Ausgabe 
3.4.1939
 
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Lemntwortlich: vr. Hans Thtzriot. Druck undDerlag:Drühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.

fruchtbaren Nkongsamba führt, wurde noch zu deutscher Zeit voll,tandig beendet, wahrend die Mittellandbahn, welche die Hafenstadt Duala mit Jaunde verbindet und 300 Kilometer lang ist, vor dem Kriege bis Edea sertiggestellt war und auf Grund der deutschen Pläne von den Franzosen dann bis zum Ende durchgeführt wurde. Es lag in der Absicht der deutschen Kolonialverwaltung, diese Strecke bis in den hohen Norden,, also bis ins Tschadseegebiet, auszubauen und überhaupt den Schnellver­kehr des Landes durch ein erweitertes Eisenbahnnetz zu entwickeln. Da­gegen haben die Franzosen das Schwergewicht ganz auf den Straßenbau gelegt und haben darin manches Gute geleistet. Aber sicher ist, daß in den Regenmonaten eine Eisenbahn ein ungleich zuverlässigeres Besörde- rungsmittel vorstellt als eine aufgeweichte und unterwafchene Straße, die jedes Weiterkommen hindert.

Auch die Eisenbahn hat einen riesigen Andrang der schwarzen Be. Dotierung- aus den Bahnhöfen herrscht ein wahres Getümmel von An- und Abreisenden Weißbrot, Zuckerrohr und Früchte werden als Proviant angeboten, und in der dritten Klasse geht es zu wie in einem Bienenstock. Zweite und erste Klasse sind den Weihen Vorbehalten, der Speisewagen selbstverständlich auch, aber er wird von Schwarzen geführt.Willst du Ochse stark, mittel oder klein?" Mit diesen Worten stört mich vor dem Mittagessen der schwarze Boy aus der Tiefe meines weißüberzogenen Lehnsessels auf. Der Sinn dieser Worte war mir dunkel, aber ich sagte für alle Fälle:Mittel." Im Speisewagen kam daraus ein halbdurch­gebratenes Beefsteak auf meinen Teller, und ich war von soviel Vorsorge sehr beeindruckt. Sonst war kein Grund zur Freude gegeben, denn selbst die Franzosen finden ihre Speisewagen schrecklich.

Der schwarze Manager führt am einen Ende des Wagens einen Dauerschlaf, aus dem er nur aufschreckt, wenn jemandWhisky" ruft, denn er hat die Flaschenbatterie hinter sich. Heftig schwitzende Boys wechseln viele Teller nach vorherigem Abwischen mit einem Kuchentuch, von dem man nur hofft, daß es niemals mit einem Taschentuch verwecklelt wird. Aber die Eisenbahnfahrt selbst ist nicht schlecht, und nach neun­stündiger Fahrt von der Küste kommt man, durchgerüttelt und leicht angerußt, aber doch verhältnismäßig mühelos, in Jaunde an. Hier gelangt man nun in das eigentliche Gebiet des Automobilverkehrs.

Lockend breiten sich vor dem Auge des Expeditionsreisenden wie ein Spinnennetz auf der Karte nach allen Seiten die. Fahrstraßen aus. Soll man nach Fumban fahren, wo die Holzgötzen Herkommen, die unheim- I lichen Messingfratzen und die kostbaren Eingeborenenstickereien? Oder nach Süden zum Kongo? Oder nach Norden an den Tschadsee? Herrlichster Augenblick des Äeisens, wenn man so vor der Karte sitzt und sich als Herr der Straßen und Ströme und Urwälder fühlt!

Es gibt aber noch eine Art des Reifens in Kamerun, die selten ist und kaum noch ausgeiührt wird, weil es eine Kunst wurde das ist der Fußmarsch! Eine Kunst deshalb, weil man sich daraus verstehen muß, und so abenteuerlich für Neulinge, weil jeder Tag, ja, jede Stunde so nahe an der Natur eine Entdeckung ist. Bon unseren Kolonialpionieren | ist ganz Kamerun im Fußmarsch bezwungen worden, man kann sie noch heute erzählen hören, wie sie acht oder zwölf Wochendurch den Busch" marschiert sind. Aber das sind auch die wahren Sachverständigen, die Kamerun kennen, weil sie es erlebt haben. Dreißig bis vierzig Träger schleppen auf den Köpfen alles, was man in den Wochen des Marschierens zum Leben braucht, Proviant vor allem, Getränke, Gewehr, Faltbett, S.uhl und Klapptisch. Die durchschnittliche Last beträgt 25 Kilogramm für den Mann, undgewokert" werden zwischen zwanzig und vierzig Kilo­meter am Tag. Beim Marschieren versinken Stunden und Tage unbemerkt, verschwunden ist die Welt, in der man bisher lebte, mit ihren Zeit- begrisfen, man ist eingegangen in ein anderes Dasein.

