Den
Wi« Mit Die
Himmelsdust.
ich dich hiebe warmem Blut, du mir Jugend
„Was bist du?'
„Spengler."
„Aha, Blech", nickte der General.
„Blech will geklopft fein", sagt der Kreisch bedächtig.
Nun gefiel der Kerl dem General doch.
„Soll ein Wort fein, Blechfchufter", rief er gut gelaunt. „Du den Tallard, ich die andern."
„Abgemacht", bestätigte der Kretsch.
Lachend und kopfschüttelnd befahl der General seinen Soldaten, die Tragstangen wieder anzufassen, und schwankte in seinem Sessel werter.
Am nächsten Abend waren die Franzosen wirklich da. Wahrend sie ihr Belagerungsgeschütz über Biebernheim in Stellung brächten, versuchten sie schon am Tag nach ihrer Ankunft das Städtchen durch Ueberfall zu nehmen, was ihnen ein Kinderspiel dünkte. Und viel Hoffnung hatten die Belagerten selber nicht. Die hessische Halbkompanie hielt die Tore besetzt und die Bürgerschützen waren auf der Mauer verteilt. Der Kretsch aber war aus eigene Faust in den Turm der Kirche gestiegen und saß mit seinem Schießeisen in einer Luke, von wo aus er Stadt und Vorgelände prächtig übersehen konnte. Indem nun die Franzosen sich fast ungedeckt der Stadtmauer nähertest, gewahrte der Kretsch hinter ihnen einen Trupp Reiter und an seiner Spitze einen hohen Offizier, der das Unternehmen offensichtlich zu überwachen willens war. Nun war der Spengler in Wahrheit der beste Schütze in St. Goar. Er legte auf den Spitzenreiter an, sagte: „Tallard, Uf de Koppl" und schoß. Der Offizier fiel vom Pferd, wurde ausgehoben und weggeschafft. Und abends wußte man in St. Goar und aus dem Rheinsels, durch Späher, die man im französischen Lager hatte, daß der Kretsch wahrhaftig den Tallard getroffen hatte, daß der Marschall am Kopf schwer verwundet war und das Kommando hatte abgeben müssen.
Der Zwischensall hatte die Angriffslust der Franzosen merklich ab- gekühlt Der Sturm auf die Stadt erlahmte bald, da auch die Burger- schützen auf der Mauer ihre Schuldigkeit taten. Und bis die Festung an bie Reihe kam, liefen ein paar Tage ins Land. General Gorz aber hatte trotzdem keine Zeit, sich um den Spengler zu kümmern, der ja nun sein Teil schon getan hatte, weil ihm sein eigener Anteil Sorge genug machte. Denn er kannte seinen Gegner zu gut, als daß er angenommen hatte, es würde nun alles weiter so glatt und leicht abgehen. Im Sessel oder erbärmlich humpelnd war er Tag und Nacht zwischen der Zitadelle di« auck> die „Sternschanze" hieß, und den vorgeschobenen Werken „Spel- feuer" und „Dachsloch" unterwegs, um keine Vorsicht zu versäumen. Dann begann die Beschießung. Die Außenwerke wie die Sternschanze wurden von dem schweren Geschütz der Franzosen übel zugedeckt, und auch das Schloß, das zum Rhein hin und etwas tiefer gelegen war, bekam em paar Treffer mit. Aber die Hessen hielten sich wacker, besserten die Locher aus und löschten die Brände. Auch verschiedene Stürme schlugen sie erfolgreich ab. So zog sich die Belagerung über vierzehn Tage hin, wahren» deren die Franzosen immer neues Geschütz und Verstärkungen heran- führten. So daß auch manchem bis dahin Unerschrockenen, wie man am Mein zu sagen liebt, der Hintern mit Grundeis ging.
