fangenheit gerissen.
Hätte man den General von Marbitz in jenen Augenblicken photo-
— es war damals eine neue und nicht allgemeine
sein eignes Gesicht nicht wiedererkannt, so erstaunt
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macht leichtsinnig.
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graphieren können Kunst —, er hätte war er.
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vor allem die Weiber kennt, darüber hinweg. Und in einem gänzlich änderten Tone fragte er: „Cs ist noch eine Frage zu klären: Haben sich über Ihren Transportführer zu beklagen?"
Die Augen des Kronprinzen stteiften das Antlitz der jungen Engländerin. Friedrich Wilhelm bemerkte Verwunderung und Angst darin. Die Angst hielt seinen Blick sest, er fragte Ann: „Er hat Sie geküßt, nicht wahr?"
Der General von Marbitz hatte, bevor Ann vorgeführt worden war, wie in einer Bleirüstung gesteckt, dann aber fühlte er sich wie einer, der Flügel bekommen hat und sich im nächsten Augenblick jubelnd in die Luft erheben kann. Ihm war sowohl gewesen, daß es beinahe unbehaglich
Da erhob sich Friedrich Wilhelm und reichte Ann Moreland die HaM. Sie ließ sie ihm, verwundert und im Nu in einen Wirbel von Be-
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Seine Augen, mit heiteren Lichtern gefüllt, zwinkerten zwischen ling und Ann hin und her. Seine Mienen standen in einem erkennbaren Gegensatz zu den strengen Worten, die er an Kelling richtete: „Ich weiß nicht, was ich über Sie beschließen soll, Premierleutnant Kelling."
Ann schwieg. Aber sie war voller Aufmerksamkeit, als der Kronprinz, zu Kelling gewandt, sortsuhr: „Ich suche um des Generals Marbitz willen, dessen Sorge ich spüre, nach Milderungsgrllnden. Der einzige Grund ist, daß Sie nicht wußten, wie sehr Ann Moreland unter unserer Fürsorge stand!"
„Aber ich würde doch Gilbert wieder ausreißen", sagte Ann ungebeugt.
Der Kronprinz schien zu glauben, daß hier kindische Einwände einen Tanz ansagten, der in einer natürlichen Erschöpfung der Beweisgründe sein Ende finden würde. Er hörte wie ein Philosoph, der die Wett
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Der Kronprinz reichte Ann Morelarrd die Hand!
Der Premierleutnant Kelling, der auf Streife und im Kampf schon manche Attacke geritten hatte, ohne daß ihn schwindelte und ohne daß sich die Welt vor seinen Augen verwirrte, glaubte zu schwanken, bis er erkannte, daß sich die Wände des Zimmers drehten.
Nein, die Wände standen still, offenbar trieb nur sein Herz das Blut so gewaltig durch die Adern, daß das Bild der Welt vor seinen Augen verschwamm, und in diesem verschwimmenden Märchenbild tanzten der Kronprinz, Marbitz, Ann und alle Gegenstände des Zimmers.
Der Kronprinz reichte Ann Moreland die Hand!!!
Ja, Friedrich Wilhelm nahm Anns Hand in seine beiden Hände und umschloß sie. Sie. aber hatte das Gefühl, als erfülle eine neue starke Kraft ihr ganzes Wesen.
„Meine Frau", sagte der Kronprinz, „wird sich freuen!" Dann ließ er Ann los und wandte sich plaudernd zu Marbitz: „Es ist alles richtig, was Ann Moreland uns erzählt hat! Sie ist in Paris ausgerissen! Sir Anthony Moreland, der besorgte Vater, der wohl über den Streich seines Töchterchens" — hier lachte der Kronprinz — „noch Nachricht aus Paris bekommen hat —"
„Sicher von Tante Vivian!" platzte Ann heraus. Ihre alte Unbefangenheit marschierte mit Trompetenstößen herauf. Das Gefühl der neuen Geborgenheit hatte gesiegt.
„Auf jeden Fall erinnerte sich Sir Anthony Moreland der glücklichen Tatsache", sagte Friedrich Wilhelm, „daß meine Frau eine Engländerin ist, und eine englische Prinzessin", und damit wandte er sich wieder lächelnd zu Ann, „läßt eine Landsmännin nicht im Stich, auch wenn die Prinzessin Kronprinzessin von Preußen geworden ist!"
Friedrich Wilhelm nahm einen Brief vom Tisch und reichte ihn Ann. „Das ist der Brief Ihres Vaters an meine Frau, und der Brief ist die Ursache meines Befehls, man solle. Sie unter Beobachtung jeder Aufmerksamkeit mir zuführen! Ich meinte die Aufmerksamkeit, die einer Dame gebührt!" Er lachte: „Ich vergaß, daß die Anordnung in den rauhen Kriegsläuften mißverstanden werden mußte! Es wurde eine sehr harte Aufmerksamkeit daraus! Nun, das haben Sie ja erfahren!"
