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Lied der Segelflieger.
Von Manfred Hausmann.
Und wenn mit Heulen und Pfeifen, das Wetter herüberfegt, der Hagel in grauen Streifen gegen den Starthang schlägt, wenn in den Dörfern unten der Bauer tief sich duckt und angstvoll in den bunten, zerberstenden Himmel guckt — jo dann ... dann ... dann ... dann fangen wir erst anl
Von Donnern umrasselt, von Blitzen umloht, hinein in den Wolkenturm!
Was wäre das Leden denn oh nie den Tod, das Fliegen denn ohne den Sturmi
Und wenn zu Haufe ein Feiner um unser Mädchen streicht, mit Schlips und Perle einer, , gii der feinen Arm ihr reicht, ' wenn sie's mit dem Betrüger
1 5 | Im Garten heimlich treibt « Kg und ihrem Segelflieger
ein Abschied sbri eschen schreibt — ' 1 Iso dann ... dann ... dann ...
dann fangen wir erst an!
Di« Nächte sind warm, und der Mond scheint so rot, und Mädchen gibt's allerwärts!
Was wäre das Leben denn ohne den Tod, ii B i di« Lieb« denn ohne den Schmerz!
' I | Und wenn zur guten Stunde
- 11 der Fürst, der Satan heißt,
uns unrasierten Hund« l! ■ in seine Holle schmeißt, , | । wenn vor den Ofentüren
di« Großmutter sich müht, I zu blasen und zu schüren,
■ & i daß alles nur so glüht —
ja dann ... dann ... dann ... ü ■: dann fangen wir erst an!
Wir heizen noch siebenmal heißer den Schlot, pardauz, und da platzt er wie Glas!
Was wäre das Leben denn ohne den Tod, di« Hölle denn ohne den Spaß!
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Die Wohnung des Glücks.
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i T- Von Heinrich Eckmonn.
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. a was ist das nun wieder für ein Lärmen und Erzürnen im g? *5 8 sechs Kinder wollen ihrem Vater entgegengehen und ihn vom M “obholen. Dos sollen sie ja auch, selbstverständlich sollen sie das. W »s die Heimkehr des Vaters ohne die Freude und Begeisterung gv ^"? Aber sie müssen sich doch einig sein. Hans ist der Aeltest«, er M wr Radfahren und seinen Vater darum ganz vom Kirchdorf ob- F '!*nn kommen Life und Johann, sie könnten gut den halben Weg
4i «hen. Aber Jochen und Anna wollen auch mit und natürlich E" «»»»eit wie die beiden älteren Geschwister. Also müssen Lise und Z? , Mh vernünftig sein und die kleinen Geschwister an der Hand (Ul J1*®- lind wenn sie «s auch nicht einsehen können, so müssen sie es KT;tos nützt nun alles nichts. Die ganze Woche über arbeitet der ■ Mauer in der Stadt, aber am Samstagnachmiltag kommt er 32 w, um am Montag in aller Frühe mit dem ersten Zuge schon . ta 'Weifen. Natürlich, das ist ein Fest und ein« große Begeb em Bater am Samstag kommt, auch die Mutter freut sich st,du 1 ^?rtcn sind alle Wege geharkt, und auf dem Tisch >n der Stube tfyiXNe mit Blumen. „Ja, ja, ja, Kinder", sogt die Mutter und < H)r .^trt ^chs Kinder im Arm, „ihr habt natürlich recht, je großer nuninfc .*1° “*u«r könnt ihr eurem Vater schon entgegengehen. Aber »iiikf'^r skill sein und euch nach dem richten, was nun einmal sein , ' »er und Leute, was gehört dazu, euch zu Verstand zu bringen
(Er tfc'®cr 'Aelteste, schwang sich schon aus sein Rad und fuhr davon. norf) oine halbe Stunde Zeit gehabt, aber er wollte Nicht Nir'i fTln' er konnte nicht länger warten, er mußte aufbrechen, und hneto* "och drei Stunden Zeit gehabt hätte. Denn er will als erster M n ^ichlen, 6(l6 di<, Kaninchen Junge bekommen haben und r?hr^hrer mit im Garten hals und dafür «'N schönes Buch vom rh* 'fk ein großer, kräftiger Junge, elf Jahre alt und un
"MÄ*1' ü!“ nichts an fangen, sich aber von unten empor hoch- '>s As®,ennJ>ie Bauern Hilfe suchen bei dringenden Arbeiten, ist e °Srv'^ stelle, und die Bauern sehen ihn schon fast für voll cm, d,0R: a.? rar. ift cr und soweit hat er es schon gebracht. Er hot sch »lchhiz" sein eigenes Geld einen eigenen Spaten gekauft. Cm üil» cr-
k!e»:‘XISen ^'ch nach bi« vier anderen aus den Weg. Hand kn Hand. Kleinen in der Mitte, «s geh« ja nicht anders. Und seht doch
nur, sie alle haben noch Tränen in den Augen. Und durch alle vier kleinen Körper schüttelt noch ein leises Schluchzen. Aber der Weg dem Vater entgegen ist weit.