Am letzten Jahrestag holten dann die Franzosen zum Hauptschlag aus. Ihr Geschützfeuer riß eine gewalttge Bresche in die Ummauenlng der Feste, und der stellvertretende französische Kommandant glaubte, Gorz jetzt zur Uebergabe auffordern zu können. Der aber ließ ihm sagen, Hof- lichtesten wären nicht am Platz, solange noch eine Möglichkeit zum Schla- gen lei. So schritt der Franzose zum Generalsturm. Es sah für die tapfere Besatzung bedrohlich genug aus. Die Außenwerke waren nur noch schütt- Haufen, die Sternschanze erschien mit ihrer Riefenbresche wie ein einziges Loch, und der Feind stand in mehreren Treffen hintereinander geftarfelt 3um Sturm bereit. Aber Görz verlor auch jetzt den Mut nicht. Gr sich in den Kämpfen der letzten Tage zu seinem lahmen Bein auch noch . einen Sttch in den rechten Arm geholt, und zum Uebersluh waren ihm von einem auffliegenden Puloersack Augenbrauen wie Kopfhaar abgesengt und das ganze Gesicht geschwärzt, so daß er mit den rollenden Augäpfeln einem Mohren glich. Er ließ sich von einem Korporal den Degen aus der Scheide reißen und in die linke Hand geben und schrie feine Leute an: „Kerls, hört zu! Soll ich mich von dem Blechschuster beschämen lassen? Er hat fein Wort gehalten, oll ich meins nicht einlosen? Das könnt ihr doch nicht wollen. Also drussl' n
Er machte mit vier Kompanien der hessischen Leibgar^ einen Aus- fall der ihn in die Flanke der anrückenden Franzosen brachte und warf sich'mit solchem Ungestüm auf sie, daß das erste Tressen in Verwirrung geriet. Und da im selben Augenblick die ganze übrige BeMung über den Schutt der Außenwerke oorstürmend ebenfalls zum Gegenangriff schritt so ritz das zurückflutende erste feindliche Treffen die anbern nut sich in eine allgemeine regellose und verlustreiche Flucht. In der Neu- ahrsnacht noch trat das französische Heer, an der Eroberung der Fest»
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zu besuchen kam, hatte der das Kriegerische schon wieder von sich ab* getan saß in seiner Werkstatt, hämmerte sein Blech und hatte sei« Sprüchlein dabei: „Alles all! Ab nach Montteall ... n
PSa ber General eintrat, hielt er inne, sah auf und sagte: „O Herr General, Sie sein ja schrecklich und grauserisch anzusehn!
ein b«r Tat sah der General mit seinem krummen Bem, ^rn Arm in der Binde, den haarlosen Kopf und den Brandflecken im Gesicht eine« Schreckfiqur, wie man sie in die Weinberge ftettte, ähnlicher als einen» leibhaftigen Menschen. Aber er lachte hellauf und rief: ,,3a, imein Liebe«, •d» mußte auch mit 28 000 fertig werden und du nur nut einem.
Der Kretsch machte fein spitzbübisch bedächtiges Gesicht und sagt« „Aber der ein war sein taufend Mann wert. ,,
„Recht haft du", stimmte der General belustigt zu. „Also teilen wttz uns" in den Ruhm, halb und halb."
' .ÄomÄJanÄuStVtfwen^ von der denkwürdigen Belageruna die Rede ist, der tapfere General Görz und der glückhafte Schutze Kretsch nebeneinander genannt.
Mailied.
Von 9. W. von Goethe. Wie herrlich leuchtet Mir die Natur!
Wie glanzt die Sonne! Wie lacht die Fluri
Es bringen Wüten Aus jedem Zweig Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch.
Und Freud und Wonne Aus jeder Brust.
O Erd, o Sonne!
O Glück, o Lust!
O Lieb, o Liebel So golden schön, Wie Morgenwolken Aus jenen Höhn!
Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampse Die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen, Wie lieb ich dich!