„Es ist vorüber. Königliche Hoheit", lächelte Ann mit bezwingender Anmut.
„Da ist", plauderte der Kronprinz weiter, „noch ein Bericht! Ein gewisser Gilbert Jlliugton hat Paris in einem Freiballon verlassen und ist bei der Landung von bayrischen Chevauxlegers gefangengenornmsn worden. Der seltsame Gefangene behauptet, er sei auf der Suche nach einer gewissen Ann Moreland gewesen! Man hat auch einen Pah, auf den gleichen Namen lautend, bei ihm gefunden!"
„Meinen Paß!" sagte Ann.
„Sie sehen, nicht nur die Erde, auch der Himmel ist zu Ihrer Rettung alarmiert worden", lachte der Kronprinz. „Vermute ich recht, ist Gilbert Jllington der Mann, vor dem Sie ausgerissen sind?"
„Er ist es!" .
„Der Ballon ist zwar nicht im Bereich meiner Armee niedergegangen, aber ich werde mich dafür verwenden, daß Lord Jllington sreigelassen wird!"
„Das wäre sehr gütig, Königliche Hoheit", sagte Ann, die ihre volle Sicherheit wiedergewonnen hatte. Sie gönne Gilbert nichts Böses und freute sich.
„Ich muß nun allerdings meine Frau über Ihr Schicksal beruhigen", meinte der Kronprinz, „da wäre es am besten, ich vertraue Sie diesem Jllington an, damit er Sie sicher nach England bringt!"
Ann Moreland ließ sich von seiner ruhigen .gütigen Art das Herz öffnen, aber als der Kronprinz Gilbert zum zweiten Male erwähnte, hißte das Schifflein des Trotzes, das sogleich stöhlich wieder aufkreuzte, die alte Flagge des Widerstandes.
„Sie überhäufen mich mit Gute und Freundlichkeit, Königliche Hoheit, aber mit Gilbert werde ich trotzdem nicht reifen!"
„Sie werden mästen, mein Kind", erwiderte der. Kronprinz verwundert, „Sie reifen über Deutschland nach England, oder glauben Sie, wir können Sie hierbehalten?"
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„Der Kelling wird den Racker schon zähmen", überlegte Friedrich Wilhelm, „ach und die anderen Gesangenen! Den Maire lassen Sie frei, der Poiporenee kommt in ein Gefangenenlager und die Erstelle fchteben wir ab nach Dignelles für mer, sie hat es verdient, es wird ihr nichts schaden, und Beseht ist Befehl. Und der Hauptmann Baernburg hat dann wenigstens in einer Sache recht. Glauben Sie, daß die beuten nun einig sind?" Der Kronprinz hob lauschend den Kops gegen die Tur.
„Man hört kein Wort", sagte Marbitz befangen.
war. Aber jetzt fchfoß sich Me Metrustung wieder um fein Gemüt wie die zwei Hälften eines Folterinstrumentes, und er atmete schwer.
Da sagte Ann Moreland: „Nein, er hat mich nicht geküßt!"
Friedrich Wilhelm stutzte, er warf stumm eine verwunderte Geste zu Marbitz hinüber. Hatte ihm der General nicht gestanden, der Premier» leutnant Kelling habe die Moreland im Quartier in Blisseron in feine Arme genommen?
Marbitz aber gab erschrocken die Geste an Kelling weiter. Der aber stand mit unbewegten Mienen wie ein Mann, der den Sturmwind an« nimmt, der ihm ins Gesicht klatscht, und entschlossen ist, keine Wirkung zu zeigen.
„Ich habe ihn geküßt. Königliche Hoheit, nicht er mich', sagte Ann und fügte hinzu: „Er ist ganz schuldlos!"
Der Kronprinz übersah den begeisterten Glanz in den Augen der Frau, die ihrer Liebe zu Hilfe eilte, keineswegs. Er schmunzelte zum Fenster hinaus und fühlte, wie ein Lachen durch feinen Körper rann und ihn froh erschütterte. Aber er zeigte es nicht.
„Dann sieht der Fall anders aus, Ihrem Zeugnis muh ich glauben", sagte Friedrich Wilhelm nach einer Weile, „bann sind also S i e die Schuldige! Was sollte aber aus meiner Armee werden, wenn junge Damen einfach, weil es ihnen so gefällt, meine Offiziere mir nichts dir nichts überfallen und adküsten?! Ein höchst gefährliches Unterfangen, Miß Moreland! Tut es Ihnen wenigstens leid?" schloß er streng.