Dinge, die einen vorher interessierten, sind wie ausgelöscht, aber Sonne und Mond, Trommelzeichen, Wildsvuren, das Geschwätz der schwarzen Träger, der rasende Durst auf ein Glas Wasser alles das gibt diesem neuen Leben seinen bedeutungsvollen Inhalt. Trotz der unmenschlichen Anstrengung, die ein solcher Marsch mit sich bringt, gehört er zum Besten, was man heute noch in Afrika erleben kann.

Ein Bericht über das Reifen in Kamerun wäre unvollständig, wenn man nicht auch noch der Rasthäuser gedächte, jenerBuschhotels", die einem für eine oder mehrere Nächte zur freundlichen Heimat werden. Fast in jedem größeren Dorf und erst recht in den (Eingeborenenftäbten des Nordens gibt es von der Regierung zur Verfügung gestellte Rast­häuser, meistens im Stil der Gegend gebaut, also mit Lehmwänden und einem Gras- oder Palmwedeldach. Innen sind mehrere Räume, für die Boys und die Küche gesonderte Hütten es ist sozusagenKomfort" vorhanden. Die Eingeborenen dürfen hier nicht hausen, schlimmstenfalls jagt man ein paar Hühner oder Hümmel heraus. Selbst jm finstersten Urwald werden die Rasthäuser saubergehalten.

Eine wahre Landstraßenromantik entwickelt sich entlang den großen Autostraßen, wo abends alles, was nicht weiter kann, in den Rasthäusern einkehrt und sich dort mit Sack und Pack häuslich niederläßt. Hier treffen sich die modernenfahrenden Ritter", mit selbstverständlicher Gastfreund­schaft wird der Neuangekommene an den Abendessentisch gebeten, und jeder holt dann aus seiner großenFreßkiste" etwas hervor, was das Picknick noch verschönern farm.

Nach einiger Erfahrung bildet sich eint geradezu raffinierte Reise- technik heraus. Außen am Wagen baumeln, in feuchte Tücher gewickelt, die Wasserilaschen, die durch die Verdunstung abkühlen sollen. Porzellan, Bestecke. Gläser stecken in eigens gezimmerten Kisten, Korbflaschen mit französischem Rotwein, Konserven von der Paste bis zur Seemuschel, Gummibadewanne, Liegestuhl und hell leuchtende Benzinlampe werben zu Kulturgütern eines Vagabunbenlebens, das von diesen Dingen doch noch einen Schimmer von Behaglichkeit bekommt. So hat sich durch bas Autofahren eine ganz neue Art von Reiseromantik tjerausgebilbet, unb auch mit dem siebzigpferbigen Motor kann man heute auch in Kamerun I wieher seineecht asrikanischen" Erlebnisse bfiten.

trockenen Tuch abgerieben und die Krippe mit fnschem Heu gefüllt hatte, tutete ber Dampfer zum drittenmal. Er klopfte Sok, zur Guten Nacht auf den Hals und ging hinein. Emen Augenblick danach saß er wieder in feinem Schlafrock mit feiner Pfeife und einem Mas dampfen­den Grogs vor sich.Meine letzte Flasche", murmelte er lächelnd

Erst um vier Uhr am nächsten Nachmittag erwachte Vigfus Athana siusson aus einem glücklichen Rausch, dem zweiten und letzten in seinem Leben. Auf einem kleinen Tisch im Zimmer nebenan stand bie Rum­flasche leer. Er sühlte bei sich selbst, baß er jetzt ein für alle Mal seine lange ausgespeicherte Leidenschaft überwunden hatte, daß er ihrer Herr geworden war, indem er ihr nachgegeben hatte. .

Schon am Montag erfuhr er, daß die Geschichte in der ganzen Stabt herum war. Durch die telegraphische Station im südlichen Nach­bars jo rd. ,.

Wenn ich jetzt- nur nicht meine Stellung verliere, dachte er, wegen dieses Bocksprungs in meinen alten Tagen. Er hatte den Amtmann seit­dem noch nicht auf einem seiner Spaziergänge getroffen.

Aber das nächste Mal, als er den Amtmann traf, bemerkte er daß dieser feinen Gruß mit noch größerer Aufmerksamkeit als gewöhnlich beantwortet. Und als er sich etwas später verstohlen umwandte, sah er, daß dieser ebenfalls stehen geblieben war und ihm nachgesehen hatte.

Der Amtmann ging mit einem stillen Lächeln weiter. Wer sollte glauben dachte er, daß dieser alte Schullehrer, der da fo zimperlich zwischen den Pfützen aus der Straße einhertrippelt, zu den Menschen gehört, die einmal etwas Farbe auf ihr graues Dasein legen. Und indem sein Lächeln erftarb, verfiel er in Grübeln über das Unberechen­bare in der Natur der Menschen.

(Einzig berechtigte Uebertragung aus dem Isländischen von Helmut Giese.)

^eiferomantif in Afrika.