-Wie blinkt dein Auge! Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche Gesang und Lust, Und Morgenblumen
! licht die Rechnung für die erneuerte Dachtraufe bezahlt hatte, dann sagte tr: „Fauler Brosche, huppst du raus!" Oder er sagte im Hinblick auf Ehr- vürden, den Herrn Pastor, der ihm wegen seiner innigen Liebe zum Vein eine Strafpredigt gehalten hatte: „Trockner Knoche, werde Staub! ißobei er bestrebt war, den „Staub" ebenso vollmundig auszusprechen, aie es der Pastor tat. Seit einigen Tagen aber — man schrieb den De- znnber 1692 — hatte er nur noch einen Vers und der hieß: ^Tallard! ls de Kopp!" Man munkelte nämlich, daß der ftanzosische Marschall Itallard bei Trier und Montreal ein Heer zusammenziehe, mit dem er es rur auf den Rhein abgesehen haben konnte. Ob er nun Koblenz nwinte über den Rheinsels bei St. Goar, der damals eine starke hessische Festung md der Schlüssel zum mittleren Rheintal war, das lag noch 'M Ungewissen. Für den Meister Kretsch wenigstens. Denn tasiachlich yatte der ' lattarb seinem König Ludwig dem Vierzehnten den Rheinfels alsi Neu- i jihrsgeschenk versprochen. Der Kommandant von Rheinsels und St. Goard, ier Generalmajor Ludwig Sittich v. Görz genannt von Schlitz, war bester im Bilde als der Meister und rüstete sich mit aller Macht auf eine Ve- iigerung. Er war noch ein junger Mann in der Mitte der Dreißig, aber |8)on ein berühmter Kriegsheld. Ein paar Jahr« vorher war er beim Sturm auf Mainz am Bein dös verwundet worden, so daß ihm das Gehen noch immer mühselig war. Zudem befiel ihn in diesen bedeutungs- -1)0) er en Tagen ein so heftiges Fieber, daß er sich überhaupt nicht mehr <us den Füßen halten konnte. Da lieh er sich m einem Lehnsessel durch lie ganze Festung tragen, um selbst überall nach dem Rechten zu sehen, in diesem Aufzuge kam er auch nach St. Goar herunter. Denn wenn euch die hochgelegene Festung vor allem zu halten war, fo wollte er dM -uch die Stadt am Fuß des Berges nicht kampflos preisgeben, Es bl eb 'hm allerdings zu ihrer Verteidigung nur eine Halde Kompanie ubr g unö iarum hatte er auch die Bürgerschützen aufgeboten. Als er nun, diese i Nüstern, von vier Soldaten getragen in seinem Sessel vor dem Haustem ' nlangte, dem nicht gerade die Kampflust aus den Augen blitzt«, sagte er salb bekümmert, halb belustigt: „Großer Gott, mit dem Gesocks soll ich den Tallard aufhaltenl"
, Da aber kam eine Stimme aus dem zweiten Glied: „Herr General, ien Tallard nehm ich auf mich. Sorge Sie nur dafür, daß Sie mit oe : obere fertig werde." , , . . t
Der General stutzte, ließ den Sessel niedersetzen und nef: „Wer hat las gesagt?" , . .
Der Meister Kretsch schob sich durchs erste Glied hindurch und stand bng und breitbeinig da: „Das war ich geroefe."
„Wie heißt du?"
„Kretsch."
Wenn der Spenglermeister Kretsch zu St. Goar am Rhein in seiner Aerkstatt in der Hintergasse auf sein Blech loshämmerte, hatte er immer !; seine Sprüche dabei, die er im Takt seiner Hammerschlage vor sich 1 nipradi Wenn er an seinen Nachbar Unkel dachte, der ihm immer noch «i-tst die Rechnung ff ~ ------------ —""""
r: „Fauler Brosche, Hürden, den .fierrn
Und Freud und Mut
Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich. Wie du mich liebst!
Oer Blechschuster von Si. Goar.
Anekdote von Otto Anthes.


