, spätestens aber am Ostermorgen, ehe Sonne aufgeht, muß an vielen Orten der Palmen aus dem Freien «»■ Haus geholt werden. Heia, daß bann ja ber Bursche, der dies tut w ein Möbel zufällig beim Osterwasserholen ober gar beim Waschen erwM Hell leuchten in Oer Frühbärnmerung bie Strohfeile an ben Obstbau flämmen, bie nach bem Auferstehungsiäuten herumgewickelt werden, dar»» die Bäume gut tragen sollen.
Und bann bricht der geweihte Tag an. Die Vögel fingen in Qubil® Chören, die Glocken schwingen in den Türmen: Hephata, tue dich Unter die Haustüren treten bie Männer und schauen geruhsam in ” sauber geschweifte Straße hinaus, ihre Hemdärmel sind blütenweih. 1'1 Frauen setzen die Töpfe aufs Feuer, die Kinder harren des Osterhk» mit seinem bunten (Belege. Die Mädchen werden nicht fertig mit tl)k* Staat und es sprengt sie fast die Ungeduld der Liebe. Ja, sie sind und blank vom Osterwasser. Die Burschen striegeln ihre Pferde auf leW Hochglanz. Der Bauer zieht den Kutschenwagen aus dem Schuppen. Glocken läuten. Und der Osterspaziergang der festlichen Seelen über » liebe Erde hebt an nach der Kirche, über bie Gottesäcker burch die ist s' Und es ist gerabe am Osterfest traurig, wenn es regnet ober trüb 1 unb ber April nach feinem Rufe „macht was er will". Denn nie sind O“ Stuben enger und alle Herzen offener ber Sonne zugewendet als mähre» der Auferstehung. .
Alles Brauchtum an Ostern ist gehoben aus dem Naturelement ahe' ■
Oesterliches Brauchtum.
Von Hermann Eris Busse.
Das Osterfest hat in ber Stadt auch schon manchen Brauch bewahrt, manche Handlung, bie „im Blut liegt." In hellen Scharen ziehen bie Leute aus den Mauern >n die freie Natur, wo die Quellen fpnngen und die Anemonen und Veilchen blühen und die Matten schon erholt vom Schneedruck und ber Frostbürre leuchtend grün find. Unb bie Kinder suchen in Gärten und Hecken ihre Ostereier. Das Spiel mit den Trillern (Tanzknöpfen) unb Klickern (Spielkugeln) nimmt in den schul- freicn Tagen im Märzenstaub oder Aprilglanz leidenschaftliche Formen an in Stabt unb Dors.
Der Frühling befreit bie Seelen aus ber Enge und Lichtkarghert des Winters. Alle werden feiner überdrüssig, selbst der schneefreudige Schi- Held Wenn er von ben Hängen herabstiebt und an ber Wintergrenze schon ben Krokus blühen sieht, schnallt er ab, fühlt sein kühnes Herz warm angehaucht unb trägt seine Bretteln über rieselnde Tauwetter- bäche unb Quellen in ben Talsrühlingz aber ben Leuten ist nicht ganz zu Helsen. Schon warten sie eigentlich auf den Sommer, um sich vom schiieeüberfprühten Berggeist zum Wasserschreck zu wandeln.
Ostern schließt wohl dem Frühling die Türe auf, doch verzichtet ber Winter nicht vom ersten April ab auf fein Wohnrecht im weiten Raum der Mutter Erde, lieber Nacht drängt er sich gern wieder ein, manchmal neckisch auf Windböen hergetragen, manchmal, besonders mittags, böse grollend mit Plitz und Donner, eisig speiend verschosst er sich Recht. Doch wird die Sonne rasch mit ihm Meister, hat sie erst einmal den frühlingshaften Schwung richtig geübt. Alles öffnet Herz und Sinn dem Ostertag entgegen Die Bäuerinnen sammeln bie Eier der Karwoche, um bie Jugend beschenken zu können. Die Männer stehen aus nassen Böden draußen im Freien und säubern die schmalen Kanäle durch die Wiesen, fahren mit Gülle und Mist. Mißmutige Arbeiten sind bas. Noch Ostern kommen Pflug unb Egge unb Sätuch unter die schon wieder gebräunte Hand; dabei ist der Bauer hochgemut.
Ostern ist da, das bäuerliche Jahr ist aufgegangen. Schon am Palmsonntag ging das Helle Fest als Vorfreude in ben seltsamen Aufmärschen der Palmbufchträger durch das Land. In der Stadt bringen sie nur noch grüne Sträuße zur Weihe in die Kirchen. Auf dem Dorfe aber, im Alemannen- wie im Frankengebiet, wachsen bie Palmbuschen, die Palmbesen, bie Dfterpälmen, an langen (Berten ober geschälten Tannenstämmchen oder Erlen-, Eschen-, Haselstangen befestigt, über die Köpse der Gläubigen hinaus. Ueberall haben sie landschaftliche Eigenart. Neues Grün und Immergrün, Weidenkätzchen und Stechlaub, Buchs- und Sevenbaum, auch Wacholder und Efeu gehören in ben Buschen. Im Breisgau und in der Baar machen sie kunstvolle Palmkronen mit roten Jlepfeln ober Beeren und bunten Bändern. Das Grün ist nicht die Hauptsache hier. Sie bilden aus Weiden, Tannästen oder Haselruten heilige Symbole nach, unb manche dieser künstlichen Palmen sind so prachtvoll wie bie großartigsten Schellenbäume. Im Hotzenwald nehmen sie Tännchen mit roten Aepseln behängt am Palmsonntag zum Weihen mit. Im Herrgottswinkel, im Garteneck, oben zur Firstlücke heraus, im Stall, bei ben Bienen werden bann geweihte Zweige ober bie ganzen Palmen aufgehoben, bis Ostern ober auch bis zum ersten Donner. Dann kommen sie in den First des Hauses, wo ehemals unsere Vorfahren ihre Heils- unb Bannmale aufhoben, bie Pferdeschädel oder Stiertöpfe. Das Heimwefen sollen sie schützen vor bösen Geistern, schlimmen Wünschen, vorab vor Blitz, Feuer unb Krankheit. Früher fanden auch wie in der Stadt so in ben (Bemeinben Palmeselprozefsionen statt, wobei ein linkisch geschnitzter Esel mit Christus feierlich herumgeführt wurde.
Die Frühlingsbräuche, die heute noch bie Bauern pflegen, bie vorab von der Bauernmutter, ber Erbhalterin ber Ueberlieferung, streng eingehalten werden, gehen zumeist aus vorchristliche Zeit zurück, die Kirche hat sie aber in ihren heiligen Kreis, oft verändert, oft auch ganz urfprünglid), aufgenommen; denn was fie einstens verbot an lang- ererbten Handlungen, das fetzten bie Bauern erst recht heimlich fort. Was ihnen in Blut unb Seele eingeboren ist, treibt keine Macht von ihnen weg. Unb fo ist, was heute erst allen Forschern desonbers tief unb deutlich offenbar wird, der Bauernstand das Kernstück des Volkstums geblieben; denn er hat uns doch feine Bräuche und vorab in den Frühlingstagen bie alte Zeit erhalten, bas Vätererbe im Geiste lebendig aufbewahrt.
Fast im ganzen deutschen Bauerntum sind die Dfterfpiele mit den Eiern, bas Ostergeheimnis um die Kraft des fließenden Wassers, des