Von Eva Mac Lean.

Wenn man heute durch Kamerun reist, hat man nicht nur, wie bisher, die Wahl zwischen Eisenbahn unb Privatauto, sondern kann sich , einem richtigen Autobus anvertrauen. Das ist die letzte verkehrstechnische Errungenschaft im französischen Mandatsgebiet, die sich schnell durchgesetzt hat, weil sie einem wirklichen Bedürfnis entgegenkam. Die Autobusse werden vor allem von den Schwarzen benutzt und sind streckenweise über­füllt von Menschen und Transportgut.

Der Neger ist ein Freund der Fortbewegung und hat geradezu eine Leidenschaft fürs Umherwandern oberrootern", wie es in Kamerun genannt wirb, in Anlehnung an das englische Wortwalk wandern. Auf der Strecke Kribi-Jaunde verkehren deutsche Mercedeswagen, die Tomaten-Linie", so genannt, weil die Neger die als Wahrzeichen aus­gestellte rote Sonne für eine Tomate ansahen. Die andere Strecke, die Stern-Linie", führt von Ebolowa nach Garua, beinahe 1600 Kilometer weit durch Busch unb Steppe, die die Eingeborenen für den geringen Preis von 150 Frank (nach heutiger Umrechnung 10 Mark) in sechs Tagen zurücklegen. Diese beiden großen Transportunternehmen sind in Händen von Deutschen. r ,

Der Gründe zumWokern" gibt es für den Neger unendlich viele. Der triftigste davon ist wohl der Besuch des Marktes, und dieses Wander- ziel betrifft vor allem die Frauen. Es gibt Märkte in Nordkamerun, zu denen 5000 Menschen zusammenströmen, aber auch in den weniger dicht besiedelten Urwaldgebieten ist der Markt der Treffpunkt für die ganze weite Gegend. So nimmt die Frau, die bas eigentliche Lasttier bes Urwalbes ist, ohne Murren eine Riesenlast auf ben Kopf, in der sich wohlverschnürt die Verkaufsware unb bie eigenen Habseligkeiten befinben, unb marschiert mit wippenden Hüsten dem Ziel ihrer Sehnsucht entgegen, dem Markt. Unterwegs hat sie zahllose Begrüßungen mit anderen Be­kannten, erfährt die gefellschaftlichen Ereignisse ber Gegenb, und wenn sie dann noch auf dem Markt ein wenig Verdienst gehabt hat, geht es an bie eigenen wichtigen Einkäufe: ein Kopftuch, eine Blechschüssel, etwas Salz. Hochbesriebigt kehrt sie ins eigene Heim zurück, beneidet von den anderen Frauen, die nicht hinaus in die Welt konnten. Heute, wie gesagt, setzt sich die unternehmungslustige Negerfrau in dieTomaten-Linie", fagkEin­mal Jaunde hin und zurück" und kauft ihr neues Hüftentuch im besten Eingeborenengeschäft der Hauptstadt.

Uebrigens ist die neue Zeit an den Mustern dieser Tücher nicht spurlos vorbeigegangen. Ich sah einmal ein Mädchen in einen Druckstoff gehüllt, auf dem sich der europäische Musterzeichner geradezu in technischen Orgien ergangen hatte. Aus der linken Brustseite war ein Auto zu sehen, Limou­sine, neuester Typ, etwas tiefer verbargen sich im Faltenwurf einige Taschenuhren, bann gab es noch Gelbsücke, Herrenzugstiefel und Fahr­räber. Wirklich, bas hatte die Reise in die Stadt gelohnt, denn natürlich war das ein ganz neuartiges Tuch, was man auf dem Dorf nie bekommen hätte.

Die Technik erobert Afrika von Jahr zu Jahr schneller unb führt eine Umwanblung herbei, die fast alle Lebensgebiete berührt. Der ständig wachsende Automobilverkehr verlangt gute Straßen, und Straßen können in den regenreichen Tropengebieten nur durch dauernde Menschenarbeit in gutem Zustand erhalten werden. Darum lassen die Franzosen in ihrem Mandatsgebiet die Bevölkerung nach Möglichkeit an die großen Straßen ziehen, und eine Umsiedlung vieler tausend Menschen aus entlegenen Dörfern an bie breiten Verkehrsadern hat in ben letzten Jahren statt- gefunben unb geht noch immer weiter vor sich. So kommt es, baß man auf weite Strecken durch Kleinsiedlungen fährt, bie zu beiden Seiten ber Fahrstraße gelegen sind, wo Bananen. Kakao und fiaffeebäume regellos unb üppig wuchernd bie kleinen Hütten umgeben unb erst 100 Meter zurück sich die hohe grüne Mauer des schweigenden Urwaldes erhebt.

Ein Erinnerungsstück aus deutscher Zeit ist bie Eisenbahnanlage in Kamerun. Die Nordbahn, die von der Küste 160 Kilometer weit nach dem