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Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Drühlsche Untversitätsdruckerel 2t. Lange, Gießen.
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Ermüdet und verwirrt gelangte der Prophet durch "die schwärmende Masse, über die Brücke und durchs Tor ins Freie, wo die letzten ihn verließen. Traurig erreichte er den Wald und suchte niedergeschlagen lene Orte auf, an denen er zuweilen Gottes Nähe gespürt hatte. Betend, doch ohne Hoffnung, jrrte er umher, immer deutlicher fühlend, daß er eine Mission auf sich genommen habe, die über seine Kräfte ging. Nutzlos war nun all das Gute, was er hatte den Menschen erweisen können! Zu nichts hatte es geführt als zu Aberglauben und ungeduldiger Wundersucht — statt sich Gott zu ergeben, wollten die Menschen ihm seine Gaben abtrotzen, und er selber war dieser schwülen Macht erlegen. Es würde mit Leid und Sünde enden. Er betete nicht mehr um das Kommen des Heilands, er betete nur noch um Vergebung für das Bolt und das, was er auf sich laden würde.
Als er am vierten Tag gebeugt und langsam in die Stadt einzog, war sein Gesicht alt, und sein Haar weiß geworden. Schweigend erwartete ihn das Volk, und manche knieten nieder, wo er vorbeiging.
„Hast du Gott gesehen?" rief das Volk ihm zu. „Hast du uns den Heiland gebracht?"
Er schlug die Augen auf und sagte: „Kinder, der Heiland läßt sich nicht mit Gewalt und Trotz bezwingen. Dies hat der Heiland zu mir gesagt: Gehe hin und stirb für deine Stadt, wie ich für die Welt gestorben bin.'
Eine Weile fesselte Schrecken und Enttäuschung die Menge. Dann sprang ein alter Mann mit einem Fluch auf und spie dem Propheten ins Gesicht. Und dann kam Hannes zu Fall und erlag lautlos der Wut des Volkes.
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Juli.
Bon Theodor Storm. Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht, Seine Aehren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur — Junge Frau, was sinnst du nur?
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Friedrich Hebbel gesteht einmal: „Ich freue mich jedes Tags: Mittagsmahl und besonders die bei einem Glase Bier und einem Bitter brot verplauderte letzte Abendstunde ist mir immer ein Fest, und ich nchn keine andern Wunsch mehr als den natürlichen, der in allen Verhältms« übrig bleibt, daß es bleiben möge, wie es ist". Und seiner Frau beton er: „Unendlich fehlst du mir, ich bin ein geteilter, auseinandergespaltm Mensch!" Er begnügt sich mit dem „kleinen Glück" — das wohl intim das große Glück ist.
Wilhelm von Humboldt war häufig von seiner Familie getan! manchmal viele Monate, einmal sogar Jahre lang. Seine und Kamm von Humboldts Briefe sind erschütternd zu lesen: zwei Menschen ;et suchen, über die Entfernungen Brücken zu schlagen. Er schreibt ihr in mal, nachdem sie in Berlin lange krank gelegen, aus Rom: „Es ist Mi heilige Feuer, womit du das bessere Leben in mir erhältst, in den Kleii« entzündest. Darum stellte ich es mir so schrecklich vor, wenn sie dick j verlieren sollten. Was du ihnen bist, würde vielleicht mancher gar »ich in feiner eigentlichen Kraft fassen, du selbst kannst es nicht oder nur M fühlen, es nicht das, was du für sie tust, nicht gerade das Gängeln, 3» fern, Erziehen, was dir nicht einmal sehr eigen ist, aber es ist, wohl ich sagen, der Hauch, mit dem du sie umgibst, und man würde bald Verblühen sehen, wenn du ihnen lange fehltest. Verzeih, meine LnÄ wenn ich das noch stärker fühle, wenn du mir fehlst, aber es ist eben »hl ein Element, in dem man lebt, ohne gewahr zu werden, was einem mchs tut. Allein ich fühle tief, daß es so ist... Jeder Ton von dir hat etroo: I» unendlich Beruhigendes, er kommt aus unserem ganzen Leben zusanMn, aus einer Reihe so verschiedener und sich doch immer in dem Einen k fühl der Liebe gleicher Stimmungen hervor. Ich kann mir das 8m nicht denken, das ich führen könnte, ohne diese Töne zu hören, untH habe es schon oft bei mir bedacht und bin auch gewiß überzeugt, bah mir uns nicht lange einander überleben werden ..."
