fielt allerhöchst persönlich und auch nebenbei dem großen Polen zu dienen. Am 25. Mai 1604 unterzeichnete der frühere Kammerdiener einen ihm von Mniszek vorgelegten Vertrag, der für den Fall, daß er aus den Zarenthron gelangen würde, folgendes vorsah: Zar Dmitry heiratet die Tochter des Pan Mniszek, die schöne Marina, und macht sie zur Zarin von Rußland! Er bezahlt sofort mit russischen SteuergelderMdie Schulden des polnischen Schwiegerpapas und überreicht ihm außerdem am Kro- uungstag ein Extrageschenk von einer Million Gulden! Die russischen Fürstentümer Groß-Nowgorod und Pskow werden der schönen Marina sofort als erb- und eigentümliche Besitztümer überliefert. Die russischen Fürstentümer Smolensk und Sewerien bekommt der Schwiegerpapa als erbliche Lehen. Etliche, später noch näher zu bezeichnende russische Landschaften werden an Polen abgetreten! Aus diesem Vertrag ist zu ersehen, daß Fürst Mniszek nicht an Bescheidenheit litt! Für diese Bedingungen versprachen die Polen dem Thronanwärter Waffenhilfe.
Mit viel Geschrei und noch mehr Sehnsucht nach Beute wurden in ganz Polen die Säbel geschliffen. König Sigismund HL von Polen, eine der Hauptpersonen in der Partie, hatte aber ein Jahr zuvor mit dem Zaren Boris Gudonow einen zwanzigjährigen Waffenstillstand geschlossen. Der Zar, der schon zuvor und leider vergeblich die Auslieferung des Betrügers gefordert hatte^ ließ angesichts dieser Kriegsvorbereitungen in Krakau anfragen, was Polen zu tun gedenke und dabei nachdrücklichst auf das Abkommen Hinweisen. Sigismund antwortete, daß sich ein polnischer König niemals in die „Privatangelegenheiten" seiner Fürsten und Woiwoden einmische, und daß er guten Willens sei, den beschworenen Frieden zu halten; anderseits aber könne er es beim besten Willen nicht verhindern, daß seine kriegslustigen Mannen in Rußland einfallen würden. Der russische Gesandte erlaubte sich ob dieser „königlichen" Auskunft die Frage, was denn die mit Polen geschlossenen Verträge überhaupt für einen Wert hätten. Sigismund ober schwieg und zuckte nur leicht mit der Achsel ... An dieser Stelle drängt sich uns eine Parallele mit der Gegenwart auf. Wir wissen heute, daß Polen schon im Jahre 1936 bereit war, trotz des mit Deutschland geschlossenen Nichtangriffspaktes, über Deutschland herzusallen. Dieses geheime Angebot machten die Polen damals Frankreich, das aber dankend abgelehnt hat. Man ersieht daraus, daß sich im Laufe der Jahrhunderte die polnische „Vertragstreue" nicht gewandelt hat!
Rußland wurde damals mit Krieg überzogen. Die polnische Hilfsmacht des Schwindlers Demetrius hatte keine allzu schwere Arbeit; denn die schon seit Jahren von Polen in Rußland verbreitete Lügenpropaganda vom lebenden Demetrius hatte bei dem leichtgläubigen russischen Volke feine Wirkung getan. Es ergab sich Stadt um Stadt, und am 20. Juni 1605 hielt Demetrius seinen Einzug in Moskau. Zar Boris war einige Tage vorher gestorben. Man sagt: — am polnischen Gift...
Der große Schlag oder besser der hinterhältige Anschlag war also gelungen! Polen hatte dem großen russischen Reiche „seinen" Zaren, nämlich einen polnischen, aufgedrängt. Die Polen gingen mit Feuereifer daran, das russische Wesen auszurotten! Sie spielten sich als die Herren von Moskau auf, verhöhnten und verlästerten alles Russische, verjagten die russischen Beamten und besetzten mit Polen die fettesten Sinekuren; sie stellten auch dem neuen Zaren Demetrius eine polnische Leibwache! Daneben ergingen sich die Polen in den tollsten Ausschweifungen, Gelagen, Orgien und demütigten und schlugen in ihrer Trunkenheit und Raserei harmlose Moskauer Bürger.
Es braucht wohl nicht mehr erzählt zu werden, daß der neue Zar sofort tief in den russischen Staatsschatz griff, um die versprochenen Geschenke, Millionen und aber Millionen an die adeligen polnischen Habe- und Taugenichtse abzuliefern. Mittlerweile kam auch die polnische Zaren- braut Marina Mniszek mit unerhörtem Pomp in Moskau an. Das Auftreten der neuen Zarin schlug dem Faß vollends den Boden aus! Nach russischer Landessitte stieg sie zwar in einem Kloster ab, gab aber sofort darin ein üppiges Ball- und Musikfest. Es ist schwer, in der Weltgeschichte ein ähnliches Kapitel zu finden. Vollkommen verblendet, dumm und triebhaft überließen sich die Polen ganz ihrem Nationallaster, das ihnen immer wieder zum Verhängnis geworden ist: der unbändigen Eitelkeit, gemischt mit brutaler Herrschsucht! Und so kam, was kommen mußte! Acht Tage nach der Zarenhochzeit brach der Sturm los. Das russische Volk stand auf, drang in den Kreml ein und tötete den falschen Demetrius und seinen Anhang. Das gleiche Schicksal teilten auch die meisten der in Moskau anwesenden Polen; die schöne Woiwodentochter entkam, unter dem riesigen Reifrock ihrer Haushofmeisterin verborgen.
