Ausgabe 
8.4.1939
 
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Lehrsatz, man beweist nicht, daß Gott vorhanden fei. Man beweist auch nicht die Auferstehung Christi, auch die Heilige Schrift tut das nicht.

Vielmehr: es ist die Ausgabe, Erlebniswege aufzuzeigen, auf denen ein Mensch plötzlich von der Ueberzeugung überwältigt wird, daß Jesus nicht im Tode bleiben konnte, Wege, auf denen ihm die Unvergänglichkett bewußt wird, weil ihm dessen ewiges und göttliches Teil so stark auf­leuchtet, daß der Gedanke an seine Vernichtung nicht nur unerträglich, sondern auch widersinnig erscheint. Es sind das also Wege, auf denen der Geist Gottes selbst in unserem Herzen die Gewißheit des Glaubens schafft wir haben nur diese Wege zu gehen mit der inneren Bereitschaft für die Geiftestat Gottes an unserer Seele. Jene Jünger find diesen Weg gegangen.

Am Abend des Ostertage; find zwei auf der Straße von Jerufalem nach Emmaus. Daß Lukas nur den Namen des einen Kleophas kennt, spricht für das Alter feiner Quelle; später hat man auch den anderen benannt. Beide Männer sind offenbar durch ihre Unruhe, ihren Schmerz, ihre Enttäuschung aus den dunklen Winkelgaffen der Hauptstadt in die Weite hinausgeworsen worden. Und felbstverständlich reden sie miteinander von allem, was geschehen ist. Die zahlreiche Anhängerschaft Jesu, die so gefürchtet war, daß man ihn bei Tage nicht zu fangen wagte, erweist sich, wie der römische Statthalter vorher wußte, als sehr wenig revolutionär. Kein Sturm auf den Palast des Hohenpriesters! Das kann nicht daran liegen, daß die Gefolgschaft Christi aus Feiglingen bestanden habe der Hohe Rat hat sie ja auch nicht dafür gehalten. Aber sie sind gelähmt. Ist es die erschütternde Sprache der vollendeten Tatsache? Eher ist es wohl die seelische Verwirrung dieser Gemüter: es ist etwas geschehen, was all ihren Vorstellungen von Christus widerspricht; sie denken nicht an Rache, sie quälen sich ab mit der furchtbaren Frage, die einst den ge­fangenen Johannes, den Täufer, in Verzweiflung stürzte:Bist du, der da kommen soll, oder sollen mir eines anderen warten?" Nicht die Macht der Christusgegner lähmt sie, sondern die unerwartete Tatsache, daß der, den sie für den gottgesandten Erlöser halten, sterben konnte. Der Tod Christi scheint ihn zu entthronen. Mit einem Wort, sie hatten erwartet, daß jener stärker sei als der Tod, einfach um des Eindrucks willen, den sie von ihm empfangen hatten. Vor der Tatsache des Kreuztodes murbeit sie an ihrem eigenen Erleben irre, an der Ueberzeugung, Jesus richtig gesehen und beurteilt zu haben als den Herrn des Lebens mar er wirklich ein Herr des Lebens?

Einer kommt hinter ihnen geschritten wie der Abend. Einer geht ihnen zur Seite und lieft ihre Trauer mit dem Blick des Herzenskündigers. Er fragt, sie antworten. Und in ihrer Antwort sagen sie, weshalb sie an Jesu unvergängliches Leben glauben:Er war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk." Auf diesen Eindruck hat sich ihr Glaube an seine Unvergänglichkeit aufgebaut, in diesen drei Dingen haben sie die Verbürgung seines ewigen Seins, seiner göttlichen lieber« ivindungsmacht auch dem Tode gegenüber zu finden gemeint: in seiner sieghaften Tatkraft, mit der er unerhörte Heilungen vollbrachte, in der Kühnheit, Gewalt und Gotterfülltheit seines Wortes, in dem Erfolg, der den unbekannten Galiläer erst zum heimlichen, nach dem Einzuge in die Hauptstadt auch zum öffentlichen Dolkskönig gemacht hatte. War nicht unwiderstehliche Lebensmacht in diesem Manne, trug er nicht sichtbar bas Zeichen des Gottgesandten an der Stirn? Glühte er nicht von Leben, bas aus dem Ewigen flutenb ins Ewige drängte? Es ist gut, sich hier klarzumachen, daß diese eindrucksvollen Dinge den unerschütterlichen Glauben an Christi Ewigkeit eben nicht begründen können. Und es ist gefährlich, hier sein eigentliches und übermenschliches Wesen erkennen zu wollen und damit den Blick für bas zu verlieren, was ihn wirklich als gotteinig unb barum als unvergänglich erscheinen läßt. Das Siegel feiner Herkunft ist nur zum Teil fein gewaltiges Wort; er hat weniger Neues unb Unerhörtes gesagt, als bie meisten annehmen; er hat im großen ganzen, freilich nicht nur das, verkündigt, was zuvor schon die Propheten, die Psalmisten und die Weisen am. Tor verkündigt hatten. Auch seine Wunderkraft, feine geistige Macht über fremde Gebundenheit ist nicht das Eigentümliche an ihm: bie Apostel haben Aehnliches vollbracht, unb bis heute gibt es Menschen, bie ber Höchste mit heilenber Geistesgerafftheit begnabigte. Auch ber Erfolg ist es nicht: hinter bem politischen Mürber Barrabas ftanben in einer bösen Stunde mehr. Sondern unb nun beutet ber Frembe auf bem Weg nach Emmaus bas große Geheimnis bas, was Jefus über alle Menschen erhob, unb was feiner ihm nachtut, ist fein unfchulbiges, freigewähltes Leiden bis in den Tod. Hierdurch allein gewinnt er ein unvergängliches Leben. Denn hier ist Gottes Wesen von einem menschlichen Herzen völlig angeeignet: die strömende Hingabe, die Reinheit des guten Willens, die lebenschaffende Geduld und Güte, das was fein soll und was schlechthin göttlich und damit ewig ist. Eine Seele, die so mit Gott eins ward, nicht nur im Denken, nein, mit dem ganzen Bestand aller Regungen, Willensantriebe, fühlend bis ins innerste Herz, gelöst von allen Bindungen des Niedrig-Vergänglichen bie lebt schon unverzüglich vor bem Tobe, unb ber Tod ist ihr nur noch ein