Bis dahin wird wohl wieder die Sonne aufgehen.
Die Mutter steht in der Tür, ihr Jüngstes aus dem Arm, und begleitet den Auszug ihrer Kinder mit blanken Augen. Wie schier und schmuck und gesund sie alle sind! Sie preßt ihr Jüngstes an sich und küßt es und tanzt mit ihm und erzählt, daß der Vater vielleicht etwas Schönes mitbringe aus der Stadt. Er ist ein guter Mann, der Vater. Was tut er nicht alles für seine Kinder! Er ist immer bemüht, dos bescheiden« Leben weiter auszubauen und zu schmücken. Er richtete einen großen Kaninchenstall ein, er baute einen hübschen Taubenschlag, er pflanzte Spalierobst an die kahlen Mauern, er ist immer nur darauf bedacht zu verbessern und für seine Familie zu sorgen. Die junge Frau wird einen Augenblick ganz still in ihren Gedanken an ihn. Sie waren sich immer einig", ihr Mann und sie. Das Leben konnte nicht schöner sein. Am liebsten hätte sie ihn auch ganz vom Bahnhof abgeholt, wie ihr Aeltefter. Aber was sollten die anderen Leute im Dorfe zu solcher Verrücktheit sagen?
Nun tanzt sie schon wieder mit ihrem Jüngsten. Ach, die Zeit will nickst schnell genug verrinnen, bis er endlich kommt. Sie trägt ihr Jüngstes in den Garten, um noch einmal nach dem Rechten zu sehen. Es fehlt an nichts, es ist alles in Ordnung. Das kennen sie und chr Mann nicht anders: immer und überall muß alles in Ordnung sein. Das gehört zu einem glücklichen Leben. Sechshundert Mark.--Schulden stehen auf dem Hause, aber in jedem Jahr wird es bestimmt weniger. Sie können sich schon genau ausrechnen, wann Haus und Garten ihnen ganz gehören. Dann find sie freie Leute. Eiapopeia, was raschelt im Stroh?
Nun aber wird er bestimmt bald hier sein, es kann nicht lange mehr dauern. Der Tisch steht gedeckt. Alles wartet und ist voll Erwartung. „Sag mal Papa." „Ba-ba" sagt der Jüngste und kräht vor Freude. Wi« der Vater sich wohl freuen wird, wenn er das hört.
Nun geht die Frau wieder nach draußen, steht in der Tür und wartet weiter. Und nun kommt Hans auch schon angejagt und meldet die Ankunft des Vaters. Er steigt nicht einmal vom Rade herunter, er hat keine Zeit und muß gleich wieder zurück. Seht! und nun kommt der Feftzug anmarschiert.