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Eheleute in ihren Briefen.
Ban Gerhard Schäke.
0 Mann, o Frau, sag nicht mehr „Ich", sag „Wir" -
„Ich" schnürt die Ketten fester, „Wir" macht frei.
Holländische Inschrift am Konsumgebäude De Bolharding in den Haag.
Die recht kurzlebig gewesene Zeit der neuen Sachlichkeit vertrug sich nicht mit Gefühlsäußerungen, am wenigsten in Briefen. Man beschränkt-' sich auf Tatsachen und knappe Farm, der kaufmännische Briefstiel wurde selbst im persönlichsten Schreiben übernommen. Und wer über den Zusammenbruch der Gefühle jammerte und das Schwinden der Herzlichkeit bedauerte, wurde -wegen großväterlicher Gesittung abgetan. Wer noch Briefe zu schreiben vermochte und es gern tat, mußte sichs gefallen lassen, geistig ins Zeitalter des Rokoko und Biedermeier gerechnet zu werden. Wie wenig diese sachliche und mir äußerliche Haltung dem wahren Gefühlsleben entsprach, bewiesen die gleichzeitigen Geschehnisse: wenn auch zahlreiche Preisausschreiben nach dem besten zeitgenössischen Liebesbrief ergebnislos verliefen ober nur eine recht künstliche, literatenhafte Ernte brachten, so gab es doch niemals mehr Sammelausgaben von Briefen. Was zu allen Epochen Eltern den Kindern, Heranwachsende den Gereiften, Liebesleute einander geschrieben hatte, wurde mit Fleiß und Sorgfalt gesammelt, gesichtet und gedruckt — und manche dieser Briefsammlungen erlebte einen bemerkenswerten Bucherfolg. Man flüchtete in die Welt der Briefe, suchte das Beispiel und das Vorbild, um sich gleichzeitig zu überzeugen, daß die großen Dinge des Lebens auf die Dauer nicht von der Mode des Tages diktiert werden.
Im Briefe suchte man die Bestätigung der Richtigkeit der eigenen Gefühle. Wer noch nicht ganz von den gebrauchsfertigen Anschauungen des Tages verdorben war, erkannte die Hohlheit der weitverbreiteten Phrasen von Sachlichkeit, Freiheit und Kameradschaft, die den wahren Sinn der Begriffe vernebelten. Auch Siebe und Ehe bauen sich auf ehernen Gesetzen auf. Was Freibank um 1230 schrieb, gilt noch heute, nach mehr als 700 Jahren: „Hienieden lebt kein Mann so frei / Der ohne Wibersacher sei / Doch näher geht ihm nie ein Strauß / Als den er kämpfen muh zu Haus."
Diktatoren und Künstler, Staatsmänner und Bürgersleute — sie haben älle ben tiefsten Sinn ber Ehe erfaßt und ihre Briefe sind Zeugnisse leidenschaftlicher und aufrichtiger Bekenntnisse, wi« gering das Dasein wäre ohne den anderen — ohne Familie, Kinder und Heim. Selbst ein so kaltherziger Despot wie Napoleon vermochte — als er noch Chef der italienischen Arme war — seiner Frau Josephine zu schreiben: „Ich habe Unrecht! Ich klage dich an — und du bist krank! Die Liebe hatte mir den Verstand geraubt, verzeih, ich werde ihn nicht wiederfinden. Mein Leben ist ein Traum ohne Ende, ein dunkles Vorgefühl hindert mich am Atmen, ich bin hoffnungslos. Schreibe mir zehn Seiten, das allein kann mich trösten. Du bist krank, du liebst mich, du bist schwanger und ich sehe nichts von dir. Ein Kind, entzückend wie du, soll in deinen Armen liegen! Konnte ich dich nur einen Tag lang sehen!"