Samstag, den 8. April

Nummer 28

»tgang 1959

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Älan könnte nun sagen, daß wir diese Geschichte in unserer Bibel Pw> unb daß sie nicht wie andere Geschichten von Jesus Christus im tofturm der Zeit verschüttet wurde, daß sie geschehen ist, weil sie Mbar schön ist. Wir fragen ja auch nicht eine Blume oder einen "le lein: Weshalb seid ihr da? Sie bezeugen ihr Daseinsrecht durch sich

3tt meinem Garten...

Von Karl Bröger.

In meinem Garten schauern die Bäume, sind nur noch Träume und lauter Erwarten.

Aus ihren Zweigen der Winter fällt, lieber das stumme Neigen Sonne die fpenbenben Hände hält.

Knospen, braun und prall, drängen sich überall, und mein Blut, dumpf und ungemut, steigt mit den Säften ber Bäume ins Licht Herz, wenn nun bie Rinde bricht, wirst bu mit Blüten im Winbe schaukeln, töricht sein, selig (ein, und im köstlichen Morgenschein werben bich Falter umgaukeln.

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iefjcitet Samilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

. D« tein: Weshalb feib ihr ba? Sie bezeugen ihr Daseinsrecht burch sich - [*» Sie sind wi» Besitztümer, die Gott verlor, als er einmal über diese

.. i schritt. Es tut gut, auch die Emmausgeschichte einmal so zu nehmen, " i F1.301" betrachtend, ohne Frage und im Gefühl der Gottesnähe.

- ennoch glaube ich, daß der Erzähler noch eine befonbeta Absicht hegte: |F,n flicht zu erwecken. Die Erzählung vom Gesicht ber Emmaussünger ! »ie Auferstehung Christi irgenbmie gewiß machen. Es fragt sich nur, - »r welchem Wege.

is ". L'iins scheint mir sicher: sie soll bie Auferstehung nichtbeweisen" benn .L «in ebensowenig bewiesen werden wie bas Dasein Gottes selbst. Es F.an der Zeit, das Wortbeweisen" endlich aus bem Bezirk bes R.ofen Lebens zu entfernen, benn es stammt aus der Welt des rein fnndesmäßigen Denkens. In biefem Bereich gilt es freilich, bas nach- LtD®r Wirkliche aufzuzeigen, bas in Raum und Zeit Gebannte oder bas, Gesetz ist in unserem Denken. Man berodfixeinen mathematischen

Ostern.

Von Heinrich Wolfgang Seidel.

Heinrich Wolfgang S e i b e l ist ein Sohn des Ingenieurs unb Dichters Heinrich Seidel, des Verfassers vonLeberecht Hühnchen", unb verheiratet mit ber Dichterin Ina Seibel, bereu große RomaneDas Wunschkinb" unbLennacker" weite Verbreitung fanden. Heinrich Wolfgang Seidel hat selbst einige ausgezeichnete, leider minder bekannte Romane ge­schrieben, wie z. B. die stille,, besinnliche und von überlegener Heiterkeit getragene ErzählungKrüsemann".

Oerselbe unbekannte Christ, bem Lukas bie Weihnachtsgeschichte, bie Michnisse vom barmherzigen Samariter unb vom verlorenen Sohn Mlimnkt, hat ihm auch die Erzählung von den Emmausjüngern über- Mslt. Sie ist eine ganz einzig dastehende Ueberlieferung: anmutig unb 'chs von brennendem herzen erlebt unb wie ber Aufgang eines Sternes Ml'Abendhimmel; benn nicht bie Morgenröte unb das frühe Licht ber Pftirfonne hat sie geboren; es ist eine Geschichte ber Dämmerung, unb Mstus burchbringt bie Nacht unb wirb eins mit ber Nacht; aber diese |W ist die Nacht behüteter Kinder, an deren Bett Engel mit goldenen Wertem Wache halten; diese Nacht ist die erste, da Christi Jünger er schliefen wie einst: tief geborgen im Arm bes Barmherzigen.

L Es wird eine Erscheinung bes Auferstanbenen erzählt, unb die Form ^Darstellung, in ber alles gleichsam feine festen Umrisse verliert, ent- TOt bem visionären Erlebnis; wir fühlen unmittelbar, daß es sich M um sehr zarte und kaum mit Worten auszudrückende seelische Er- Ife handelt. Was geschieht, erleben Menschen, bereit Augen gehalten W und als diese geöffnet werden, als sie wieder in irdischer Weise die A-r dieser Welt aufnahmen, die Herberge und den hölzernen Tisch, lontrug und bas zerbrochene Brot in ihrer fjanb: ba ist er, ber «'ter, ber sekundenschnell Erkannte, wieder entschwunden. Aber es ist E®in ihnen ein Wissen und eine Gewißheit, daß jener lebe, ja, die Süßheit bes Lebens überhaupt, eines Lebensvon Ewigkeit zu Ewig-