Die Frau läuft ihm entgegen, ihr Jüngstes immer auf dem Arm. Mann und Frau geben sich die Hand und sehen sich glücklich in die Augen, „Ba-bo" ruft der Kleine und kräht vor Freud« und hüpft. Der Vater strahlt über das ganze Gesicht. Und die anderen Kinder krähen und hüpfen und strahlen mit, Blumen in den kleinen Händen. „Jajaja, Kinder, ihr sollt euren Vater heute und morgen ganz für euch allein haben!" Nein, was ist das für ein Fest! Der Mutter läuft vor Freude eine Träne über die Backe. Ein Mann aus dem Dorfe bleibt stehen und sagt: „Ich gratuliere auch, Jörn." „Wozu?" fragt der Maurer. „Ich meine, du hättest Geburtstag, weil ihr alle so lustig seid." „Dann hab« ich jeden Tag Geburtstag", sagt der Maurer, nimmt seiner grau bn- Stünafte ob imb trägt «5 noch House.
Zuerst muß der Monn einen Bück in den Garten werfen, sein Jüngstes immer mit sich tragend. Dann müssen di« Kaninchen besichtigt werden. Nachher geht er in den Stoll, um einen Ueberblick über das Ganze zu gewinnen. Dann erst tritt er ins Haus. Die Blumen in der Vase auf dem Tisch leuchten auf und grüßen ihn. Der gedeckte Tisch empfängt den Besuch. Jeder will neben dem Vater sitzen, sogar die Mutter. Aber sie hat gesagt, daß die Kinder den Vater heute und morgen ganz für sich haben sollen. Also muß sie zurücktteten. Und nun hebt wieder das Fragen der Kinder an. Sie müssen immer wieder wissen, wie es in der Stadt aussieht und was es dort alles gibt. Und Henn sie ihr Lied zu Ende gesungen hoben, sangen sie wieder von vorn an. Der Lehrer hat Life in der Schule gelobt, sie könne am besten ein Gedicht auf jagen. Ein jeder hat etwas erlebt, und jeder möchte zuerst erzählen. —
Als am Abend die Kinder endlich zur Ruhe gebracht sind, gehen der Mann und die Frau noch einmal in den Garten. Und nun sagt der Mann: ,Lch muß dir noch etwas erzählen, Anna, ich Hobe nämlich unser Haus verkauft."
Die Frau erschrickt fürchterlich. „Nein, Jörn", erwidert fie, ,-das darfst du nickst tun." v
„Ich habe es mir so gedacht", sagt er, „wenn wir in der Stadt wohnen, leben wir zusammen. Denn was haben wir lo voneinander? Jeder ist di« ganze Woche über für sich allein."
„Ach" klagt die Frau, „ich mag nicht daran denken."
„Ja", sagt er, „du hast es bann viel bequemer, Anna. Und was gibt es in der Stadt nickst alles zu sehen!"
Aber di« Frau steht da mit gesenktem Kopf«. „Ach , sagt sie, „wie wollen wir das machen? Wie können wir hier überhaupt wegkommen?" Sie sängt an zu meinen. „Warum hast du das getan, Jörn?"
„Run", sagt der Mann, „so schlimm ist das doch nicht. Ich meinte, du würdest dich darüber freuen."
Sie begreift ihren Mann nicht, zum ersten Mal« ist sie sich uneinig mit ihm Sie steht da und wagt nicht, ihren Kopf zu heben.
Ich kann gut viertausend Mark für den ganzen Kram bekommen , sagt" der Monn nun, „das ist viel Geld, Anna, das ist sehr viel Geld. Und da dacht.' ich, wenn wir in der Stadt auch in einem Mietshaus wohnen ""^Nein", unterbricht sie ihn, „nein, Jörn —"
Bedenk doch, was du alles in der Stadt hast —"
"Nichts", sagt sie, „nichts — —"
„Und hier, was hast du hier?
Alles" sagt fie, „olles!"
Da hebt er feine Frau mit (einen starken Armen hoch. „Hier ist sie, lieber Gott", sagt er, „sieh sie dir genau an, hier ist sie, meine Frau!" Und bann lacht er. „Hast bu bas wirklich geglaubt, Anna? Hast du bas wirklich glauben können?"
Die Tränen laufen ihr noch immer über die Backen. Aber nun lacht auch fie. „Pfui, Jörn", sagt sie, „wie konntest du mich so belügen "