Rätsel her Cheops pyramide.
Von Bruno H. Bürgel.
Es ist verständlich, daß in einer Zeit, die so gewaltige Bauwerke schafft wie die unsere, der Blick des Menschen sich mit hohem Verständnis und anerkennender Bewunderung zurückwendet zu den erstaunlichen Sau« wundern der Alten, denen all die technischen Hilfsmittel unserer Tage nicht zur Verfügung standen, was eben ihre Leistungen noch imponierender macht. Das Kolosseum im allen Rom, das 80 000 Besucher aufnehmen konnte in seinen vier Geschossen von beinahe 50 Meter Höhe, zu denen man durch 80 Eingangspforten gelangen konnte, kann sich schon sehen lassen, und der aus weißem Marmor erbaute Tempel der Diana zu Ephesus (er entstand sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung), 130 Meter lang, 70 Meter breit, von 125 je 20 Meter hohen Säulen umzogen, war ein Wunderwerk. Die berühmte Chinesische Mauer, ein künstlicher Schutzwall, der das alte Reich der Mitte im Norden abschloß und noch heute zum größten Teil vorhanden ist, wurde schon ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung begonnen. Sie ist rund 3000 Kilometer lang, zieht sich über Berge, durch Taler hin, in entlegene Einsamkeiten, ist etwa zwölf Meter hoch und acht Meter breit und erweckt in jedem Betrachter Verwunderung darüber, daß
Verantwortlich: Dr. Fr. W. Lange. —
Menschenhände mit primitivsten Mitteln das überhaupt fertigbrachten.
Und noch ein anderes Bauwerk fernster Tage zieht in neuester Zeit wieder die Augen auf sich: die mächtige Pyramide des Cheops bei Giseh in Aegypten, bestaunt von den Globetrottern Per ganzen Welt, scheinbar in allen Einzelheiten wohlbekannt und dennoch vielleicht ein ungelöstes Rätsel. Herodot berichtet, daß 100 000 Menschen 30 Jahre lang geschafft haben, um dieses Weltwunder zu vollenden; Millionen und aber Millionen Arbeitsstunden rechnen wir heraus. 2Vi Millionen mächtige Steinquader mußten aus Oberägypten auf Schiffen herbeigefahren werden, noch heute sind in den Brüchen Spuren davon vorhanden; ja, Blöcke, die die Werkleute der Pharaonen damals, 2600 Jahre vor Chr., liegen liehen, verwendeten in unseren Tagen die Werkleute, um den. großen Staudamm am Nil bei Assuan aufzuführen. Die Pyramide des Cheops ist 146 Meter hoch, erreicht also fast die Höhe des Domes zu Köln; man könnte ganze Städte auf bauen mit dem Material, das damals verwendet wurde, um ein Königsgrab, ein Herrscher-Denkmal für ewige Zeiten aufzutürmen.
Aber das ist auch der Punkt, an dem bereits vor Jahrzehnten und auch jetzt wieder der Zweifel einsetzt. Hat die riesenhafte Pyramide des Cheops, dieses mit größter Sorgfalt und in ganz bestimmten Abmessungen aufgeführte Wunderwerk, tatsächlich nur den Zweck gehabt, die Grabkammer eines Pharaonen zu umschließen? Die Engländer Smith und Taylor haben schon vor langen Jahren auf Grund genauer Messungen bestritten, daß es sich nur um ein Königsgrab handelt; manche meinen, daß hier altägyptisches Priester-Gelehrtentum sozusagen steingewordene Mathematik festlegte und der Nachwelt übermittelte. Im Jahre 1920 hat der Deutsche Dr. N o e t l i n g ein Werk erscheinen lassen, das zu beweisen sucht, daß im Bau der großen Pyramide astronomische Erkenntnisse der alten Aegypter, Erkenntnisse über den Weltbau und seine Harmonien niedergelegt sind, und folgt da bis zu einem gewissen Grade dein bekannten Dichter-Ingenieur Max von E y t h, der sich auch schon mit dem Wunderbau der Pharaonen beschäftigte. Eben jetzt kommt ein amerikanischer Gelehrter zu ähnlichen Schlüssen; auch er findet, daß alle möglichen Abmessungen der Pyramide keine Zufälligkeiten sind, sondern daß diesen Abmessungen bestimmte Absichten zugrunde lägen, daß sie eine Art Geheimwissenschaft enthalten.