Der hessische Dichter Georg Büchner ift jung gestorben, noch eh ist Braut feine Frau wurde. Mit wieviel Liebe weiß er ihr, aus Zürich, üs« Wochen vor dem Tode, sein Herz auszuschütten: „Mein lieb Kind, du ® voll zärtlicher Besorgnis und willst krank werden vor Angst: ich gbu« gar du stirbst — aber ich habe keine Lust zum Sterben und ich bin gefiw wie je. Ich glaube, die Furcht vor der Pflege hier hat mich gesund » macht: in Straßburg wäre es ganz angenehm gewesen, und ich hätte W mit dem größten Behagen ins Bett gelegt, vierzehn Tage lang: ™ St. Guillaume Nr. 66, links eine Treppe hoch, in einem etwas ÜM Zwergen Zimmer mit grüner Tapete! (Anm.: Wohnung der Braut!) W ich dort umsonst geklingelt? Cs ist mir heut einigermaßen innerlich ** ich zehre noch von gestern, die Sonne war groß und warm im reiiT«1 Himmel — und dazu hab ich meine Laterne gelöscht und einen Menschen an die Brust gedrückt, nämlich einen kleinen Wirt, der auslm wie ein betrunkenes Kaninchen und mir in seinem prächtigen Hause >f ber Stadt ein großes elegantes Zimmer vermietet hat. Edler Mu- Das Haus steht nicht weit vom See, vor meinen Fenstern die WV fläche und von allen Seiten die Alpen wie sonnenglänzendes ®etm» Du kommst bald? Mit dein Jugend mut ists fort, ich bekomme sonst QM« Haare: ich. muß mich halb an deiner inneren Glückseligkeit stärken deiner göttlichen Unbefangenheit und deinem lieben Leichtsinn und »
Auch Goethe weiß, wenn er auf Reisen ist, Christiane seiner ihn» änderlich tiefen Neigung und feiner Sehnsucht zu versichern: „Ob ich mh ■■■ gleich langsam von dir nur immer entferne, so will ich dir doch um ich geschwinder wieder schreiben, damit du niemals an meinen Nachriükn Mangel hast. Je mehr ich neue Gegenstände sehe, desto mehr wünsch« ä sie dir zu zeigen, du würdest finden, baß überall grober Verstand, rt Wirtschaft und Neigung und Beharrlichkeit ben Grunb von allen > ständen ausmacht, und du würdest noch einmal so gern mit mir unüi dem meinigen (eben, wenn du die Art zu fein so vieler Menschen ges«B hättest. Bei allem werde ich deiner gedenken und werde dir um so li«W etwas davon sagen. Mein einziger Wunsch bleibt immer, daß ich Mit I« und dem Kinde, wenn seine Natur ein bißchen mehr befestigt ist, IM
deinen bösen Eigenschaften, böses Mädchen!"
Wer von Bismarck etwas mehr kennt als seine politischen^'' staatsmännischen Leistungen, der weiß, welche bezaubernden, oft W* rischen Briese er zu schreiben verstand. Die Briefe an seine Frau geb«1” Zu den herrlichsten und unvergeßlichsten, die je ein Mann geschrE» Und dieses Bekenntnis aus dem Jahre 1851 ist eines unter vielen: habe dich geheiratet, um dich in Gatt und nach dem Bedürfnis nM's' Herzens zu lieben, und um in ber fremden Welt eine Stelle für tu«’ Herzzu haben, die all ihre dürren Winde nicht erkälten unb an ber ■ die Wärme des heimatlichen Kaminfeuers finde, an das ich mich bn>«r, wenn es draußen stürmt unb friert — nicht aber um eine Gesellfch«S frau für andere zu haben. Es gibt nichts, was mir nächst Gattes W» Herzigkeit teurer, lieber unb notwendiger ist als deine Liebe und > ' heimatliche Herb, der überall auch in ber Fremde zwischen uns h™ wenn wir beieinander sind." »x |
Von Gustav Freytag stammen diese Zellen: „Rastlos rinfll■ ' denkende Geist nach dem Ewigen, wer aber Weib und Kind am hält, ber fühlt sich ber hohen Gewalt unseres Lebens innig verbünde«' seligem Frieden." Er fühlte wie viele, welches Glück in einer Ehe in der sich Mann unb Frau zufammengefunben haben, welche Kraft ^ ■ diesem Verhältnis des grenzenlosen Vertrauens und der unbebiW Hingabe in guten und schlechten Zeiten — unb wohl gerabe in Seiten > Prüfungen, die keiner Ehe erspart bleiben — hervorgehen kann.
Auch Richard Wagners Geständnis an Cosima deutet ben Zustanb an, der von dem Zusammensein, dem Miteinanderleben 3 * Menschen bedingt ist: „Nicht nur liebe ich dich, sondern ich lebe dich. " j du im mindesten betrübt und bekümmert bist, bin ich lahm wie ein -o»■ der am Flügel verwundet ist." 3J