Ihre Züge waren gelöst und befreit. Nichts Hartes war mehr in ihnen, aber das Glück, nun in allen Kammern des Herzens daheim, schickte einen Abglanz hinauf in das Antlitz. Es leuchtete wie die Sonne, die draußen immer mehr Wolken zur Seite schob und schon den großen blauen Mantel des Himmels trug, nur noch wie ein Saum an diesem Mantel hingen ein paar Wolkensetzen am Horizont.
„Nein, ich bereue nicht, den Premierleutnant Kelling geküßt zu haben", sagte Aiin Moreland.
„Und warum nicht, Sie widerspenstige Dame?" forderte Friedrich Wilhelm.
„Weil ich ihn liebe", erwiderte sie mit einer Innigkeit, bei der Gilbert Jllington, der je und je solchen Ton vergeblich ersehnt hatte, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte vor lauter Verwunderung.
Der Kronprinz schien ratlos. „Lieber Marbitz, das ist ja hoffnungslos! Da habe ich mir etwas ausgeladen! Wissen Sie einen Ausweg?"
Marbitz, der nur an seinen Schützling dachte, sah in seiner Sorge nicht die Aufforderung zu einem heiteren Spiel, die in den Mienen des Kronprinzen stand und fragte: „Werden Königliche Hoheit den Premierleutnant Kelling beftrafen?"
Friedrich Wilhelm schüttelte verzweifelt den Kopf. Er war unzufrieden mit Marbitz, der sich auf einen geheimen Wink offenbar nicht verstand und in eine Sache hineintrampelte wie mit Kürassierstieseln, statt einen ordentlichen Spaß anrühren zu helfen.
„Nicht bestrafen? Eine verzwickte Sache! Küssen ober küssen lassen! Es geht nicht so hin!" Er blieb vor Kelling stehen: „Was meinen Sie?"
„Mit Verlaub, Königliche Hoheit, ich habe mich mit Vergnügen küssen lassen! Ich habe auch wiebergeküßt! Ja, Königliche Hoheit, genau besehen und erinnert: vielleicht war doch ich es, der zuerst geküßt hat!"
„Nein, ich!" fieberte Ann. Sie stellte sich neben Kelling, sie stieß ihn an, offenbar benutzte er die Wahrheit, um sich damit zu oerberben. Ader Kelling stand wie eine Eiche, in deren Krone der Sturm wühlt, deren Stamm sich aber nicht rückt und rührt.
„Dann werden Sie beide bestraft", schrie der Kronprinz.
„Befehlen Königliche Hoheit über mich", sagte Kelling.
„Sie werden die Ann Moreland heiraten! Damit ich meiner Frau schreiben kann, Ann Moreland, um die sie sich gesorgt hat, ist gut aus- gehoben! Nicht wahr, Ann Moreland?"
Ann Moreland lächelte, sie war ein wenig erschöpft. Das Schiss ihres Trotzes war vom Sturm in den Hafen geblasen worden. Und nun war Windstille, jetzt, auf einmal. Der Anker lag im Grund und das Schiff war müde. Es schlief. Es schlief im Arm der Liebe.
Ann fchielte zu Kelling hinauf, ob er nicht etwas non feiner statuenhaften Haltung verlöre. Vergeblich. Da bat Ann: „Wollen Königliche Hoheit dem Premierleutnant Kelling befehlen, zu rühren?"
„Rührt euch!" sagte Friedrich Wilhelm. Dann winkte er Marbitz und meinte, man habe noch zu arbeiten. An der Tür wandte er sich um. „Ueberlegen Sie, ob Sie die ©träfe annehmen!"
Darnach ging er mit dem General aus dem Zimmer und ließ den Liebesgott Amor zurück, der zunächst ratlos von Kelling zu Ann und von Ann Moreland auf Kelling starrte.
Was sollte er noch hier? Der Pfeil war längst, und zwar schon in Blisseron, verschossen, was jetzt tarn, konnte höchstens eine lächerliche Wiederholung sein; für die beiden Herzen zwar nergnügfam, weil ruhig und fturmftiU; aber für Amor den Schützen ohne Iagdreiz. So flegle er sich unsichtbar in einen Sessel und sah zu.
„Lieber Marbitz, sind Sie mit mir zufrieden?" fragte der Kronprinz im Nebenzimmer.
„Ich bin sehr glücklich, Königliche Hoheit", erwiderte der General und war entfdjloffen, Kelling nachher auf jeden Fall eine Standpauke zu halten, weil der Herr Premierleutnant sonst in die Gefahr kommen konnte, zu glauben, er habe das Glück, welches ihm so unwahrscheinlich hold gewesen war, in Erbpacht. Zuviel Glück, wußte der General,