Eines war schon früher aufgefallen, nämlich daß die Pyramide de» Cheops nach den Sternen orientiert ist, daß der fange, aufwärts führende Gang, der in der Grab kämme r mündet, genau auf den Nordpol des Himmels gerichtet ist, auf den Stern, der damals, als bet Bau errichtet wurde, Polarstern war. Das war nicht der uns heute bekannte Stern im „Kleinen Bären", sondern der Stern „Alpha" im Sternbild des „Drachen"; er befand sich zu jener Zeit am Himmelspol. Es ist wohl ausgeschlossen, daß das ein Zufall ist, und irgendein ersichtlicher Zweck, weshalb man diesen schräg aufwärts führenden Schacht anordnete, ist nicht erkennbar. Uebrigens finden wir bis in die Neuzeit hinein Tempel und Kirchen nach Himmelsrichtungen orientiert. Rechtwinklig zu diesem Schacht, den man den Polarschacht nennen könnte, sührt ein anderer schräg nach aufwärts. Man behauptet, es handele sich da um einen Luftkanal, um eine Art Ventilationseinrichtung, aber 31 Delling und andere sind der wohl zutreffenden Ansicht, daß auch hier eine durch die Gestirne bedingte Anlage vorliegt, denn am Tage des Frühlingsanfanges und des Herbstbeginnes, stand die Sonne so, daß sie zur Mittagszeit genau in der Verlängerung dieses Schachtes tag, der also wie ein Fernrohr auf das Tagesgestirn gerichtet war, das ja den Aegypterm für eine hohe Gottheit galt.
Noch viele andere astronomifch-mathematische Gegebenheiten glaubt Noetling in den Massen der Pyramiden festgelegt: die Zahl Pi, die Ent» fernung der Erde von der Sonne, die Entfernungsverhältnilfe der Plm neten und anderes. Man darf hierbei nicht vergessen, daß Wissen und» Wissenschaft in vergangenen Zeiten sich in den Schleier des Geheimnisser hüllten, daß noch bis ins 17. Jahrundert hinein gelehrte Leute allerlei. Entdeckungen, die sie gemacht hatten, in einer Art Geheimsprache flut' eingeweihten Leuten zugänglich machten, ja, daß es Zeiten gegeben hat, in denen es gefährlich war, manche wissenschaftliche Wahrheiten auszu- sprechen. Erinnern wir uns, daß der große italienische Naturforscher Galilei gezwungen wurde, abzuschwören, daß er das Weltbild des Ko- pernikus, wonach die Erde um die Sonne wandert, für richtig halte, um rusen wir uns ins Gedächtnis zurück, daß Giordano Bruno und Vanmi um gleicher Anschauungen willen den Scheiterhaufen besteigen mußten. Es ist wohl kein Zweifel, daß auch Kopernikus, der Domherr zu Frauenburg, zur Rechenschaft gezogen worden wäre, hätte er seine Lehre nicht erst veröffentlicht, als er schon auf dem Sterbebette lag. —
Ob nun die Priester-Gelehrten der Aegypter wirklich allerlei Kenntnisse, die wir ihnen heute nicht zutrauen, in die Pyramide des Cheops hineingehelmnist haben, wie von den verschiedensten Seiten behauptet wird und wurde, läßt sich schwer entscheiden, denn daß das mächtig Grabmal ohne Zweifel nach dem Himmel orientiert ist, besagt allein noch wenig; das ist, wie gesagt, bei vielen alten Bauwerken der Fall. Man sagt, es sei geradezu ein Irrsinn, 10 000 Millionen Arbeitsstunden uns ungeheures Baumaterial zu verschwenden, um den Sarg eines König- einzuhüllen; hier müsse ein größerer Zweck vorliegen. Indessen, ist V nicht ebenso unglaublich, daß Gelehrte diesen Aufwand trieben, um ein paar wissenschaftliche Erkenntnisse der Nachwelt verschleiert zu überliefern Zudem: dürfen wir den Menschen, die 4500 Jahre vor uns lebten, dien Kenntnisse (z. B. die Entfernungen und Umlaufszeiten der Planeten um die Sonne) zutrauen? Aber neuere Forschungen über die alten srulture Mittelamerikas beweisen uns, daß bereits Jahrtausende vor den AegyP tern dort gewaltige Sonnentempel gebaut wurden (die Reste sind n°J vorhanden) und daß die uns verbliebenen steinernen Inschriften bezeuge . wie sorgfältig, wie überraschend genau jene Menschen (wahrscheinlich a religiösen Gründen) über den Lauf der Gestirne orientiert waren. •“> unterschätzen die alten Kulturen und überschätzen die Technik unser Zeitalters! * ' .j-.
Druck und Verlag: Brühlsche Univerjitätsdruckerei, R. Lange, Gießen.


